Die etwas unkonventionelle Laufschuh-Auswahl: Never change a winning Team oder besser doch?!

Schuhe zählen  im Laufsport unabhängig vom jeweiligen Leistungsniveau zu den wichtigsten Ausrüstungsassecoirs. Dabei sind sie aber nicht nur Segen sondern Fluch und Segen zugleich. Auch Achim Achilles teilt diese Ansicht auf humoristische Weise, nach ihm sind „Laufschuhe wie Cocktails – bunt, teuer und manchmal tut es am nächsten Tag etwas weh.“

Auf der einen Seite unterstützen Laufschuhe das Laufen, indem sie Fehlbelastungen durch Fußfehlstellungen reduzieren und die Gelenke durch die dämpfenden Eigenschaften der Sohlen vor Überbelastung schützen – auf der anderen Seite kann aber genau diese übermäßige Protektion degenerative Konsequenzen für die Fußmuskulatur haben.

Was haben Handys mit Laufschuhen zu tun?

Im Grunde kann man das Laufen im modernen Sportschuh mit der Verwendung der Speicherfunktion beim Handy vergleichen. Noch vor Jahren musste jeder von uns die wichtigsten Telefonnummern im Kopf speichern, seitdem aber mittlerweile jeder über ein Handy verfügt, das unser Sammelsorium an Telfonnummern von Verwandten, Freunden und Geschäftspartnern abspeichert, wurde die eigene kognitive Gedächtnisleistung für diese Aufgabe zunehmend überflüssig.

Mit den Laufschuhen verhält es sich ganz ähnlich. Beim Barfußlaufen also der natürlichsten Form des Laufens übernehmen Muskeln und Bänder Funktionen zur Reduzierung der Kraftstöße (Impacts), die bei jedem Schritt auf die großen Körpergelenke wirken. Beim modernen Laufschuh übernimmt diese dämpfende und schützende Aufgabe die Hightech-Sohlen.

Folglich werden die körperlichen Strukturen, die diese Aufgaben natürlich übernehmen würden, durch den Organnismus aufgrund ökologischer Faktoren zurückgebildet. Warum sollte unser Körper auch die Mehrkosten für stärkere Muskeln und Bänder aufbringen, die von ihm nicht mehr regelmässig benötigt werden.

Um noch einmal auf das Beispiel mit den Handynummern zurückzukommen – nur die allerwenigsten von uns würden eine logische Notwendigkeit darin erkennen, die im Handy gespeicherten Nummer zusätzlich noch auswendig zu lernen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass eine übermässige laufschuhbedingte Protektion zur Rückbildung der fußstabilisierenden Strukturen führt und dass dadurch die Abhängigkeit von diesen „technischen Ersatzmuskeln und -bändern“ zunimmt.

Vor diesem Hintergrund habe ich mir die Frage gestellt, wie es bei mir mit den Schuhen ausschaut und wie es um meine Fussmuskulatur bestellt ist.

Vielleicht ist das bei Euch ja auch so, aber ich habe zumindest die Erfahrung gemacht, dass sich bei uns Läufern mit der Zeit ein Standardschuhmodell herauskristallisiert, das den individuellen Erfordernissen und Ansprüchen genügt. Zudem erleichtert ein etablierter Standardschuh natürlich auch ungemein das Nachkaufen von neuen Schuhen. Ich weiß welche Größe mir optimal passt und auch über die Passform muss ich mir keinerlei Gedanken mehr machen. Außerdem spar ich mir den Weg zum Fachhändler, ich muss nicht auf das Laufband und die günstigsten Angebote lassen sich sowieso im Internet schießen – also Schuhkauf ganz nach dem Motto „never change a winning team“.

Fakt ist aber:

Aus der Trainingswissenschaft ist bekannt, dass im Training möglichst variable Reize gesetzt werden sollten und dass jeder Trainingsreiz, der eine individuelle Reizschwelle nicht überschreitet, ein Trainingsreiz ist, der keinerlei Adaptaionsprozesse initiiert und somit auch nicht zu einer Leistungssteigerung führen kann. Davon ausgenommen sind natürlich Regenerationsläufe, die allerdings auch nicht das Ziel der Leistungsteigerung sondern das Ziel der Wiederherstellung der körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit verfolgen.

Wer also immer und immer wieder bei gleicher Intensität und Dauer trainiert, der wird schnell sein individuelles Leistungsplateau erreicht haben. Hinsichtlich Dauer und Intensität kann ich mir bei der Betrachtung meiner Situation eigentlich nichts vorwerfen, aber dann ist mir aufgefallen, dass ich in den letzten Jahren ausnahmslos mit ein und demselben Schuhmodell unterwegsgewesen bin.

Genauso wie ein variationsarmes und gleichbleibendes Training suboptimal für die Leistungsentwicklung ist, hat das Laufen im immer gleichen Schuhmodell neben den Vorteilen beim Kauf sonst aus den oben genannten Gründen überwiegend Nachteile.

Wenn man bedenkt, dass es unsere Laufschuhe sind, die uns teilweise tagtäglich über tausende Kilometer im Jahr begleiten, dann sind die Reize, die vom immer gleichbleibenden Laufschuh ausgehen bedeutend klein. Zum Teil ist das natürlich auch gewollte, weil wer möchte sich schon mit Druckstellen aufgrund einer unpassenden Passform herumärgern, die wohlmöglich dann noch die Bildung von Blasen fördern, nur um den Füßen neue Reize zu bieten. Klar auf solche lässt sich gut und gerne verzichten. Trotzdem und vor allem deshalb bin ich bei der Betrachtung meiner Laufschuh-Fusmuskulatur-Situation zu dem Ergebnis gekommen, dass ich mal was ändern sollte.

Die Konsequenz daraus…

Da man als ambitionierter Spaßläufer durchaus gewillt ist an dem einen oder anderen Rädchen zu drehen, um eventuell doch noch ein wenig an Leistung mit minimalem Aufwand herauszuholen, bin ich jetzt auf die glorreiche Idee gekommen, dass ich bei meinem nächsten Schuhkauf Mal was ganz verrücktes ausprobieren werde. Ich werde mir statt eines Stabilschuhs, wie es seit Jahren der Fall war, einen Neutralschuh anschaffen – inwieweit das besonders klug ist, kann ich noch nicht beurteilen – vielleicht schlagen sich bei dem semi-unprofessionellen Selbstversuch auch die Profis die Hände über den Kopf zusammen, aber auch das kann mir recht sein – in jedem Fall ist es mir egal!!!

Jahrelang habe ich an meine Füße nichts anderes als die ASICS GT 1000 oder GT 2000 kommen lassen, die mich je nach Modellaktualität zwischen 70 € und 130 € gekostet haben. Aber die Zeit für Veränderung ist gekommen…

Und Tata!!! Ich präsentiere den billigsten Laufschuhe, den ich mir jemals zugelegt habe. Lediglich ganze 32,95 € haben sie mich gekostet – die ASICS PATRIOT 8 – ein Schuh mit wenig Schnickschnack und vor allem ein Neutralschuh, der sich von meinen seit Jahren bevorzugten Stabilschuhen grundsätzlich unterscheidet.


GT2000 vs. Patriot 8


Wie sich die erste Trainingseinheit im neuen Laufschuh anfühlt, gibt’s dann in meinem Schuhtest der unkonventionellen Art irgendwann in nächster Zeit und natürlich nur hier im Blog vom SohlenRocker…


In dem Sinne keep on moving & Rock ‚n Roll

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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4 Antworten zu Die etwas unkonventionelle Laufschuh-Auswahl: Never change a winning Team oder besser doch?!

  1. Belana Hermine schreibt:

    Das Problem bei Laufschuhen ist wohl, dass man sie beim „nächsten Mal“ nicht wieder bekommt. Und ob das Nachfolgermodell, obwohl 20 Euro teurer – wirklich genauso passend ist? (Leider eigene Erfahrung) Da lobe ich mir meine Wanderschuhe: trotz ensthafter Wexhselversuche seit 2011 dasselbe Fabrikat (das 4. Paar).

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    • SohlenRocker schreibt:

      Also das Problem des Modellnachkaufes hatte ich bei meinem 0815-ASICS-Schuh in den letzten 2-3 Jahren eigentlich nie – ok vlt. hat sich an der Schuhbezeichnung die laufende Nummer geändert und die Qualität wurde gefühlt noch mieserabler, aber sonst bleibt meistens alles wie beim Vormodell (meine Erfahrung). Ich kenne mich jetzt auch nicht mit Wanderschuhen aus, aber Laufschuhe kauft man ja auch vorsorglich eine Nummer Größer – vlt schützt das vor minimaler Passformänderung. Und inwieweit es bei Wanderschuhen die grundsätzliche Unterscheidung in Neutral-, Stabil- und Wettkampfschuh gibt, kann ich Dir auch nicht sagen – beim Laufen bezieht sich diese Typisierung in jeden Fall auf die Art der schuhbedingten Protektion (Dämpfung/ Stabilisierung) vor Überlastungsschäden, die durch Fußfehlstellungen wie Pronation (Überpronation) oder Supination (Unterpronation) entstehen könnten.

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  2. solera1847 schreibt:

    Ich gehe jedes Mal neu in den orthopädischen Schuhladen, weil die einfach die beste Beratung bieten. Noch dazu kosten die Schuhe durch Dauerkundenrabatt auch nicht wesentlich mehr als im Netz. So wechsle ich recht häufig die Marke, nachdem ich früher jahrelang nur mit Asics unterwegs war…

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