Mein erster 24h-Lauf in Klein-Reken – der Erlebnisnachbericht vom Rekener 24h-Spenden-Lauf in voller Länge


  1. Den Vorbericht zum 24h-Lauf in Kleinreken könnt ihr hier nachlesen: Vorbericht
  2. Wer es kurz und knackig mag, dem sei der folgende Link ans Herz gelegt: Shortversion

Also fangen wir Vorne an…

Rekener 24h-Lauf Ortseinfahrtsschild

Rekener 24h-Lauf Ortseinfahrtsschild

Die Anfahrt in das beschauliche und nur 45 km entfernte Kleinreken gelingt diesmal recht unspektakulär und reibungslos. Auch wenn mich die Fahrt durch die ländlichen Regionen des Münsterlandes zunächst Gegenteiliges vermuten lässt. Im Grunde ist die Anfahrt aber auch fast schon idiotensicher, sodass eine komplikationsfreie Anreise selbst notorischen Verfahrern, wie ich es zu sein scheine, gelingen sollte. Von Veranstalterseiten wurde dafür jedenfalls alles getan. So wurde am Renntag extra noch daraufhin gewiesen, wie man zu den Parkplätzen findet, ohne dafür die gesperrte Laufstrecke zu kreuzen. In Reken angekommen, wurden die Teilnehmer dann zusätzlich noch mit Wegweisern zum großen Parkplatz am Start-Ziel-Bereich geleitet, wo ein jeder auf dem angrenzenden Sportplatz sein Basis-Nachtlager errichten konnte.

Pre-Start-Phase…

Durch den zwischenzeitlichen Stau, den es auf der A43 dann doch noch geben hatte, war es mittlerweile 15:40 Uhr und  damit so spät, dass es wieder Mal eng für mich werden sollte. Das Zelt musste aufgebaut werden und meine Laufsachen schlummerten zu dem Zeitpunkt noch immer in meiner Tasche. Doch bevor ich mich darum kümmern konnte, ging es zunächst zur Anmeldung, um meine Starnummer und den Sensor für die Rundenmessung abzuholen.

Am Anmeldeschalter angekommen will man mir ein Teilnehmer-Shirt andrehen, das ich wie man mir sagt, wohl bei der Online-Anmeldung mitbestellt hätte, was aber eigentlich gar nicht sein kann, weil ich schon so viele dieser Shirts zu Hause rumfliegen habe, dass jedes weitere schädlich für meinen Schrank sein könnte. Aber nun gut, ich muss es ja auch nicht mit nach Hause nehmen, denke ich mir und lehne dankend ab. Gleichzeitig spende ich aber den dafür zu zahlenden Betrag von 20 €, was zugleich mein Spendenbeitrag und Startgebühr für den heutigen Spendenlauf sein sollte und ich so in etwa sowieso eingeplant hatte.

Jetzt aber schnell zurück zum Auto, einen freien Platz für mein Basislager finden, dann das Zelt aufbauen und umziehen. Da ich heute relativ spät dran bin, sind die Plätze auf dem Parkplatz in erster Reihe direkt am Verpflegungszelt natürlich schon alle belegt, so dass mir nichts anderes übrig bleibt als auf den dahinterliegenden Sportplatz auszuweichen. Aber selbst das ist in Reken überhaupt kein Problem, weil zwischen der Rasenfläche des Sportplatzes und der vorderen Parkfläche lediglich ein Gebüsch liegt, welches durch die schon ausgetretenen Trampelpfade bestens zu durchqueren ist.

Das Zelt ist dank meiner jahrelangen Camping-Erfahrung innerhalb von wenigen Minuten aufgebaut und auch die eingeübte Vorstartroutine zahlt sich dahingehend aus, dass ich noch fast pünktlich zum Start fertig werden sollte. Als ich dann aber feststellen muss, dass ich meine Vaseline vergessen hatte, bricht für einen kurzen Moment Panik aus, weil ich aus leidtragender Erfahrung weiß, dass dieser Faultpas im fortschreitenden Verlauf des Wettkampfes zu schmerzhaften Folgen führen kann. Zum Glück sind meine Zeltnachbarn auch noch dabei ihre letzten Vorbereitungen vor dem Start zu treffen. Wie es unter Läufern vor allem im Ultrabereich üblich ist, helfen sie mir gerne aus und man kommt zudem ins Gespräch. Sie erzählen mir, dass es ihr erster 24h-Lauf ist und dass sie noch gar nicht richtig einschätzen können wie weit es gehen soll. Nachdem mein Zelt steht und auch die anderen Vorbereitungen abgeschlossen sind, mach ich mich schnell rüber zum Start, wo Klaus, der Organisator schon die letzten Startreden schwingt.

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Startphase – mein erster Stundenlauf startet…

Ich komme genau in dem Moment an, wo sich das Läuferfeld begleitet von einem Quadrocopter, lindwurmartig in Bewegung setzten will. Im Start-Ziel-Bereich ist ordentlich was los, die anliegenden Dörfer und Schulen scheinen mobil gemacht zu haben. Zu meiner Überraschung besteht das Startfeld nicht, wie man bei einem 24h-Lauf vielleicht erwarten könnte, nur aus Ultraläufern, sondern neben den „Laufverrückten“, die hier eindeutig in der Unterzahl sind, befinden sich viele Familien mit Kinderwagen, Wanderer, Spaziergänger mit Hunden, Nordicwalker und sogar ein ältere Dame mit Rollator ist dabei. Wie ich später erfahre, ist das Frau Peters, die mit 92 Jahren zum wiederholten Male die älteste Teilnehmerin des Laufs ist.

Frühphase im Wettkampf – die Monotonie wächst…

In dieser frühen Phase gilt es für mich irgendwie ins Rennen zu finden und drauf zu hoffen, dass meine Grundlagenausdauer durch die faulheitsbedingte  4 wöchige Laufpause nicht gänzlich verschwunden ist. Außerdem ist es Heute ordentlich warm – die 27°C, die das Thermometer anzeigt, zählen nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Laufbedingungen, deshalb lass ich es von Anfang an langsam angehen und wandere auch zu diesem frühen Zeitpunkt im Rennen beide Anstiege entspannt hoch. Körnersparen ist angesagt und schließlich ist die Ente am Ende fett!!! 😉

Nachdem mein Laufrhythmus einigermaßen gefunden war, lief es zunächst fast wie von allein – auch wenn Sonne und Temperatur dafür sorgten, dass es eine schweißreiche Angelegenheit wurde. Nach ein paar Runden konnte ich dann sogar wieder zu Klaus N., Norbert und Nicole aufschließen. Wir liefen mehrere Runden als Gruppe zusammen, allerdings musste ich dann irgendwann abreißen lassen, weil das Tempo für mich zu schnell war und sich bei mir erste muskuläre Problemchen bemerkbar machten. Ich schaffe es allerdings immer wieder gerade so, den anfliegenden Krampf irgendwie noch zu vermeiden. Lustigerweise komme ich nach dem Verpflegungszelt trotz meiner Schwierigkeiten wieder an die 3 ran, sodass wir gegen 22.00 Uhr die Marathondistanz gemeinsam absolviert hatten. Genaugenommen hatten wir sogar schon 43,2 km absolviert und die Zeit für den ersten Marathon belief sich auf 5:41h.

Unerwarteter Besuch zum erledigten Marathon…

Die Läufer auf der Strecke werden weniger und weniger und mit fortschreitendem Eintreten der Dunkelheit signalisiert mir mein Körper unweigerlich, dass es doch langsam mal an der Zeit wäre sich für die Nachtruhe fertig zu machen und nachdem der Marathon schon erfolgreich absolviert war, musste ich mich mit einer halben Stunde Liegen belohnen.

Um 22.30 Uhr steht Thorsten dann überraschenderweise mit Bier vor meinem Zelt. Er hatte zwar im Vorfeld angekündigt, dass er mal vorbeischauen will, aber dass er es tatsächlich auch macht, damit hatte ich eigentlich nicht wiklich gerechnet. Das erste was ich mir hören durfte ist:“Ey Meiti du bist zum Laufen hier und nicht zum Zelten“. Während ich nur den Kopf aus dem Zelt stecke, macht er es sich auf meinem Campingstuhl bequem. Wir quatschen über dies und das und trinken dabei das Bier, welches er mitgerbacht hatte. Die Ablenkung durch den unerwarteten Besuch war im Nachhinein erholsamer als die halbe Stunde nur im Zelt gelegen zu haben. Also auch von dieser Stelle nochmal : „Besten Dank für’s Bier, und nächste Mal stehst du gefälligst mit am Start!“

Ab 23.00 Uhr geht’s dann noch einmal weiter bis die 50 km (21 Runden = 50,4 km) geschafft waren. Die Krampfanflüge, die mich vor der kurzen Pause heimsuchten, scheinen überstanden, dafür machen sich so allmählich die Muskelansätze mehr oder weniger deutlich bemerkbar und die verdammte Stelle mittig unter dem rechten Fuß, die mich des Öfteren dazu veranlasst meinen Socken zu richten bzw. zu checken ob es ein kleiner Stein ist, der mich pisackt, was sich aber nicht bewahrheitet.Wie es scheint nimmt durch die Erschöpfung die Muskelkraft ab, die unter normalen Bedingungen für die Fußwölbung zuständig ist. Dadurch kommt es zunächst zur Hautfaltenbildung und in Kombination mit dem getrocknetem Scheiß zu dem Endergebnis einer den Laufcomfort beeinträchtigenden Blase, so zumindest mein Erklärungsansatz aus der Retroperspektive. Meine neuralgischer Punkt befindet sich genau zwischen dem Bereich von Digitus pedis I (Großzehe) und dem Digitus pedis II (Zeigezehe) direkt unter dem Fußballen des rechten Fußes.

Der Mond ist mittlerweile aufgegangen und die Strecke ist phasenweise mit Strahlern ausgeleuchtet, die von brummenden Dieselgeneratoren betrieben werden. In der Mitte der Einfahrt eines an der Strecke liegenden Hauses haben die Bewohner einen präparierten Baumstamm entzündet. Das Licht erzeugt eine angenehme Atmosphäre, trotzdem sinkt meine Motivation weiterzulaufen ständig. Gegen 24.00 Uhr mussten wir Nicole, Norbert und ich dann unserem Verlangen die Augen zu entspannen nachgegeben und wir entschlossen uns erst einmal zu pausieren.

Es ist mittlerweile bitter kalt und durch den sich absetzenden Tau scheint alles klamm zu sein. Dazu kommt, dass der Körper noch verschwitzt ist und dadurch, dass die Muskeln keine Bewegungswärme mehr produzieren, ganz allmählich beginnt auszukühlen. Selbst Wollmütze, Fleecejacke und 2 Wolldecken scheinen diesen Prozess nicht wirklich eindämmen zu können, weshalb der Zwischenstopp im Zelt vor allem kalt ist und zwar so kalt, dass ich am ganzen Körper am Zittern bin. Aber egal, nach einer Stunde ist wenigstens der Kopf resettet, was sich aber nicht wirklich lange halten sollte.

Klaus N. zieht derweil einsam und heroisch seine Runden, Schlafpausen hat er von Vornherein gar nicht erst eingeplant, dafür hat er sich aber vorteilhafte Motivationszettel mitgebracht, die ihm das Erreichen seiner Zwischenziele plakativ zeigen und ihn somit in seinem Tun positiv bestärken und weiter motivieren. Über so etwas sollte ich vielleicht auch für die nächsten Male nachdenken?!

Neuer Tag neues Glück…

Während Nicole und Norbert weiterhin pausierten, ging es für mich gegen 1.00 Uhr dann wieder raus auf die Strecke. Auf der ersten Runde ist es noch kälter als schon im kalten Zelt, sodass ich sowohl meine Jacke als auch Mütze erst einmal auflasse und mich erst während der Runde nach und nach wieder entkleide. Nach der ersten Runde sitzt dann Yvonne rauchend in ihrem zum Schlafplatz umgebauten Auto – sie wollte sich eigentlich gerade hinlegen, aber ich kann sie motivieren mit mir eine weitere Runde zu drehen. Sie hatte bis zu dem Zeitpunkt noch nicht pausiert, weshalb wir dieselbe Anzahl an Runden vorzuweisen hatten. Wir quatschen über belanglose Dinge, was in dieser Situation aber absolut Ok ist,da es mir zumindest zeitweise andere Gedanken beschert hatte als die, die überwiegend dominant waren – nämlich die Suche nach Gründen, um mich wieder beruhigt zurück ins Zelt zu legen.

Aber ich schaffe es mich nochmal für 4 Runden zu motivieren, so dass 25 Runden also 60 km zu dem Zeitpunkt auf meinem Konto stehen, dann ist mein Motivationsakku endgültig leer und ich lege mich wieder zurück ins Zelt. Es ist mittlerweile 2:30 Uhr und meine Nachbarn Nicole und Norbert liegen immer noch in ihren Zelten, sodass ich mich ohne schlechtes Gewissen zu haben und mit der Gewissheit schon 4 Runden voraus zu sein auch wieder hinlegen kann. Nach einer kurzen Frostphase finde ich dann doch recht schnell in einen erträglichen Zustand, der aber alles andere als bequem und erholsam ist. Trotzdem nicke ich kurzzeitig ein, werde dann aber durch das Rascheln der Nachbarzelte geweckt, es sind Nicole und Norbert, die sich wieder auf die Strecke machen wollen, aber sich noch nicht ganz einig sind, wann es wieder losgehen soll – nachdem man sich geeinigt hatte, vergeht eine weitere halbe Stunde – also genug Zeit damit auch ich es schaffe mich wieder aufzuraffen, sodass wir drei dann gegen 4 Uhr wieder auf der Strecke sind.

Für mein Realziel fehlen mir zu dem Zeitpunkt noch ganze 17 Runden und die Stelle unter dem rechten Fuß, die sich schon vor Stunden bemerkbar gemacht hatte, hat sich mittlerweile zu einer stattlichen Blase weiterentwickelt. In der Folgezeit versuche ich meinen Fuß so kontrolliert wie nur möglich aufzusetzen, um eine Verschlimmerung zu vermeiden, was von außen betrachtet orthopädischbedenklich ausgesehen haben muss. Aber im Grunde sind die Probleme mit der Blase am Fuß und die muskulären Schmerzen im Vergleich zur schwindenden mentalen Power echt sekundär. Habe ich in der Anfangsphase noch Großteile der Strecke joggend zurückgelegt, so befinde ich mich mittlerweile in einem dauerhaften Marschmodus, der nur noch ganz selten von Trabphasen durchbrochen wird. Die mangelnde Laufmotivation macht sich vor allem auf den Runden bemerkbar, die ich überwiegend alleine zurücklege. Runden in Begleitung von Nicole und Norbert oder anderen Läufern fallen wesentlich leichter – man ist abgelenkt und nicht in den eigenen Gedanken gefangen – geteiltes Leid ist wie das Sprichwort besagt eben nur halbes Leid.

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Laufen am Morgen vertreibt Kummer & Sorgen…

Das Brocken-Déjà-vu…

Der Moment indem die Dunkelheit von der aufgehenden Sonne beiseitegeschoben wird, setzt in mir noch einmal Kräfte frei. Das ist der Magicmoment, den ich schon einmal bei der Brocken-Challenge Anfang des Jahres miterleben durfte. Von Runde zu Runde wird es nun heller und die Strecke füllt sich allmählich wieder mit Leben. Waren es in Nacht lediglich eine Handvoll Laufnarren, die auf der Strecke unterwegs waren, prägen nun die normalen und vor allem gut ausgeschlafenen Läufer das Bild der Strecke. Viele sprechen uns Dauerläufern Mut zu – die Interaktionen holen mich einige Male zurück aus der gedanklichen Dämmerung. Genau wie der Kaffee, den wir gegen 7.00 Uhr am Morgen im Verpflegungszelt trinken – herrlich!!! Zu dem Zeitpunkt fehlen noch 10 Runden und wenn es mit der Geschwindigkeit weitergehen sollte, dann habe ich gegen 11.00 Uhr meine 100 km zusammen.

Die restliche Strecke von 10 Runden wandere ich eigentlich nur noch – teilweise alleine, teilweise mit Nicole und Norbert zusammen, die in der Phase frischer sind als ich und die 4 Runde, die ich in der Nacht vorgelaufen bin, nach und nach aufholen, sodass ich am Ende meiner 42. Runde lediglich 10 Minuten auf die Beiden warten muss, um mit ihnen gemeinsam ins „Ziel“ einzulaufen. Nach einem kurzen Moment der Freude überwiegt bei mir die körperliche und mentale Erschöpfung. Während Nicole und Norbert nach einer Pause weiterlaufen wollen, hätten mich nach dem 100km-Finish nichts und niemand mehr zu einem weiteren Kilometer überreden können. Auch wenn in den verbleibenden 4 Stunden noch die ein oder andere Runde machbar gewesen wäre – so zumindest mein Eindruck eine Woche danach… 😉

Post-Zielphase – 100,8 km und keinen Meter mehr…

Normalerweise werden die 100km-Läufer direkt nach dem Vollenden ihrer 42. Runde mit einer Fanfare empfangen, da Klaus Kauczor, der Hauptinitiator des Rekener 24h-Laufs aber in dem Moment nicht vor Ort war, sollten wir eine Viertelstunde später zurückkommen, um den feierlichen Empfang dann gebührend nachzuholen. Wir nutzen die Zeit und begeben uns in Richtung Schlaflager, um den Lauf erst einmal zu rekapitulieren und etwas zu essen.

Am Zelt angekommen finden wir brütende Hitze vor – war es in der Nacht noch bitter kalt, ist es jetzt eindeutig zu heiß. Die Sonne steht im Zenit und knallt mitten auf unseren Platz. Die Suche nach einem schattigen Platz beginnt, aber der nächste Schattenplatz befindet sich unter einem großen Ahornbaum und liegt für den Moment unüberwindbare 200 Meter von unseren Zelten entfernt. Uns und vor allem mir fehlt jeglicher Antrieb, um irgendwelche Sachen zusammenzupacken und den „langen Weg“ rüberzugehen  – doch dank Norberts unermüdlichem Engagements gelingt es ihm, uns aus einem Stock und einer Decke einen schattenspenden Sonnenschutz zu bauen und als er aus seiner Kühlbox dann auch noch fast eiskalte Kühlakkus zaubert, geht es mir schon viel besser. Hunger habe ich komischerweise keinen – ich fühle mich leer, mein Kopf ist total demoliert – ich befinde mich sowohl körperlich als auch kognitiv in einem deliriumartigen Zustand, wobei mein Kopf stärker betroffen scheint als mein Beine. Und eins wird auch klar – je länger man sitzt desto schwerer wird es den Arsch wieder hochzukommen.

100km-Club-Shirt vom Rekener 24h-Spendenlauf

Shirt des Clubs der 100 km Läufer vom Rekener 24h-Lauf 2016.

Nach einer Weile geht es dann wieder zu Klaus in Richtung Organisationstisch, wo wir unsere Ehrung empfangen wollen, der ist diesmal auch da und hält die pseudofeierliche Zeremonie ab. Da wir zu Dritt sind, einigen wir uns darauf, dass uns eine gemeinschaftliche Fanfare vollkommen ausreicht. Schließlich haben wir ja auch den Großteil des Wettkampfes zusammenbestritten, also können wir uns auch gemeinsam feiern lassen. Zusätzlich zu der Fanfare und netten Worten überreicht uns Klaus unsere 100km-Shirts. Abschießend wurde dann noch das obligatorische Foto für die Pinnwand gemacht. Auf der Pinnwand sind die Fotos von allen Läufern verewigt, die in Reken die 100km-Marke gemeistert haben und somit in den Club der 100km-Läufer aufgenommen sind. Oh je – auf das Foto bin ich echt gespannt, ich zweifle aber stark daran, dass ich das mit dem Lächeln noch einigermaßen authentisch hinbekommen habe. Naja, ein Grund mehr um im nächsten Jahr wieder an der Startlinie zu stehen und das zu prüfen.

Danach wartete bei völliger Zerstörung und massiver Sonneneinstrahlung noch der Zeltabbau, der mindestens genauso hart war, wie die Runden gegen Ende. Nachdem dann alles endgültig und irgendwie im Auto verstaut war, verabschiedete ich mich von Nicole und Norbert und machte mich auf den Weg zurück in meine Homebase. Da meine Konzentration durch die Intensität des Wochenendes doch stärker gelitten hatte als ich zunächst dachte, musste ich mir auf dem Weg zurück ins Ruhgebiet dann doch eingestehen, dass ich ganz dringend eine Pause am Rasthof benötige. Nach einer fünfminütigen Augenentspannungspause konnte ich die Heimfahrt dann glücklicherweise ohne weitere Komplikationen fortführen und auch erfolgreich zu Ende bringen.


Fazit, Resümee und gewonnene Erkenntnisse…

Der 24h-Lauf war für mich vor allem eine Herausforderung für die Psyche. Es gilt die innere Uhr auszutricksen, der Punkt an dem die Müdigkeit überwiegt, kommt irgendwann im Verlauf der 24h unaufhaltsam und an dem Punkt gilt es im Idealfall Strategien parat zu haben, die das Weiterlaufen ermöglichen. Aber genau diese Lösungsstrategien hatte ich diesmal nicht parat, weil ich mich in der Vorbereitung überhaupt nicht mit dem Problem auseinandergesetzt habe. Vielleicht habe ich das Ganze auch schlicht und einfach unterschätzt.

Sollte ich in nächster Zeit erneut das Verlangen verspüren an einem 24h-Lauf teilzunehmen, was garantiert wieder vorkommen wird, dann sollte ich mir in der Vorbereitung für diese Problematik Lösungsstrategien entwickelt haben. Zur Erreichung meines tiefgestapelten Ziels war das noch nicht von Nöten, aber über für eine Zielsetzung von 140-160 km wird das zwingend erforderlich sein. Dennoch bin ich mit dem bei meiner Premiere Erreichten voll und ganz zufrieden. Aus einer fast lauffreien Phase 100 km zu rocken, finde ich absolut ok. Ich bin gespannt wie so ein 24h-Lauf ausgehen wird, bei dem ich sowohl psychisch als auch physisch optimal vorbereitet bin.


PS: So abwechslungsreich und spannend sehen 50km /21 Runden á 2,4 km aus… 😉

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Was habe ich mitgenommen? hier meine Packliste aus dem Vorbericht

 Was hätte ich mitgenommen bzw. anders gemacht  – Konsequenzen für mich für’s nächste Mal:

  1. Optimaler ausgewählte Verpflegung als die, die ich dabei hatte – Nussschokolade, Salzbrezeln, Erdnüsse, Studentenfutter, Käse – ich hatte so eine Lust auf gewürfelten Gouda. Die Verpflegung vom Veranstalter mit Banane und Cola waren auf die Dauer dann doch eher demoralisierend.
  2. Wärmere Sachen – weil in den inaktiven Phasen und vor allem in der Nacht es doch bitter kalt wurde
  3. Ein Zelt mit Boden zum Aufbocken – das Wideraufstehen aus der tiefen Lage war irgendwie mit der Zeit eine echte Qual
  4. Mehr Wechselsachen hätten wohl auch einen positiven psychologischen Mehrwert gehabt – frischer Duft bringt positive Gedanken
  5. Motivationszettel und eine planmäßigere Zielsetzung mit Zwischenzielen und keine Herangehensweise nach dem Motto „Gucken wir mal wie weit wir kommen“. Nachdem Erreichen des Realziels (100km) war es zu verlockend keinen weiteren Meter mehr zu laufen

In dem Sinne keep on running und Rock n‘ Roll

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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11 Antworten zu Mein erster 24h-Lauf in Klein-Reken – der Erlebnisnachbericht vom Rekener 24h-Spenden-Lauf in voller Länge

  1. Belana Hermine schreibt:

    Ein toller Bericht. Ich danke Dir. Er triggert wirklich meine Lust, es auch mal zu probieren – nach entsprechender Vorbereitung natürlich.
    Nochmals herzlichen Glückwunsch und viel Spaß beim Vorbereiten auf weitere Läufe.

    Gefällt 1 Person

    • SohlenRocker schreibt:

      Besten Dank! Wenn du es mal porbieren willst – dann empfehle ich dir den Laufkalender der DUV – teilweise gibts aber neben dem Laufwettbewerb auch einen Wanderwettbewerb beispielsweise beim Hollenlauf – wenn Tipps für Läufe brauchst einfach kontaktieren – beste Grüsse….

      Liken

  2. Jenne schreibt:

    Hammer Leistung. Glückwunsch ! Wie Du schon sagst, ein Sieg über die Psyche. Ob das für mich was wäre, weiß ich nicht. Gar nicht mal wegen der Distanz, eher wegen dem Rundkurs. Da stell ich mir noch erschwerend dazu vor. Klasse mit der Rollator-Oma. Da haben unsere Beine ja noch paar Jahre was zu tun 😀

    Gefällt 1 Person

    • SohlenRocker schreibt:

      Danke Danke!!! Frau Perters war echt inspirierend und ja es war langweilig und zermürbend – vor allem ohne passende Strategie, um der Monotonie zu begegnen, aber was soll es – Haken dran und fertig!!! Dir viel Spass beim Berlin-Marathon und grüss mir die goldene Else 😉

      Gefällt 1 Person

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