Holla die Waldfee – ein 111 km Ultramarathon ist kein Marathon: Rennbericht zum Bödefelder Hollenlauf 2016

Vorwort & Rückblick zum Hollenlauf 2014

Es war einmal der Hollenlauf im beschaulichen Bödefeld im Jahre 2014 als ich meinen allerersten Ultramarathon über 101 km laufen durfte. Die wettertechnischen Umstände, die damals mit durchgehendem Regen und aufgeweichten Wegen herrschten und bei mir zu gravierenden Fußsohlenschäden geführt haben, sind sicherlich mit ein Grund für meine fast schon traumatische Beziehung zu dieser Lauf- und Wanderveranstaltung. Die Veranstaltung ist mir als ein gut organisierter Landschaftslauf durch das schöne Sauerland mit seinem für Flachlandtiroler, wie ich es bin, doch recht anspruchsvollem Profil bleibend in Erinnerung geblieben. Deshalb war klar, das bedarf einer Wiederholung.

Nach meiner Hollen-Premiere ist die Veranstaltung im letzten Jahr aufgrund organisatorischer Probleme ausgefallen und in diesem Jahr findet er erstmals mit leicht modifiziertem Streckenangebot wieder statt. Bis auf minimale Streckenanpassungen ist alles, soweit ich das beurteilen kann, beim Altbewährten geblieben. Im Gegensatz zu 2014 wurde die lange Distanz von 101 km um satte 10 km auf 111 km verlängert. Zudem wurde bei dem als L111 bezeichneten Wettbewerb eine inoffizielle Cut-off Zeit eingeführt, die zwar nicht rigoros kontrolliert wird, aber dennoch als gutgemeinte Empfehlung anzusehen ist. Möchte man die 111km-Ulra-Strecke laufen, sollte man demnach den Kontrollpunkt Kühhude, der sich bei Kilometer 50 befindet, nach 6:30 Stunden erreicht haben. Es ist aber letztendlich dem Läufer selbst überlassen, ob er der Empfehlung folgt und auf die kürzere Strecke mit 75 km wechselt oder ob er auf der 111er verbleiben will.

Anfahrt mit Licht und Schatten

Die Nacht ist kurz, um 3:15 wirft mich mein Wecker aus dem Bett, schnell bin ich in die Laufklamotten geschlüpft, die ich wie immer schon am Vorabend rausgelegt hatte und dann ab ins Auto. Denn wenn ich eins bei der Bundeswehr gelernt habe dann neben unproduktivem Daseins das abendliche Einrichten des Alarmstuhls. Der Vorteil dieser frühen Tageszeit ist, dass man nicht groß nachdenkt sondern einfach nur funktioniert, deshlab sind auch die vorabendlichen Vorbereitungen wichtig. Zudem sind die Straßen fast komplett leer, ok die Gefahr auf besoffene Geisterfahrer zu treffen mag erhöht sein, aber selbst die scheinen schon im Bett zu liegen.

Nach dem Aufstehen wartet auf mich sofort die nächste Herausforderung des noch frühen Tages. Als ich am Vorabend gemerkt hatte, dass das Netzteil vom Navi bei meinem Bruder im Auto liegt und erfahren musste, dass ein Navi ohne Strom nicht arbeitet, muss ich mir was anderes überlegen. Zum Glück sind wir im Zeitalter des Internets. Ich füttere Google-Maps mit meinen Daten und drucke mir den Weg auf DinA4 aus.

Der Austragungsort Bödefeld ist ein Ortsteil der Stadt Schmallenberg im Hochsauerlandkreis mit knapp 1200 Einwohnern. Mit seinen 303 Quadratkilometern ist Schmallenberg die flächengrößte Stadt Nordrhein-Westfalens und befindet sich damit sogar im oberen Drittel (21.) der Top100 der flächengrößten Städte Deutschlands. Die Fahrt über die Autobahnen verläuft überraschend reibungslos – zuerst auf die A40, weiter auf der B1 durch Dortmund – dann rüber auf die A44 – am Kreuz-Werl auf die A445 Richtung Arnsberg/ Brilon, weiter auf der A46, dann Ausfahrt Ernste Richtung Ernste und dann Richtung Meschede und das alles mit Zetteln in der Hand, hatte ich mir vorher komplizierter vorgestellt, aber man sollte ja bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben, die restlichen 18 Kilometer gehen schließlich über die Dörfer, was die Zettel-Navigation nicht vereinfacht.

Und dann passiert es…

In der Morgendämmerung kommen mir aus geschätzt 800 Metern zwei Fahrzeuge entgegen – soweit nichts Außergewöhnliches auch im Sauerland soll es motorisierte Menschen geben, aber genau in dem Moment springt ein Reh oder dergleichen auf die Fahrbahn. Oh nein, zum Glück für mich bleibt es auf der Gegenfahrbahn stehen und springt nicht rüber auf meine Fahrbahnseite. Der erste Fahrer erwischt das offenbar vom Lichtkegel der Scheinwerfer irritierte Tier mit dem Kotflügel vorne links und katapultiert das Tier dermaßen weg, dass es sich in der Luft mehrmals um die eigene Achse dreht und genau hinter dem Fahrzeug mittig auf der Fahrbahn zum Erliegen kommt. Der Fahrer des hinterherfahrenden Wagens kann nicht rechtzeitig reagieren beziehungsweise reagiert genau richtig, indem er mittig über den leblosen Tierkadaver fährt – etliche Teile vom Scheinwerfer und Frontschürze fliegen auf die Straße, untermalt wird der zweite Crash von einem dumpfen Rumpeln. Also Gedanken um das Tier muss sich nach der Doppelkollision wohl keiner mehr machen. Ich bremse kurz ab, sehe dann aber dass beide Fahrer aus ihren Autos aussteigen und auch das Warnlicht aufleuchtet. Ich setze im Rückwärtsgang kurz zurück und frage ob soweit alles gut ist und setze meine Fahrt noch viel vorsichtiger als schon zuvor fort.

Da wäre das Rennen für mich beinahe schon vor dem Start gelaufen gewesen – dabei hatte mit der Anfahrt trotz fehlenden Navis alles beeindruckend gut geklappt. Am Ende der Fahrt stehen 117 Kilometer auf meinem Tacho, genau wie Google vorausgesagt hatte.

Vorstartphase mit Warm-up…

Um 5:15 stehe ich dann auch endlich auf einem Parkplatz im dörflichen Bödefeld – obwohl die Bezeichnung Parkplatz vielleicht ein wenig übertrieben ist, es ist vielmehr eine gemähte Wiese außerhalb des Stadtkerns und dazu relativ weit weg vom Start. Aber genau zum Start muss ich, genau genommen zum Mutter-Theresa-Platz, weil ich mich da nämlich in der Schule nachmelden muss, da die Online-Anmelde-Phase bei meinem endgültigen Teilnahmeentschluss schon geschlossen war. Der Platz liegt knapp 1,3 km von meinem unfreiwillig gewählten Parkplatz entfernt. Naja, was will man machen, wenn man von einem Helfer dorthin gelotst wird.

In der Ausschreibung auf der Homepage stand ausdrücklich, dass die Nachmeldung bis eine Stunde vor dem Start erfolgt. Der Start ist um 6:00 Uhr und nach meinem Fußweg ist es mittlerweile 5:25 Uhr – aber vor Ort sind alle super nett und hilfsbereit, sodass alles ohne Probleme klappt. Ich muss nur den Nachmeldezettel ausfüllen und die Startgebühren von 50 € bezahlen, und bekomme dann meine Startunterlagen ausgehändigt. Soweit so gut, da ich aber nicht wusste inwieweit die Möglichkeit besteht seine Klamotten für nach dem Lauf zu hinterlegen, habe ich sie natürlich erst einmal im Auto gelassen, was für mich bedeutete, dass ich erneut zum Auto laufen musste, um mich final umzuziehen, um dann natürlich auch wieder zurück zum Start zu kommen – also unter dem Strich hatte ich schon vor dem regulären Start 3 x 1,3 km also knapp 4 Kilometer in den Beinen, die dazu noch ordentlich mit Steigungen gespickt waren, aber das war nur ein kleiner Vorgeschmack von dem, was mich gleich im Rennen erwarten sollte.

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Der Wettkampf mit mir & den Gegebenheiten beginnt

Der Start erfolgt recht unspektakulär, was auch daran liegt, dass ich erst mit dem Startschuss im Starterfeld ankomme. Vom Briefing bekomme ich kein Wort mit, aber was soll es. Ich treffe Andreas, der vor 2 Jahren den Doppelten-Hermanns-Lauf organisiert hatte – wie der Zufall es will, hatte ich genau das Finishershirt von dem Lauf an, was er natürlich sofort bemerkte und stolz seinen Laufkumpels präsentierte.

Die ersten 3 Kilometer verlaufen recht human durch das noch verschlafene Dorf. Es geht durch den Dorfkern rein ins Grün des Sauerlandes. Doch die Einlaufphase endet abrupt und ziemlich unsanft – der Hollenlauf beginnt mit den ersten knackigen Anstiegen und ich merke schon auf den ersten 5 Kilometern des Rennens, dass das heute kein Zuckerschlecken für mich werden wird. Vor allem irritiert mich meine Kurzatmigkeit, die ich unerklärlicherweise aufzuweisen habe – selbst im gemütlichen Aufstiegsmodus, der sich vom herkömmlichen Wandern nicht wesentlich unterscheidet, gerate ich schon außer Atem. Am Wetter kann es eigentlich nicht liegen, das ist wie bei Wetter.com prognostiziert trocken und angenehm kühl, aber wie soll es auch anders sein um 7 Uhr morgens in den schattigen Wäldern im Sauerland.

Nach den ersten fordernde Anstiegen, die mich recht rasch aus dem Laufschlummermodus gerissen hatten, kommt endlich wieder ein leicht abschüssiger und asphaltierter Weg, der sich fast wie von alleine läuft. Endlich wieder Zeit um meine Gedanken in der Umgebung zu verlieren – herrlich diese Weite. Nach knapp 10 Minuten dann die ernüchternde Einsicht  – sind nicht eben noch andere Läufer vor mir hergelaufen, so langsam war ich den letzten Kilometer doch eigentlich gar nicht unterwegs, dass sie mir hätten aus dem Blickfeld laufen können?! Und wo sind die Sicherheitsbänder, die bisher alle paar hundert Meter am Wegesrand hingen?! Oh NO so eine SCHEISSE – ich bin falsch. Und eins ist auch klar, wenn man vorher bergab gelaufen ist, geht es zurück bergauf – na toll und das passiert mir schon nach 10 Kilometern, wie sollen dann die restlichen 100 km erst werden?! Naja, der Fehler ist relativ schnell wieder revidiert und knapp 3 km mehr oder weniger machen den Braten bei den anvisierten 111 km eigentlich auf nicht fetter, oder doch?!

Und  dabei heißt es schon im Lied ‚Sauerland‘ einer Band der Neuen Deutschen Welle mit dem Namen Zoff von 1982: In Winterberg lebt ein Gartenzwerg, der ging sich in Züschen einen zischen. Er hat sich verlaufen nach Schmallenberg, das ist ganz schön weit für’n vollen Zwerg. Ich kannte zwar bis gestern nur den Refrain: „mein Herz schlägt für das Sauerland“, dass mir aber selbiges Schicksal einmal wiederfahren könnte wie diesem besungenen Gartenzwerg aus Winterberg, der sich in Züschen einen zischen war, da hätte ich natürlich im Traum nicht dran gedacht.

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Naja, was soll es – weitergeht es: Wir laufen an Schneeraupen vorbei, Skipisten hoch, hinauf auf den Kahlenasten mit seinem Astenturm, der mit 831 m NN als 3. höchster Berg des Rothaargebirges gleichzeitig auch der höchste Punkt der Strecke ist. Erschwerend zum anspruchsvollen Streckenprofil kommt hinzu, dass sich zum wiederholten Male mein Akku diesmal sogar nach gerade einmal 4 Stunden Laufzeit verabschiedet und die nur mäßig gesetzten Kilometerschilder, die es im Grunde eigentlich nur an den VPs gibt, in der Folgezeit nicht dazu ausreichen meine Motivation hochzuhalten, um mich maximal zu quälen.

Für die ersten 42 brauche ich sage & schreibe 5:20 Stunden. Zum rechtzeitigen Erreichen des Kontrollpunktes, der für Kilometer 49 angekündigt ist, bleiben mir 1:10, was einer Pace von 7min pro Kilometer entsprechen würde und normalerweise nicht der Rede wert ist, aber auf Grund meiner defizitären Motivationslage und dem fordernden Streckenprofil für mich in der Situation zur Herausforderung werden.

Point of Return – VP Kühhude (km 50)…

Nach 6:40 Stunden um 12:40 Uhr erreiche ich dann endlich die VP Kühhude bei Kilometer 50, also genau einen Kilometer weiter als eigentlich geplant, und muss eine Entscheidung treffen. Lauf ich weiter, um mich noch mindestens 8 weitere Stunden für die 111 km Distanz zu schinden oder drehe ich um und habe am Ende des Tages nur 75 km auf dem Tacho stehen. Die Entscheidung fällt mir absolut nicht leicht. Ich setze mich zunächst auf den freien Stuhl in der VP-Hütte, trinke mir eine heiße Boullion und fülle meine beiden Trinkflaschen auf. In die eine schütte ich Wasser zum Kühlen und in die andere Cola für den Energienachschub.

Während ich mit mir ringe, torkelt ein älterer Starter in die VP-Hütte. Ich sehe sofort, dass es ihm überhaupt nicht gut geht. Er ist blass und hat Schweißperlen auf der Stirn. Ich frage ihn, ob alles gut bei ihm ist, stehe auf und biete ihm meinen Stuhl an, den er auch dankend annimmt. Er erzählt mir und dem Helfer vom VP, dass er Kreislaufprobleme hat und mit dem Streckenprofil und vor allem mit den Temperaturen zu kämpfen hat. Auf Nachfragen gebe ich ihm einen Becher mit Apfelschorle und auch für eine heiße Boullion kann ich ihn begeistern. Während meines Gastro-Kurzeinsatzes hatte der Helfer medizinische Hilfe angefordert, die nicht weit vom VP entfernt positioniert und dadurch zeitnah vor Ort  war. Im Gespräch erzählt er mir, dass er an Parkinson erkrankt ist und er die Krankheit durch den Sport mehr oder weniger in den Griff bekommen hat. „Sport ist die beste Medizin“ gibt er mir mit auf den Weg. Ich wünsche ihm, dass er schnell wieder auf die Beine kommen soll und dass selbst mir als jungem Kerl das Wetter zu schaffen macht.

Danach begebe ich mich nach Draußen und geselle mich auf die Bank zu einem rauchenden Wanderer. Eine bessere Gelegenheit jetzt an Nikotin zu kommen gibt es nicht, ich schnorre mir bei ihm eine Zigarette. Während wir zusammen unsere Zigarette rauchen erzählte er mir, dass die Nacht mit dem Halbmond und den kühleren Temperaturen relativ angenehm zu laufen war, sich das aber mit den steigenden Temperaturen drastisch geändert hat.

Alea iacta est – die Würfel sind gefallen…

Nach der ausgiebigen Pause ist der Entschluss gefasst, ich knicke mir die 36-Zusatzkilometer Heute und genieß soweit es in meinem schon semi-demolierten Zustand überhaupt irgendwie noch möglich ist das Idyll des Sauerlandes auf den 25 Kilometern, die bis zum neuen Ziel noch vor mir liegen. Hatte ich bis dahin noch versucht die mäßigen Anstiege zügig zu marschieren, konnte ich mich selbst dazu nicht mehr motivieren und habe es noch einen Gang gemächlicher angehen lassen. In den Laufmodus habe ich nur noch geschaltet, wenn es wirklich stetig bergab ging. Nach kurzer Zeit lief ich dennoch auf ein älteres Ehepaar auf, die mich am Wendepunkt überholt hatten und denen dasselbe Schicksal ereilt hatte wie mich, nämlich unplanmäßig auf 75 km zu verkürzen. Wir liefen einige Kilometer zusammen und im regen Austausch näherten wir uns nach und nach dem Ziel.

Ab 15.30 kam dann der prognostizierte Wetterumschwung – Platzregen und Gewitter ohrenbetäubende Donnerschläge – der Weg ändert sich binnen Sekunden in ein reißendes Rinnsal und ich bin klitschnass. Ich fühlte mich an 2014 erinnert. Irgendwie hatte sich das Wetter auch meiner Seelenlage angepasst und es hatte zugleich auch eine reinigende Wirkung sowohl auf mich als auch auf die Umgebung. Die Luft kühlte spürbar ab und es war weniger drückend als zuvor.

Umschwung_Hollen

Nachdem ich mir den Frust über mich und die unvorhergesehene Verkürzung dann endgültig von der Seele gewandert hatte beziehungsweise vom Regen weggewaschen wurde, war ich irgendwie in der Lage Energiereserven freisetzen, um mit einer gefühlten Pace von sub6min/km die 4 km bis ins Ziel einlaufen zu können. Selbst die letzte Steigung hoch zum Mutter-Theresa-Platz an dem ich vor gut 11 Stunden gestartet bin, konnte mich nicht mehr stoppen. Nach dem Überlaufen der Ziellinie führte ein Steg auf eine Bühne auf der ein Moderator stand und mich den wenigen noch anwesenden Zuschauern und Sportlern ansagte. Nach einem aufmunternden Applaus bekam ich meine Medaille um den Hals gehangen und musste mich erst mal kurz hinsetzen und das ganze Geschehen Revue passieren lassen. Wirklich erklären konnte ich mir den „Ausfall“ nicht, aber es gibt anscheinend so Tage, da läuft es einfach nicht so rund, wie man sich das vorstellt.

Und man darf natürlich auch nicht vergessen, dass 111 km in keinem Fall mit einem Marathon zu vergleichen sind. Der Marathon ist ein kalkulierbares Unterfangen und nach maximal 5-6 Stunden vorbei, während die heiße Phase beim Abenteuer 100er erst an dem Punkt gerade anfängt. Für die erfolgreiche Bewältigung bedarf es eben nicht nur der physischen Bereitschaft sondern und vor allem sollte die psychische Komponente funktionieren. Und vor allem auf der mental-motivationalen Ebene haben sich bei mir heute unerwartete Defizite offenbart. Der Glaube allein versetzt noch lange keine Berge, dazu braucht es zusätzlich einen eisernen Willen und fähige Beine.


Fazit:

Für mein Selbstwertgefühl formuliere ich die Kausalattribution mal überwiegend external – ich versuche also die Gründe für mein „Scheitern“ in den äußeren Gegebenheiten zu finden – nicht ich bin Schuld, sondern die Anderen bzw. die Umstände:

Ich musste schon um 3 Uhr aufstehen, dann die Aufregung mit und auf der Hinfahrt, dann noch ohne ein Navi ins Sauerland aufbrechen, dazu extremes Wetter mit Temperaturen von 25-28°C, Gewitter- und Starkregenphasen, in Kombination mit den verteilten Höhenmetern und die 4 Kilometer vor dem Start wegen der suboptimalen Parkplatzlage plus die 3 Kilometer durch das Verlaufen und die mäßig gesetzten Kilometerschilder und-und-und. Dies alles mache ich mal ursächlich dafür, dass mir Heute meine Grenzen aufgezeigt wurden. Mir würden noch unzählige Gründe einfallen, aber die bisherigen sollen reichen. Naja eins muss ich mir wohl trotzdem eingestehen – die Schlacht ging vielleicht verloren, aber der Krieg ist noch lange nicht vorbei.

Und zum Glück ist mir das massive FUSSSOHLENMASSAKER von 2014 auch erspart geblieben – was sicherlich daran gelegen hat, dass ich 4 kurze Zwischenstopps eingelegt habe, um mir zeitnah die kleinen fiesen Steinchen aus den Schuhen zu entfernen, die einem sonst immer die Fußsohle so schmerzhaft perforieren würden. Mitentscheidend für meine relativ heilen Sohlen war natürlich auch die Tatsache, dass es in diesem Jahr nicht 14 Stunden sondern nur 2 geregnet hat.

Memo an mich: Vielleicht sollte ich für zukünftige Projekte mal über Garmaschen nachdenken? Und eine neue Laufuhr könnte motivational durchaus förderlich sein?!

Mindestens einen Vorteil hatte meine freiwillig-unfreiwillige Streckenreduktion dennoch: Zum einen konnte ich bei Tageslicht nach Hause fahren, was im Nachhinein auf jeden Fall ein Vorteil war  und ich konnte sogar rechtzeitig zum CL-Finale zu Hause auf der Couch sitzen, dass ich in der Halbzeit eingepennt bin, spielt hier keine Rolle. Mittlerweile sind die Tränen getrocknet und nach der anfänglichen Enttäuschung bin ich mittlerweile irgendwie doch mit den 75 km zufrieden. Nach der Medaille mit rubinrotem Stein von 2014 habe ich dieses Jahr eine mit einem smaragdgrünem Stein bekommen – passt auch eigentlich viel besser zu meiner grünen Badehose – nach dem Lauf ist vor dem Lauf – beim Nächsten passen die Umstände wieder besser für mich.

Und eine Ausrede noch zum Schluss: Eigentlich habe ich ja auch nur verkürzt, weil ich für Samstag wieder fit sein wollte, um da meinen Job als 5-Stunden-Pacemaker erfüllen zu können – so gesehen abgekürzt aufgrund meines ausgeprägten Pflichtbewusstseins… 😉


Die Medaille und allgemeine Infos zum Hollenlauf gibt es hier.


In dem Sinne keep on moving & Rock ‘n Roll

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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9 Antworten zu Holla die Waldfee – ein 111 km Ultramarathon ist kein Marathon: Rennbericht zum Bödefelder Hollenlauf 2016

  1. Jenne schreibt:

    Glückwunsch. Trotz allem ein tolles Erlebnis in schöner Landschaft. Und beruhigend zu wissen, das ich nicht der einzige rauchende Läufer bin 😀

    Gefällt 1 Person

    • SohlenRocker schreibt:

      Besten Dank!!! Was ich im Bericht gar nicht erwähnt habe: Ich habe sogar in der Alterklasse M35 [mit insgesamt 2 Startern!!!] den 1. Platz belegt… 😀
      Mit dem Rauchen ist halt leistungstechnisch schon kontraproduktiv, aber da bei mir der Spass im Vordergrund steht, lässt sich das aus der Leistungsperspektive verkraften!?

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