Ein schweißtreibendes Erlebnis als Running-Bottle beim Metro Group Marathon in Düsseldorf 2015

26.04.2015 – als Kostümläufer bei einem Marathon

Unbenannt

Heute Morgen mache ich mich zusammen mit Daniel und Thorsten auf den Weg in Richtung Düsseldorf. Der erste Marathon des Jahres will gelaufen werden. Das Laufjahr 2015 beginnt also recht schleppend spät und es mangelt vor allem an der Motivation. Im Vergleich zum letzten Jahr hinken wir um einige Wettkämpfe hinterher. 2014 hatten wir bis Ende April schon 2 Marathons und 2 Ultras in den Beinen. Naja ein Anfang ist ja zumindest schon mal gemacht. Um den veranstaltungsbedingten Strassensperrungen zu entgehen und anfallende Parkkosten zu sparen, stellen wir das Auto etwas ausserhalb von der City ab und fahren mit der Strassenbahn in die Nähe des Starts. Dass wir in der Nähe des Starts waren stimmte wohl auch, da wir die Startunterlagen aber nicht am Start sondern im Athletendorf abzuholen hatte, waren wir irgendwie trotzdem falsch. Die Startunterlagenausgabewar im Nachzielbereich, das gefühlt 5km entfernt liegt (nach Grmin genau 3,7km) also noch ein ganzes Stück entfert ist. Deshalb geraten wir auch mal wieder in Zeitnot. Immer dieser Stress vor dem Start – andere Leute scheitern an den Cut-off-Zeiten, unsere Challenge beginnt meist schon vor dem Start oder sogar auf der Hinfahrt?!

Im Athletendorf angekommen holen wir schnell die Startunterlagen ab und geben unsere Kleiderbeutel am Stand daneben ab. Ich hole noch den Zusatzbalast für mein heutiges Marathon-Spezial vom Erdingerstand ab. Zunächst weiss niemand bescheid, ein kurzes Telefonat des Teamleiters und er gibt mir endlich das noch übriggebliebene Glas über die Theke. Eigentlich habe ich auf die Flasche spekuliert, aber ob Glas oder Flasche ist letztendlich auch egal. Die offsichtlich belustigten Mitarbeiter, die gerade dabei sind den Erdinger-Stand vorzubereiteten, erkundigen sich interessiert, wie weit ich denn damit freiwillig laufen möchte. Als ich antworte “ ja, den Marathon, ne“, kommt ein wenig ungläubig und erschrocken die nächste Frage „Halbmarathon, oder was meinst du?“. „Nö, eigentlich habe ich geplant die kompletten 42,195 Kilometer damit zu laufen“, antworte ich stolz. Sie gucken mich total entgeistert an und wünschen mir einem mitleidenden Gesichtausdruck sehr viel Spass und Erfolg bei meinem Vorhaben. Die Zeit wird knapp, wir hetzen weiter Richtung Start, den wir nur wenige Minuten nach dem Startschuss, also für unsere Verhältnisse fast noch pünktlich erreichen. Schon auf dem Weg zum Start dämmert es mit. Auf was haben ich mich da eingelassen habe?!

Die ersten 10 Kilometer sind schon lang und länger. Das kann doch gar nicht sein, aber meine Garmin bestätigt mir die Richtigkeit der Kilometerangabe. Wie soll das weitergehen, ich bin jetzt fast schon am Ende. Laufen mit dem Kostüm ist anstrengender als gedacht und verhält sich irgendwie widerspenstig, weil es permanent wackelt. Das Kostüm enthält zwar einen Fixiergurt vergleichbar mit den Gurten eines Rucksacks, aber wirklich praktisch ist er nicht. Dazu kommt ein eingeschränktes Sichtfeld und die Wärme, die sich darunter staut, wodurch die Luft zum Atmen gleich mehrmals ein und ausatmet werden darf. Als das Athletendorf in Sichweite kommt,spiele kurz mit dem Gedanken das Ding wieder zurückzubringen, ich entscheide mich aber weiterzulaufen. Mit Thorsten und Daniel mitzuhalten ist mit Last auf den Schultern echt anspruchsvoll. Ich gerate zunehmend ausser Atem und habe zunehmend Schwierigkeiten ihrer Pace zu folgen. Zum Glück hatte Thorsten mir schon auf dem Hinweg im Auto angeboten, das Kostüm für einge Kilometer zu übernehmen. Bei Halbmarathon dann die geplante Übernahme – ich bin völligst durchgeschwitzt und fühle mich als hätte ich das Ende schon überschritten. Und dabei warten noch weitere 21km auf mich.

Ich muss kurz stehen bleiben und verschnaufen, ein schönes Denkmal bietet dazu eine super Gelegenheit. Noch ein schnell ein Foto von mir uns meinem erzwungenem Lächeln machen lassen und weiter geht es. Danach kommen die befreitesten Kilometer, die ich je gelaufen bin. Ich habe frische Luft zum Atmen, kann meine Schultern entspannen. Doch Thorsten ist verschwunden und ich schaffe es trotz neu erlangter Freiheit nicht ihn wieder einzuholen. Ein wenig Schadenfreude gepaart mit einem Hauch schlechtem Gewissens macht sich in mir breit. Als ich mich an den Gedanken gewöhnt hatte, so frei die letzten 21 km laufen zu können, kommt die Ernüchterung. Nach roundabout 5 Kilomtern sehe ich am Wegesrand 2 Sanitäter mit meinem Laufkostüm stehen. „Bist du Christian? Hier für dich, hat uns dein Kumpel da gelassen“. Na toll, ich stülpe mir den schon längst lästiggewordenen Balast über und setze den Weg zur Ziellinie fort.

Nachdem ich mich innerlich selbst bemitleidet habe und mich mit dem Gedanken angefreundet hatte, dass es kein Zurück gibt, läuft es eigentlich relativ rund. Ich war im reinen mit der momentanen Situation und ich wusste dass es so lange auch nicht mehr dauern würde. Akzeptiere, was du nicht ändern kannst. Bei Kilometer 32 treffe ich dann auch noch Daniel wieder, der sich eher spontan und ohne Training für seinen Start entschieden hatte. Im entspannten Stopp-and-Go geht es gemeinsam auf die letzten 10 km. Noch knapp unter 5h sind wir endlich Ziel. Ich bin leicht genervt und viel erschöpfter als gedacht, aber auch zufreiden und dankbar für das Erlebte. Jetzt noch so schnell wie möglich das üble Kostüm los werden und den Rest des Sonntags geniessen. Auf mein Erdinger-Finisher-Bier verzichte ich, mir ist irgendwie die Lust daran vergangen. Und ich bin mir sicher auf die Idee mit dem Kostüm bringt mich so schnell niemand mehr!!!

Mein 19. Marathon verprach im Vergleich zu den bisherigen Läufen eine unter Umständen motivierende Besonderheit. Ich hatte mich nämlich beim Team Erdinger Alkoholfrei als Laufmaskottchen beworben und durfte beim Marathon in Düsseldorf als Erdinger-Botschafter das Promokostüm durch die Strassen tragen. Ich dachte mir vorher die 42 Kilometer mit dem Kostüm sollten ich doch schon irgendwie wuppen sein. Das ein Marathon dadruch nicht leichter wurde, war mir klar und habe ich auch bewusst in Kauf genommen. Aber dass es dermassen bremst und wenig Tragekomfort bietet, da hätte ich im Traum nicht dran geglaubt. Nicht das Gewicht war das Problem, sondern das hin und hergewackel des Kostüms, was meine Laufökonomie total negativ beeinflusst hat. Man versucht irgendwie das Glas zu fixieren, indem man es mit den Armen nach unten drückt. Dadurch schwingen die Arme nicht entspannt mit, sondern drücken das Kostum nach unten, wodurch die Druckkraft auf den Schultern lastet. Der Muskelkater und die Muskelverspannungen im oberen Schulterbereich am nächsten Tag waren auch was Spezielles für einen Marathon…

Naja unterm Strich eine anstrengende, aber saullustige Angelegenheit, auch wenn die erstaunten und amüsierten Leute gegen Ende schon ziemlich nervend waren – Foto hier Foto da. Alle mit lockeren Sprüchen und du selbst bist im Clinch mit dem Kostüm und dem inneren Ich, das dich wiederholt dazu rät das Kostum in die Ecke zu pfeffern. Die Mühen wurden mit einem Erdinger-Gutschein über 50€ entlohnt, was natürlich alles andere  als lohnend ist.  Ok, der Startplatz wurde auch von Erdinger übernommen, aber selbst für 120€ würde ich mir 2ml überlegen müssen, es nochmal zu machen. Das war aber auch zu keinem Zeitpunkt mein Beweggrund. Was definitiv in Erinnerung bleibt, ist die Erfahrung auch in kritischen Momenten auf die Zähne beissen zu können. Mentale Trainingseinheit für die 100 Kilomter beim Zugspitz-Ultratrail erfolgreich gemeistert…


In dem Sinne keep on RUNNING und Rock ’n‘ Roll

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Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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2 Antworten zu Ein schweißtreibendes Erlebnis als Running-Bottle beim Metro Group Marathon in Düsseldorf 2015

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