Amphibienschutz in Herne: It’s Karma-Time – Zeit Gutes zu tun. Wir bauen zum Schutz der heimischen Amphibien einen „Krötenzaun“

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Heute Morgen war es wieder an der Zeit sich in den Dienst der Natur zu stellen. Auch wenn die momentanen morgendlichen Temperaturen noch im Frostbereich liegen, kann es nicht mehr allzu lange dauern, bis sich die ersten Amphibien auf den Weg zu ihren Laichgebieten machen. Da es die modernen Erfordernisse der Infrastruktur nur bedingt erlauben auf Wanderwege von Kröten, Fröschen und Molchen Rücksicht zu nehmen, müssen engagierte Mitmenschen dafür Sorge tragen, dass der Tierverlust beim Überqueren von Straßen, die diese Wanderwege ohne Rücksicht durchziehen, möglichst überschaubar bleibt….

Bei einigen neueren Straßenbauvorhaben werden die Wanderrouten der Tiere mittlerweile berücksichtigt. Mit kostspieligen Amphibientunneln versucht man das Risiko bei der Straßenquerung für die Tiere einzudämmen. Aus Kostengründen sind diese Tunnel aber eher selten. Bei vielen Straßen, die die Wandergebiete der Tiere kreuzen, gibt es diese Tunnel nicht. An diesen Straßen werden saisonale Krötenzäune aufgebaut, die die Tiere zunächst vom lebensgefährlichen Überqueren der Straße abhalten sollen. Eine andere Möglichkeit sind Teilzeitsperrungen von Straßen in den Morgenstunden und zu Beginn der Dämmerung, wenn die Wanderaktivität der Tiere am höchsten ist.

Das Erfolgskonzept des Kötenzauns fußt auf einem temporär aufgebauten Zaun und den Personen, die den Zaun in der Folgezeit in regelmäßigen Abständen, im Normalfall zwei Mal am Tag, kontrollieren. Der Krötenzaun besteht aus insgesamt drei Komponenten: Einem grünen Kunststoffgeflecht, den Haken an dem der Zaun mit einer Leine befestigt wird und Eimern, die in regelmäßigen Abständen in den Boden eingesetzt sind. Zudem werden die Autofahrer mit zwei Hinweisschilder auf die „Krötenwanderung“ aufmerksam gemacht.

Wie funktioniert eigntlich ein Krötenschutzzaun?

Die Funktionsweise des Krötenzauns ist recht simpel: Erreicht ein Tier den Zaun, der eine künstliche Barriere darstellt, wird es auf seinem Weg zum Laichgebiet aufgehalten und vor dem gefährlichen Überqueren der Straße geschützt. Es versucht nach rechts oder links auszuweichen, um den Zaun zu umgehen und fällt dann in einen der platzierten Eimer. Von dort wird es von der für den Zaun zuständigen Person auf die andere Straßenseite gebracht, wo es seinen Weg zum Laichgebiet eigenständig fortführen kann. Auf diese Weise können zahlreiche Individuen gerettet und die Artenvielfalt bewahrt werden.

Wie im letzten Jahr haben Thorsten und Ich uns dazu entschlossen freiwillig für Kröten und Co aktiv zu werden. In Absprache mit Herrn Pawlicki vom Umweltamt der Stadt Herne einigten wir uns auf Freitag den 12. März für den Aufbau des Zauns. Um 13.00 Uhr brachte er uns das benötigte Material. Nach einem kurzen Austausch machten wir uns direkt an die Arbeit. Zunächst mussten wir uns einen Weg durch das Brombeerendickicht kämpfen, was uns auch relativ schadenfrei gelingt. Schwere Verletzungen konnten vermieden werden, dennoch können die Dornen der Brombeersträucher mit der Zeit äußerst lästig werden.

In den nächsten Arbeitsschritten mussten die drei Teile des grünen Kunststoffzauns entwirrt und ausgelegt werden, was sich als außerordentlich kompliziert erwies, weil der Zaun beim Abbau zum Einwintern suboptimal zusammengerollt wurde. In Abständen von ca. fünf Metern setzen wir jeweils einen Zaunhalterhering und befestigten den Zaun mit der Leine daran. Die Löcher für die Eimer sind teilweise noch vom letzten Jahr vorhanden, müssen allerdings vereinzelt nachgegraben werden, um die Eimer optimale einsetzen zu können. Damit die Amphibien in die Eimer fallen können, muss darauf geachtet werden, dass zwischen Eimer und Erde kein Freiraum bleibt und dass der Eimer bündig mit dem Boden abschließt.

Mittlerweile ist es 18.00 Uhr, die Sonne geht langsam unter und es wird frischer. Wir packen für Heute zusammen und trinken unser verdientes Feierabendbier. Beim Sitzen am Auto kommt ein Typ zu uns und zeigt uns seinen Ausweis. Er ist Phänomenologischer Beobachter und gleichzeitig Teichpate des angrenzenden Teiches, zu dem die Frösche, Kröten und Molche zum Laichen rüber wollen. Er erzählt uns ein wenig über das was er für den Umweltschutz macht und läßt uns seine Karte da. Thorsten und ich packen die Butzen zusammen und fahren zufrieden nach Hause. Rom ist ja bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut worden. Der Zaun steht für das Erste, allerdings müssen Morgen dann noch die abschließenden Feinarbeiten erledigt werden.

Am Samstag geht es weiter, die Liste der noch zu erledigenden Aufgaben steht. Der untere Teil des Zauns muss mit kleinen Erdheringen fixiert und dann mit Erde überschüttet werden, damit die Amphibien nicht unter dem Kunststoffgeflecht durchkrabbeln können. Die Erde dafür entnehmen wir dem Hang nahe der Brücke. Der Arbeitsschritt besteht darin, Eimer zu füllen und die Erde am Zaun entlang zielgenau auszuschütten und abschließend die lockere Erde festzutreten. Zu guter Letzt kommen in alle Eimer noch Äste, die den Tieren für den Fall, dass es mal regnen sollte und die Eimer volllaufen, als Rettungsinseln dienen und somit vor dem Ertrinken retten. An den Enden des bezaunten Straßenabschnittes befestigen wir dann noch die zwei Hinweisschilder, die die Autofahrer zur Vorsicht alarmieren sollen. Inwieweit der Hinweis auf die Krötenwanderung und der auf dem Schild abgebildete Frosch tatsächlich dazu führen, dass Autofahrer ihr Fahrverhalten ändern, kann ich nicht beurteilen, überzeugt bin ich davon jeden Falls nicht wirklich.

Nach zwei Tagen Arbeit mit zwei Personen im Freien bei relativ erträglichem Wetter ist der Aufbau des Krötenzauns abgeschlossen. Sobald die erste warm-nasse Wetterperiode kommt, müssen dann die täglichen Kontrollgänge beginnen, weil die Amphibien aus ihren Erdhöhlen erwachen und sich auf ihren Weg zu den Laichgebieten auf der anderen Straßenseite machen. Der erste Zaungast hat sich auch heute schon blicken lassen, allerdings kein direkt zu erwartender Gast, sondern eine kleine Spitzmaus, die zunächst hektisch am Zaun entlang läuft und dann bei ihrem Fluchtversuch in einen der Eimer plumpst. Der Zaun scheint auf jeden Fall zu funktionieren. Wir schenken ihr einige Meter weiterweg vom Zaun die Freiheit zurück.

Die Kontrollgänge entlang am Krötenzaun

8:00 Uhr, Samstag den 19. März

Heute Morgen beim Kontrollgang  (8:00 Uhr, Samstag den 19. März) ist es endlich soweit, der erste Molch in dieser Saison liegt in einem der eingegrabenen Eimer. Die Temperaturen der letzten Nacht waren erstmalig über 0°C geblieben und die Sonnenstrahlen vom Donnerstag haben anscheinend das Amphibienblut in Wallung gebracht. Das aktuelle Wetter ist für unsereins zwar wenig einladend, es ist stark bewölkt und nieselig bei fühlbar hoher Luftfeuchtigkeit, aber für die Lurche genau richtig.

8:50 Uhr, Sonntag den 20. März

Nix, nada, niente, nothing…

8:30 Uhr, Montag den 21. März: Rushhour am Krötenzaun

Mit gemischten Gefühlen mache ich mich heute Morgen auf meine kurze Laufrunden entlang am Krötenzaun. Gestern bin ich ja auch dran vorbei gelaufen, aber die Eimer waren alle samt leer. Die heutige Nacht war wieder frostfrei bei mäßigem Niederschlag. Die Chance auf Amphibien zu treffen stehen also gut. Als ich mir die Laufschuhe anziehe ein kleiner Schauer, aber kein Problem nach 5 Minuten ist der Schauer vorbei und ich im Laufmodus. Ich laufe am Tierheim vorbei hoch zur Erzbahntrasse. Auf der Erzbahntrasse hat wer mit roter Farbe ACHTUNG AMPHIBIENWANDERUNG getakt! Hm, wer war das denn. Bin mir sicher, dass der Schriftzug gestern da auf dem Weg noch nicht war, aber ich finde es cool. Schließlich müssen die Leute für so ein Thema sensibilisiert werden.

Mit gemütlicher Pace von 6 Minuten pro Kilometer laufe ich weiter Richtung Krötenzaun. Er liegt knapp 3,5 km von zu Hause entfernt. Ich überquere die Straße und gehe zum ersten Eimer, hmmm?! Er ist leer. Auch der zweite Eimer ist nur mit Laub gefüllt. Am dritten Eimer erblicke ich dann die erste Erdkröte. Sie sitzt regungslos in der Regenpfütze auf dem Eimerboden. Da ich keine Transportschale dabei habe, nehme direkt den ganzen Eimer mit und gehe den Zaun weiter entlang. Die nächsten Kröten lassen nicht lange auf sich warten. Neben Kröten befinden sich auch einige Teichmolche in den Eimern, sie versuchen am Rand des Eimers wieder hochzuklettern und sind auf dem ersten Blick nicht immer direkt zu erkennen. Am Ende des Zauns habe ich insgesamt 9 Erdkröten und 3 Teichmolche eingesammelt.Ein zufriedenes Gefühl beim Anblick des EImerinhalts – ein lohnendes Gefühl auf jeden Fall. Der KARMA-Couter steigt.

Beim Überqueren der Straße kommt mir ein Radfahrer entgegen, es ist Illmann, der auch einen Krötenzaun an einer anderen Straße betreut und mit dem wir im letzten Jahr unseren Krötenzaun zusammen aufgebaut hatten. Er erzählt mir, dass an seinem Zaun in Günnigfeld auch noch nicht wirklich viel los ist. Außerdem erzählt er, dass er noch eine alte Spraydose gefunden hat mit der er den Schriftzug auf der Trasse gesprüht hat. Ich wünsche ihm noch einen schönen Tag und bringe meine tierischen Passagiere rüber zum Teich auf der anderen Straßenseite, wo ich sie dann am Ufer freilasse. Die Erdkröten im Eimer geben vereinzelte Laute von sich, sind aber sonst relativ träge. Unter den Kröten ist ein dickes Weibchen, das noch direkt im Eimer von einem Krötenmann bestiegen wird. Als ich den Transporteimer zurückbringe, entdecke ich 2 weitere Teichmolche. Ich platziere den umfunktionierten Transporteimer wieder am Zaun und finde im Gebüsch einen weggeworfenen Coffe-to-go-Becher. Ich setze die beiden Molche in den Becher und gehe erneut rüber zum Teich. Die nächsten Tage werde ich noch aufmerksamer nach Molchen gucken, um mir den doppelten Weg sparen zu können. Alles in Allem ein ereignisreicher Kontrollgang. Ich freue mich auf die nächsten Tage…

Tagesausbeute: 9 (7.2.0) Erdkröten und 5 (2.3.0) Teichmolche

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In dem Sinne – keep on Running, Rock n‘ Roll & immer dran denken mit offenen Augen sieht man mehr!!!

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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