Sohlen rocken bei den Deutschen Meisterschaften im Kreislaufen über 6 h – Verlaufen garantiert nicht möglich

|Nachtrag: 11.03.2017 | StOÜbPl Handorf-Ost | 6-h-Lauf Münster |

Mit dem 6-Stunden-Lauf von Münster stand am 11. März 2017 der zweite Wettkampf im noch frischen Laufjahr 2017 auf meiner Will-Run-Liste. Der diesjährige Einstieg in die Wettkampfsaison war mir mit dem Kleinen-Einladungs-Ultra schon Mitte Januar geglückt, womit er allerdings entgegen meiner eigentlichen Vorsätze auch in diesem Jahr wieder härter ausfiel als beabsichtigt.

6h_Mü_Titelbild_NeuV2_70

Nachdem ich mich im letzten Jahr etwas „zu spontan“ für einen Start beim 6-h-Lauf Münster entschieden hatte und zu meiner Enttäuschung nach meiner Online-Anmeldung unerwartet auf der Warteliste gelandet bin, blieb mir nichts anderes übrig als meine 6h-Startpremiere auf das Folgejahr zu verschieben. Im Nachhinein stellte sich das vorschnelle Abschreiben des Startplatzes als Fehler heraus, weil als eine Woche vor dem offiziellen Starttag dann doch noch per Mail eine Startplatzzusage kam, war ich dermaßen überrumpelt, dass ich mich nicht mehr motivieren konnte und freiwillig verzichtet habe…

Da  zwischendurch auch selbst ich aus gemachten Fehlern lerne, hatte ich mir für dieses Jahr fest vorgenommen, dass ich mich rechtzeitiger um meine Anmeldung kümmere, einfach um mehr Planungssicherheit zu haben. Gesagt, getan und meinem ersten 6-Stunden-Lauf sollte nichts mehr im Wege stehen. Nach dem Rekener 24-h-Lauf im letzten Jahr, der in diesem Jahr (2017) übrigens am 08.09. um 16.00 Uhr starten wird, ist der 6-h-Lauf erst mein zweiter zeitlimitierter Wettkampf überhaupt.

So viel vorweggenommen, wettertechnisch wartete auf uns ein herrlicher Frühlingstag mit Temperaturen um die 10°C und reichlich Sonne. Mein selbstgesteckte Ziel von fünfzig Kilometern sollte für meine zu dem Zeitpunkt vorhandene Form kein großes Hindernis darstellen, aber genau bei der wenig fordernden Zielsetzung lag einmal mehr das Problem.

Schon in Reken beim 24h-Lauf im letzten Jahr hatte eine nach Verbesserung schreiende Zielsetzung zu einem Ergebnis geführt, dass eindeutig hätte besser ausfallen können, ja fast schon müssen, aber natürlich auch nur dann, wenn man es für erstrebenswert erachtet eine maximale Leistung zu erzielen, aber das wäre ein grundsätzlicheres Thema. Also fangen wir Vorne an…

Die Reise zum Veranstaltungsort führt gen Norden…

Der Austragungsort Münster liegt knapp neunzig Kilometer von mir zu Hause aus entfernt und ist über die A43 kinderleicht zu erreichen, sodass die Fahrt über die Autobahn auch äußerst unspektakulär verläuft. Eine Stunde vor dem Start erreiche ich die Lützow-Kaserne in Münster-Handorf. Für die finalen Vorbereitungen bleibt also ausreichend Zeit. Das Standardvorstartprozedere mit Umziehen, Vaseline auftragen und Brustwarzen abtapen ist mittlerweile zur Routine geworden und läuft nahezu automatisiert ab.

Danach bleibt sogar noch Zeit, um sich ein wenig vom erlebten Teilchaos des Hinweges zu erholen – Stress, der dadurch ausgelöst wurde, dass meiner Meinung nach die infrastrukturellen Kapazitäten vor Ort bei annähernd 1000 Läufern gen Maximum tendieren. Vermutlich hätte eine frühzeitigere Anfahrt dieses Problem minimieren können, aber man sollte die Schuld auch nicht immer bei sich selbst suchen.

Was oder wer hat den Stress ausgelöst? Zumindest die entgegenkommenden Autos auf einer drei Meter fünfzig breiten Straße, dazu die rechts und links parkenden Fahrzeuge und die Unmengen an Fußgängern, die sowohl in die eine Richtung als auch in die andere Richtung pilgerten. Aber schlussendlich habe ich es ja überlebt, und im Nachhinein war dann doch alles nur halb so wild. Nach dem Nadelöhr ging es dann unmittelbar an der VP-Area vorbei direkt zum großen und breiten Kasernenparkplatz, auf dem die Situation wesentlich entspannter war als auf dem Oneway-Single-Pfad.

Vorstartmarsch, Briefing und Gesellschaftskritik…

Hätte ich allerdings vorher gewusst, dass ich für die Startunterlagen die ganzen 1500 Meter wieder zum Haus Münsterland zurücklaufen darf, hätte ich sie wohl schon auf dem Hinweg zum Parkplatz abgeholt, aber was soll’s die drei Kilometer mehr oder weniger machen den Braten auch nicht fett und können einem Ultra doch nichts anhaben…

Also ging es relative zügig die 1500 Meter zurück zum Haus Münsterland, welches sich direkt vor der schmalen Einfahrt zum Veranstaltungsareal befindet. Dort angekommen, ist alles idiotensicher ausgeschildert. In der ersten Etage befindet sich der Check-In, wo ich ohne langes Warten  neben dem Umschlag mit den Startunterlagen auch eine Mütze mit dem Logo des 6-h-Laufs bekomme. Dazu gibt es noch einen dunkelblauen Mehrweg-Beutel, der mit dem Schriftzug der DUV zur stattfinden DM versehen ist – also von der Seite aus waren die 30 Euro Startgebühren mehr als sinnvoll investiert.

Danach geht es dann zurück zum Auto, um die ganzen Geschenke wegzubringen und dann nicht wie vielleicht zu erwarten wäre in den Start-Zielbereich, sondern exakt 850 Meter in die Runde hinein, denn genau dort mitten auf der Strecke sollte der Start erfolgen. Warum das Ganze? Der Start war um exakt 850 Meter verschoben, weil eine Runde nicht 5.000 Meter sondern 5.085 Meter lang ist. Mit dieser 850 Meter Verschiebung wurde schlussendlich erreicht, dass man bei Absolvierung der zehnten Runde exakt fünfzig Kilometer zusammengelaufen hatte.

Wie so oft in letzter Zeit wurde es bei meinen Läufen Mal wieder kurz vor knapp, weil ich im Vorfeld natürlich nicht die Informationen der Ausschreibung studiert hatte. Aber wer hätte auch damit rechnen können, dass ich auf dem Weg zum Start erst noch 850 Meter in die Runde hinlaufen muss, wenn das Rundenziel mit Zeitmessmatte doch offensichtlich in unmittelbarer Nähe zur Fressmeile aufgebaut ist. Naja was soll es – selbst wenn ich zu spät gekommen wäre, wäre es keine tragischen Konsequenzen gehabt, weil es mich maximal ein paar Minuten meiner 360-minütigen Laufzeit gekostet hätte. Dennoch erreiche ich das Startfeld kurz bevor es losgeht. Von den letzten Worten des Briefings erreicht mich ein überwiegend unverständliches Genuschel, was aber auch so wichtig nicht gewesen sein wird, da es streckentechnisch aufgrund der Charakteristik des Rundkurses nicht viel zu beachten gibt.

Den Wortfetzen nach zu urteilen, die man mit viel Glück und gutem Gehör hätte verstehen können, geht es darum, die Langsameren den Schnelleren nicht im Weg stehen sollen. Und primär sollen wir aufeinander Rücksicht nehmen. Es soll aber auch vermieden werden, dass Müll achtlos in die Natur geschmissen wird, was jedem einigermaßen verantwortungsvollen Läufer sowieso nicht extra gesagt werden muss, dass sich meine Erwartung während des Laufes als Trugschluss enttarnen sollte, als doch vermehrt Müll auf der Runde rumflog, hätte ich vorher nicht für möglich gehalten.

Vielleicht sollten man über die Einführung drastischerer Regeln nachdenken, um ein solches Fehlverhalten zu sanktionieren – die Regel beim NYCM sehen es beispielsweise vor, dass  Urinieren/ Koten in der Öffentlichkeit zur sofortigen Disqualifikation führt und gleichzeitig die persönlichen Lauferdaten an die Behörden gemeldet werden. Oder bei der Tour de France werden ja auch die Teams für Fehlverhalten ihrer Athleten bestraft, wenn diese außerhalb der vorgesehenen Bereiche Müll entsorgen. Es ist nicht so, dass Strafen das Allheilmittel sind, vielleicht könnte man das so auch hier handhaben?! Jeder Starter erklärt sich mit Anmeldung damit einverstanden, dass er bei Fehlverhalten beispielsweise zu einer Strafzahlung von 5€ herangezogen wird, die einem ökologisch-karitativem Zweck gespendet wird.

Ob es einen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen unrühmlichen Verhalten und der im Vergleich gesteigerten Leistungsorientierung der Teilnehmer gibt, ist schwer zu beurteilen, ist aus meiner Sicht aber eher anzuzweifeln. Eins wird aber auf jeden Fall deutlich – auch wenn es unter Läufern viele gute Menschen gibt, alle gehören per se nicht dazu. Sport ist dann eben doch nur ein Spiegelbild der und das gilt auch für die Ultraläuferschaft eben auch, die zunehmend zum Teil des großen Ganzen wird oder schon geworden ist. Nochmal, die Frage inwieweit solch Verhalten mit einem gesteigerten Leistungsgedanken zusammenhängt, kann ich nicht beurteilen, sollte von der Forschung mal näher betrachtet werden, wenn das nicht schon längst getan wurde – Daten hierzu liegen mir keine vor.

Es möge das Kreiseln beginnen – die Zeit tickt…

Lindwurmartig setzt sich das Starterfeld um Punkt 10.00 Uhr in Bewegung – ich befinde anatomisch betrachtet irgendwo am Lindwurmschwanz. Ein für mich entspanntes Tempo ist schnell gefunden und die ersten zwanzig Kilometer fließen regelrecht dahin. Nach den feucht-frostigen Tagen der letzten Wochen trägt auch das Wetter zu meiner Zufriedenheit bei. Mit einer 2:03 h für knapp zwanzig Kilometer läuft alles viel besser als zuvor anzunehmen war, dass mich zu diesem Zeitpunkt die Siegaspiranten schon mindestens einmal überholt hatten, spielte absolut keine Rolle – ganz im Gegenteil ich war regelrecht geflusht und schwer beeindruckt von der Geschwindigkeit, die so mancher hier an den Tag legte.

Highlight jeder Runde war neben dem kleinen VP auf halber Strecke ganz klar der Haupt-VP, der sich direkt nach der Messmatte zur Messung der Rundenzeiten  und der großen Uhr mit der offiziellen Restzeit, befunden hat. Durch die vielen Betreuer und Supporter aus den verschiedenen Laufteams gab es hier im Vergleich zur restlichen Strecke Anfeuerung und die sonst herrschende Stille wurde gebrochen.

Nachdem ich die ersten sechs Runden entspannt aber dennoch in einer für mich flotten Zeit von 3:05 Stunden absolviert hatte, schlich sich bei mir dann aber der Schlendrian ein. Meine gedanklichen Selbstgespräche beschränkten sich im weiteren Verlauf ausschließlich auf das suboptimal gesteckte Tagesziel. Ich fing zunehmend an zu rechnen: „Zur Zielerreichung von fünfzig Kilometern müsste ich in 2:55 Stunden noch zwanzig Kilometer laufen, das bedeutet, dass ich ungefähr 1:27 Stunden für zehn Kilometer Zeit habe, was einer Pace von knapp neun Minuten pro Kilometer entsprechen würde. Was dann wiederum bedeuten würde, dass ich mein Ziel selbst mit Dauerwalking erreichen würde – ok warum laufe ich dann jetzt überhaupt noch?

Diese Erkenntnis war auf der motivationalen Ebene eher hinderlich als dass sie mich in irgendeiner Art und Weise gepuscht hätte. Mir erging es so, wie einem Springpferd, das auch nicht höher springt als es muss. Warum sollte das Pferd auch höher springen, um das Hindernis zu überwinden, es reicht nun mal die gegebene Hindernishöhe zu überspringen.

Die disziplinspezifischen Anforderungen sind bei einem Stundenlauf ganz andere als bei einem streckenlimitierten Lauf, wo es wenn überhaupt darum geht möglichst schnell im Ziel zu sein beziehungsweise seine Laufzeit zu minimieren, aber die zurückzulegende Strecke steht schon vor dem Start fest.

Also was ich sagen will, ich hatte noch viel zu lange Zeit für viel zu wenig Kilometer, die ich mir zur Zielerreichung noch absolvieren hätte müssen – und zudem die 100% Sicherheit, dass mir die anvisierten fünfzig Kilometer eigentlich nichts und niemand nehmen kann, dass das in etwa die falsche Herangehensweise an einen Stundelauf darstellt, wie einen 24-h-Lauf nach dem Motto zu starten „ach mal gucken wie weit es heut geht“, ist mir mittlerweile klar geworden.

Letzte Runde kurz vor der Fan-Zone: Achim Heukemes, der mir aus dem Dokumentarfilm über den Transeuropalauf 2009 mit dem Titel „I Want to Run“ bekannt ist, läuft an mir vorbei. Erst dachte ich, dass ich mich verguckt habe, aber bei näherer Betrachtung der Werbepartner auf seinem Oberteil war klar, das kann nur er sein. Leider habe ich in dem Moment zu langsam geschaltet, sonst hätte ich von der lebenden Legende des Ultraausdauersports zumindest ein Erinnerungsfoto gemacht.

Um 15:43 Uhr habe ich dann endgültig fertig – auch wenn die letzten Runden schon zäh wurden- frühzeitiges Finish und das ganz ohne Ziellinie: die letzten siebzehn Minuten kann man auch mal gemütlich auswalken…

6h_Rundenprotokoll_Münster

Nach 5 Stunden und 43 Minuten waren die zehn Runden für meine angepeilten fünfzig Kilometer im Sack und mein Motivationslevel auf dem Nullniveau, sodass bei mir eigentlich wenig bis kein Drang zu verspüren war, um überhaupt noch weiter zu laufen. Wären unter normalen Bedingungen in 17 Minuten locker noch zwei bis drei Kilometer im Marschierschritt möglich gewesen, war mit einer Motivation auf Tauchstation kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Mein innerer Schweinehund mutierte in dem Moment zur unüberwindbaren Endgegnerbestie, aber es sei ihm gestattet…

Zur Reststrecken-Markierung musste jeder Läufer den Sandsack mit seiner Startnummer mit in die letzte Runde nehmen und diesen genau dort ablegen, wo er sich im Moment des Ertönens eines Signales befunden hat. Bis zu dem Zeitpunkt als Yvonne zu mir aufgelaufen war, wollte ich noch nach meiner 10. Runde sofort aufhören und den grünen Ballon mit meiner Nummer einfach an der Ausgabe liegen lassen. Yvonne, die zur Erreichung von der 45 Kilometer  noch einige Meter zu absolvieren hatte, schafft es dann aber doch noch mich zum Weiterwalken zu motivieren, sodass ich meinen mit Sand befüllten Ballon nach 525 weiteren Metern erfolgreich ablegen konnte. Noch vor dem eigentlichen Schlusssignal waren wir wieder zurück in der Verpflegungsarea.

Zu meiner Überraschung wartete dort dann sogar noch eine Medaille, mit der ich vorher gar nicht gerechnet hatte, um so großer war die Freude darüber. Noch schnell ein Foto zur Erinnerung und danach ging es noch bevor die Schlusssirene ertönte direkt zum Parkplatz. Dank meiner Poleposition bei der Heimfahrt, konnte ich jeglichen Stress am Nadelöhr vermeiden, da die Mehrheit der Läufer entweder noch auf der Strecke war bzw. sich schon für die um 17.00 Uhr anstehende Siegerehrung bereit gemacht hat.

Sinnfrage von zeitlimitierten Wettbewerben…

Der heutige Lauf war mein allererster 6-h-Lauf und gleichzeitig die erste Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft der DUV. Prinzipiell kann man das Kreiseln auf einem Rundkurs mögen oder auch nicht. Ich habe für mich in Münster feststellen müssen, dass ich diese Wettkampfart nicht allzu oft brauche. Spätestens nach der dritten Runde fehlte mir die visuelle Abwechslung, auch die Landschaft war überwiegend noch im Winterschlaf – einzig und allein das frühlinghafte Wetter hat Situation aufgehübscht.

Der zwangsläufig aufkommenden Monotonie wirkt in Münster zum Glück auch die Rundenlänge entgegen, die mit knapp fünf Kilometer deutlich länger ist als die für Zeitläufe sonst üblichen Distanzen der Laufrunde. Wenn ich mir vorstelle, dass ich auf einer 400m-Stadionbahn fünfzig Kilometer oder länger laufen müsste – dann wäre das für mich pure Folter.

Dass noch nebenbei die Deutschen Meisterschaften stattgefunden haben, war ein interessanter Nebeneffekt – der teilweise über die aufkommende Monotonie hinweggerettet hat. Grundsätzlich stellt das Kreiseln auf einer immer gleichbleibenden Runde für mich persönlich keinen besonderen Reiz sondern viel mehr eine zusätzliche motivationale Beanspruchung da. Wenn man nicht durch Gespräche abgelenkt ist, liegt der Fokus zu sehr auf das Laufen, weil von der Landschaft nur wenig zu erwarten ist – vielleicht widerspricht das leistungsorientierte Kreiseln auch einfach den Motiven, die ich mit dem Laufen grundsätzlich zu verfolgen versuche.

Mein Fazit zur Veranstaltung…

Unabhängig von der Grundsatzfrage war der 6-h-Lauf von Münster eine spitzenmäßige Veranstaltung mit perfektem Wetter, durchweg netten Menschen und vorbildlichen Helfern. Meine Teilnahme bedeutete nicht nur meine erste Teilnahme an einem 6h-Lauf, sondern durch Zufall auch gleichzeitig meine erste Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft. Es war echt beeindruckend was leistungstechnisch in sechs Stunden möglich wäre, wenn das Ziel auf Leistungsmaximierung ausgerichtet wäre.

Besonders hervorzuheben sind hier für mich persönlich zum einen Nele Alder-Baerens, die mit einer zurückgelegten Strecke von 85.492 Kilometer einen neuen Weltrekord aufgestellt und die Frauenkonkurrenz mit Abstand dominiert hat, aber auf jeden Fall auch die Leistung von Sigrid Eichner sollte nicht vergessen werden, die im Alter von 76 Jahren mit 39,8 Kilometer die Altersklasse W75 für sich entscheiden konnte – in jedem Fall inspirierend und beeindruckend zugleich was auch andere der Elite zu leisten im Stande sind.

Bei meinem zweiten zeitlimitierten Lauf hat sich aber auch einmal mehr gezeigt, dass ich noch nicht die optimale Herangehensweise an diese Stundenläufe gefunden habe. Ob ich grundsätzlich nicht der Typ für zeitlimitierte Läufe bin, wird sich zeigen, wenn ich spätestens im nächsten Jahr die von mir in sechs Stunden erreichten 50,525 Kilometer dann hoffentlich mit einer verbesserten Zielsetzung, versuchen werde zu toppen – vielleicht sogar wieder hier in Münster.

Nachbetrachtung meiner Leistung…

Das Ziel von 50 Kilometer war wenig fordernd und hat letztendlich dazu geführt, dass ich mich nachdem das Ziel gedanklich nach dreißig Kilometer in 3:05 Stunden schon eingetütet war, nur noch zum Nötigsten motivieren konnte. Im Nachhinein muss ich mir eigestehen, das mehr drin gewesen wäre. Ein realistisches Ziel wären 53-57 Kilometer gewesen – wobei die 57 Kilometer schon hart geworden wären und nur bei stark reduziertem Anteil an Gehphasen und konstanterem Pacing erreichbar gewesen wären. Die 53 Kilometer hätte man allerdings sogar noch in den restlichen fünfzehn Minuten erreichen können. Die Argumentation, sich bei maximalmöglichen Ausschöpfung der sechs Stunden am Wendepunkt der Strecke zu befinden und dadurch einen maximallangen Rückweg zu haben, kann man im Nachhinein nur drüber schmunzeln, ist aber auf jeden Fall ausbaufähig.

Beim nächsten Mal werde ich mir vornehmen 11 komplette Runden zu laufen, dann habe ich auch kein Problem mit dem maximallangen Rückweg – insofern waren die gesammelten Erfahrungen trotz suboptimaler Leistungsausschöpfung für die folgenden 6h-Läufe lohnend.

6h_Zeiten_Analyse

Für später – persönlich Erkenntnisse & Gedanken zur zukünftigen Zielsetzung…

Zeitlimitierte Stunden-Läufe, egal ob 6h-, 12h- oder 24h-Lauf, bedürfen einer individuell angepassten Zielsetzung – realistische Ziele zu haben ist zwar grundsätzlich auch bei allen anderen Läufen von Vorteil, aber speziell bei dieser Laufcharakteristik erreicht meiner Meinung nach die Zielsetzung eine höhere Bedeutungsdimension.

Im Gegensatz zu streckenlimitierten Läufen, bei denen ein physikalisches Ziel existiert und es das Minimalziel ist, das Ziel zu erreichen, fehlt den zeitlimitierten Läufen dieses vorgegeben Minimalziel, muss also individuell festgelegt werden.

Letztendlich widerspricht das Ziel bei den zeitlimitierten Läufen auch der traditionellen Logik eines Laufes – die darin besteht, sich möglichst schnell über eine Strecke von A nach B, einen Rundkurs oder eine Wendestrecke zu bewegen.

Allerdings ist nicht jede Zielsetzung per se auch immer förderlich: Überforderung ist genauso nachteilig und zu vermeiden wie Unterforderung.


den kriteriengeleiteten Faktencheck vom 6h-Lauf in Münster gibt’s hier:


In dem Sinne – Rock `n Roll & keep on Running!!!

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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5 Antworten zu Sohlen rocken bei den Deutschen Meisterschaften im Kreislaufen über 6 h – Verlaufen garantiert nicht möglich

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  3. somi1407 schreibt:

    Total bescheuert, diese Ultras 😜
    Bist du dir sicher, dass du in Reken 24 stunden im Kreis laufen willst? 😆

    Gefällt 1 Person

    • SohlenRocker schreibt:

      Ein Mindestmaß an Bescheuertheit macht das Leben doch erst lebenswert!? Du hättest außerdem in Reken noch die Chance zum Ultra zu werden – das scheint ja für Dich um die Ecke zu liegen – dafür bräuchtest Du mich auch nur bei 18 meiner angepeilten 63 Runden zu begleiten – Date?! 😀 Das Bike&Run in Borken guckst Du Dir dann vom Sattel aus an…

      Gefällt 1 Person

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