Duisburg-Marathon 2013

Am 09.06.2013: Rhein-Ruhr-Marathon

Und täglich grüßt das Murmeltier – Pacing ist für mich ein Fremdwort?!

Unbenannt

Ein Monat nach dem Marathon in Gelsenkirchen und der verpassten Chance meine PB auf sub4h zuschrauben, bietet mir Thorsten an beim Duisburg-Marathon an den Start zu gehen. Da sein Arbeitgeber IMMEO Wohnungen in Duisburg hat, würden die anfallenden Startgebühren übernommen werden. Gesagt getan und innerhalb von einem Monat stehe ich schon wieder an der Startlinie eines Marathons, dabei war ich doch immer der Meinung man kann nicht zu direkt hintereinander Marathons laufen, Regenerationszeit ist zu kurz, die orthopädische Belastung zu hoch. Wie auch immer ab diesem Zeitpunkt entdeckte ich die Leidenschaft für das Laufen endgültig wieder für mich.

Die ersten Kilometer gestalteten sich problemlos, fest mit dem Ziel vor Augen diesmal meine PB die magischen 4:00h zu unterbieten. Mit Mama, Oma und Walter nach Duisburg gefahren, weil Markus mit seiner Band an der Strecke spielte. Wie immer die erste Hälfte viel zu schnell angegangen und bei Kilometer 19 musste ich dann den Preis des falsch eingeteilten Rennens bezahlen. Anstieg zur Brücke über den Rhein – ein mega Ausblick und die komische Vorahnung irgendwie war das bis jetzt anstrengender als erhofft. Keine 20 Minuten später merkte ich den begangenen Fehler und musste meine Zielträume schon recht früh begraben. Thorsten war die Sache langsamer angegangen und überholte mich alsbald bis zum Halbmarathon – „Meiti du Idiot – ich habe dir doch gesagt mach langsam!!!“, darf ich mir anhören. Er schleppt mich noch mit bis zur Verpflegung und rät mir dazu zwei Becher mit Iso zu trinken und dann mit langsameren Tempo versuchen bis zum Ziel weiter zulaufen. Aber leichter gesagt als getan, es geht einfach nicht, das Ziel unter 4h zu bleiben begräbt sich innerlich so langsam und ich stelle mich auf eine harte zweite Marathonhälfte ein. Ich kann Thorsten nicht mehr folgen und sag ihm, dass er vorlaufen soll, was er auch tut. Nach einer Weile verschwindet er in der Ferne aus meinem Blick. Ich male mir schon aus, was ich mir im Ziel von ihm anhören darf, wenn er mir meinen wiederbegangenen Anfängerfehler mit Genugtuung unter die Nase reiben wird.

Ich quäle mich zurück in ein gleichmäßiges Tempo und ärgere mich über mich selbst. In meinem gedanklichen Ärger dann das Unerwartete – die Überraschung. Da vorne läuft doch einer, der das gleiche T-Shirt an hat wie Thorsten und auch der Laufstil ist zum Verwechseln ähnlich. Die Person kommt immer näher und zu meiner Überraschung stelle ich fest, es ist Thorsten. Ihn hat mittlerweile auch der Mann mit dem Hammer eingeholt. Ich verspüre ein wenig Erleichterung, weil geteiltes Leid ja bekanntlich halbes Leid ist. In einem gemütlichen Stopp-and-Go-Modus geht es über die 30km-Marke. Wir finden uns in einem gemächlichen Tempo wieder bis Thorsten mir signalisiert, dass er bedingt durch die heißen Temperaturen und den damit hohen Schweißverlusten noch eine Gang runter schalten muss. Ich wünsche ihm weiterhin viel Spaß und laufe alleine vor in Erwartung von ihm wieder eingeholt zu werden, was allerdings bis ins Ziel nicht mehr passieren sollte.

Mein langsames Tempo das unterbrochen wird mit gelegentlichen Gehpausen bringt mich Schritt für Schritt näher zum Ziel – na toll, das wird diesmal nichts, auch meine letzten Hoffnungen schwinden. Naja jetzt heißt das neue Ziel ankommen, kostet was es wolle. Bei Kilometer 33 steht Markus mit seiner Band, alle begrüßt, Fotos gemacht und mir von Markus das Powerbar-Gel geben lassen, was ich ihn vorher gegeben hatte. Ich schleppe mich irgendwie bis zum Ziel, die letzten Meter sind mehr Kampf und Krampf als Genuss, aber irgendwann ist auch dieser Leidensweg zu Ende. Kurz vor dem Stadion treffe ich meinen Onkel Erwin, ich heule mich ein wenig bei ihm aus, wir quatschen gute 13 Minuten bis ich in der Ferne Thorsten sehe – wir laufen zusammen ins Wedau-Stadion ein und sind froh diese Tour gemeinsam gemeistert zu haben – endlich das lang ersehnte Ziel.

Wir lassen uns die Medaille um den Hals hängen und entdecken auf der Tribüne Ali. Die beiden anderen IMMEO-Starter ein Ehepaar, die sich während des Laufs auch getrennt hatten, während der Mann schon lange im Ziel auf seine Frau wartete, kamen wir vor ihr ins Ziel, aufgrund der gleichen Shirts kam er auch direkt zu uns, sagte uns, dass seine Frau auch alsbald reinkommen sollte, was Sie keine 10 Minuten später auch tat. Wir mobilisierten unsere Kräfte und rannten zu ihr rüber als sie ins Stadion einlief, und begleiteten sie auf der Stadionrunde und überquerten mit 4 IMMEO-Maikäfer-Shirts die Zielgrade. Geschafft aber stolz und mit voller Freude holten wir unser verdientes After-Race-Erdinger und setzen uns auf den von der Sonne gewärmten Boden nach dem wir uns noch das Eventshirt mit der Marke an der Startnummer abgeholt hatten – was ein Tag?!

Die angestrebte Zeit von unter 4h war angesichts einer verbesserungswürdigen Renntaktik und einer vielleicht zu kurzen Regenerationsphase nicht umsetzen. Dennoch war keine allzu große Enttäuschung zu verspüren. In mir reift eher der innerliche Wunsch und der Ehrgeiz diese Grenze in nächster Zeit irgendwann zu zerlegen. Allerdings ist der nächste Lauf schon gebucht. Der Zugspitzextremlauf in Kombination mit Kletterei und Abstecher in die Schweiz nach St. Gallen zu Serap stehen auf der to-Do-Liste an erster Stelle und wollen im Juli eliminiert werden.

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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Eine Antwort zu Duisburg-Marathon 2013

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