Klugscheissen 2.0: Meine Antwort auf einen Beitrag im Blog The Highway Tales von Talianna vom 06.06.2018: u. a. zu den Themen Trainingsintensität, HF-Bereiche & Leistungssteuerung

Den Beitrag von Talianna mit der Überschrift Trainingsintensität findet ihr hier !

Bei dem theorielastigen und fachspezifischen Wust an Text würde ich fast bezweifeln, dass jemand hierzu seine wissenschaftlich fundierte Meinung mit dir teilen wollen wird. Und ehrlichgesagt weiß ich auch gerade gar nicht, wo genau ich anfangen sollte!?


Zunächst viel(!)-leicht(?) ein paar Ergänzungen:

Mit dem Anstieg der Laktat-Konzentration im Blut, das bei der Energiegewinnung unter Sauerstoffmangel als Nebenprodukt entsteht, ändert sich auch der pH-Wert des Blutes – wodurch sich die O2-Bindungsaffinität der Fe-Häm-Einheiten („roten“ Erythrozyten) verschlechtert und somit mehr Blut zu den Zielorganen (Muskeln) zirkulieren muss, um diese mit derselben Menge an O2 zu versorgen…

Heißt also, der O2-Bedarf steigt noch weiter an, das gleiche Blutvolumen kann weniger Sauerstoff transportieren, und die Energiereserven, die O2-sparend verfeuert werden könnten, neigen sich nach einer Belastungsdauer von maximal 90min auch dem Ende entgegen. Allerdings ist das Laktat nicht nur „schlecht“, denn es hat u.a. beim Prozess der Glukoneogenese zur Resynthese von Glucose als Ausgangsmolekül eine entscheidende Funktion, ist aber für die weitere Betrachtung – zumindest bis auf den Einfluss auf den pH-Wert des Blutes – irrelevant.

Denn der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Energieträgern Fett und  Zucker = Kohlenhydrate (bzw. Glykogen = Speicherform der Glukose in den Mitochondrien von Muskeln und Leber, deren Größe u.a. durch Training beeinflusst wird, und zudem mit der Ökonomisierung metabolischer Prozesse einhergeht, wie beispielsweise der Steigerung der Enzymaktivität der an der Lipolyse beteiligten Enzyme) ist neben der im Körpervorhanden Mengen vor allem der Sauerstoffbedarf der zur Umwandlung der chemischen Energie aus dem Glykogen respektive des Fettes in Bewegungsenergie benötigt wird. (vgl. Sauerstoffbilanz Fette vs. Zucker). Wobei der energieliefernde Reaktionsschritt auf molekularer Ebene letztendlich der Bindungsbruch einer energiereichen Bindung bzw. die Abspaltung einer Molekülgruppe beispielsweise die der Phosphat-Gruppe vom Adenosin-Tri-Phosphat (ATP = Universal-Treibstoff der Muskelzelle) zum A-Di-P bzw. durch den Bindungsbruch der energiereichen PO3-Bindung ist.

Vielleicht lässt sich das bildlich ganz gut mit einer diabolischen Kaskade vergleichen – du läufst zu schnell bzw. jenseits der aerob-anaerobe Schwelle – eine höhere Belastung/ schnellere Pace geht mit einem höheren Bedarf an Energie und O2 einher – das „leicht“ zugängliche Glykogen ist aber nach spätestens 90 min leer – die in ausreichenden Mengen vorhandenen Fette benötigen mehr O2 . Reicht der Sauerstoffbedarf bei den Energiebereitstellungsprozessen nicht aus, kommt es zur Sauerstoffschuld und es entsteht vermehrt Laktat, das sich ab einer bestimmten Konzentration negativ auf die O2-Transporteigenschaften des Blutes auswirkt, wodurch zur Gewährleistung der Ver- und Entsorgungsprozesse relevanter Organsysteme mehr Blut benötigt wird …

Eine Limitierung der Ausdauerleistung auf energetisch-molekulare Ebene ergibt sich somit stark vereinfacht aus einem komplexen Zusammenspiel aus der zur Verfügung stehenden Art und Menge der Energiereserven (Fette, KH, (Protein/Eiweiß)), der Konzentration an Metaboliten/ Abbaustoffe (Lak, H+, …) im Blut, weil die Einfluss auf den PH-Wert hat und der wiederrum die Transporteigenschaften des Blutes beeinflusst und ganz wesentlich ist natürlich die Höhe der Belastungsintensität, die den Arbeitsumfang und damit den Sauerstoff- und Energiebedarf primär bestimmt.

Bestimmung Ruhe-HF und Belastungsstufen

Zur  HFmax-Ermittlung google vlt. mal nach CONCONI-Test – inwieweit der zu Hause in Eigenregie umsetzbar ist, ist allerdings fraglich – für wirklich verlässliche Werte bedürfte es eigentlich auch medizinisch-exakter Methoden der Trainingswissenschaft und dazu gehört dann auch, dass man sich in regelmäßigen Abständen einem Stufenleistungstest auf dem Laufband oder Ergometer im Rahmen einer Leistungsdiagnostik stellt – und hierbei führt dann auch kein Weg mehr am Laktat vorbei, denn nichts ist valider als die Laktatkonzentration in Relation zur jeweiligen Belastungsstufe.

Allgemien: Leistungssteuerung via Herzfrequenz

Die Trainingssteuerung via HF, obwohl überall propagiert, ist aus wissenschaftlicher Sicht diskutabel – zu individuell, zu anfällig, von zu vielen Faktoren abhängig und zu beeinflussbar – Stress, Wetter, Temperatur, Emotionen, Lebensmittel, Kaffee, Tee, Musik und und und… Das sieht bei der Herzfrequenzvariabilität wiederum anders aus, ist aber auch ein anderes Thema und ich will langsam zum Ende kommen. 😀

Aus den genannten Gründen ist die Leistungssteuerung via HF auch lediglich eine suboptimale Kompromisslösung für die nicht-medizinisch-betreuten Athleten. Ich würde Dir bei der Ermittlung der Ruhe-HF noch dazu raten – den Wert direkt nach dem Wachwerden zu ermitteln und am besten noch im Bett, noch in der waagerechten Liegeposition und noch bevor du deinen Körper groß aufgerichtet hast, weil sobald sich deine Hirnaktivität erst mal in Gang gesetzt hat und der Kreislauf in Schwung kommt, hat das schon wieder Auswirkungen auf den ermittelten Wert deiner Ruhe-HF…

Berechnung der Belastungsbereiche aus der HFmax

Die Ruhe-HF von der HF-Max abzuziehen, um mit dem Wert dann die 5-Anteile für die Belastungsstufen zu ermitteln?! Also davon habe ich so noch nichts gehört und macht auch eigentlich keinen Sinn – weil die HF zeigt an wie stark das Herz pumpen muss, um die Vitalfunktionen des Organismus aufrechtzuhalten, also ohne das zusätzliche Muskelarbeit verrichtet wird und die HF-Max zeigt an, wie viel dein Herz maximal bei maximaler Belastung im Stande ist zu leisten – warum sollte man dann den HF-Ruhe-Wert vom HF-Max abziehen, das sind ja zwei voneinander unabhängige Werte?!

Gegenfrage mit Beispiel:

Wäre ja so wenn dein Auto bei Standgas (V0) eine Drehzahl (X0) hat und bei der Endgeschwindigkeit (Vmax) eine Drehzahl von (Xmax) und du bei bestehender Proportionalität um die Mittlere Drehzahl  (Xmax1/2) zu berechnen

statt :                        (Xmax1/2) = ½ * (Xmax)

würdest du:            (Xmax1/2) = ½ * (Xmax-X0)

Aber besteht denn zwischen der Drehzahl im Standgas und der Drehzahl bei einer Mittleren-Geschwindigkeit bei vorausgesetzter Proportionalität überhaupt ein Zusammenhang bzw bedingen sich diese!? Warum sollte dann eine zwischen der Ruheherzfrequenz und der Belastungs-HF auf einer bestimmten Intensitätsstufe bestehen – ich denke, dass keine solche Abhängigkeit besteht, weil HFmax und HF-0 zwei voneinander unabhängige Prozessvariablen beschrieben.

Unterschiede bei Angaben der Schwellenwerte:

Abschließend noch was zu der Diskrepanz zwischen den angegebenen Schwellenwerten: Im Allgemeinen wird die aerobe Schwelle auf 20 Pulsschläge unterhalb der anaeroben Schwelle geschätzt, wobei wie du schon richtig erwähnt hattest, die Übergänge nicht starr sondern fließend sind, aber eventuell liegt die Ursache für die Differenz der angegeben Werte darin begründet?!



ps: alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen und ohne Gewähr!!!



in dem Sinne keep on Running & Rock ‚N‘ Roll

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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Eine Antwort zu Klugscheissen 2.0: Meine Antwort auf einen Beitrag im Blog The Highway Tales von Talianna vom 06.06.2018: u. a. zu den Themen Trainingsintensität, HF-Bereiche & Leistungssteuerung

  1. SohlenRocker schreibt:

    Ach ja, die Intensitätsunterschiede (~20 S/min) könnten auch noch im Zusammenhang mit einer möglichweise anderen Stufenbestimmung stehen – also nicht standardmääßig der prozentuale Antteil der HF-max sondern vergleiche hierzu mal die Belastungszonen nach S. Edwards – die, teils so wie du meintest, die Ruhe-HF von der HF-max abzieht, davon die %-Zone berechnet und zu dem Werrt dann die Ruhe-HF wieder addiert…

    Bzw. bei Martti Karvonen’s Herzfrequenzreserve, denn ich meine dass das die ursprüngliche Formel war, die Edwards abgeändert bzw präzisiert hat…

    Gefällt 1 Person

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