Vom Wetter verwettert – der Marathon der keiner werden sollte: Santander Marathon 2016 in Mönchengladbach

Santander_LogoChaotisch beschreibt die Anfahrt zum Borussen-Park am ehesten – bei 29°C und strahlendem Sonnenschein breche ich um 13:35 aus dem Ruhrgebiet auf in Richtung Niederrhein nach Mönchengladbach. Auf dem Hinweg gehen mir etliche Gedanken durch den Kopf – werde ich heute mit den äußeren Umständen besser zurechtkommen als noch letzte Woche beim Hollenlauf, wann und wie komme ich heute Abend nach Hause oder durch welche Stadtteile wird mich die Marathonstrecke führen, gibt es Starter, die 5.00 Stunden als Zielzeit haben, wenn ja wieviele mögen das sein und vor allem wie wird sich das Wetter im Verlaufe des Wettkampfes entwickeln, da bei Rock am Ring ja schon von wetterbedingten Zwischenfällen berichtet wurde…

Euphorisiert vom letzten Anfahrtserfolg ins Sauerland zum Hollenlauf hatte ich mich heute bewusst für eine navigationslose Anfahrt entschieden. Ok, Versuch macht klug und dauert in dem Fall einfach mehr Zeit und Nerven – zum Eifelmarathon werde ich wieder auf die altbewährte Technikunterstützung zurückgreifen. Aber zu guter Letzt als ich schon kurz vor dem niederländischen Roermond gewesen bin, finde ich doch noch auf den richtigen Weg. Bis dahin ist das Wetter durchaus  schön und erträglich, zumal die Temperaturen hier am Niederrhein deutlich weniger tropisch ausfallen – das Thermometer zeigt lediglich 20°C an – also einen um 10°C geringeren Wert als bei uns zu Hause im Pott. Und statt bewölkter Sonnenschein dominiert hier ein Grau in Grau den Horizont.

Kur vor dem Ziel noch ein unfreiwilliger Verfahrer – ich folge irrtümlicherweise dem roten Umleitungspunkt, der wie das Schild zwar aussagt mich zum Nordpark bringen soll, dem ich aber nicht hätte folgen dürfen, weil auf der Homepage noch ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass der Nordpark nur über MG-Holt zu erreichen ist. Und MG-Holt wäre eine Abfahrt nach der Umleitungsstrecke zu erreichen gewesen. Naja, wenn die Hitze im Auto nicht schon zu viele Gehirnzellproteine denaturiert hätte, hätte man sich sicherlich an die Information zurückerinnern können. Mein hitzebedingter Irrtum kostet mich knapp 15 Minuten, 16 Kilometer und vor allem jede Menge Nerven, weil es natürlich nicht bei der einen Wegabweichung bleibt.

Als ich dann von der Autobahn in Richtung Rheinauen/ Nordpark abfahre, offenbart sich mir, was das Grau am Horizont zu bedeuten hatte. Es fing biblisch an zu regnen – genau so muss sich Noah gefühlt haben als die Sintflut einsetzte – Starkregen vom aller Feinsten. Der Nordpark und die zugewiesenen Parkareas sind dank des optimalen Parkleitsystems und der trotz des Regens freundlichen humanen Wegweiser leicht gefunden. Das Starkregen-Problem dauert allerdings noch weiter an. Um 15:15 stehe ich endgültig auf meinem Parkplatz und bin klitschnass, obwohl ich nur den einen Parkplatzweiser gefragt hatte wo sich das Hockeystadion befindet. Am Hockeystadion war ich mit den anderen Pacern um 15:30 Uhr verabredet.

Da das Unwetter aber kein Einsehen mit meinem Termin hat und ausgiebig weiter unwettert,  bleibt mir nichts anderes übrig als den Pacemaker-Koordinator anzurufen, um ihm mitzuteilen, dass ich noch solange im Auto verharren werde bis sich der Regen gelegt hat. Er meint, dass das kein Problem ist, ich soll allerdings wenn es zu spät werden wird  direkt in den Startbereich zur Startunterlagenausgabe kommen, um vor dem Start schon mal „Kontakt zu den potentiellen 5h-Läufern aufzunehmen“.

Umziehen im großen Zelt am Hockeystadion

Gegen 15:25 lässt der Regen dann allmählich nach – Wege und Straßen konnten die Wasserfluten nicht sofort aufnehmen, weshalb das Wasser teilweise steht und für feuchte Füße sorgt. Zum Glück finde ich im Auto noch einen Regenschirm, der im Grunde nicht viel bringt, aber mir zumindest ein gedacht trockenes Gefühl verleiht. Nach 10 Minuten ist das Stadion erreicht. Die anderen Pacer sind schon alle am Start und umgezogen. Jetzt aber schnell in das gesponsorte Laufdress geschlüpft.

Pacer_COLLAGE

Nachdem ich mich umgezogen hatte – musst ich meinen 5h-Pacepartner finden, der dank seiner 500er Startnummer schnell gefunden ist.  Nach kurzem Austausch war klar, dass man sich versteht und dass das heute für uns eine große Gaudi werden wird. Da jedes Pacerteam nur eine Fahne zutragen hat, hatten wir uns direkt darauf geeinigt, dass wir sie staffelmäßig wechseln werden. Und dann kam auch schon die Ansage, dass wir uns den Rucksack mit der Fahne, auf der die Zielzeit und die zu laufende Geschwindigkeit standen schnappen sollen und zum Startbereich gehen sollen. Der Rucksack sitzt wie angegossen und erstaunlicherweise macht sich weder die ca. 1 Meter herausragende Fahne noch das Gewicht des Konstruktes negativ bemerkbar.  Auch wenn ich der Schnürung des Rucksacks nicht wirklich traue und mich innerlich schon auf Wundschürfungen eingestellt hatte.

Entscheidung des Veranstalters gegen die Durchführung

Und dann die Enttäuschung: Um 16:00 Uhr bittet man uns über Lautsprecher zur großen Bühne. Bedauerlicherweise verkündet man uns, dass die Veranstaltung aufgrund einer amtlichen Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes für Mönchengladbach abgesagt werden muss. Zu erwarten seien schwere Gewitter, Starkregen und Hagelkörner mit einem Durchmesser von 2 cm. Bei der Starkregenphase bei meiner Ankunft am Nordpark vor einer Stunde gab es wohl auch schon Blitzeinschläge an der Strecke und teilweise würde die Strecke auch unter Wasser stehen. Es geht in erster Linie um die Sicherheit und darum die Gesundheit der Sportler und Helfer zu schützen.

Absage_COLLAGE

Hatte ich im Vorfeld mit Thorsten schon über eine wetterbedingte Absage gescherzt, wurde sie soeben zur enttäuschenden Realität. Aber was will man machen – Vorsicht ist manchmal doch besser als Nachsicht, von daher kann ich den Veranstalter natürlich absolut verstehen, auch wenn ich mich riesig auf meine Pacer-Premiere gefreut hatte und doch ein wenig gefrustet bin.

Meine Entscheidung gegen die Entscheidung

Naja was soll’s – drei Stunden Autofahrt für nix. Nach der Mitteilung machten sich die 3000 Teilnehmer dann auch noch alle sofort und zur gleichen Zeit auf den Weg nach Hause und sorgten dadurch für einen verstopften Parkplatz. Das konnte und wollte ich mir jetzt nicht auch noch geben, deshalb habe ich mich kurzerhand zu einer privaten Runde durch den Nordpark aufgemacht und dabei ein paar Fotos geschossen. Ich denke im Nachhinein, dass das nach der Absage des Veranstalters die beste Entscheidung des Tages war. Und dem lästigen Warten durch den zähfließenden Verkehr konnte ich so hervorragend entgehen.

Nordpar-Runde_COLLAGE

Meine Strecke führte durch das offizielle Starttor vorbei am Zielbereich mit Bühne und Erdinger-Truck, dann um den Borussen-Park und durch das offizielle Zieltor – auch wenn es kein Marathon war, gelaufen bin trotzdem und am Ende standen 5,00 km auf dem Tacho.

Danach ging es dann wieder 1:30 zurück in den Pott – hatte kurz drüber nachgedacht eventuell am Sonntag ersatzweise beim Duisburg-Marathon zu starten, vor allem weil der Veranstalter in DU den MG-Startern einen Preisnachlass von 20 € beim Vorzeigen der MG-Startnummer gewährt hätte, aber ich habe mich dann doch dagegen entschieden – zumal nächste Woche beim Eifel-Ultra in Waixweiler der nächste Lauf ansteht und das morgige Wetter auch nicht verspricht marathontauglich zu werden.

Fazit:

Wie heißt es so schön ‚außer Spesen nix gewesen‘ – ok ich durfte mich eine halbe Stunde wie ein Pacemaker fühlen und ich habe mir den Nordpark ausgiebig bei meiner 5km-Schleife angucken können. Trotzdem bin ich ein wenig enttäuscht, vielleicht ist enttäuscht auch das falsche Wort – eventuell trifft ernüchtert eher zu, aber auf jeden Fall einsichtig dahingehend, dass der Veranstalter genau diese Entscheidung treffen musste – und eins ist auch klar, leicht ist es den Organisatoren nach der vielen Arbeit die im Vorfeld für eine solche Großveranstaltung geleistet werden musste sicherlich auch nicht gefallen – deshalb umso größeren Respekt für eine wenig populistische Entscheidung – aber Populismus und Verantwortung passen in der Politik ja bekanntlich auch nicht immer zusammen. Und mein bester Dank geht an die Großwetterlage bzw. das Tief Mitteleuropa, die/ das mein zweites DNS (Did Not Start) überhaupt erst verschuldet hat?!


In dem Sinne keep on moving & Rock `n Roll

Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger. Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich und ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
Dieser Beitrag wurde unter Alles, Marathon, SPORTS veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Vom Wetter verwettert – der Marathon der keiner werden sollte: Santander Marathon 2016 in Mönchengladbach

  1. Pingback: Lauftechnischer Halbjahresrückblick – 1. Jahreshälfte Januar bis Juni2016 | sohlenrocker

  2. Pingback: Köln Marathon 2016 – dann eben doch – Pacemaker-Premiere zum 20. Jubiläum | sohlenrocker

  3. Pingback: SANTANDER MARATHON 2017 Mönchengladbach – die Zweite | sohlenrocker

  4. Pingback: Suche nach Sinn & Motivation: leidvolle Odyssee bei der Premiere vom Santander Marathon 2017 in Möchengladbach | sohlenrocker

  5. Pingback: Auf dem langen Weg zur 100: Nächster Halt ist in Mönchengladbach beim 2. SANTANDER MARATHON | sohlenrocker

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s