My Advent Calendar New York City Marathon 2017 *limitierte spezial Edition* 26.2 Meilen bis ins Ziel und 14 Tage bis Heiligabend: Türchen [~10~]

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Nachdem die letzten Meter auf dem Stadtgebiet von CLINTON HILL zurückgelassen sind und das kurze Intermezzo auf der Lafayette Avneue damit auch schon wieder beendet ist, biegt die Strecke nach links ab in die Bedford Avenue. Hinter uns liegen Straßenzüge, die überwiegend aus den bräunlich-roten „Brownstones“ bestanden, die, wie ich erfahren habe, allein wegen ihrer Optik so heißen. Von der Gesteinsart her unterscheidet sich der Backstein-Brownstone vom herkömmlichen Sandstein durch seinen höheren Anteil an Eisenoxid, was die rötlich-braune Farbe erklärt. Typisch für die drei- bis vierstöckigen Häuser sind zudem die riesigen und vor allem steilen Treppen, die bis auf die Höhe der zweiten Etage ragen und meistens mit einem Geländer aus schwarzangestrichenem und kunstvollgestalteten Gusseisen gesichert sind.

Inwieweit auch die höheren Wohnhausblöcke in selbigem Look als Brownstone bezeichnet werden, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen, von dieser Art konnten aber gegen Ende von Meile 9 einige gesichtet werden. Bei GOOGLE-MAPS werden die als Pratt Towers bezeichnet und liegen in unmittelbarer Nähe zum Pratt Institut, was mich vermuten lässt, dass es sich bei den Wohnblöcken um eine Art Studentenwohnheim handelt. Für diese These würden auch das Publikum und die eskalative Stimmung auf diesem Streckenstück sprechen.

Mit dem Schwenk auf die Bedford Avenue ändert sich auch das Umgebungsbild fast schon schlagartig. Wir befinden uns von nun an im Stadtteilgebiet von BEDFORD-STUYVESANT – eine Wohngegend, vor der auch aktuelle Reisführer noch immer abraten, sie in der Dunkelheit der Nacht als Tourist zu betreten. Vor 30 Jahren hätte sich dieser Warnhinweis gewiss nicht nur auf die Nachtstunden beschränkt, denn da war Bed-Stuy eine über die Stadtgrenze gefürchtete No-Go-Area, die vor allem durch eine erschreckend hohe Mordrate glänzen konnte, und auch andere Gewalt- und Drogenverbrechen standen hoch im Kurs. Doch diese dunklen Zeiten scheinen längst überwunden, denn Bedford-Stuyvesant hat sich über die vergangenen Jahre zu einem aufstrebenden Viertel gemausert, was unter anderem auch an den zahlreichen Baustellen zu erkennen ist, an denen uns die Strecke vorbeilotst.

Foto-Collage von Meile 10 beim New York City Marathon 2017
Foto-Collage von Meile 10 beim New York City Marathon 2017

Auch wenn es festzuhalten gilt, dass die Bausubstanz in diesem Stadtteil im Vergleich zu GREENE FORT und CLINTON HILL noch deutlichen Behandlungsbedarf aufweist, was wiederrum ein Indiz dafür ist, dass die „Yuppisierung“ noch lange nicht abgeschlossen ist. Ein Entwicklungsprozess, der wie so oft zum Nachteil derer ausgehen wird, die hier schon ihr ganzes Leben lang gewohnt haben. Die Entwicklung ist immer dieselbe, ob in Berlin, London, Paris oder eben in Brooklyn. Wenn das Interesse von Investoren geweckt ist und Besserverdiener in ein Viertel ziehen, führt dies kurz über lang zur Vertreibung der Alteingesessenen. Und wenn man es genau nimmt, dann ist in amerikanischen Großstädten in der Regel die dunkelhäutige Bevölkerung von diesem Verdrängungsprozess der Gentrifizierung betroffen.

Für einige Leute von hier, die im Viertel ihre Kindheit verbracht haben, hatte diese dunkle „Do or Die Bed-Stuy-Ära“ für die späteren Karrieren durchaus Vorteile. Aufgrund der teilweise glorifizierten Vergangenheit stellte die Hood besten Nährboden für eine Generation zukünftige Gangster-Rapper, deshalb verwundert es auch kaum, dass einige berühmte Vertreter des gepflegten Sprechgesangs wie Notorious B.I.G., Lil‘ Kim und auch Jay-Z  aus der Neighbourhood von Bed-Stuy Brooklyn kommen. Ja genau – da war doch was mit diesem Jay-Z?! Das ist doch der, der auch schon das Barclays Center kurz vor Meile 8 eingeweiht hat und der dieses Lied über die Stadt gesungen hat, durch die ich im Moment laufen darf. Barak Obama nannten ihn einst „The King Of Rap“. Jay-Z, der mit bürgerlichen Namen Shawn Corey Carter heißt, wuchs in den berüchtigten Marcy Houses auf, einem Wohnkomplex des sozialen Wohnungsbaus mit insgesamt 1705 Apartments, das nur fünf Straßen westlich von der offiziellen Marathonstrecke entfernt liegt.

Noch bevor wir das 15-Kilometer-Schild passieren, kredenzt uns vor einem Gourmet-Deli eine vierköpfige Band feinsten Sprechgesang und auch zuschauertechnisch steht Meile 10 den vorherigen Meilen natürlich in nichts nach, wobei zugebenermaßen die Verhältnisse, wie sie auf der Lafayette Ave auf der vorherigen Meile geherrscht haben, hier auf der Bedford Ave nicht annähernd erreicht werden, was aber auch angesichts der esklativen Stimmung nicht wirklich verwunderlich ist, weil es dermaßen abgehoben war, dass es im Folgenden fast unmöglich sein wird, den Zustand wieder zu erreichen, obgleich hier natürlich auch wieder einige Stimmungsnester vorzufinden waren.

Die Meilen fliegen regelrecht an mir vorbei – jetzt haben wir schon 10 geniale Meilen im stimmungstechnischem Ausnahmezustand und voller Überraschungen erleben dürfen und hinter uns liegen gelassen – bis ins Ziel sind es nur noch 16 Meilen – als nächstes wartet der Stadtteil Williamsburg und hier wäre ich beinahe „vom Glauben an die Welt abgefallen“… Was mich dort erwartet hat und vor allem was mich so irritiert hat, das und noch viel mehr versteckt sich im Türchen von Meile 11…


in Türchen Nr. 11 wartet schon morgen Meile 11

Kalender waagerecht


in dem Sinne Rock ‚N‘ Roll & eine gechillte Adventszeit…

 

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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