My Advent Calendar New York City Marathon 2017 *limitierte spezial Edition* 26.2 Meilen bis ins Ziel und „rutscht alle gut rein“ Türchen [~25~]

Bild24    Bild25    Bild26


Es geht weiterhin auf dem East Drive durch den Central Park. Das Wetter kann mittlerweile nur noch als ungemütlich und unpassend für diesen Anlass bewertet werden – auf der anderen Seite darf natürlich auch nicht vergessen werden, dass auch in New York schon seit längerem der Herbst eingekehrt ist. Nachdem uns Meile 24 auf das „Dach“ des Central Parks gebracht hat, weist Meile 25 eine unter dem Strich negative Höhendifferenz auf – es geht also wieder minimal bergab, auch wenn das nur marginal ins Gewicht fällt. Das bunte Laub der Bäume glänzt in der mittlerweile eintretenden Abenddämmerung (oder ist es noch immer die Morgendämmerung?! – hmm, bei diesem Grau in Grau ist das schwer zu unterscheiden) dank des Niederschlags als sei es mit Lack übersprüht. Das Zuschauerspalier ist wieder geschlossen – dicht gedrängt steht man am Streckenrand auch wenn von der anfänglichen Ekstase nicht mehr allzu viel zu spüren ist – obwohl auch hier die Cheering-Standards per Dauerschleife auf den Läufer einströmen: „You look great”, „Keep on running”, „Don’t stop – keep on going”, „Good job”, „Great Job”, „You got this”, „Go Christian – Go Germany!“, um nur einen kleinen Ausschnitt des verbalen Supports aufzulisten.

Linksseitig befindet sich weiterhin der unendlich scheinende Gebäuderücken des Metropolitan Museum of Modern Art, das sich insgesamt über vier Straßenblocks erstreckt. Es ist das größte Kunstmuseum der Vereinigten Staaten und verfügt über eine der bedeutendsten kunsthistorischen Sammlungen der Welt. Während wir die Rückseite des Gebäudes passieren, was eine ganze Weile in Anspruch nimmt, gibt es rechts des Weges „Gratiskunst vom Straßenrand“. Unmittelbar nach dem 24-Meilen-Marker steht eine Statue aus weißem Granit von einem Typen, der auch auf jedem 10$-Scheinen abgebildet ist. Es handelt sich hierbei um Alexander Hamilton, der zu den Gründervätern der Vereinigten Staaten gezählt wird. Er hat unter anderem im Stab von George Washington an der Ausarbeitung der Verfassung mitgewirkt, er war Finanzminister und gilt zudem als Gründer der ältesten Bank von New York.

Immer noch auf Höhe des MOMA-Gebäudes befindet sich ein weiteres Central-Park-Monument, ein über 20 Meter hoher Obelisk, der auch unter dem Namen „Cleopatra’s Needle“ bekannt ist. Er war ein Geschenk Ägyptens und wurde aufwändig in die Staaten transportiert, wo nun mehr seit 1881 an Ort und Stelle im Central Park steht. Der ägyptische Obelisk stammt aus dem 15. Jahrhundert vor Christus und ist mit seinen etwa 3.600 Jahren somit das älteste von Menschen gemachte Außenobjekt in der Stadt. Ebenfalls in unmittelbarer Nähe zum MOMA soll sich auch der polnische König Jagiello auf seinem Pferd befunden haben, den ich aber am Marathontag unter dem Eindruck von 24 vorherigen Meilen wie auch schon Mr. Hamilton nicht mit eigenen Augen gesehen habe, was natürlich nicht heißt, dass er nicht zu sehen ist, sondern vielmehr der Tatsache geschuldet ist, dass ich nicht aktiv danach geguckt habe.

Foto-Collage von Meile 25 beim New York City Marathon 2017
Foto-Collage von Meile 25 beim New York City Marathon 2017

Was ich aber auf jeden Fall gesehen habe und selbst im Zustand totalster Erschöpfung nicht zu übersehen ist, das ist die lebensgroße Bronzestatue einer Raubkatze, die in etwa vier Meter Höhe auf einem natürlichen Felsvorsprung kurz davor ist, zum tödlichen Angriff auf ihre Beute anzusetzen. „Still Hunt“, wie die offizielle Bezeichnung der Skulptur des Berglöwen (Puma concolor) in Lauerstellung ist, hat seinen Platz unmittelbar nach dem Chedar Hill, einer riesigen Grünfläche, die bei Picknick-Fans hoch im Kurs steht und sich in etwa auf Höhe der76th Street befindet. Auf Höhe der 65/64th Street riecht es dann urplötzlich nach Tierstall und das ist keine olfaktorische Halluzination, denn genau hier beginnt das Gelände des Central Park Zoo, der 1864 gegründet wurde und nach dem Zoo in Philadelphia der zweitälteste seiner Art ist. Irgendwo hier vor dem Zoo befindet sich auch der 25-Meilen-Marker.

Kurz vor dem 25-Meilen-Marker passieren wir noch den 40k-Marker, der allerdings eine kaum beachtete Randerscheinung bleibt, meine Aufmerksamkeit ist schon zu sehr damit beschäftigt den Reiz des Walkenwollens zu unterdrücken. Das Weiterlaufen wird zunehmend härter und fordert mehr und mehr Überwindung, aber zum Glück warten am VP einmal mehr die fleißigen Helfer der grünen Brigade. Hier wurde es dann auch Zeit sich das letzte Gel einzuverleiben, welches ich schon seit Meile 18 mit mir rumgeschleppt hatte. Klar ist mir klar, dass der Zeitpunkt so kurz vor dem Ziel eher suboptimal ist und dass der zu erwartende Effekt so kurz vor dem Ende im höchsten Fall imaginärer Natur sein wird, aber das Gel mit nach Hause nehmen und das Risiko, dass es mir wohlmöglich noch den Koffer vollklebt, so wie es mir schon des Öfteren mit meinem Notgel passiert ist, das ich bei den längeren Läufen zumeist mit dabei habe, diese Risiko wollte ich unbedingt vermeiden.

Und so frisch gelisiert, gingen die letzten zwei km bis zum Ziel dann doch recht gechillt. Auch wenn die letzten Kilometer durch den Central Park eigentlich kein reines Laufen mehr waren, denn aus dem Laufen ist fast schon die Disziplin des Slalomlaufens geworden, was daran liegt dass hier auf der ganzen Breite der Straße gewalkt wird. Aufgrund der vielen Läufer, die hier im Gänsemarsch unterwegs sind, fühle ich mich fast schon an eine gemütlich dahinschreitende Demonstration oder eine kirchliche Prozession erinnert, aber nicht an eine Marathonveranstaltung. Teilweise laufe ich Zickzack, teilweise in Schlangenlinien, aber immer weit entfernt von der Ideallinie und trotzdem geht es für mich weiter in Richtung Ziel. Im Nachhinein hätte ich echt gerne in Erfahrung gebracht, wie viele ich allein noch auf den letzten drei Kilometern überholt habe – es müssen hunderte wenn nicht sogar tausende gewesen sein…

Es bleiben noch ungefähr zwei km bis ins Ziel, das Ende eines langegehegten Traums nähert sich unausweichlich. Auf der einen Seite bin ich froh, dass es bald geschafft ist und die körperlichen Wehwehchen enden, auf der anderen Seite vermischt sich die Freude mit einem leichten Schmerz der Erinnerung an das in den letzten Stunden Erlebte


im Türchen Nr. 26 wartet Morgen Meile 26

Kalender waagerecht


in dem Sinne Rock ‚N‘ Roll & eine besinnlich frohe Weihnacht…

Werbeanzeigen

Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
Dieser Beitrag wurde unter Alles, NEW YORK veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu My Advent Calendar New York City Marathon 2017 *limitierte spezial Edition* 26.2 Meilen bis ins Ziel und „rutscht alle gut rein“ Türchen [~25~]

  1. Pingback: Guided TCS New York City Marathon Tour – Bildergeschichte – mEin pictoraler Rückblick auf die größte Marathon-Party der Welt: A picture story [* second half *] | sohlenrocker

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s