Thüringer Rennsteiglauf 2015 – ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land…

|Thüringer Rennsteiglauf |Suppermarathon| Eisenach | 10. Mai 2015 |

Rennsteig_Logo

Die Anreise zur Ultra-Kultveranstaltung Deutschlands verläuft mit den normalen Problemen. Kurz vor der Abfahrt muss noch schnell geklärt werden wer überhaupt mit welchem Auto fährt. Können uns darauf einigen, dass ich mit dem kleinen Corsa fahre, dadurch ändert sich das Abholprozedere, sodass Daniel nicht mehr zuerst mich, sondern ich ihn abholen muss. Gesagt getan gegen 10.40 Uhr startet die kurzfristig umdisponierte Anreise. Erst Daniel abholen, dann Luft der Reifen kontrollieren und ab zu Thorsten nach Gelsenkirchen. Thorsten war zwar eigentlich darauf eingestellt zwischen zehn und elf Uhr abgeholt zu werden, dass es fünf Minuten vor elf Uhr wird, hätte er sich eigentlich denken müssen – dennoch finde selbst ich diesen Umstand nicht so cool.

Naja, wat solls?! Thorsten ist schnell eingepackt. Von da geht es ab auf die 42, 45 dann rüber auf die 44 Richtung Kassel und auf direktem Wege nach Eisenach. Zwei kleinere Pausen eingelegt zum Rauchen und Beinevertreten – bei der einen borgt sich Jemand von uns den Wagenschlüssel, um seinen Reifen zu wechseln, was unsere Fahrtzeit um ca. 10 Minuten verlängert. Ansonsten auf der Hinfahrt nichts Erwähnenswertes bis auf zahlreiche unerwartete Steigungen auf dem Weg in den Osten, bei denen der doch überladene Corsa zu stehen scheint und zu krächzen beginnt.

Ankunft in der Wartburgstadt Eisenach…

Am Elisabeth-Gymnasium angekommen ein überraschender Anblick. Auf dem Parkplatz stehen um 14.45 Uhr erst fünf Wagen. Wir gehen in die Schule hinein. Im Eingangsbereich ist ein „Anmeldebüro“ provisorisch eingerichtet. Zu den 8€ Parkgebühren kommen 4 € pro Person für die Übernachtung hinzu. Da die Schule noch recht leer ist, haben wir nahezu freie Platzwahl. Wir entscheiden uns für die Mädchenumkleide was sich im weiteren Tagesverlauf noch zu einer amüsant-heiklen Situation entwickeln soll. Das Nachtlager ist schnell eingerichtet. Daniel und ich schieben jeweils zwei Bänke zusammen und legen darüber eine Turnmatte, die wir uns aus der Turnhalle besorgen. Thorsten entscheidet sich auf der Isomatte auf dem Boden zu schlafen.

Danach geht es weiter zum Meldebüro nach Eisenach-City, um die Startunterlagen abzuholen und Daniels Startplatz umzumelden. Das Meldebüro ist in einem renovierten Bürgersaal eingerichtet, der mit vielen Spiegeln und Wandornamenten geschmückt war. Alles klappt reibungslos. Wie Volker gesagt hatte, haben wir zunächst seine Startunterlagen abgeholt, um dann das Ganze wieder umzumelden, was sich hinterher allerdings als Mehrarbeit herausstellen sollte. Die 10€ Ummeldegebühren mussten wir auch nicht entrichten. In den Startunterlagen enthalten ist ein Stirnband von DYNAFIT, das noch zu einigen lustigen Flachsereien auf Grund seiner Optik anregen sollte.

Auf Luthers Spuren…

Anschließend ein wenig Sightseeing in Eisenach – auf Luthers Spuren, über den Markplatz hoch zur Wartburg. Der Aufstieg zur Wartburg ist schon mal ein kleiner Vorgeschmack von dem was uns beim anstehenden Rennsteiglauf erwarten wird. Es geht knackig steil nach oben, aber der Aufstieg hat sich durch die Aussicht mehr als gelohnt. Neben vielen schön renovierten Fachwerkhäusern, von denen keines dem anderen gleicht, geht es über den Luther-Weg mit vielen sehr alten Eichen vorbei an einer Eselstation, die aber leider nicht besetzt ist. Der Blick, der uns oben erwartet, ist zwar nicht vergleichbar mit dem endlosscheinenden Blick von einem Berggipfel ins Tal, aber die Weite des Thüringer Waldes ist durchaus beeindruckend – nichts außer grüner Hügeln mit Wald.

Oben an der Burg angekommen, gehen wir über eine massive Zugbrücke in die Burg. Schüler einer französischen Schulklasse säumen den Weg ins Innere. Ein schön verzierter Drachenbrunnen steht vor dem kleinen Souvenirlädchen. Wir gehen über den Burghof weiter in die Burg hinein, die hohen Mauern, der Mittelturm mit goldenem Kreuz und Deutschlandfahne sind kolossal. In der Mitte des Burgplatzes ein mit grünem Wasser gefüllter Burgweiher und Enten die auf einem Geländer in einer Reihe sitzen. Am Ende des Burghofs ein kleiner Kräutergarten, in dem sich Martin Luther vermutlich zu seiner Zeit das ein oder andere Zauberkraut gepflückt hat. Thorsten und ich gehen in den Souvenirladen und entscheiden uns spontan Postkarten zuschrieben. Daniel scheint zwischenzeitlich verschwunden zu sein. Als wir unseren Weg weiterfortführen, sehe ich ihn auf dem Aussichtsturm, der von Touristen gegen eine geringe Gebühr bestiegen werden kann. Da der Zugang nur mit einem einfachen und zudem unkontrollierten Drehkreuz gesichert ist, lassen wir uns die Chance nicht entgehen, um kostenfrei an ihm vorbeizukommen, wobei Thorsten sich krachend die Birne stößt. Über Holztreppen geht es nach oben auf die Aussichtsplattform, von wo aus das Thüringer Umland noch imposanter zur Geltung kommt.

Pasta-Party nach traditionell deutscher Art…

Alles in Allem hat sich der Ausflug mehr als gelohnt und auf dem Rückweg wartet ja die Kloßparty auf dem Marktplatz, um verbrauchte Energiereserven wieder zu füllen. Im Gegensatz zu den Standardveranstaltungen gibt es beim Rennsteiglauf nämlich nicht die überall durchgeführte 0815-Pastaparty. Beim Rennsteiglauf kommen Klöße, Rotkohl und Braten auf den Tisch. Dazu erlauben wir uns ein kühles, aber irgendwie doch gewöhnungsbedürftiges Köstritzer. Das Essen ist geschmacklich eher so Großküchen-Kantinenniveau – nix Tolles, aber trotzdem urig und originell, wie ich finde: Die Klöße sind relativ klein, der Rotkohl hat geschmacklich auch nicht viel zu bieten. Das einzig Gute zu Erwähnende war die Tatsache, dass die Essensausgabe meiner Bitte nicht so viel Soße auf den Teller zu packen, mit mehr Fleisch auszugleichen versucht. Das Köstritzer Schwarzbier hat sich geschmacklich dem Essen weitestgehend angepasst – leicht wässrig und absolut nicht mein Geschmack. Auch das zweite kann mich nicht überzeugen. Auf dem Rückweg zum Gymnasium erledigen wir beim REWE noch unsere Besorgungen für den Abend. Ich entscheide mich für Salzstangen, Milchbrötchen und 3 Flaschen Bier, Thorsten nimmt Rotebeetesaft, warum weiß ich auch nicht – vielleicht wegen unserer Biersession vor dem SwissAlpine in Davos?! 😀

Der Abend verläuft ruhig – bis auf die Fenster, die zum Schulhof ausgerichtet sind, der gegen Abend zum lärmenden Läufertreffpunkt wird, ist alles super. Die Nacht ist relativ kurz. Am Starttag klingelt uns der Wecker um 04.40 Uhr aus dem Bett. Das übliche Prozedere der Startvorbereitung: Laufklamotten anziehen, Schlaflager auflösen und mit dem bereitgestellten Transferbus zum Start auf den Marktplatz fahren.

Am Morgen auf dem Marktplatz…

Schon vor dem Start bei schattigen Temperaturen wird heißer Eistee verteilt, was ich dankend annehme. Vorher nochmal schnell irgendwo die Blase entleeren, aber einen Stilen Ort sucht man bei dem Trubel vergebens. Naja die Baustelle am Dom tut es auch. Wir treffen die bekannte Gesichter – kurzer Smaltalk und dann geht’s auch ab. Die Ruhe vor dem Sturm wird gestört von einem Hubschrauber der über dem Starterfeld kreist. Der Startschuss fällt die Masse setzt sich in Bewegung.

Vor dem Start überholt uns noch Bernd „das Brot“ und drängelt sich in die vorderen Reihen. Für mich eine zusätzliche Motivation bis zum Ende durchzuhalten und ihn möglichst auf der Strecke irgendwo und irgendwann zu überholen. Seitdem ich ihn beim P-Weg kurz vor dem Ende überholen konnte und er mich mit einem finalen Schlussspurt zurücküberholen wollte, es ihm aber nicht gelang, ist er zu meinem Ghost-Runner geworden, den es zu schlagen gilt. Die Strecke lädt auf Grund seiner vielen knackigen Anstieg und Singletrails, an denen es sich des Öfteren auch staut, oft zum Wandern ein. Daniel, Thorsten und ich laufen den Großteil des Rennstiegs zusammen. Erst 20 km vor dem Ende entscheide ich mich dazu aufgrund vermehrter WC-Pausen der Beiden dazu den Rest der Strecke alleine zu Ende zu laufen. Ob Thorstens und Daniels Gastrointestinalen Probleme vom gestrigen Rotkohl-Bier-Mix kommen, kann ich nicht sagen, vermutlich hat der Rotebeetesaft zumindest bei Thorsten auch seinen Anteil daran, ich bleibe zum Glück trotz Bierkonsums davon verschont.

Erst-Kontakt mit der DDR-Kulinarik Schleim…

Während des Laufes warten so einige kulinarische Besonderheiten auf den Läufer, die bei Nicht-Ultras vermutlich auf Unverständnis stoßen würden: Ein Novum an den VPs ist für mich auf jeden Fall der Haferschleim, der in mehreren Geschmacksrichtungen angeboten wird, aber wirklich damit anfreunden, das kann ich mich nicht. Das Zeug klebt, lässt sich nur schwer aus dem Becher kippen und schmiert alles voll. Dazu kommt die unangenehm schleimig-eklige Konsistenz. So in etwa stelle ich mir das Gefühl vor, wenn man… – naja lassen wir das an dieser Stelle und bleiben jugendfrei… Thorsten meint, dass das Zeug früher im Osten als Gelersatz verwendet wurde. Aus pragmatischen Gründen in jedem Fall nachvollziehbar – energiereich und leicht verträglich für den Magen und damit genau das Richtige für einen Ultramarathon.

Auch die Bockwurst bei Kilometer 38,5 ist ungewöhnlich und hinterläßt bei mir ein unwohles Bauchgefühl, entweder war mein Magen auf solch Deftigkeit nach der bisherigen Anstrengung nicht vorbereitet oder sie war einfach nicht mein Fall?! Komischerweise schmecken mir die Schmalzbrote mit Grieben und viel Salz überraschend gut. Die Vita-Cola wiederrum ist dann doch eher wieder nur gewöhnungsbedürftig.

Der Einlauf im Stadion in Schmiedefeld war aus der Retroperspektive betrachtet relativ unspektakulär. Der Stadionsprecher empfängt jeden Läufer mit seinem Namen, aber die Masse, die nur den Halbmarathon läuft, ist dann wenn die langsamen Ultras reinkommen schon wieder auf dem Weg nach Hause. Naja was soll es, ich hatte mein primäres Tagesziel mit dem Rennsteig-Finish erledigt, das Warten auf Daniel und Thorsten konnte beginnen. Thorsten kam keine 15 Minuten nach mir ins Ziel, Daniel ließ etwas länger auf sich warten. Im Ziel erzählt Thorsten mir, dass Bernd kurz vor ihm ins Ziel gekommen ist, weil er Bernds Namen aus dem Lautsprecher vernommen hatte, was ich zunächst erst gar nicht glauben konnte, weil ich davon ausgegangen bin, dass er vor mir gewesen ist. Na dann habe ich nach dem Finish auch das zweite Tagesziel erreicht.

Beim Umziehen auf der großen Wiese treffen wir noch Per, tauschen uns kurz aus, sind beide der Meinung, dass der Supermarathon beim Rennsteiglauf eine Veranstaltung ist, die man unbedingt auch öfters als nur einmal laufen kann. Daniel lässt erst auf sich warten und dann ist er nach dem Umziehen auch noch verschwunden. Wir finden ihn im Massage-Container – er lässt es sich nach seinem ersten Ultramarathon gut gehen. Danach holen wir unser Finisher-Shirts ab und ich schnorre mir noch schnell von einem Musikgruppenmitglied eine Zigarette, bevor es mit dem Bus zurück nach Eisenach zum Elisabeth-Gymnasium geht.

Der Rücktransfer nach Eisenach zieht sich in die Länge. Erst verpassen wir den ersten Bus, müssen dann so lange warten bis der nächste Bus wieder voll ist und dann auch noch ein schwerer Unfall auf der Autobahn, der dazu führt, dass wir knapp eine Stunde auf der Bahn stehen. Naja zum Glück sind es zurück ins Ruhgebiet ja nur knapp 350 Kilometer. Ankunft zu Hause, nachdem ich Daniel und Thorsten jeweils zu Hause abgeladen habe, erst um 1.05 Uhr.



Rennsteig-Lied:

„Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land, den Beutel auf dem Rücken, die Klampfe in der Hand. Ich bin ein lustger Wandersmann, so völlig unbeschwert, mein Lied erklingt durch Busch und Tann, das jeder gerne hört.

Diesen Weg auf den Höhen bin ich oft gegangen Vöglein sangen Lieder. Bin ich weit in der Welt, habe ich verlangen, Thüringer Wald nur nach Dir.

Durch Buchen, Fichten, Tannen so schreit ich in den Tag, begegne vielen Freunden, sie sind von meinem Schlag. Ich jodle lustig in das Tal, das Echo bringt’s zurück. Den Rennsteig gibt’s ja nur einmal und nur ein Wanderglück.

Diesen Weg auf den Höhen bin ich oft gegangen Vöglein sangen Lieder.Bin ich weit in der Welt, habe ich verlangen, Thüringer Wald nur nach Dir.

An silber klaren Bächen sich manches Mühlrad dreht, da rast ich wenn die Sonne so glutrot untergeht.Ich bleib, so lang es mir gefällt und ruf es allen zu: Am schönsten Plätzchen dieser Welt, da find ich meine Ruh.

Diesen Weg auf den Höhen bin ich oft gegangen Vöglein sangen Lieder. Bin ich weit in der Welt, habe ich verlangen, Thüringer Wald nur nach Dir.“


In dem Sinne keep on RUNNING und Rock ’n‘ Roll

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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