Kurz, knapp & bündig aus der Rubrik Mein Marathon Kriterien KOMPASS (23): Der 45. BMW Berlin Marathon 2018

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Organisation:   [professionell !] – vom SC Charlottenburg veranstaltet und von der Tochtergesellschaft SCC EVENTS GmbH organisiert; top durchgetacktete und professionelle Kommerz- und Massenveranstaltung; Berlin Vital-Messe im ehemaligen Flughafen Tempelhof; größte deutsche Marathonveranstaltung mit über 70.000 Teilnehmern (über 40000 Marathon-Finishern); Teil der Marathon-Major-Serie; im Vergleich zu NYCM mit einigen organisatorischen Defiziten (Toiletten, Aufteilung der Wellen/ Startblöcke & Engpässe Nachzielverpflegung); Läufer ist vor allem Kunde – der Marathon wirtschaftliches Produkt;

An-/ Abfahrt:   [vertretbar !] – für die rund 500 km benötigt die DB keine 4 h; zunächst mit dem Roller zum Hauptbahnhof Bochum, dann weiter mit dem ICE bis Berlin Hauptbahnhof; dort für 7 € Tagesticket der BVG für die Bereiche A&B und somit freie Fahrt im Stadtgebiet; Rückfahrt mit dem IC bis Bad Oyenhausen, dann weiter mit dem Regionalexpress nach Bochum; mit Roller nach Hause;

Strecke:   [ok !] – Rundkurs durch die Bundeshauptstadt; viele breite Straßen; unterwegs auf der WR-Strecke; verläuft überwiegend durch die Stadtteile Tiergarten, Moabit, Kreuzberg, Friedrichshain, Schöneberg, Zehlendorf, Wilmersdorf und Charlottenburg; passiert dabei unzählige Sehenswürdigkeiten; Streckenführung ist aber vor allem auf Geschwindigkeit ausgelegt;

Highlights:   [unzählige !] – per pedes Sightseeing-Tour durch Berlin; Selfie mit Fidel und Michel; u.a. Siegessäule, Berliner Dom, Staatsoper, Gedächtniskirche, Gendarmenmarkt, Zielgerade durch das Brandenburger Tor, mit auf der Strecke beim WR von Eluid Kipchoge in 2:01:39; die Massen an Zuschauern vor allem gegen Ende, aber auch an vielen Punkten der Strecke; die unzähligen Musikbands unterschiedlicher Genres; Internationalität der Veranstaltung; Läufer aus aller Welt; Marathon-Weltelite steht mit am Start;

Zuschauer/ Stimmung:   [national-top !] – zu Beginn geht es durch eher ruhigere Stadtteile ohne Jubel-Trubel-Heiterkeit; aber vor allem am Ende rappelvoll und euphorische Stimmung vom Streckenrand; dazu Musikbands wohin das Ohr reicht, Trommler, Rapper, Punk, Klassik und sogar Alphörner; die freiwilligen Helfer freundlich, hilfsbereit und zuvorkommen, es gibt allerdings bei Mitarbeitern der Fremdfirmen auch Ausnahmen; Stimmung im Starterfeld international; tausende von Kinder-High-Fives eingesammelt, auch wenn es teilweise ein paar Zusatzmeter kostete;

Leistungen:   [naja !] – top durchgetacktete Großveranstaltung; Startbeutel mit Duschgel & Deo von Adidas, Marshmallow von ULTRASPORT, Unmengen an überflüssigen Flyern; hochglanz Programmheft; alle 3 km VPs auf der Strecke; Gel-VP bei km 27; super Medaille, Lunchbeutel am Ende mit Apfel, Banane, Croissant, Salzbrezeln, Riegel; Erdinger-Zielbier; online-Urkunde (wird auch noch zugeschickt genau wie das Ergebnisheft); Finisher-Shirt für 30 € optional buchbar;

Verpflegung:  [gut !] – alle 3 km Wasser, Tee, Elektrolyt-Getränk von ULTRASPORT geschmacklich widerlich; Gels bei km 27; zwischendurch Bananen und Äpfel; gegen Ende Cola von Privatpersonen und Bier von Die Partei; Erdinger-Finisher-Bier im Ziel und Lunchbeutel mit Allerlei;

Preis:   [übertrieben !] – 108 € kostet der Startplatz; Nachmeldung und Ummeldungen gibt es nicht; Interessenten müssen sich ein Jahr vorher anmelden und bekommen im Glücksfall einen Startplatz zugelost;

Wetter:   [traumhaft !] – perfektes Laufwetter; morgens noch leicht schattig, minimal bewölkt bis sonnig-klar, bei zum Ende hin allerdings fast schon zu warmen 25°C;



Gesamturteil:          [~*~°  4,5 von 5 Sternen  °~*~]

Die 45. Auflage des Hauptstadt-Marathons war, wie zu erwarten, ein durchweg pompös bis überdimensioniertes Laufspektakel. Der auf der Highspeed-Strecke durch die Hauptstadt aufgestellte Weltrekord (2:01:39) von Eluid Kipchoge hat dem ganzen zudem noch das Sahnehäubchen aufgesetzt und den Lauf zu einem sporthistorischen Ereignis werden lassen. Bei meiner mittlerweile dritten Teilnahme am größten deutschen Marathon waren 44.000 Starter gemeldet, von denen am Sonntag knapp 40.000 Läufer das Ziel auf der Straße des 17. Juni erreicht haben. Der BMW Berlin-Marathon ist damit sowohl was die Starterzahl als auch was die Anzahl der Finisher betrifft zumindest im nationalen Vergleich mit großem Abstand konkurrenzlos – sowohl Hamburg (2.) als auch Frankfurt (3.) können nur etwa ein Viertel der Berliner Zahlen aufweisen. Doch eins wurde mir auf jeden Fall auch wieder klar: Es ist nicht alles Gold was glänzt und Größe ist nicht alles!

Andererseits muss ich mir aber auch eingestehen, dass meine Erlebnisse rundum den Berlin Marathon in diesem Jahr unter dem Einfluss der Nebenwirklungen der Belastungen aus der Vorwoche gestanden haben. Die 8 Tage Erholungszeit waren, um nach einem 24-Stunden-Spenden-Lauf erholt an den Start des nächsten Marathons zu gehen, keineswegs ausreichend gewesen. Die bleierne Schwere war nicht nur in den Beinen sondern auch mental noch mehr als präsent. Und die daraus resultierende „Lethargie“ mag meine Wahrnehmung des Erlebten durchaus verzerrt haben können. Allerdings war ich auch schon in der Vergangenheit des Öfteren zu der Erkenntnis gekommen, dass diese ausschließlich auf Kommerz und Gigantismus ausgerichteten Großveranstaltungen für mich persönlich und bei wiederholter Teilnahme keinen sonderlichen Mehrwert aufzuweisen haben.

Und selbst wenn der Berlin-Marathon auf nationaler Ebene unerreicht und einzigartig ist, so kann das in Berlin Erlebte trotzdem nicht im Geringsten an das Erlebnis während des NYCMs heranreichen. Der NYCM ist und bleibt das Nonplusultra und für mich persönlich der Goldstandard in meinem persönlichen Marathonuniversum. Inwiefern sich eine wiederholte Teilnahme in NY ebenfalls mindernd auf das Gesamterlebnis auswirken würde, lässt sich nur bedingt beurteilen, in Berlin hat es unumstritten zu einem reduzierten Erlebnis geführt. Vor allem vor dem Hintergrund am letzten Wochenende beim 24h-Lauf in Reken an einer Veranstaltung mit komplettkonträrer Philosophie teilgenommen zu haben, hat mir aufgezeigt welche Attribute für mich bei einer Laufveransatltung mehr zählen als die eines High-End-Unterhaltungsevents mit grenzenlosem Kommerz – Attribute, die vor allem von Veransattlungen repräsentiert werde, die nach dem Motto von Läufern für Läufer durchgeführt sind und in einen überschaubaren Rahmen ohne Beteiligung internationaler Großsponsoren stattfinden.

Unabhängig von meiner auf individuellen Empfindungen beruhenden Kritik ist der Berlin Marathon natürlich eine perfekt organisierte Veranstaltung, die in keiner Lauf-Vita fehlen darf und die jeder Marathonläufer mindestens einmal gelaufen sein sollte. Und in gewissen zeitlichen Abständen kann selbst eine mehrmalige Wiederholung reizvoll sein. Meine nächste Teilnahme wird voraussichtlich allerdings nicht vor der 50. Austragung im Jahre 2023 erfolgen.


M2K2-Einleitung                                                                   M2K2-Chronologisch


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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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4 Antworten zu Kurz, knapp & bündig aus der Rubrik Mein Marathon Kriterien KOMPASS (23): Der 45. BMW Berlin Marathon 2018

  1. Pingback: Mein Marathon-Kriterien-KOMPASS: Nach dem Lauf ist vor dem Lauf – the hopefully never ending story | sohlenrocker

  2. Linsenfutter schreibt:

    Meine Hochachtung !

    Gefällt 1 Person

    • SohlenRocker schreibt:

      Ach Quatsch – einen Marathon mehr oder weniger genüßlich zu finishen ist für mich mittlerweile ganz und gar nix Besonderes mehr !!! Hat in etwa den Stellenwert einer langen Trainingseinheit… 😉 Und Berlin hat Zuschauertechnisch und Sightseeingtechnisch echt eine Menge zu bieten, um sich nebenbei erfolgreich ablenken zu können…

      Liken

  3. Pingback: Als Gast auf Eliud Kipchoges Marathon-Party des Jahres – mittendrin statt nur dabei beim BMW Berlin Marathon 2018 | sohlenrocker

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