Ein Hauch von Tour de France wehte durch die Bochumer Innenstadt als der amtierende Tour-Sieger Geraint Thomas vom Team Sky in Gelb seine Runden drehte & am Ende siegte

Aber fangen wir Vorne an: Nur eine Woche nach dem Open-Street-Festival Bochum Total wartete das nächste Großereignis in Bochum. Allerdings wurde es im Vergleich zur Vorwoche ein wenig sportlicher, denn es war Zeit für den jährlich stattfindenden Sparkassen-Giro, wobei natürlich nicht auszuschließen ist, dass auch am Bochum-Total-Wochenende schon ordentlich die Post abging und es bei dem einen oder anderen durchaus sportlich zur Sache gegangen sein mag. Letzteres kann ich allerdings nicht persönlich beurteilen, da mich zwar das Radrennen, so wie auch schon in den zurückliegenden Jahren geschehen, wieder als Zuschauer an den Streckenrand ziehen konnte, nicht aber das Festival Bochum Total in die Stadt lockte.     [ 1450 more words ]

Plakat an der Rückseite der Hauptstelle der Sparkasse Bochum
Plakat an der Rückseite der Hauptstelle der Sparkasse Bochum

Beim letztjährigen Sparkassen-Giro hieß das Veranstaltungszugpferd noch Marcel Kittel. Kittel, der tragische Held, der mit fünf Tagessiegen bei der Tour 2017 vollends begeistern konnte, dann allerdings tragischer Weise auf der 17. Etappe stürzte und im grünen Trikot des Führenden der Sprintwertung verletzungsbedingt aussteigen musste, womit auch sein Traum von Grün auf der Champs-Élysées so kurz vor Paris noch völlig unerwartet geplatzt war. Startechnisch konnte man auch in diesem Jahr von Veranstalterseiten überzeugen, wenn nicht sogar im Vergleich zum Vorjahr noch einen draufsetzen.

Als ich im Vorfeld erfahren hatte, dass möglichweise Geraint Thomas in Bochum beim Giro vorbeischauen würde, dachte ich erst an eine geplante PR-Ente, um so kurz vor dem Event nochmal die Werbetrommel anzukurbeln. Und als sich das Gerücht nach und nach als doch wahr herausstellte, stand für mich noch mehr fest, dass ich dem Radsport-Spektakel auch in diesem Jahr beiwohnen werde, denn eins war klar, näher werde ich einem Tour-Gewinner in nächster Zeit ganz bestimmt nicht noch einmal kommen. Eigentlich kaum zu glauben aber doch wahr – Geraint Thomas, der sympathische Waliser Radprofi vom Team Sky, der bei der diesjährigen Tour phänomenal zur Überraschung vieler Radsportexperten das gelbe Trikot nach Paris bringen konnte und damit Salbutamol-König Chris Froome in die Schranken weisen und entthronen konnte.

Cabrio Fahrt mit Geraint Thomas und Marcel Sieberg
Bevor der 21. Bochumer Sparkassen-Giro endlich gestartet wurde, präsentierte man dem Publikum noch den Star des Abends zusammen mit dem dreimaligen Girosieger Marcel Sieberg bei einer Fahrt über die Strecke im offenen Cabrio.

Der Veranstaltungsort die Bochumer Innenstadt liegt unmittelbar um die Ecke und ist für mich mit dem Rad perfekt zu erreichen, weswegen die Anfahrt natürlich auch standesgemäß mit dem Rad erfolgt. Nach knapp 20 Minuten und 8 entspannt geradelten Kilometern stehe ich vor dem Gebäude des Oberlandesgerichts. Aufgrund der hitzigen Temperaturen konnte ich mich dann allerdings doch erst um 16.30 Uhr dazu motivieren, um mich auf mein Rad zu schwingen und in Richtung Bochum aufzumachen. Der Weg über die Erzbahntrasse bis zur Bochumer City  bietet nahezu ideale Radfahrbedingungen und durch den Fahrtwind gab es sogar noch eine erfrischende gratis-Abkühlung, die aber leider nur solange währen sollte, wie ich in die Pedale trat. Als ich mein Rad dann am Oberlandesgerichtsgebäude vor den Augen der dort positionierten Cops abgeschlossen hatte, fing ich wasserfallartig an zu transpirieren.

Da ich zunächst nicht genau wusste, von wo aus der Start erfolgen sollte, sich die Filiale der Hauptsparkasse aber am anderen Ende der Stadt befindet und dort auch das Gros des Stadtfestes stattfinden sollte, macht ich mich zügig auf den Weg dorthin. In der Stadt erwartete mich dann wie angekündigt eine Mischung aus City-Fest und Radrennen. Mehrere Bühnen, Leinwände, Tribünen waren aufgebaut – unter anderem gab es auch eine Mallorca-Bühne, wo namhafte Interpreten des niveauvollen Ballermann-Schlagers wie Oli. P, Norman Lange, Willi Herren und noch andere Helden des deutschen Sinnlos-Schlagers bei Temperaturen um die 30°C die dort anwesenden Zuschauer noch weiter versuchten einzuheizen. Doch das Programm beim Sparkassengiro beschränkt sich nicht nur auf das Profirennen am Abend, sondern auch schon der ganze Tag steht im Zeichen des Radsports – von Jung bis Alt, vom Hobbyradler bis zum Profiradsportler vom Jedermannsrennen bis zum Mini-Giro – beim Sparkassen-Giro findet jeder seine radsportliche Herausforderung oder seinen Platz an Bühne und Bierwagen.


Cityfest mit Bühne und Startposition
Oben: Mein Standplatz und die erste Kurve nach dem Start unmittelbar gegenüber vom Hauptbahnhof; Unten: Die Mallorca-Bühne an der Massenbergstraße auf Höhe der Sparkassen-Hauptstelle.


Vor einer aufgebauten Tribüne am Südring war der Start des Hauptrennens für kurz nach 17.00 Uhr geplant. Da die ersten Reihen im Startbereich besetzt waren und die Strecke von dort zudem auch nicht besonders gut einzusehen war, hatte ich mich auf einem erhöhten Platz in der ersten Kurve gegenüber vom Hauptbahnhofe positioniert. Dieser Platz hatte nicht nur Vorzüge aufgrund der besseren Sicht, Dank der Hochhäuser im Rücken gab es hier auch ein wenig Schatten, auch wenn hierdurch die Lichtverhältnisse für die Aufnahme der Fotos verkompliziert wurden, was sich allerdings erst zu Hause am Rechner zeigen sollte. Wirklich sportlich sollte es zunächst aber noch immer nicht werden, denn noch bevor der sportliche Teil der Veranstaltung richtig beginnen konnte, wurde allen Bochumer Zuschauern der Star des Abends präsentiert. So fuhr Geraint Thomas zusammen mit Marcel Sieberg auf der Rückbank im offenen Cabriolet eine Runde über die Strecke und beide winkten dabei den zahlreich erschienen Zuschauern entlang der Absperrbanden zu. Nach der Show-Runde wurde dann endlich der Countdown runtergezählt und das Rennen konnte endlich beginnen.

Mit dem Start und dem vorausfahrenden Spitzenfahrzeug geschah dann auch das eigentliche Drama des Rennens. Noch während des Countdowns turtelten in der Startkurve zwei Tauben, die vermutlich teils überrascht teils irritiert darüber waren, wie ruhig und friedlich weil autofrei die ansonsten so stark befahrene Straße an diesem Nachmittag sein konnte. Als dann aber das Führungsfahrzeug mit 50 Sachen in die Kurve bog, fand die traute Zweisamkeit ein jähes und zugleich tragisches Ende, da eine der beiden Tauben nicht schnell genug abheben konnte und wurde sie vom Fahrzeug erwischt und da das Fahrerfeld unmittelbar darauf folgte, wurde die zunächst angefahrene Taube vom kompletten Fahrerfeld noch einige Male mehr überrollt. Gedanken zum Gesundheitszustand brauchte man sich nach dem Geschehen zumindest keine mehr machen.


Taubentod in 4 Akten
Taubentod in 4 Akten: Makaber und kurios zugleich – erinnerte mich aber irgendwie trotzdem ein wenig an Kenny und Southpark von früher 😀


Um in Runde 2 nicht noch Grund für eine Massensturz zu werden, holte einer, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehenden Zuschauer, auf der Höhe wo sich der Vorfall ereignet hatte, das leblose und verendete Tier von der Straße. Zunächst hatte ich von diesem Zwischenfall auch gar nichts mitbekommen, weil ich in voller Erwartung auf das nahende Feld nur das Display meiner Cam fest im Auge hatte. Aber kurz nach dem Führungswagen ließ auch das Feld nicht lange auf sich warten und fuhr mit einem unvorstellbaren Affenzahn an uns vorbei – dabei erzeugten sie einen deutlich wahrnehmbaren Luftzug – das es die Taube erwischte hatte, wurde mir erst bewusst als das Feld vorbei war, wobei die Kollision irgendwie dann doch absehbar gewesen ist und vor meinem inneren Auge auch schon abgelaufen ist, direkt nachdem der Startschuss ertönte und die Tauben dort seelenruhig saßen.

Aber mit was für einem Affenzahl das Führungsfahrzeig und das Fahrerfeld da an uns vorbeirauschen, ist fast schon beängstigend und faszinierend gleichermaßen – zu Hause am TV läßt sich das Gefühl für die an den Tag gelegte Geschwindigkeit nicht im Ansatz rüberbringen. Vor allem wundere ich mich über die Zuschauer bei der Tour de France – die da über Stunden teilweise mehrere Tage an der Strecke warten , um einen begehrten Platz zu ergattern und einen blick zu erhaschen und dann kommen die Fahrer da mit einem so irren Tempo vorbei, dass man sie nicht einmal richtig erkennt – glücklicherweise hatte G. Thomas das gelbe Trikot an und fuhr das für den Tour-Sieg gelblackierte Tour-Rad, wodurch man zumindest ihn in jeder gefahrenen Runde optimal erahnen konnte.


Bilder vom vorbeirauschenden Fahrerfeld
Bilder vom vorbeirauschenden Fahrerfeld, Geraint Thomas stets gut zu erkennen.

Und absolut unvorstellbar ist, was bei der TdF tagtäglich am Streckenrand abgeht, wie positiv radsportverrückt die Leute da wirklich sein müssen, bekommt man vor dem TV-Gerät nur in Ansätzen mit. Ich muss zugeben, dass mir schon hier recht zeitnah langweilig wurde, weil bei einem solchen Radrennen im Kreis irgendwie auch nicht wirklich viel passiert. Während man bei der TdF-TV-Übertragung noch Allerlei vom Streckenrand und von den durchfahrenen Orten erfährt, die imposanten Landschaften und Berge gezeigt bekommt und dazu auch noch dem Expertentalk lauschen kann, steht man bei einem solchen Stadtrennen am Streckenrand und ein Pulk an Radfahrern fährt alle 2-3 Minuten an dir mit einem irren Tempo vorbei. Klar mit den richtigen Leuten und einer sicheren Bierquelle hätte man es auch hier länger aushalten können, da Thorsten urlaubstechnisch verhindert war, sich niemand mobilisieren lassen wollte und ich sowieso keine Lust auf Solobetankung hatte, erübrigte sich das für mich von Vornherein.

Aus diesen Gründen bin ich in den folgenden 30 Minuten die rund 1,6-Kilometer-Strecke einmal abgegangen, womit ich einen Blick auf die Strecke aus verschiedenen Perspektiven hatte –währenddessen und zwischendurch habe ich noch weitere Fotos gemacht – habe unter anderem zum ersten Mal den Serien-Aufnahmemodus der Cam mit Dauerfeuer bei gehaltenem Auslöseknopf angetestet, und mich dann nach knapp der Hälfte des Rennens auf den Heimweg gemacht, ohne vom Ausgang des Rennens was mitbekommen zu haben, aber ohne Bier und nebenbei Unterhaltung ist eben auch ein hochklassiges Radrennen irgendwie nicht interessanter als das Radrennen in Gelsenkirchen-Beckhausen, wo mittelklassige Amateurfahrer im Kreis fahren. Ich habe gesehen, was ich wollte, habe dabei noch ein paar Hundert mehr oder weniger gute Fotos geschossen. Dazu habe ich neben den Sieger der diesjährigen Tour de France Geraint Thomas vom Team Sky, der zum Glück im gelben Trikot auf der Strecke unterwegs gewesen ist, auch noch zahlreiche andere namhafte Radprofis wie beispielsweise Marcel Sieberg, Rick Zabel, Nils Polit und einige mehr live erleben dürfen.

Das Endresultat habe ich, nachdem ich zu Hause angekommen war, den Berichten im Internet entnehmen können und ich war aufgrund des Ausgangs dann doch ein wenig überrascht. Denn es zeigte sich, dass der waliser Skyfahrer seine beeindruckende Tourform mit einem Sieg beim 21. Bochumer Sparkassen-Giro bestätigen konnte und nach der Tour den nächsten Sieg eingefahren hatte. Neben dem Tour de France-Sieger standen auch die beiden Deutschen Fahrer Rick Zabel als Zweitplatzierter vom Team Katusha Alpecin und der Drittplatzierte Marcel Sieberg vom Team Lotto Soudal auf dem Treppchen.


In dem Sinne keep on RUNNING & ROCK ‚N‘ ROLL


 


Memo an mich selbst & Nachkritik der Fotos:

  • Entfernung muss stimmen – zu nah dran birgt Problem, Cam benötigt länger Zeit zum Fokussieren – bessere Einstellung wählen – vlt. Bewegung einfreiren?!

  • Lichtverhältnisse unbedingt beachten und drauf reagieren!

  • Verschlusszeit, Blende, Iso – mal die manuellen Einstellungen durchprobieren!!! S&B…

  • Belichtungszeit verkürzen!!! Sportliche und damit schnelle Bewegung, Unschärfe entsteht durch zu lange Belichtungszeit

  • Ergänzung: Kurze Videosequenzen wären geil gewesen!!!


 

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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