RWE Marathon – der Morgen nach Kona…

Am 11.10.2015: Nur halb so schnell wie Frodo in Hawaii…

Unbenannt

Nach 3h Schlaf klingelt der Wecker. Nach dem nächtlichen Kona-Ironman komme ich nur schleppend in Gang. Papa ist nach seiner Nachschicht auch noch wach und Mama kümmert sich um die kleine Prinzessin. Ich stelle mich erst einmal unter die Dusche, um meine Lebensgeister zu wecken, schließlich warten gleich 42 herrliche km auf mich, die es zu bezwingen gilt. Draußen scheint es kalt zu sein, was sich spätestens dadurch bestätigte, dass ich die Scheiben am Auto freikratzen musste. Dennoch prophezeit sich schon jetzt, dass es wetttertechnisch ein Tag wie aus dem Bilderbuch werden wird. Der Navi funktioniert diesmal auch ohne Murren, nur die Aktualität der Software lässt zu Wünschen übrig. Ein Parkplatz ist schnell gefunden, die unzähligen Fahrzeuge rechts wie links am Straßenrand säumen mir den Weg zum Spektakel. Es vollzieht sich das altbekannte und oft wiederholte Vorgehen. Startunterlagen abholen, umziehen, Klamotten verstauen und bei der Kleiderbeutellagerung hinterlegen.

Bei der Unterlagenabholung will man mir einen Leihchip für 30€ andrehen, was ich entschieden verneinte, weil ich einen Chip nicht erst seit gestern mein Eigen nennen darf. Das Problemchen ist schnell geklärt. Mit den Startunterlagen begebe ich mich in Richtung Kleiderbeuteldepot. Auf einer Bank in der Sonne an der Fregattenstrecke bereite ich mich auf den Wettkampf vor. Vier Personen, die an der Staffel teilnehmen, entdecken auch den raren und optimalen Platz an der Sonne. Man kommt ins Gespräch. Eine sichtlich innerlich aufgeregte Person spricht mich an, ob ich wüsste wo der Chip zu befestigen sei. Sie sucht vermehrt das Gespräch, erzählt mir, dass sie gerne mal eine Halbdistanz absolvieren möchte, aber nicht weiß, ob sie dafür schon bereit ist. Trotz offenkundiger Sympathie, die zu herrschen scheint, bleibt es bei einer netten Unterhaltung. Beim Start treffen sich unsere Blicke erneut. Wir lächeln uns an, kurz danach knallt auch schon der Startschuss.

Meine heutige Strategie sollte es eigentlich sein sich an den 4:45-Ballon zu orientieren, aber das ging bis km 7 gut. Danach lief ich zunächst auf den 4:30- dann zum 4:15-Ballon auf, dem ich dann bis km 25 gut folgen konnte. Es war ein angenehmes Tempo in einer tollen Kulisse. Die Streckenbeschaffenheit durchweg asphaltiert, links der Baldeney-See, der sich nach und nach mit Aktion füllte. Aus der Retroperspektive kann ich mich noch ganz genau an das Segelboot erinnern. Der Segler muss irgendwas falsch gemacht haben, weil das kleine Segel durch den doch starken und vor allem kalten Wind immer wieder gegen Mast geschlagen wurde. In den Momenten war ich vollständig abgelenkt. Meine Aufmerksamkeit war external-weit. Ich lief aber merkte es nicht. Eine ähnliche Situation handelte von einem 8er-Ruderboot, dass ich eine Weile bewunderte und meine Gedanken vom Laufen nahmen, meine Aufmerksamkeit kann wieder als external-weit beschrieben werden. Bis km 25 in etwa wechselte meine Aufmerksamkeit immer wieder zwischen internal-eng und external-weit. Ich hörte in meinen Körper hinein, kontrollierte meine Atmung, wie ich die Füße aufsetze und wie die Arme bewege. Spürte meine Muskeln, verglich mich mit den anderen Athleten in meiner Umgebung – die ersten 25km flossen in einem Guss dahin. An den VPs verlor ich trotz regelmäßiger Flüssigkeitsaufnahme (Cola/ Iso) keine Zeit. Das Tempo währenddessen wurde nur wenig gedrosselt, aber es war auch noch kein Problem.

Danach kam belastungsbedingt ein Riss der Harmonie. Meine Gedanken kreisten „nur“ noch um die noch zu laufende Strecke, um das Tempo, das ich laufen muss, um die oder die Zielzeit die ich als Spontanziel zu erreichen versuchte. Mit der ersten Gehpause, die ich dann irgendwann einlegte, kippte die Situation in den schon oft erlebten Rhythmus, der Walk & Go-Modus war erreicht. Ich schleppte mich von VP zu VP, versuchte zwar meine Gedanken zu zügeln, was über weite Strecken erfolglos blieb. Es gab Phasen, in denen es besser klappte, in denen ich mal 2km durchlaufen konnte, aber nach und nach waren sowohl der kognitive als auch die körperliche Zenit überschritten. Der entspannte Blick in die Ferne, die external-weite Aufmerksamkeitsführung wich einer internal-engen. In den nächsten Rennen werde ich die Aufmerksamkeitsführung versuchen weiter zu beobachten, und diese in eine optimalere Richtung zu verschieben.

Nachdem der Lauf erfolgreich (Erfolg ist ja bekanntlich abhängig von der Definition) beendet war, überraschte mich Thorstens Anwesenheit. Thorsten war samt Familie auf sonntägigem Ausflug und statte mir spontan einen Besuch ab. Wir scherzten und als ich ihm vom Rennverlauf erzählte, mussten wir beide lachen. Wie oft hatten wir in der Vergangenheit darüber gesprochen. Bei unzähligen Rennen neige ich dazu meinen vorher aufgestellten Matchplan auf den Kopf zu stellen. In den meisten Fällen zahle ich die Zeche dann immer am Ende des Rennens. Diesmal zumindest ist die Zielzeit noch einigermaßen ok gewesen: 4:30:36h – ich bin zufrieden, auch wenn die 37s schneller wohl noch drin gewesen wären… J Und den Trainingseffekt für den Röntgen100 hat es gehabt.

Resumee: Der gestrige IRONMAN-Marathon liess mich auf den Gedanken kommen, inwiefern eine am Fernsehen miterlebte positive Leistung, wie es Frodos Sieg darstellt, das eigene Rennen beeinflusst. Unterm Strich war es ein super Tag, das Wetter genial, der Wettkampf an sich auch super, Zielzeit von 4:45h um 15min unterboten, die Kulisse – es gibt schlechtere Tage. Für den 100er in 2 Wochen bin ich gut aufgestellt, obwohl ich mich dann auf jeden Fall an meinen Matchplan halten sollte.

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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