Röntgenlauf 2017 mit viel Wind, Matsche und guter Laune: Marathon geht immer, anderthalb heute nicht, dafür ohne Muskelkater über den Teich

| Röntgenlauf| Remscheid | 29. Oktober 2017 |

Dank der Zeitumstellung und der dadurch „zurückgewonnenen Stunde“ beginnt der Morgen gefühlt erst um 6:30 Uhr, obwohl mein Wecker noch 5:30 Uhr Sommerzeit anzeigt. Draußen ist es stockdunkel, die Nacht war aufgrund des draußen in den frühen Morgenstunden wütenden Herbststurms Herwart relativ unruhig, sodass mir mein Aufstehen heute Morgen trotz „geschenkter Stunde“ etwas behäbig erscheint.

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Naja was soll es?! Bevor es unter die Dusche geht, wird noch mal schnell Facebook dahingehend gecheckt, ob der Lauf nicht vielleicht schon längst abgesagt ist, denn schließlich verläuft ein Großteil der Strecke durch bewaldetes Terrain, was zusammen mit der vom Deutschen Wetterdienst herausgegebenen Unwettermeldung für NRW berechtigterweise noch ein Funken Resthoffnung übrig lässt, um vielleicht doch noch liegen bleiben zu können.

Thorsten fragte nämlich diesbezüglich am Vorabend beim Röntgenlauf auf der Facebook-Seite per Kommentar, um in Erfahrung zu bringen, ob es eventuelle Konsequenzen für die Veranstaltung geben würde, was allerdings unbefriedigender Weise unbeantwortet blieb. Gute Kundenkommunikation sieht in jedem Fall anders aus, was auch die Anzahl der Kommentare verdeutlicht haben sollte, die sich unter dem Post über Nacht gesammelt hatten. Und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte diese Frage auch gerne von Veranstalterseiten aus selbst angesprochen werden dürfen, da in jedem Fall Klärungsbedarf bestanden hat und das irgendwie auch zu einem lauferfreundlichen Servicepacket dazu gehört. Zudem wäre es absolut kein Aufwand gewesen, die Läuferschar mit einem kurzen Statement zu beruhigen.

Aber ok, wie es scheint zieht die Ausrede Sturm schon mal nicht, da auf einen unerwarteten Kometeneinschlag nicht zu hoffen ist, starte ich den oft bewährten und mittlerweile automatisierten Ablauf, der mich aus dem Bett über das Auto zur Startlinie bringt. Die sitzende Position ist schnell erreicht. Über diese Position geht es zunächst unter die Dusche, man will ja auch sauber sein für den Wald. Zudem bietet es die Möglichkeit nochmal wollig-warm die Augen zu schließen, um auf diese Weise die viel zu frühe Bettflucht um einige Sekunden zu verlängern. Danach nur noch die am Vorabend rausgelegten Laufsachen überstreifen, wegen der nassen Haare die Mütze auf den Kopf und den mit Wechselsachen gepackten Rucksack geschnappt. Auf dem Weg zum Auto noch schnell eine Banane als Wegproviant gegriffen und schließlich sitze ich selbst überrascht darüber im Auto in Richtung Ruhr Uni Bochum.

Ja genau ihr habt richtig gehört – es ist aktuell 6:45 Uhr und ich fahre zur Uni, wer nicht wüsste, was ich tatsächlich vorhabe, der würde sich fragen, ob mir die Viellauferei möglicherweise auf das Hirn drücken würde, aber ich kann alle beruhigen, ich weiß natürlich, dass die Bibliothek um diese Uhrzeit noch geschlossen ist und selbst der fleißigste Student vor verschlossener Tür stehen würde, wenn er nicht über einen eigenen Schlüssel verfügt, um auch am WE seine Einzeller-Populationen für irgendeine bahnbrechende Studie mit Nahrung zu versorgen.

Ich will also nicht zur Uni sondern nur in Richtung Uni, weil nämlich Jan in unmittelbarer Nähe zur Uni wohnt und heute mit nach Remscheid zum Röntgenlauf will. Und genau aus diesem Grund werde ich ihn heute in der Hustadt dem Beverly-Hills von Bochum 😀 oder war es doch eher die Bronx, die aber zumindest direkt neben der Uni liegt, einsammeln.


Anfahrt nach Remscheid…

Die Anfahrt ins knapp 45 km entfernte Remscheid-Lennep ist alles andere als besonders, nach 35 Minuten schon zu Ende und bedarf deshalb auch eigentlich keiner weiteren Erwähnung. Sowohl A43 als auch A1 sind um diese frühe Uhrzeit komplett verwaist, die Parkplätze als wir am Sportzentrum Hackenberg ankommen leider gar nicht. Nach 2 Ehrenrunden auf dem Parkplatz direkt an der Sporthalle muss ich einsehen, dass hier heute nix mehr geht. Also mal die näheren Nebenstraßen checken, ob da vielleicht noch was geht und wenn auch da alles voll sein sollte, dann gibt es wohl auch noch ein Park-Ride-Service, zumindest signalisiert mir diese Option das Schild am Straßenrand, aber eins nach dem anderen. Doch auch die Straßen rund um das Sportzentrum scheinen mittlerweile belegt und dann erblicke doch noch eine freie Stelle, die zwar nicht als offizieller Parkplatz deklariert ist, aber in jedem Fall so viel Platz bietet, dass mein Wagen ohne zu stören drauf passt. Also am Ende wird meistens immer alles gut – es ist mittlerweile 8:05 Uhr.


Auf zum Sportzentrum am Hackenberg…

Der Fußweg führt uns vorbei am H2O-Schwimmbad, direkt daneben liegt die Sporthalle, wo sich das Meldebüro befindet. Nachdem ich dem freundlichen Helfer meine Startnummer genannt habe, halte ich auch schon meine Startunterlagen in meinen Händen, obwohl es ja meine zunächst noch gar nicht sind, weil ich den heutigen Startplatz von Bettina übernehme werde. Aus diesem Grund halte ich also zunächst ihre Startunterlagen in den Händen, aber es dauert nicht allzu lange, denn die Ummeldung ist eine Sache von Sekunden, und nachdem ich das handschriftlich und provisorisch erstellte Ummeldeformular mit Name, Nachnamen, Geburtsdatum und CC-Nummer ausgefüllt hatte, war der formelle Teil des Tages zum Glück auch schon erledigt und ich konnte mich ohne 5€ Bearbeitungsgebühr bezahlen zu müssen den wichtigen letzten Vorbereitungsschritten widmen.

Röntgenlauf 2017 vor dem Start

In der Halle, wo sich auch das Meldebüro befunden hatte, wurde der restliche Teil der Halle zur Läuferumkleide und zum Taschendepot  umfunktioniert und abgegrenzt. Was mich ein wenig stutzig macht, ist die Tatsache, dass die Taschen hier ohne jegliche Aufsicht verweilen sollen, während ich schwitzend im Bergischen Land unterwegs bin. Aber für normal ist das Läufervolk dann doch recht zivilisatorisch fortgeschritten, aber schwarze Schafe lassen sich vermutlich auch hier finden. Naja wirklich viele Optionen bleiben mir nicht – entweder ich bringe meine Tasche ins Auto, was gut und gerne 10 min Fußweg bedeuten würden oder ich vertraue auf die Ehrlichkeit meiner Läuferkammeraden. Ich wähle die Risikovariante und quetsche den Rucksack unter die Sportbank mit der Hoffnung, dass alles Gut gehen wird.

Nach dem finalen Umziehen geht es dann weiter in Richtung Start. Wir haben 8:10 Uhr – also noch stolze 20 Minuten bis es endlich losgeht. Es ist ordentlich frisch, dazu weht ein frostiger Wind, deshalb zögern wir den Zeitpunkt maximal hinaus bis wir uns nach Draußen ins Starterfeld stellen und verweilen bis dahin in der großen Festhalle, wo zahlreiche Informations- und Verkaufsstände aufgebaut sind und die auch zu dieser frühen Stunde schon überraschend gut besucht ist. Aber ok, hier gibt es Kaffee und frischen Kuchen und das ganze gleicht hier sowieso eher einem Volksfest als einer reinen Laufveransatltung. Danach geht es raus aus der Halle und auf die große Straße mit dem Startbogen. Aus der Halle raus sieht man überwiegend Läufer in ihren neongelb- bis neonorangefarbenen Outfits, alle hinter einander weg fast wie Perlen an einer Schnur. Es ist mächtig kalt und ich bin verdammt froh darüber, dass ich sowohl meine Armlinge als auch meine Mütze mitgenommen habe. Es is so kalt, dass ich beinahe das Bedürfnis verspüre mich warmmachen zu wollen, obwohl so kalt ist es dann auch nicht.


Start mit Lennep-Schleife – die ersten 5km…

In den hinteren Regionen, wo ich mich aufhalte, erfolgt ein Start für Normal relativ gemächlich. Thorsten, der ja heute alleine hierher gefahren ist, weil er im Anschluss an das Laufvergnügen direkt nach Duisburg zu einer Familienfeier fahren will, habe ich bis jetzt noch nicht getroffen. Ob er den Weg hierher tatsächlich alleine „gefunden“ hat, ist aufgrund seiner beeindruckenden DNS-Quote mehr als fragwürdig?! Ist aber eigentlich auch egal, denn ich lass es von Anfang an recht beschaulich angehen.

Kurz vor dem Start haben wir dann noch Tom getroffen, der bei der Veranstaltungsagentur MMP arbeitet, die unter anderem auch den VIVAWEST-Marathon organisiert – ihn hatte ich auch im April in Hannover vor dem Start getroffen. Jan scheint ihn besser zu kennen, da er wohl schon öfters mit ihm bei MMP und auch bei anderen Läufen als den VIVAWEST-Marathon zusammengearbeitet hat. Nachdem ich Jan vorgewarnt hatte, dass ich heute eigentlich nur das primär Ziel verfolge irgendwie anzukommen und auch noch nicht einmal wirklich überzeugt davon bin, unbedingt den Ultra laufen zu müssen, ist im Grunde klar, dass sich unsere Wege schon frühzeitig trennen, weshalb er sich auch weiter vorne im Startfeld einsortiert.

Der erste Anstieg lässt nicht lange auf sich warten. Es geht durch die Remscheider Hochhausschluchten in Richtung Lennep – eine lange Straße führt uns dann leicht abschüssig in die possierliche Innenstadt. Es geht vorbei am Röntgen-Museum auf der anderen Straßenseite kommen uns sodann auch schon die Favoriten entgegen, während wir noch zur Schleife um Lennep ausholen. Nach dem das Städtchen mit Kopfsteinpflaster passiert ist, kommen wir wieder am Röntgen-Museum vorbei, zuvor haben wir schon die Röntgen-Apotheke an uns vorbei ziehen lassen, ob es einen Röntgen-Friseur und auch einen Röntgen-Bäcker gibt, ist mir nicht bekannt, aber hier wird ganz schön viel Wirbel darum gemacht, dass eine wissenschaftliche Berühmtheit, die ersten 3 Jahre seines Lebens an diesem Ort verbracht hat – aber auf der anderen Seite natürlich auch verständlich, weil irgendwie muss man ja Touris hier her locken, warum dann nicht mit einem Röntgenmuseum.

Danach geht es die langgezogene und leicht ansteigende Straße zurück zum Sportzentrum am Hackenberg und dann geht es raus aus dem dichtbesiedelten Bereich hinaus und hinein in die Weite des Bergischen Landes, obgleich dazu gesagt werden muss, dass  abgeschiedene Einsamkeit hier nicht wirklich zu befürchten ist. Dafür weht es eiskalt von der offenen Streckenflanke, aber zum Glück ist man dank der zu überwindenden Höhenmeter ein wenig auf Temperatur. Entgegen meinen Erinnerungen stehen hier in Lennep auch überall vereinzelt Grüppchen von Anwohnern mit Klatschhilfen, Tröten, Pfeifen und Trommeln, die uns  Läufer fast schon überschwänglich und frenetisch anfeuern und dabei ordentlich Radau machen. Hier streckt dir der Opi im Rolli die Hand zum Abklatschen hin, hier trommelt die Omi auf mit ihrem Kochlöffel im Kopf, was teilweise echt lustig mit anzugucken ist.


Ab km 12 gemeinsam mit Thorsten…

Auch auf der ersten Waldpassage direkt zu Beginn zwischen Kilometer 9-12 stehen überraschenderweise an jeder gesicherten Streckenkurve 2-3 Personen in orangefarbenen Westen und mit Ratschen in der Hand und feuern die Läufer begeistert an. Bei Kilometer 12 erblicke ich dann zufälligerweise Thorsten, der mich danach direkt wieder versucht los zu werden, da er wie er mir hinterher gesagt hatte, eigentlich schon nach dem Halbmarathon ausgestiegen wäre, wenn ich ihn nicht doch erblickt hätte. Seine Fluchtversuche bleiben natürlich alle erfolglos. 🙂

Zwischen 14-16 treffe ich Christof, der mir von seinem Patellaspitzensyndrom erzählt und der darauf folgenden demoralisierenden Zeit des 2,5 monatigen Belastungsstopps – ihm fehlen in diesem Jahr deswegen die Trainingskilometer ist aber frohen Mutes, weil es für ihn gesundheitlich wieder aufwärts geht. Und auch der folgende Streckenabschnitt, geht leicht bergauf, sodass ich das Tempo wieder rausnehmen muss, um Thorsten nicht doch wieder zu verlieren. Im regen Austausch mit Christof habe ich überhaupt nicht mitbekommen, dass wir in einem Pacebereich unterwegs sind, der so natürlich nicht geplant war, zumal ich das Rennen zusammen mit Thorsten beenden wollte.

Röntgenlauf 2017 während des Lauf

Auch als es in die nächste Steigung geht, lässt sich Thorsten wieder unauffällig zurückfallen, worauf ich mein Tempo erneut drossle und auf ihn warte. Mir geht es gut – 14 Tage sind seit dem Brocken-Marathon in Wernigerode vergangen, 14 Tage mit minimalem Umfang, weshalb sich meine Beine auch so wunderbar frisch anfühlen. Zudem kommt mir der ständige Wechsel von langsamen Joggingphasen gefolgt von wandernden Bergauf-Passagen voll entgegen. Aber auch das primäre Tagesziel, das Ausmaß des morgigen Muskelkaters möglichst gering zu halten, um nicht zu demoliert nach New York zu kommen, tragen dazu bei, dass es für mich relativ entspanntes Rennen werden wird. Aus diesem Grund war für mich von Anfang der Wechsel von der Ultra- auf die Marathondistanz eine interessante Option.

Wir sind noch nicht einmal beim HM durch und Thorsten klagt schon jetzt über Probleme und seine Absicht frühzeitig – also früher als erst nach 63,3 km – aus dem Rennen auszuscheiden. Mit dem Gedanken kann ich mich recht schnell anfreunden. Obgleich seine aufkeimende Idee schon nach dem HM den Bus-Joker zu ziehen von mir nicht einmal kommentiert wird, sodass wir dieses Thema im Folgenden auch gar nicht mehr anschneiden und ohne weitere Worte darüber zu verlieren auch am HM-Zwischenziel vorbei laufen. Auch wenn er die HM-Tor-Passage schon mit einem „ach ja guck der Bus ist auch schon da“ kommentiert, der wie bestellt genau in dem Moment im Zielbereich des Halbmarathons ankommt, wo wir den HM-Zielbereich passieren.

Nach mehr als ordentlichen 02:22 und ein paar Sekunden haben wir den ersten Halbmarathon im Sack. Der Streckenrand im Zielbereich des Halbmarathons ist gesäumt von Zuschauern, die wie es scheint vor allem auf die Sportler warten, für die hier nach 21 Kilometer schon Schluss ist, also für diejenigen, die entweder den Halbmarathon oder den ersten Abschnitt der Ultra-Staffel gelaufen sind. Hinter dem Zieltor biegt die Strecke wieder zurück in den Wald ab. Die Wege sind matschig und mit Laub bedeckt, das Wetter ist zum Glück überwiegend trocken, auch wenn es zwischendurch mehrmals ganz leicht zu regnen beginnt. Aber im Grunde alles nichts Wildes, aber auch nichts was das Erlebnis Bergisches Land unbedingt genussvoller erscheinen lässt.


Private Gelparty im Bergischen Land…

Es ist kalt, nass und matschig – meine Beine fühlen sich immer noch gut an – aber bei Thorsten läuft es schon seit Kilometer 17 nicht mehr allzu rund – was allerdings nicht der Anstrengung geschuldet ist, als vielmehr ein Resultat des bei ihm zu Hause gastierenden Magen-Darm-Virus zu sein scheint, wenn man Thorstens Worten Glauben schenkt, was auch absolut nicht anzuzweifeln ist. Die ausgedehnten Wanderphasen bieten viel Zeit zum Scherzen und Lachen und nebenbei lass ich mir von Thorsten USA-Tipps und Anekdoten erzählen, da er den NYCM schon 2010 unter die Füße genommen hatte und sogar längere Zeit in den USA gelebt hatte.

Wir schalten öfters in den Walk- und Wandermodus oder sollte ich lieber sagen, zwischen den ausgeprägten Walk- und Wanderphasen joggen wir auch Mal, aber egal! Wie schon öfters erwähnt, mir kommt das heute voll entgegen, zudem sind wir beiden ja mit unabhängigen Fahrzeugen hier, sodass ich mich eigentlich auch von ihm verabschieden hätte können – aber ich bin hier heute mit dem primären Ziel unterwegs, um mich ein wenig von der Aufregung wegen meiner bevorstehenden NY-Reise abzulenken und das gelingt mir unabhängig von der am Ende erzielten Zeit und auch Distanz.

Unsere entspannte Wanderung durch das Bergische Land wird nur dann unterbrochen, wenn uns die Streckenführung mal wieder daran erinnert, dass wir uns im Bergischen Land befinden – auch wenn man von Bergen zugegebenermaßen eigentlich nicht wirklich sprechen sollte, aber genau jetzt ist mal wieder Zeit für einen solchen Streckenabschnitt. Nach einer Straßenquerung werden wir von den Leuten am Streckenposten schon mit ersichtlicher Schadenfreude drauf aufmerksam gemacht, dass auf uns gleich der Abschnitt mit der größten Steigung der Strecke wartet. Auch wenn diese absolut nicht zu vergleichen ist mit Steigungen, die wir schon gemeistert haben, aber unserem äußeren Anschein nach, sehen wir wohl so aus, als könne man uns mit der Info beunruhigen. Es wartet auf und die Steigung mit Geländer, die ich als einzige von der Strecke des Röntgenlaufs überhaupt noch in Erinnerung gehabt hatte, aber wahrscheinlich haben die zahlreichen Vergleichsmöglichkeiten der höhenmeterreicheren Läufe zu einer Relativierung meines Empfindens für Steigungen geführt. Jedenfalls ist die Passage alles andere als fordernd, zumindest was mich betrifft, denn Thorsten lässt mal wieder auf sich warten.

Highlight Röntgenlauf 2017

Nach der Lennep-Schleife mit den kleinen Schiefernhäusern zählt die Müngstener-Brücke für mich definitiv zu den wenigen Highlights auf der Strecke des Röntgenlaufs, weshalb wir auch einen kurzen Zwischenstopp einlegen. Für einen baumfreien und deshalb optimalen Blick in Wupper-Tal und auf die Müngstener-Brücke nehmen wir sogar eine Streckenabweichung in Kauf. Von dem Rondell in exponierter Lage hat man einen super Blick und wie es der Zufall will, fährt genau in dem Moment unseres Daseins ein Zug über die beeindruckende Brückenkonstruktion, von der Teile zur Renovierung eingekleidet sind. Im Grunde könnte ich meinen Bericht genau hier enden lassen, viel passiert ist sportlich nämlich nicht mehr und streckentechnisch zu bestaunen gab es im Grunde auch nichts mehr.

Danach durfte ich noch live bei Thorstens Gel-Überdosierung dabei sein, dass die nicht zu einem Zuckerschock geführt hat, war fast schon ein kleines Wunder. Ganze vier Gels auf den letzten 15 Kilometern der zweiten Halbmarathonstrecke trotz lauftechnischer Leistungsverweigerung und übermäßig ausgeprägten Wanderphasen. Naja wenn es denn hilft – jeder Jeck ist anders. Mir geht’s immer noch blendend gut, obgleich ich meine Oberschenkel bei 30 km dann doch auch so langsam spüre, aber natürlich alles halb so wild.

Wenn ich die Situation von außen und im Nachhinein betrachte, dann hätte ich den Ultramarathon ohne weiteres angehen können, aber so wirklich war mein Verlangen, also der Hunger danach, die 63er-Strecke unbedingt absolvieren zu wollen, heute überhaupt gar nicht vorhanden. Wenn ich vielleicht alleine unterwegs gewesen wäre, aber nur dann wäre ich den Ultra vermutlich zu Ende gelaufen, aber mit Thorsten zusammen, ist es um ein Vielfaches erträglicher schon hier am Schwimmbad aus dem Rennen aus und in den bereitstehenden Bus einzusteigen, hat zwar die Konsequenz, dass ich auf Jan warten muss, wobei das so lange auch nicht sein wird!


Eine Busfahrt, die ist lustig und vor allem entspannt…

Nun gut, da befand ich mich also in  dem Bus wieder und musste feststellen, dass viele der Läufer, die hier waren eine 6000er-Nummer trugen, also Läufer waren, die eigentlich für den Ultra geplant hatten, aber dennoch hier das Rennen für beendet erklärt haben. Da ich am Morgen mit der Erwartungshaltung an den Start gegangen bin, dass es sowohl für den Kopf als auch für die Beine ultralike schmerzhaft werden wird, war es für mich alles andere als wirklich erschöpfend, um dann doch schon nach der Marathonstrecke ins Ziel einzulaufen. Reserven wurden nicht angebrochen, Spaß hat es bis hier hin auch noch gemacht, also im Grunde habe ich alles richtig gemacht. Und als Nebeneffekt habe ich endlich mal die Erfahrung am eigenen Leib machen können mit dem Shuttelbus ins Ziel gebracht zu werden. Ich hatte ja schon einiges gehört von dieser Verführung eines komfortablen Ausstiegs, die bei der Ultradistanz gleich zweimal auf einen wartet, denn auch schon beim Halbmarathon hätte es prinzipiell die Option gegeben, sich ins Ziel zum Hackenberg kutschieren zu lassen. Allerdings hätte für diese Option schon Gravierendes passieren müssen und ich bin mir sicher, dass selbst wenn Thorsten hier ausgestiegen wäre, dass ich dann mindestens bis zum Marathon weitergelaufen wäre, denn Ausstieg beim HM wäre für mich definitiv keine Option gewesen.

Der Ausstieg beim Marathon hat ganz nebenbei zur Komplettierung meiner Medaillensammlung vom Röntgenlauf geführt. Die Medaille für den Ultra über 63,3 Kilometer gab es schon 2013 als einen meiner ersten Ultras überhaupt, 2015 gab es die Medaille für den 100km-Jubiläumslauf als einen meiner ersten 100er überhaupt und 2017 gibt es die Medaille für meinen mittlerweile 54. Marathon – die anderen Distanzen, die ebenfalls noch im Rahmen des Röntgenlaufs angeboten werden, zähle ich mal zum Sprint und sind aus diesem Grund für mich nicht relevant und genau deshalb ist mein Medaillensortiment mit der heutigen Marathon-Medaille komplettiert – ole ole…

New York kann endlich kommen – die letzten Vorbereitungen wollen zwar noch getroffen werden – aber dazu bleibt mir ja zum Glück dann noch der morgige Montag – dann heißt es noch schnell nach DECATHLON und mein Shirt mit meinem Namen branden lassen, damit die Amis auch wissen, wen sie da gerade anfeuern. Gegen Ende der Veranstaltung auf dem Weg zum Auto habe ich dann Andreas das erste Mal nach dem Thüringen Ultra getroffen, der aufgrund meiner beim Nachbericht gewählten Wortwahl der Meinung war, dass ich ihn persönlich angreifen würde, was aber natürlich nie der Fall gewesen ist, wie ich ihm auch schon zeitnah erklärt hatte. Dennoch wurde das Thema ganz kurz angeschnitten und endgültig aus der Welt geschafft.


die bewegten Bilder mit Musik gibt es wie gewohnt natürlich auch:

 


In dem Sinne keep on Running & Rock ‘n‘ Roll…

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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Eine Antwort zu Röntgenlauf 2017 mit viel Wind, Matsche und guter Laune: Marathon geht immer, anderthalb heute nicht, dafür ohne Muskelkater über den Teich

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