Lauftechnischer Halbjahresrückblick – Erste Jahreshälfte von Januar bis Juni 2016

Die ersten 6 Monate des Laufjahres gehören mittlerweile der Vergangenheit an – es ist Zeit für mich ein kleines Zwischenfazit für das Laufjahr 2016 zu ziehen: Welche Wettkämpfe standen an, was war gut, was hingegen verbesserungswürdig und welche Pläne gibt es für den Rest des Jahres?!

Januar:

KEU_2016_WP

Dank des relativ  milden Winters bin ich erstaunlich gut ins neue Jahr gelaufen. Der erste Wettkampf ließ dann auch nicht lange auf sich warten – der Kleine Einladungs-Ultra (KEU-0211) im bergischen Teil von Düsseldorf. Der KEU ist eine kleine fast schon „familiäre“ Veranstaltung, die das Prädikat „Von Läufern für Läufer“ zu recht trägt. Um die 49 km in ein paar knappen Worten zusammenzufassen: orientierungslos, matschig und vor allem am Ende ziemlich trailig-hart. Vielleicht sollte ich im nächsten Jahr lieber wieder mit einem flachen Marathon ins Laufjahr starten, wie beispielsweise dem Marathon in Kevelaer, der immer Anfang Januar stattfindet und zum wettkampftechnischen Wiedereinstieg zumindest für die mentale Komponente geeigneter zu sein scheint.

Februar:

BC_2016_WP

Im Februar wartete dann schon das bisherige Jahreshighlight – die Brocken-Challenge 2016. Bin ganz unverhofft an den Startplatz gekommen, weil ich überhaupt erst 14 Tage vor dem Starttag wusste, dass ich starten werde, weil Thorsten kurzfristig auf seinen Start verzichtet hatte und ich bis dahin eigentlich keinen Startplatz hatte. Meine Erwartungen wurden in jeder Hinsicht übertroffen, auch wenn die diesjährige Austragung zu den schneeärmsten und deshalb eher zu den „leichteren“ Challenges gezählt werden muss, wenn man bei einer Strecke von profilierten 80 Kilometern überhaupt von leicht sprechen sollte. Aber was ein Erlebnis das war – 11:30 Stunden im Einklang mit der faszinierenden Natur des Harzes bei herrlichem Winterwetter und abschließender Be- und Entsteigung des Brockens. Großartige Veranstaltung in bezaubernder Winterkulisse – 80 Kilometer Laufgenuss pur!!!

März:

Nach den beiden Ultras im Januar und Februar stand im März eigentlich noch der 6-Stunden-Lauf in Münster auf dem Plan, aber irgendwie kam die Startplatzzusage 3 Tage vor dem Start so überraschend, dass ich mich nicht mehr wirklich für meinen Start motivieren konnte – sodass der März unter dem Strich überwiegend vom regenerativem Nichtstun und vom läuferischen aus-dem-Trittkommen geprägt war. Wenn man sich erst einmal an das läuferische Lassez-Faire gewöhnt hat, bedarf es irgendeines Impulses, um wieder regelmäßiger in die Laufschuhe zu kommen. Doch dieser Impuls blieb aus und die sporadischen 2 Trainingsläufe über 10km pro Woche genügen vielleicht noch dazu, um das schlechte Gewissen zu besänftigen, aber trainingswirksam sind sie auf keinen Fall.

April:

Bonn_2016_WP

Gezeichnet vom 4-6 wöchigem läuferischen Lotterlebens kam dann der Marathon in Bonn eindeutig zu früh – selbst der 14-Tage-Notfall-Plan zu Monatsbeginn konnte das vorhandene Formtief nicht entscheidend heben. Aber mit dem ersten langen Lauf, den ich dank des Marthons über die 42 km hatte, war zumindest eine Basis für die weiteren Marathons gelegt. Und die Einsicht, dass sich was ändern muss, wenn es besser werden soll, war zu diesem Zeitpunkt auch viel wert – allerdings auch nur dann, wenn man was verändert.

DDORF_2016_WP

Der 2. Marathon in Düsseldorf war dann auch wieder mehr Genuss als Frust, was aber mit unter Anderem auch daran lag, dass das Wetter zwar kühl und windig, aber für das Laufen optimal gewesen ist –  es war zumindest entscheidend lauffreundlicher als das Wetter 14 Tage zuvor in Bonn. Zudem war die Strecke in Düsseldorf interessanter, sodass ich meine „Jahresbestleistung“ von 4:13 h erzielen konnte, was bei dem mäßigen Trainngsstatus durchaus als Erfolg zu verbuchen ist, aber nur in diesem Jahr überhaupt erwähnenswert ist.

Mit den Marathons in Bonn und Düsseldorf war die richtige Richtung für das Projekt 111-Km-Hollenlauf Ende Mai eingeschlagen – dachte ich jeden Falls.

 Mai:

VIVA_2016_WP

Der VIVAWEST-Marathon mit dem dreitägigem Blick hinter die Kulissen der Veranstaltung war terminlich genau eine Woche vor dem Hollenlauf gelegen, der vermeintlichen „Königsetappe“ im Wettkampfkalender des 1. Halbjahr 2016. Die 42 Kilometer durch die heimatlichen Gefielde waren, wie kann es auch anders sein, vom Wetter beeinflusst anstrengender als ich mir das für einen langen Vorbereitungslauf gewünscht hatte. Die 28° C bei gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit zählen nicht unbedingt zu den klimatischen Bedingungen, die ich zum Laufen bevorzuge.

 

Hollen_2016_WP

Die vermeintliche Königsetappe der diesjährigen Wettkämpfe mit dem Hollenlauf über 111 Kilometer verlief auch anders als geplant. Die Kombination aus den zahlreichen Höhenmetern der profilierten Strecke und die unzureichende Regeneration haben mich dazu gezwungen statt der angepeilten 111 km auf die 75-km Strecke auszuweichen. Und auch bei diesem Ausgang war das Wetter alles andere als leistungsfördernd. Der Lauf an sich war schön – vor allem weil ich die 101km-Strecke von 2014 schon kannte und die Strecke auch ohne Probleme gemeistert hatte. In diesem Jahr fehlte mir wie so oft der letzte Biß – der Wille unbedingt ans Ziel kommen zu wollen.

Juni:

Ein kurioser Monat mit viel Fußball und noch mehr Regen, aber fangen wir Vorne an…

Geplant war eigentlich meine Pacer-Premiere beim Santander Marathon in Mönchengladbach – aus der aber leider nichts wurde, weil uns die Großwetterlage Mitteleuropa einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Naja, was soll ich machen, aber das Wetter kann man ja zum Glück noch nicht beeinflussen.

Regentechnisch ging es dann auch weiter, sodass der geplante Eifelmarathon aufgrund angekündigter Wetterkapriolen mit Hagel, Gewitter und Starkregen kurzerhand prophylaktisch gecancelt wurde, was sich im Nachhinein allerdings als Trugschluss entpuppte, weil das Wetter am Wettkampftag vorbildlich gewesen ist. Und damit noch nicht genug – die wettertechnische Miesere war noch nicht zu Ende.

Nach der Nur-Lauferei musste Mal wieder ein neuer Reiz zur Abwechslung in den läuferischen Alltag gesetzt werden, weshalb eine 2-Tages-Radtour entlang der Lippe geplant war. Nach einem etwas größeren Verfahrer zu Beginn, der uns knapp 3 Stunden Irrfahrt einbrachte, war die Tour nach 73 statt nach geplanten 270 km schon am ersten von 2 Tagen zu Ende. Der Tourabbruch wäre verschmerzbar gewesen, das Folgenschwere daran war aber, dass ich den ganzen Tag regenbedingt klitschnass gewesen bin – die Konsequenz daraus war eine Woche Totalausfall mit grippeähnlichen Symptomen, die ich teilweise bei 31°C Außentemperatur frierend im Bett verbringen durfte. Bis heute zähle ich 10 Tage erzwungenes Laufverbot, obwohl die EM die Zwangspause ein wenig erträglicher erscheinen lässt. Ich muss aber auch zugeben, dass sich die EM schon vor meinem krankheitsbedingten Laufausfall nicht wirklich motivierend auf mein Trainingsfleiß ausgewirkt hat. Aber was soll es – ohne direkten Wettkampf vor Augen tue ich mich mit einer systematischen Vorbereitung sowieso schwerer…

ALSO: Und genau deshalb habe ich jetzt auch die Off-Season eingeläutet – das bedeutet planmäßig weniger Laufen, mehr Alternativsportarten wie Radfahren, Schwimmen und Klettern und ab Mitte/ Ende August startet dann hoffentlich wieder die Vorbereitungsphase für die Wettkämpfe, die  ab September auf dem Plan stehen. Hoffentlich dann auch wieder mit einer gesteigerten Portion Motivation und mit mehr Elan, aber schon allein die Städte mit Köln (02.10.2016) und Amsterdam (16.10.2016) versprechen interessant zu werden und sollten zur Motivation beitragen.


Nackte ZAHLEN und FAKTEN des 1. Halbjahres

  1. Trainingskilometer insgesamt: 798

  2. Wettkampfkilometer insgesamt: 75 + 80 + 50 + 3(42) 126 = 331 km

  3. Anzahl Wettkämpe: 3 Marathon + 3 Ultra

  4. Kilometer insgesamt: 1129 km


Nachbetrachtung der Fakten

Nach Betrachtung meiner Trainingskilometer für die ersten 6 Monate bin ich fast vom Glauben abgefallen – insgesamt 1129 km in 6 Monaten, ok vielleicht hat das ein oder andere Mal meine Uhr frühzeitig den Geist aufgegeben, aber so kann es lauftechnisch nicht weitergehen – zumal ich glücklicherweise verletzungsfrei geblieben bin – an diesen Schrauben wird ab August ausgiebigst gedreht werden müssen. Die Anzahl der Wettkämpfe und damit auch die Wettkampfkilometer stellen mich durchaus zufrieden – auch wenn ich im Vergleich zum Vorjahr den einen oder anderen Wettkampf weniger bestritten habe.


Fazit

Einiges im zurückligenden Halbjahr ist lauftechnisch suboptimal gelaufen – zu viele Ausreden, dadurch nur wenig Kontinuität im Trainingsaufbau, zu viele Ideen bei zu wenig praktischer Umsetzung, vielleicht sollte ich auch wieder zurück zum vorausschauenden Planen. Die Strategie vom einen Wettkampf zum nächsten Wettkampf  sollte hinterfragt werden. Fakt ist auch, dass mir der Weg zurück in den Trainingsrhythmus nach fordernden Wettkämpfen auf der mental-motivationalen Ebene in diesem Halbjahr besonders schwer gefallen ist. Aus diesen Defiziten entsteht dann auch der wiederholte innerliche Konflikt mit dem Wetter. Ich muss wieder zurück zu meinem einstigen Grundsatz – akzeptiere die Gegebenheit, die du sowieso nicht ändern kannst. Hier muss ich mir in den nächsten Tagen und Wochen Lösungsansätze einfallen lassen und diese dann natürlich auch konsequent umsetzen.

1HJ_Medaillen_klein


In dem Sinne keep on moving & Rock ’n Roll

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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3 Antworten zu Lauftechnischer Halbjahresrückblick – Erste Jahreshälfte von Januar bis Juni 2016

  1. solera1847 schreibt:

    Beeindruckend viele Marathons! Ich laufe ja keine Wettbewerbe – und fühle mich als absoluter Individualsportler pudelwohl, doch ohne meine 15-20 Kilometer am Morgen fühle ich mich nicht ganz. Im Sommer werde ich gemeinsam mit meiner hübschen Frau den Panoramaweg um unsere Stadt (Aalen) laufen, das sind dann etwa 30 Kilometer. Viel mehr muss aber auch einfach gerade nicht sein (auch wenn mich der Marathon schon einmal juckt).

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    • SohlenRocker schreibt:

      Viele Marathons?! Einen pro Monat ist ok – vor allem weil die Marathons ja bei mir in den meisten Fällen nur die letzte lange Einheit für die Ultras sind – sogesehen ein Trainingslauf mit Fremdverpflegung – und wenn man das Ganze ohne Leistungsgedanken betreibt, relativiert sich die Anzahl auch wieder. Und ein Marathon ist halt auch nur eine beliebige Streckenlänge, dass was ihn als schwer erscheinen lässt, entsteht bei den meisten nur im eigenen Kopf und wenn der erst einmal überzeugt ist davon, dass es keine Everest-Besteigung ist, dann läuft sich der fast von alleine?!

      Gefällt 1 Person

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