Krassen Trassen (14.1): Sportanlage an der Lohrheide – die Finnenbahn

Wie der Name schon vermuten lässt, kommt die Idee zur Finnenbahn (oder Finnbahn) aus Skandinavien. Sie wurde als glenkschonende Alternative zum Lauftraining auf der Tartanbahn von finnischen Sportlern entwickelt. Im Vergleich zu anderen Bodenbelägen (Asphalt, Wald, befestigte Radwege, Tartanbahn) ist der Bodenbelag der Finnenbahn genau wie Sand besonders weich. Diese besondere Beschaffenheit ist das Resultat aus der Bauweise und der Zusammensetzung dieser Bahnen.

Finnenbahn

Die Finnenbahn in der Lohrheide besteht aus einer etwa 10 Zentimeter hohen Schicht aus Rindenmulch, die auf einer Drainageschicht aus Sand und Schotter aufgestreut ist. Durch den sehr weichen Bodenbelag werden die Kraftstöße (Impacts), die beim Laufen bei jedem Schritt auf die großen Gelenke des Körpers (Wirbelsäule, Hüfte, Knie, Fuß) wirken, abgefedert und somit reduziert. Das Laufen auf diesem nachgebenden und unebenen Untergrund erfordert sowohl mehr Kraft als auch mehr Koordination, und bietet somit zusätzliche Trainingsreize.

Ein weiterer Vorteil dieser Bahnen, der allerdings auch als Nachteil ausgelegt werden kann, ergibt sich aus der hohen koordinativen Beanspruchung aufgrund des unebenen und instabilen Untergrunds, der die Fußmuskulatur permanent zu  Ausgleichbewegungen zwingt. Dadurch werden diese stabilisierenden Muskeln zusätzlich trainiert und gestärkt.

Durch die Instabilität des Bodens kann bei Läufern mit suboptimal ausgebildeter Fußmuskulatur oder mit Bänderproblemen vor allem in den Fußgelenken ein erhöhtes Verletzungsrisiko des Umknickens bestehen. Ebenso sollten Personen mit vorhandener Achillessehnenproblematik Vorsicht walten lassen, da durch das tiefe Einsinken die Achillessehnen stärkeren Belastungen ausgesetzt sind, wie es beispielsweise auf Asphalt der Fall wäre.

Aber lasst Euch davon nicht verrückt machen, denn Paracelsus (1493-1541) erkannte schon ziemlich frühzeitig:

Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“

Und genauso verhält es sich mit dem Training auf den Finnenbahnen auch. Wer noch keinerlei Erfahrung mit dem weichen Untergrund gemacht hat, der sollte mit einer mäßigen „Dosis“ beginnen und diese erst nach und nach (sukzessive) steigern, natürlich nur so lange keinerlei gesundheitliche Probleme indiziert werden.

Wer seinen Füßen im Training also überwiegend harten Asphalt anbieten muss, so wie es in meinem läuferischen Alltag der Fall ist, dem kann das Ausdauertraining auf der Finnenbahn nicht nur Abwechslung im Trainingsalltag, sondern einen gänzlich neuen Trainingsstimulus bescheren, der durchaus das Potential beinhaltet sich positiv auf die Entwicklung der Leistungsfähigkeit auswirken zu können.


Mein abschließendes Fazit: Die Rindenmulchbahn stellt für mich persönlich ein ideales Terrain für das Lauftraining dar. Bei meiner „Kosten-Nutzen-Kalkulation“ überwiegen ganz klar die positiven Aspekte. Stärkung der stabilisierenden Fußmuskulatur, Gelenkschonendes Training von Kraftausdauer, Kondition und Koordination und Abwechslung zum Trainingsalltag sprechen für sich und bei dosierter Anwendung ist der Nachteil eines erhöhten Verletzungsrisikos (Gelenke, Achillessehnen) verschwindend klein.


Mich würde interessieren welche Erfahrungen Ihr mit Rindenmulchbahnen gemacht habt? Spielt die Finnenbahn in Eurem Trainingsalltag eine Rolle? Wenn Ihr sie ins Training integriert, wie sieht Eure Trainingseinheit darauf aus?


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In dem Sinne keep on moving & Rock ’n Roll

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Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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7 Antworten zu Krassen Trassen (14.1): Sportanlage an der Lohrheide – die Finnenbahn

  1. Pingback: Krassen Trassen (14): Das Lohrheidestadion – ein Tempel der Methodenvielfalt | sohlenrocker

  2. Robert schreibt:

    Ich habe keine Erfahrungen mit Finnenbahnen. Weiß auch gar nicht, ob ich das will 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. solera1847 schreibt:

    Leider habe ich noch nie auf einer solchen Bahn trainiert. Ich gehe gleich mal auf die Suche, ob es hier in der Gegend auch eine Finn(en)bahn gibt. Danke für den coolen Tipp!

    Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Die KrassenTrassen: Übersicht potentieller Trainingsstrecken in der Umgebung | sohlenrocker

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