Köln Marathon 2016 – dann eben doch – Pacemaker-Premiere zum 20. Jubiläum beim Marathon durch die Domstadt

koln20jDer Rekener 24-Stunden-Lauf liegt jetzt knapp vier Wochen hinter uns. Die vier Wochen, von denen ich fast eine Woche erkältungstechnisch im Bett verbringen durfte, standen ganz klar im Zeichen einer laufreduzierten Regeneration. Bei drei Trainingsläufen sollte man in keinem Fall von einer ordentlichen Wettkampfvorbereitung sprechen, auch wenn man zugeben muss, dass die für einen 5h-Marathon vielleicht nicht zwingend erforderlich scheint. Bei diesem Lauf hat mich besonders die Tatsache gefreut, dass sich nach der verwetterten Hasenpremiere im Juni beim 1. Santander-Marathon durch ein wenig Zufall und hartnäckiges Nachfragen meinerseits dann doch noch eine Pacer-Premierenchance in 2016 ergeben hat.

Wie alles begann – unverhoff kommt oft…

Während der Kommunikation hinsichtlich der Koordination des Pacemaker-Teams beim Santander-Marathon flatterte irgendwann per Mail das Pacer-Angebot für den Köln-Marathon in mein Email-Postfach. Thorben aus dem Gladbacher-Pacer-Team informierte uns darüber, dass beim Köln-Marathon noch Brems- und Zugläufer für diverse Strecken gesucht werden würden. Wie so viele Läufe stand auch der Köln-Marathon schon längere Zeit auf meiner want-to-run-Liste und von der Idee in Köln als Hase an den Start zu gehen war ich von Anfang an voll begeistert. Meine erste Mail an den Pacer-Koordinator in Köln fand zunächst keinerlei Beachtung, sodass ich einen Monat vor dem Lauf erneut nachgefragt hatte, inwieweit ich in den aktuellen Planungen berücksichtigt werde oder eben nicht. Diesmal kam die Antwort prompt und man unterbreitet mir das Angebot den 5h-Ballon durch die Domstadt zu tragen, was natürlich hervorragend zu meiner aktuellen Form passte.

RunningExpo am Samstag – Lächeln für die Presse…

Schon am Vortag hatte ich mich für den offiziellen Pacer-Fototermin und natürlich um die Startunterlagen von Thorsten und mir abzuholen auf den Weg nach Köln gemacht. So gesehen war es die Generalprobe für den Wettkampftag, um abzuchecken inwieweit das mit den Bahnverbindungen zeittechnisch hinhaut. Die Hinfahrt mit der Deutschen Bahn klappt, man soll es kaum glauben, ohne jegliche Verspätungen. So reibungslos sollte es aber nicht bleiben, dafür sollte ich selber sorgen, als ich mich spontan dazu entschlossen hatte, um zum Technologiezentrum Mungersdorf zu kommen irgendwelchen Läufern hinterher zu laufen. Dummerweise war diese Laufgruppe ortsfremd und hatte genau so wenig einen Plan, wie ich ihn nicht hatte. Der Fototermin 14:30 geriet ordentlich ins Wanken. Um 14:15 war dann endlich die Bahnhaltestelle der S13 in Müngersdorf erreicht. Es wartete ein 10 minütiger Fußweg durch eine Blechlawine zur Messe. Jetzt hieß es sich schnellstmöglich durch die Messe zu schlagen, um den Startunterlagen-Schalter zu erreichen, der wie soll es auch anders sein, in der hintersten Ecke der Messe lag – damit ja jeder Läufer gezwungen ist an allen Ständen der Aussteller vorbei zu laufen. Mit den Startunterlagen in der Hand erreiche ich verschwitzt, aber pünktlich die Jubileers-Lounge in der Eingangshalle. Einige der Pacer posieren gerade für Erinnerungsfotos mit Marcel Bräutigam, der als „Aushängeschild“ des Köln-Marathons hierbei natürlich nicht fehlen darf. Das Mannschaftsfoto ist schnell im Kasten, letzte Instruktionen übermittelt und dann standen für mich auch schon wieder 2 Stunden Zugfahrt an, die man allerdings bei wechselnder Landschaftstapete ideal zum Lesen nutzen kann.

Berlin marathon 2016

Der Marathonmorgen

Um kurz nach 6 klingelt das Handy und dabei bin ich doch erst um kurz nach 1.00 Uhr eingeschlafen. Ich bin hundemüde und würde liebend gern liegen bleiben, aber das kann ich Thorsten nicht antun. Außerdem wartet in Köln heute meine Hasenpremiere und die will ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Jetzt heißt es funktionieren und nicht zu viel Zeit mit unnötigen Dingen vertrödeln. Leichter gesagt als getan – im Halbschlaf geht es zunächst ab unter die Dusche. Die fast schon zu heiße Wassertemperatur erzeugt ein wohliges Gefühl, das dem von eben aus dem Bett doch sehr nahe kommt, wenn ich nicht stehen würde, könnte ich direkt an Ort und Stelle wieder einschlafen. Wenn da nicht der Zeiger meiner Uhr wäre, der sich unaufhaltsam in Richtung Abflugzeitpunkt bewegt.

Für ein ausgiebiges Frühstück fehlt jetzt eindeutig die Zeit und um frischen Kaffee zu kochen, hätte ich auch früher aufstehen sollen. Also bleibt mir nur die Möglichkeit schnell einen Alten vom Vortag aus der Thermoskanne zu nehmen und ihn in der Mikrowelle zu erwärmen. In der Zwischenzeit stopfe ich meine schon gestern rausgelegten Klamotten in den Rucksack – Tape, Vaseline, Laufhose, Unterhemd, Socken, Strümpfe und Klamotten für nach dem Lauf und ganz wichtig der Championchip zur Zeitmessung, der in Köln verwendet wird. Wie immer wenn ich morgens zu irgendwelchen Laufveranstaltungen aufbreche, begleitet mich dieses flaue Gefühl, dass vielleicht doch irgendwas Essentielles nicht den Weg in meine Tasche gefunden haben könnte. Diesmal scheint aber alles dabei zu sein. Noch schnell ein paar Kekse, 2 Bananen und ein Liter Traubensaft-Mineralwasser zusammengemischt und ab dafür in den Rucksack. Es geht raus in die Kälte zu meinem Motorroller. Die Anfahrt mit dem Roller hat nicht nur den Vorteil Parkplatzprobleme am Bahnhof zu umgehen, es ermöglicht auch die Nutzung von Abkürzungen, die ich mich mit dem Auto nicht unbedingt trauen würde zu nutzen.

Anfahrt – eine Zugfahrt die ist lustig…

Nach nicht einmal 10 Minuten bin ich leicht angefroren am Bahnhof in Wanne angekommen und mein Roller ist in einer dafür vorgesehenen Parkbox abgestellt. Laut Plan soll der Regionalexpress um 7:02 Uhr abfahren und uns zunächst nach Düsseldorf bringen, von wo es dann weiter nach Köln Deutz geht. Das Bild am Bahnsteig ist geprägt von hyperaktiven Rentnern und Übriggebliebenen von der gestrigen Partynacht. In GE eine Station nach Wanne-Eickel steigt dann Thorsten dazu – nach vorheriger Endkoordinierung per Handy klappt alles planmäßig. Die Zugfahrt ist relativ entspannt – weder Thorsten noch ich sind um die Uhrzeit besonders gesprächig. Allerdings ist die Luft im Zugabteil ein bisschen dick – ein Hauch von Urin und Kotze liegt in der Luft, aber ich bin immer noch zu müde, um mich zu beklagen, deshalb ertrage ich die Situation stillschweigend.

Der Anschluss in Düsseldorf in den RE in Richtung Koblenz über Köln-Deutz klappt komplikationsfrei. Doch die Ansage von Thorsten, dass es nur noch 20 Minuten bis Köln Deutz sind, reißt mich aus meinem traumähnlichen Zustand. Eigentlich absolut kein Grund Panik zu schieben, eigentlich nicht, aber da war doch was?! Ach ja genau, ich wollte mich auf der Zugfahrt eigentlich noch in mein Renndress geschmissen haben. Ein wenig lethargisch und unkoordiniert packe ich meine Klamotten aus und ziehe mich ungeniert im Abteil aus und dann um – kurz vor dem Erreichen des Bahnsteigs bin ich umgezogen und die restlichen Klamotten sind zurück in der Tasche verstaut. Mein Striptease im Regionalexpress bleibt zum Glück unbemerkt…

img_0344-collage

Vorstartgeplenkel aber kein Gepinkel

Um 8.20 Uhr erreichen wir den Zielbahnhof in Köln Deutz. Schon am Bahnsteig ist von Draußen die Musik deutlich zu vernehmen und mein erster Blick als ich aus dem Bahnhofsgebäude komme fällt auf einen Karnevalswagen der Blauen Funken mit dem Namen „Dicke Berta“. Wir sind definitiv am richtigen Bahnhof in Köln ausgestiegen! Der Halbmarathon Start steht kurz bevor – überall Menschenmengen, Karnevalsschlager dröhnen aus den Boxen – Partystimmung ist angesagt! Das Wetter könnte nicht besser sein – überwiegend blauer Himmel mit vereinzelten Wolken und die Sonnenstrahlen sorgen in der inaktiven Rumsteh-Phase vor unserem Start für angenehme Temperaturen. Wir gehen direkt in Richtung der UPS-LKWs, die unsere Klamotten später in den Zielbereich auf die andere Rheinseite bringen werden. Direkt vor der LKW-Rheie befindet sich eine sonnenbestrahlte Wiese. In der Sonne ist es fast schon warm, was das Warten auf den Marathonstart erträglicher macht. Zudem liegt die Wiese leicht erhöht und ermöglicht einen Blick auf das Halbmarathonfeld. Nachdem alle Halbmarathonis auf ihre 21km-lange Reise geschickt sind, machen wir uns dann endgültig startklar für den Marathon und geben unsere Taschen bei den LKWs ab.

Um 9:40 Uhr geht es rüber zum Helpdesk, wo ich meinen roten 5:00 h abholen soll. Der Helpdesk befindet sich im Schatten von zwei Gebäuden, die zudem den einfallenden Wind vom Rhein her so kanalisieren, dass es sofort frostig-kalt wird. Nach einem Mannschaftsfoto geht es so schnell wie nur irgendwie möglich zurück zum Startfeld. Wir laufen gute fünf Minuten bis der hintere Teil des Feldes endlich erreicht ist, aber auch hier ist von der vorher präsenten Sonne nichts mehr zu sehen. Je näher der Marathonstart bevorsteht, desto mehr zieht eine kompakte Wolkendecke auf. Es wird windig und fast schon schattig-kühl, aber zum Glück geht es gleich los und ich darf mich endlich bewegen.

5 Minuten vor dem Start – Zeit zum Pinkeln

Weil die Blase drückt, erleichtere ich mich am Wegesrand – was in normalen Zeiten wohlmöglich ein Bußgeld für wildes Urinieren nach sich ziehen würde, ist bei Laufveranstaltungen völlig normal. Danach geht es mit dem Ballon ab in den orangen Block. Kaum bin ich angekommen suchen auch einige schon das Gespräch und erkundigen sich nach der geplanten Herangehensweise –  meine immer gleichlautende Antwort klingt in etwa so: „ Wir werden eine Pace von um die 7:00 min/ km laufen, wobei das Ziel auf der ersten Marathonhälfte ist, 2-3 Minuten rausgelaufen zu sein, um hinten raus Zeit für die VPs zu haben“. Andere versuchen ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen, und wollen wissen ob ihr Trainingsstand für 5h reichen könnte oder ob NUR 6 Gels ausreichen, wiederum andere erzählen mir ihre halbe Krankenakte – ich antworte allen ruhig und sachlich – aufgeregt bin ich trotz Pacer-Premiere nicht, was beim 40. Mal über die Marathondistanz nicht wirklich verwundert. Was für eine Anziehungskraft doch so ein roter Ballon auf verunsicherte Läufer haben kann, denke ich mir?! Das Einzige was mich in dem Moment ein bisschen verunsichert hatte, ist die Tatsache, dass meine uralte Garmin immer noch keine Verbindung zum Satelliten gefunden hatte. Aber was soll es, selbst wenn sich bis zum Start nix getan haben sollte, kann ich mich ja notfalls immer noch an Mirko (den zweiten 5h-Pacer) orientieren.

Mit viel Tamtam und Konfettikanone erfolgt der Start

Der Start des Favoritenblocks erfolgt um 10.00 – um 10.11 gehe ich mit den Startern des orangenen Blocks über die Startlinie. Die Komplikationen mit meiner Uhr bestehen weiterhin – woran es genau liegt, kann ich nicht sagen. Wohlmöglich liegt es an der Wolkendecke oder den tausenden Störsignale, die von den anderen Uhren ausgehen – jeden Falls findet meine Uhr keinen Satelliten und wenn es hart auf hart kommen sollte, dann habe ich für den Fall auch noch meine Zeigeruhr dabei – eine grob Orientierung wäre damit zwar gewährleistet, aber das wäre natürlich alles andere als optimal. Und wenn nichts gehen sollte, ist Mirko der 2. Pacer zum Glück noch da. Wenn es aber mit meiner Uhr so ist, wie es schon öfters gewesen ist, dann wird sie ihr Signal früher oder später noch finden – die Hoffnung stirbt zu letzt…

Die 42 km zwischen Start und Ziel

Direkt nach dem Start geht es über die Deutzer Brücke auf die andere Rheinseite. Die gebotene Aussicht auf die Kölner Skyline ist von hier aus großartig. Rechts sind der Dom und links die 3 Kranhäuser im Kölner Rheinauhafen zu bestaunen. Aus der kultur-touristischen Perspektive flacht die Strecke, zumindest was Sehenswürdigkeiten betrifft, danach ziemlich ab. Nach 3 Kilometern meldet sich dann auch endlich mein GPS zum ordnungsgemäßen Dienst. Bis dahin musste ich mich an Mirko orientieren, was aber niemanden aufgefallen sein sollte. Im weiteren Verlauf hatte die Strecke noch das ein oder andere zu bieten, wie beispeilsweise den Fernsehturm, eine Moschee oder den Melaten-Friedhof, leider aber auch mehrere Abschnitte, die als Wendestrecken gelaufen werden und die ich bei Städtemarathons so überhaupt nicht toll finde. Die Verpflegung auf der Strecke kann als bedarfsgerecht bewertet werden – alle Helfer professionell freundlich und trotz suboptimalen Wetters bei guter Laune. Positiv in Erinnerung bleiben mir in jedem Fall die vielen Anwohner, die mit unterschiedlichsten Hilfsmitteln bewaffnet waren, um stimmungsvollen Lärm zu produzieren. Zum Einsatz kamen hierfür Klatschballons, Kochtopf, Topfdeckel, Musikanlagen, Tröten und Trillerpfeifen, spätestens beim präsentierten Einfallsreichtum wurden man daran erinnert, dass es durch Köln geht. Alle ob Klein oder Groß wissen hier genau wie man Straßenfeste feiert. Neben den vielen Bewohnern sorgten auch Bands, die entlang der Strecke verteilt waren für gute Rhythmen.

KölnMarathon_Strecke2015_Bild

Einen weiteren bleibenden Eindruck auf der ersten Hälfte des Marathons haben bei mir außerdem die unterschiedlichsten Düfte hinterlassen, die aus Pizzerien und Dönerläden kamen und den Weg in meine Nase fanden. Solch einen Heißhunger auf etwas Deftiges schon zu Beginn eines Marathons hatte ich bislang so noch nicht erlebt. Meine Gelüste blieben allerdings nur Wunschdenken, da ich mich bis km 21 mit Wasser und Bananen rumschlagen musste. Und auch danach wurde es wenig kulinarisch. Erst ab km 21 gab es dann neben Wasser und Bananen auch Elektrolyte mit Geschmack von DextroEnergy, die mal mehr oder weniger kräftig angemischt waren und ab km 30 dann endlich auch meine heißgeliebte Coca-Cola.

Die ersten 21.2 km sind wir planmäßig etwas schneller angegangen, sodass beim Halbmarathon eine Zeit von 2:26:47 zu Buche stand. Theoretisch hätten wir für ein maximal gleichmäßiges Tempo eine Zeit von 2:29:30 aufweisen müssen, wir waren also knapp 3 Minuten zu forsch unterwegs. Um uns herum versammelte sich zum Zeitpunkt des Halbmarathons noch eine ca. 10 Läufer starke Gruppe. Viele nutzen uns aber auch lediglich als Sprungbrett, um erst mit einem kontrollierten Tempo ins Rennen zu starten und nach überstandener Starthektik dann ihr eigenes Rennen durchzuziehen.

img_0364-collage

Halbzeit Marathon oder auch Halbmarathon die 2. – je nachdem wie man will….

Auf der zweiten Hälfte sollte es dann mit 2:32:11 noch etwas gemütlicher abgehen als es schon auf der ersten Hälfte abgegangen war. Bei Kilometer 32 überholt uns Klaus mit seinem Trupp von Marathonnovizinnen. Mit stolzgeschwellter Brust erzählt er mir, dass er einen positiven Split erreichen wird, was so viel bedeutet, dass man in der 2. Marathonhälfte im Vergleich zu den ersten 21.1 km noch Tempo draufpacken konnte. Dieses Kunststück kommt vor allem bei Marathonpremieren eher seltener vor, da die Gefahr bei unerfahrenen Marathonläufern auf der zweiten Hälfte einzubrechen besonders hoch ist.

Bei Kilometer 36 gab es dann noch einen Red-Bull-VP, der mich geschmacklich aber alles andere als überzeugen konnte. Die Plörre hatte irgendwie einen chemisch-dentalen Geschmack und wirklich beflügelt habe ich mich danach auch nicht gefühlt, aber auch ohne Flügel war das geplante Ziel natürlich nie in Gefahr. Auf den letzten 2 Kilometer wurde die schon tolle Stimmung nochmals gesteigert – es ging durch enge Gassen einer Einkaufspassage direkt vorbei am Dom bis zum Zieltor. Die offizielle Uhr am Zieltor zeigte in dem Moment eine 5:11:23 h an. Da der Start allerdings in Wellen gestartet wurde und der orangene Block, in dem wir uns befunden hatten, erst gegen 10:15 Uhr über die Startlinie ging, war zeittechnisch alles so, wie es sein musste. Nur der Marathon-Moderator hatte von diesem startverzögernden Ablauf anscheinend noch nichts mitbekommen.

img_0385-collage

Nah- und Nachzielbereich

Denn kurz vor der Ziellinie ernteten wir nämlich von „Star-Moderator“ Tom Bartels ein despektierliches „Oh – das hat ja dann wohl nicht geklappt?“. Doch Herr Bartels hat es – nächstes Mal weniger Mist quatschen und sich gewissenhafter  auf einen Marathon vorbereiten. Von wem auch sonst als von dem, der auf mich spätestens seit den totgelaberten EM-Spielen dieselbe Wirkung hat, wie ein rotes Tuch auf einen Jungbullen in der Stierkampfarena  und mich regelmäßig zum Aktivieren der Stummfunktion am Fernseher animiert. Nichts desto trotz konnte selbst er mir diesen Moment nicht wirklich kaputtmachen.

Unterm Strich stand eine Handgestoppte Zeit von 4:59:03 – die offiziell laut Urkunde noch auf 4:59:00 korrigiert war. Nach herzlichen Umarmungen und gemeinsamen Gratulationen ging es ab zu Thorsten, der auf einem Wasserkasten sitzend schon auf mich wartete. Am Ende der Zielzone gab es dann noch die wohlverdiente Finisher-Medaille um den Hals gehangen und der rote Luftballon, der mich die letzten 5h so treu begleitet hatte, durfte in den grauen Kölner Himmel emporsteigen.

Mit dem Ende des Laufs wurde es dann ziemlich schnell kalt. Um das Risiko einer erneuten Erkältung zu minimieren, da es mich erst vor 2 Wochen also eine Woche nach dem Rekener 24h-Lauf  dahin gerafft hatte, ging es so schnell wie nur irgendwie möglich zur Taschenausgabe. Das Hungergefühl aus der Anfangsphase des Marathons war mittlerweile verflogen. So ging es nach 3 Bechern Dextro-Refresher auf direktem Wege zu den deponierten Klamotten. Ungünstiger Weise lag die Taschenausgabe ein gutes Stück hinter der Verpflegungszone, was mir dann doch noch die Chance bot bei den Hotdogs zuzugreifen – was sich aber schnell als keine gute Idee herausstellen sollte. Kaum hatte ich das erste Mal in die Wurst gebissen, wird mir fast speiübel – die Wurst samt Brötchen landet in der Tonne. Mein Magen scheint auf solch Deftigkeit noch nicht vorbereit zu sein. Irgendwoher kannte ich diese gastrointestinale Reaktion – es war auf jeden Fall nicht das erste Mal, dass ich bei einem Lauf bzw. im direkten Anschluss daran schlechte Erfahrung mit einer Bockwurst gemacht habe. Aber irgendwie scheint in diesen Momenten so kurz nach dem Zieleinlauf der Abruf diese Informationen zur Frühwarnung blockiert zu sein.

Fazit zum Pacer-Job

Zu Beginn war das Interesse am roten Ballon groß. Es ging vor allem darum, um die offensichtlich vorhandene Nervosität zu beruhigen. Die meisten wollten natürlich wissen mit welcher Taktik wir das Rennen angehen werden, andere ob es mit nur einem Lauf über 23 km in der Vorbereitung möglich ist den Marathon unter 5h zu laufen, ob man mit nur 6 Gels auskommen kann und wiederum Andere haben mir ihre halbe Krankenakte offenbart. Ich habe mir natürlich alles seelenruhig angehört, mir meinen Teil gedacht und alle Fragen versucht beruhigend zu beantworten. Und dann ging es irgendwie auch schon los. Wir hatten vorher in der Gruppe kommuniziert, dass wir bis 5 km langsam machen wollen (7:05/km) und dann versuchen werden bis zum Halbmarathon 2-3 Minuten „rauszulaufen“, um uns so Gehpausen für die VPs der zweiten Hälfte zu erlaufen. Gestartet waren wir mit 10-15 Leuten, die sich über mehrere Kilometer in unserem Umfeld tummelten. Die meisten verabschiedeten sich allerdings mit der Distanz entweder nach hinten oder konnten sich nach vorne absetzten. Wiederum andere sind von Hinten zu uns aufgelaufen oder wurden von uns auf dem Weg ins Ziel eingesammelt. Unsere Gruppe hatte irgendwie was von einem mobilen Bienenstock?!

Mit einer Zielzeit von 4:59:00 sind wir dann ins Ziel eingelaufen, wo dann auch der ein oder andere Läufer aus den früheren Phasen des Marathons wartete und sich mit uns über das Erreichte freute. Spaß hat es mir auf jeden Fall trotzdem bereitet – auch wenn es mir teilweise ein wenig leidgetan hat, dass ich mich um den einen oder anderen Läufer nicht intensiver kümmern konnte, wenn diese aufgrund von individuellen Krisen abreißen lassen mussten. Leider hat man als offizielleingesetzer Pacemaker nur eingeschränkt die Möglichkeit auf individuelle Belange einzelner Läufer einzugehen. Das ein oder andere Mal hatte ich zwar noch versucht zurückfallende Läufer zum Weiterlaufen zu motivieren, wenn diese typischen „Auflösungserscheinungen“ aber zum ersten Mal bei Kilometer 25 anfangen, dann ist eigentlich schon klar, dass es auf den restlichen 17 km bis ins Ziel nicht leichter wird die Zielpace von 7 min/ km zu halten, um denjenigen noch unter 5h ins Ziel zu ziehen.

Mein persönlicher Eindruck war vor allem, dass sich viele aufgrund von Verletzung oder Krankheit nicht adäquat auf den Marathon vorbereitet haben, aber trotzdem mit viel zu ambitionierten Zielen am Start standen. Wenn ich vor dem Start erzählt bekomme, dass man in der Vorbereitung zu seinem ersten Marathon nur einmal eine Distanz von 23 km gelaufen ist, dann ist es wenig überraschend, dass selbst ein wenig ambitioniertes sub5h-Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist. Auf der anderen Seite gab es aber auch Läufer, die sich zwar zu Beginn noch an unserem Tempo orientiert hatten, zum späteren Rennzeitpunkt dann aber ein schnelleres Tempo eingeschlagen konnten. Inwieweit wer von unserer Tempogestaltung profitiert hat oder auch nicht, ist im Nachhinein natürlich schwer bzw. gar nicht festzustellen, was mir auch eigentlich egal ist, weil unter dem Strich empfand ich die Pacerpremiere als ein super Erlebnis, das ich nicht missen will!!!


In dem Sinne – keep on running & Rock ’n Roll

Werbeanzeigen

Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
Dieser Beitrag wurde unter Alles, Marathon, Wettkämpfe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Köln Marathon 2016 – dann eben doch – Pacemaker-Premiere zum 20. Jubiläum beim Marathon durch die Domstadt

  1. Belana Hermine schreibt:

    Danke für Deinen ausführlichen Bericht. Es hat mir viel Spaß gemacht, ihn zu lesen, und viele schöne Erinnerungen an mein Marathon-Debut vor zwei Jahren in Köln hervorgeholt. Mit gut unter 4 Stunden war ich sehr zufrieden mit mir.
    Bewunderswert finde ich allerdings, dass es möglich ist, so zielsicher eine anvisierte Zeit auf einer doch recht langen Strecke zu erreichen. Hut ab und herzlichen Glückwunsch. Ich bin sicher, dass viele Läufer dankbar dafür waren, dass Du da warst.

    Gefällt 1 Person

    • SohlenRocker schreibt:

      Freut mich, dass er Dir gefallen hat. Sub4h beim Debüt Hut ab – klasse Leistung. Ich habe es mittlerweile aufgeben den schnelleren Zeiten hinterher zu jagen, das würde akribisches Training verlangen und dafür fehlt mir in letzter Zeit vermehrt die Motivation – der überwiegende Teil meines Trainings besteht aus ausgedehnten Taperphasen und Wettkämpfen 😀 Und so viel Wunder steckt da beim zielgenauen Laufen gar nicht hinter – du weisst ja vorher die Zielzeit und dann kannst du das ja auf den Kilometer runterbrechen, alles halb so wild, aber eine gute Möglichkeit sich die Startgebühren zu sparen… 😉

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: …meine Läufe | sohlenrocker

  3. Pingback: Friede, Freude, Eierkuchen – 42.195 Kilometer beim TCS Amsterdam Marathon 2016 – abwechslungsreich & stimmungsvoll | sohlenrocker

  4. linchenlaeuft schreibt:

    Was bin ich froh dass ihr mich nicht überholt habt 😀

    Gefällt 1 Person

  5. Pingback: Suche nach Sinn & Motivation: leidvolle Odyssee bei der Premiere vom Santander Marathon 2017 in Möchengladbach | sohlenrocker

  6. Pingback: 42.195 Kilometer per pedes durch eine Rheinmetropole – desillusioniert in der Landeshauptstadt beim Düsseldorfer METRO-Marathon 2017 | sohlenrocker

  7. Pingback: (109) Zitate und Weisheiten rundum die Lauferei: „Sweat cleanses from the inside. It comes from places a shower will never reach.“ | sohlenrocker

  8. Pingback: Auf dem langen Weg zur 100: Nächster Halt ist in Mönchengladbach beim 2. SANTANDER MARATHON | sohlenrocker

  9. Pingback: Kurz, knapp & bündig aus der Rubrik Mein Marathon Kriterien Kompass (14): 21. RheinEnergie Marathon Köln 2017 | sohlenrocker

  10. Pingback: Ein kilometerreiches Wochenende mit einer buntgemischten Programmtüte – von der Großdemo im Hambacher Wald bis zur Ballonfahrt beim Köln Marathon war alles dabei | sohlenrocker

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s