Amphibienschutz in Herne: Der Zaun muss weg – Mission Krötenzaun 2018 erfolgreich beendet

Alle Jahre wieder…

Bild1 XXX

Wie schon in den vergangenen drei Jahren hieß es für mich auch in diesem Frühjahr wieder für den Herner Amphibienschutz aktiv zu werden. Dazu ging es an einem Wochenende Anfang März raus in die Botanik, um an der Berliner Straße im Grenzgebiet zur Nachbarstadt Gelsenkirchen im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Herne einen knapp 250 Meter langen Amphibienschutzzaun zu errichten. [729 more words]

Nachdem der Zaun nach einem sechsstündigen Zaunbaumarathon am zweiten Märzwochenende endlich stand, sah es temperaturtechnisch zunächst auch danach aus, als würde der Frühling nicht mehr lange auf sich warten lassen. Als dann die Temperaturen stiegen, das Thermometer sogar gefühlt hochsommerliche 16°C anzeigte und am Folgetage schon die ersten Erdkröten in den Eimern zu finden waren, hatten wir uns innerlich darauf eingestellt, dass die diesjährige Wanderung alsbald losgehen würde.

Tümpel eisig

[Bild]: Links: Laichgewässer Anfang März; Rechts: Laichgewässer mit Eispanzer nachdem das „Beast from the East“ zugeschlagen hat.

Neben der Boden- und Lufttemperatur bestimmen auch Faktoren wie Niederschlagsmenge, Mondphase oder Bewölkung den optimalen Zeitpunkt, wann es die wechselwarmen Tiere von den Winterquartieren zu ihren Laichgewässern losziehen lässt. Nachdem die ersten Erdkröten schon Mitte März aus ihrer Winterstarre erwacht waren und sich vereinzelt auf dem Weg gemacht hatten, versetzten die eisigen Begleiterscheinungen des „Beast from the East“ die weiteren Wanderung in einen 14tägigen Winterschlaf, denn solange sollte der Winternachschlag andauern.

Tümpel grün

[Bild]: Links: Laichgewässer Mitte März; Rechts: Laichgewässer am Tag des Zaunrückbaus Mitte/ Ende April.

Durch das unerwartete Winter-Comeback nur eine Woche nach dem Zaunaufbau kam es in diesem Jahr zu der kuriosen Szenerie eines eingeschneiten Schutzzaunes. Aufgrund der Temperaturkapriolen war es in diesem Jahr schwierig, weil es noch bis in den März hinein zu Nachtfrost gekommen war und das Gewässer zudem lange Zeit mit einer kompakten Eisschicht versiegelt gewesen ist. Da die wechselwarmen Tiere andere Voraussetzungen benötigen, um aus ihrer  Winterstarre zu erwachen, verschob sich der Zeitpunkt der Massenwanderung weiter nach hinten in Richtung April.


Kurz zum Aufbau:

Wie schon im letzten Jahr hatten die Jungs vom Stadtgrün am Tag der Zaunmaterialanlieferung mit schwerem Gerät dafür gesorgt, dass eine Schneise durch das Brombeerdickicht geschlagen wurde und uns damit einiges an Arbeit abgenommen wurde. Dass es trotzdem wieder einmal eine schmerzhafte und teils blutige Angelegenheit wurde, war der Tatsache geschuldet, dass ich auf das falsche Beinkleid gesetzt hatte, da ich zugegebenermaßen eher unplanmäßig am Ort des Geschehens gewesen bin und mich eigentlich auf dem Rückweg meiner Laufrunde befunden habe.

Dummerweise wurde es in diesem Jahr versäumt mehrere Erddepots entlang der Zaunstrecke anzulegen, um uns das Abdichten des Zauns zu erleichtern. Das abschließende Abdichten ist aus dem Grund so wichtig, weil sich die Tiere durch undichte Stellen im Zaun nicht am Zaun entlang leiten lassen und somit auch kein Schutz gewährleistet ist, weil die Tiere die Barriere unterkriechen könnten. Nach 6 Stunden in der brombeerverseuchten Botanik sind  meine Waden ordentlich malträtiert, aber der Zaun endlich aufgebaut und abgedichtet. Nur die Amphibien sollten noch ein Weilchen auf sich warten lassen…

Aufbau Collage

[Bild]: Dietmar und ich beim abschließenden Arbeitsshritt des Zaunverdichtens.

Kurz zum Abbau:

Als nach etwa einem Monat in der zweiten Aprilhälfte die Anzahl der in den Eimern vorgefundenen Amphibienexemplare rückläufig war und sich deren Zahl Null näherte, wurde es Zeit den Zaun wieder abzubauen.

Material Depot

[Bild]: Die Bauelemente des Amphibienschutzzauns – Eimer, Zaunstangen, Erdheringen und grüner Kunststoffzaun mit Leine zum Spannen.

Im Vergleich zum Aufbau war die Demontage des Schutzzaunes recht schnell erledigt, da die beiden zeitaufwendigen Arbeitsschritte die Brombeer-Feinrodung und die Abdichtung des Zauns mit Erde entfallen. Nach rund zwei Stunden waren sämtliche Zaunelemente wie Zaunstangen, Erdheringe und Eimer eingesammelt und am straßennahen Endlager deponiert. Einzig und allein das akkurate Zusammenrollen der drei 100 Meter langen und aus widerspenstigem Kunststoff bestehenden Zaunsegmente erforderte aufgrund des vorhandenen Platzmangels und der dornigen Brombeer-Vegetation etwas mehr Mühe.


Ende gut alles gut – the next generation ist am start…

Beim abschließenden Blick in das Laichgewässer auf der gegenüberliegenden Straßenseite zeigte sich, dass sich unser Einsatz auch in diesem Jahr wieder gelohnt hat. Am Uferbereich waren unzählige kleine schwarze Kaulquappen zu erkennen, die sich durch die von meinem Körpergewicht verursachten Erschütterungen aufschrecken ließen und in Richtung Teichmitte flüchteten.

Biotop mir Quappen

[Bild]: Das Laichgewässer Mitte April . eingekreist sind 2 Kaulquappen in einem frühen Entwicklungsstadium.

Auch wenn sich mein Mitwirken in diesem Jahr auf den Auf- und Abbau der Zaunanlage beschränkte, hat es trotz der Anstrengungen wieder unbezahlbar viel Spaß gebracht. Die täglichen Kontrollen, die jeweils am Morgen und am Abend durchgeführt werden müssen, hatte Dietmar freiwillig übernommen. Bedauerlicherweise hat er aufgrund technischer Komplikationen weder die aktuellen Zahlen in die von mir vorbereitete online-Excel-Tabelle eingepflegt noch irgendwelche Amphibien-Wander-Bilder gemacht, sodass ich Euch bei Interesse auf die älteren Beiträge im Blog verweisen muss, wo sowohl die fototechnische Dokumentation als auch die Auswertung der Daten vollständig dargestellt sind.

…zum Projektalbum


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und immer dran denken mit offnen Augen sieht man mehr vom Weg…

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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