Als Gast auf Eliud Kipchoges Marathon-Party des Jahres – mittendrin statt nur dabei beim BMW Berlin Marathon 2018

Die Weltrekord-Hatz und meine 42k Sightseeing-Foto-Tour auf dem Highspeed-Rundkurs durch die Bundeshauptstadt.

| 45. BMW Berlin Marathon | Berlin| 16.09.2018 |

Berlin logo

Dass am Abend vor meinem Berlin-Trip trotz eingekehrter Reiseroutine dann doch noch so etwas Ähnliches wie Hektik aufkommen sollte, war vor allem dem Umstand geschuldet, dass ich gegen 19.30 Uhr beim abschließenden Klamotten-Check-Up bemerke, dass ich die Zugtickets für die morgige Zugfahrt als ausgedruckte Papierform mitzuführen habe, was ja im Grunde noch kein Problem gewesen wäre, aber in dem Moment zu einem Problem werden sollte, als mir mein Drucker den Dienst mit dem Hinweis verweigert, dass die Druckerpatrone leer sei. Und dieses Mal blieb sie im Gegensatz zu den Malen zuvor auch trotz des wiederholten Schüttelns wirklich leer.                                                                                                                                         [ 9177 more words ]

Klar hätte ich jetzt kurz rumtelefonieren und irgendwo einen funktionsfähigen Drucker auftreiben können, doch die weiterhin massiv vorhandene Reken-Lethargie, verkomplizierte eine Lösungsfindung spürbar. Was bin ich aber im Nachhinein froh darüber, dass ich mich schon Wochen vor dem 24-h-Lauf in Reken um die Buchung von Zugtickets und Übernachtungsmöglichkeit für das Berlin-Wochenende gekümmert hatte. Aber trotz der ansonsten vorausschauenden Planung musste ich jetzt zeitnah eine Möglichkeit zum Ausdrucken der Dokumente finden, um die sich androhenden Komplikationen zu vermeiden, denn ohne die Ausdrucke wäre es wohl unweigerlich zu welchen gekommen. Vom letzten Fotoausdrucken bei DM hatte ich noch vage in Erinnerung, dass es dort in der Fotoabteilung auch einen herkömmlichen Drucker gegeben hatte. Also was lag da näher als zum nächsten DM um die Ecke zu fahren und mein Glück dort zu versuchen. Doof nur, wenn der Drucker in dem Laden zufällig kaputt ist und mir die Verkäuferin mitteilt, dass man schon seit Längerem auf den Service-Support wartet. Also nicht lange aufhalten und weiter zum nächsten DM, wo ich dann auch endlich einen funktionsfähigen Drucker vorfinde und neben den Zugtickets für Hin- und Rückfahrt auch den Startpass und den Hotel-Voucher ausdrucken lasse. Im Anschluss daran bleibt sogar noch genügend Zeit, um sich provianttechnisch für die anstehende Fahrt eindecken zu können.


Wie ich in diesem Jahr an meinen Marathon-Startplatz gekomme bin, erfährst du in dem Beitrag hier:

Titelbild Berlin 66


Eine Zugfahrt die lustig, eine Zugfahrt…

Die Anfahrt zum Hauptbahnhof in Bochum ist mit dem Roller zugegebenermaßen ein wenig frisch, aber aufgrund der Fahrtzeit von gerade einmal 15 Minuten noch gerade so erträglich. Die freie und vor allem kostenlose Parkplatzwahl direkt vor dem Bahnhofsgebäude ist der Grund, der mich diese Anfahrtsvariante wählen lässt. Nachdem ich das Gleis auf der großen Anzeigentafel in der Empfangshalle des Bahnhofsgebäudes ermittelt hatte, ging es zum Bahnsteig an Gleis 3, wo 15 Minuten später der ICE Rheinsberg nahezu pünktlich vorfährt. Allerdings erscheint mir der Zug für einen herkömmlichen ICE relativ kurz zu sein, da er lediglich 5 Wagons umfasst. Beim Betreten des Zugabteils bestätigt sich meine Annahme. Die zwei Wagen der zweiten Klasse sind dementsprechend übervoll und klar sollte damit auch sein, dass wenn man sich ohne Platzreservierung in einem überfüllten Zug befindet, man zwangsläufig auf dem Boden Platz nehmen darf, was im ICE allerdings auch kein zu großes Problem ist und mir auch nichts ausmacht.

Revitalisierung vertstaubter Englisch-Kenntnisse…

Ganz im Gegenteil, denn in solchen Situationen lassen sich meistens interessante Leute kennenlernen, die selbiges Schicksal ertragen müssen. Und wenn der Zug dann auch noch an einem Berlin-Marathon-Wochenende auf dem Weg nach Berlin unterwegs ist, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass es sich bei den Leuten ebenfalls um Marathonläufer handelt. Und so kam es dazu, dass ich Jimmy aus Kalifornien USA kennenlernen durfte. Jimmy schien ein super lustiger Weltenbummler zu sein, der schon mindestens die halbe Welt bereist hat, um an den entferntesten Orten Marathons zu laufen. Wie sich im Gespräch herausstellte, war er wohl vorgestern schon in Berlin angekommen, ist dann aber nochmal mit dem Zug nach Dortmund gefahren, um sich dort im Signal-Iduna-Park das Bundesligaspiel vom BVB gegen Frankfurt anzugucken. Davor war er schon im Euro-Disneyland in Paris und er fliegt am Dienstag nach dem Marathon noch nach Liverpool, um sich da dann das Championsleague-Spiel zwischen Liverpool gegen Paris St Germain anzugucken, und bevor es am Mittwoch zurück über den großen Teich zurück in die Heimat geht, steht auch noch London auf seiner Städteliste. In den Staaten wohnt er in der Gegend vom El Capitan der weltberühmten Wand im Yosemite-Nationalpark. Und die Bilder von den dortigen Trails und Wänden im Nationalpark, die er auf seinem Handy gespeichert hatte, waren einfach nur spektakulär. Außerdem entschuldigt er sich bei uns für seine Landsleute, die Donald Trump zum Präsidenten gemacht haben.

Zugfahrt nach Berlin, Marathon-Messe Berlin Vital am Flughafen Tempelhot. Rosinenbomer auf dem Rollfeld und Luftbrückendenkmal im Park davor.

Zugfahrt nach Berlin, Marathon-Messe Berlin Vital am Flughafen Tempelhof. Rosinenbomer auf dem Rollfeld und Luftbrückendenkmal im Park davor.

Stephan, der auch mit uns auf dem Boden saß und sich im Laufe der Fahrt mit in die Gesprächsrunde einklinkte, war früher, wie er erzählt hatte, ein Wasserball-Profi, spielte in der Bundesliga und läuft in Berlin seinen allerersten Marathon. Dafür aber, dass es sein erster Marathon werden sollte, hatte er sich mit einer sub3:30h ein mehr als ambitioniertes Ziel gesetzt. Zwischendurch war es immer mal wieder recht amüsant und fordernd zugleich sich mit limitierten Volkabelkenntnissen über mehr oder weniger komplexe Themen auszutauschen, aber mit Händen und Füßen geht es dann doch irgendwie immer wieder. Ansonsten gab es auf der 4-stündigen Zugfahrt keine besonderen Vorkommnisse – die Fahrtzeit verging dank der lustigen und gleichzeitig interessanten Unterhaltung mit Jimmy und Stefan wie im Flug.


Welcome to Berlin – the Place to be…

Dann haben wir uns am Automaten in der Empfangshalle die Tageskarte für die Bereiche A&B für 7€ gekauft und sind dann mit der S-Bahn zum Ostbahnhof gefahren, was sich allerdings als komplett falsch herausstellen sollte, weil vom Ostbahnhof gar keine U-Bahn in Richtung Flughafen Tempelhof fährt. Doch vorher ist mir im Bahnhof noch Axel über den Weg gelaufen, der wie sich im Gespräch nach dem Marathon herausstellte, wo ich ihn erneut traf, auch mit im ICE-Rheinsberg gesessen hatte und dem auch „der Typ mit der Mickey-Maus-Kappe“ aufgefallen war. Allerdings dadurch, dass ich ums Eck saß, hatte er mich nicht sehen können. Da Axel sich noch einen Fahrschein besorgen musste, den wir uns zuvor besorgt hatten, und auch mit anderen Begleitpersonen unterwegs war, blieb es bei einem Smalltalk.

Danach sollte es eigentlich nach Tempelhof zum Flughafen gehen. Da sich Stefan am Abend zuvor aber wohl verguckt hatte, ich mich aber auf sein Geguckthaben ohne selbst zu gucken verlassen hatte, landeten wir irgendwo in Berlin, aber nicht da, wo wir hin mussten. Doch so dramatisch war das gar nicht, weil der Weg vom Ostbahnhof, wo wir gelandet waren, bis zur nächsten U-Bahn-Station nur knapp 1 km betrug und wir außerdem an der Eastside-Gallery entlang laufen mussten, die ich bei meinen Berlin-Planungen sowieso auf meine Sightseeing-Liste gepackt hatte. „Umwege erweitern die Ortskenntnis“, so schön passend heißt es in einem Zitat von Kurt Tucholsky. Wirklich fasziniert bin ich von den graffitibesprühten Mauerresten allerdings nicht wirklich, was jedoch nicht am künstlerischen Gehalt liegt, sondern vielmehr daran, dass der komplette Fußweg von Touristen verstopft ist, weswegen wir uns dazu entscheiden auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu laufen.

Unmittelbar in dieselbe Richtung, wo sich der Bahnhof an der Warschauer Straße befindet, zu dem wir hin müssen, befindet sich auch die aus rotem Backstein gebaute Oberbaumbrücke. Die markante Brücke, die ebenfalls auf meiner Will-See-Liste steht, führt über die Spree und verbindet dabei die beiden Stadtteile Friedrichshain und Treptow miteinander. Im Hintergrund der Brücke war zu meiner Überraschung dann zudem auch noch die Skulptur „Molecule Man“ zu erkennen, die in vielen Berichten über Berlin immer mal wieder gezeigt wird. Zeit und Muße meinen Fotoapparat zu zücken, um Fotos zu machen, habe ich in der Situation allerdings nicht – der Rucksack ist verdammt schwer und so langsam strengt mich die orientierungsbefreite Herumrennerei auch an. Deshalb geht es schnurstracks auf direktem Wege und ohne Fotostopp zum Bahnhof und danach ohne Umwege zur U-Bahn-Haltestelle Auf der Luftbrücke, die unmittelbar vor dem Tempelhofer Flughafen liegt, wo auch in diesem Jahr wieder die Marathonmesse Berlin Vital ihre Zelte aufgeschlagen hat.

In dem kleinen Park vor dem Flughafengebäude, steht erspähe ich dann auch das Luftbrückendenkmal, welches ebenfalls auf meiner Liste steht und spöttisch auch als Berliner „Hungerharke“ bezeichnet wird. Ein kurzer Blick muss vorerst reichen. Mein primär Ziel ist es, jetzt schnellstmöglich die Startunterlagen abzuholen und möglicherweise ergibt sich dann auf dem Rückweg ja auch noch die Möglichkeit, um ein Foto davon zu machen.


Pflichtprogramm: Marathonmesse Berlin Vital…

Da ich mittlerweile zum Dritten mal auf der Berlin Vital war, um die Startunterlagen für den Marathon abzuholen, kann man behaupten, dass bei mir schon so etwas wie Routine eingekehrt. Manch ein anderer wird sich sicherlich vom ganzen Trubel und dem Kommerzüberfluss zum Bummeln animieren lassen, ich scheine dagegen immun zu sein. Die Lokation Flughafen Tempelhof, die mir beim ersten Mal noch kräftig imponierte, ist zwar immer noch sehenswert, aber löst keinesfalls mehr die Faszination aus, die sie noch beim ersten Mal ausgelöst hatte. Selbst der Aufbau der Messe ist mir aus den Vorjahren bis ins Detail noch bekannt. Nachdem wir das Flughafengebäude betreten hatten und die erste Abfertigungshalle durchschritten war, führte uns der Weg erst nach Draußen und dann immer weiter in Richtung der riesigen Ausstellungshallen.

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren gab es das obligatorische Berlin-Marathon-Armband, welches am Marathonsonntag zum Eintritt in das Athletendorf berechtigt und an dem man die potentiellen Starter überall erkannt, in diesem Jahr schon direkt vorne in Halle 1. Am eigentlichen Vorgang hat sich dahingegen nichts geändert. Der Armbandrohling wird zunächst locker um das Handgelenk gelegt und dann werden die beiden offenen Enden halbautomatisch miteinanderverschweißt.

Danach geht es auf direktem Wege, auch so wie gehabt, bis ans hintere Ende der Messehallen, wo man gegen Vorlage des Startpasses sowie seiner Ausweispapiere endlich seine Startnummer ausgehändigt bekommt. Wirklich Zeit für die Fülle an Messeständen habe ich mir von vornherein sowieso nicht eingeplant, wobei Zeit hätte ich mir schon nehmen können, aber mir fehlt einfach jegliches Interesse und auch die Muße mich an die Schlangen der wenigen Ständen anzustellen, die mich vielleicht doch interessiert hätten

Interessiert hätte mich vielleicht noch die REFILL-Becherneuheit von Adidas. Ein wiederverwertbarer Plastikbecher von Adidas, nicht dass ein solcher Becher für mich eine Neuheit gewesen wäre, denn genau die Verwendung und eine ähnlich Umsetzung kenne ich seit Jahren von diversen Ultraveranstaltungen, aber der Einsatz bei einem Marathon von der Größe und dem Weltformat des Berlin-Marathons ist mit Sicherheit ein Novum. Und persönlich finde ich diese Innovation schon allein unter dem ökologischen Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit super, denn das Plastikeinsparpotential ist bei 40.000 Startern und 14 VPs unfassbar groß. Allerdings waren genau in dem Moment als wir am Adidas-Stand gewesen sind, die Becher aus – und mein Verlangen für einen solchen Becher eine halbe Stunde zu warten bis der angekündigte Nachschub ankommen sollte, das war nicht ausreichend groß. Auch das im Newsletter angekündigte blaue Poster vom Berlin-Marathon, wo man seine Startnummer hätte platzieren können, war nur zu bekommen, indem man sich in die endlos-Schlange gestellt hätte, die sich vor dem Abbot Stand dafür gebildet hatte. Da ich schon auf meinen Mehrwegbecher verzichtet hatte, verzichtete ich auch auf das Poster, zumal mein Rucksack sowieso schon zu voll gewesen ist und ich das Poster vermutlich auch gar nicht unversehrt nach Hause bekommen hätte.

Als Stephan dann irgendwann noch darauf drängt zum Powerbar-Shop zu wollen, um sich mit Gels einzudecken, und ich längst genug vom übertriebenen Kommerz hatte, zog es mich irgendwie schnellstmöglich nach draußen auf das Flugfeld, um der Enge und der Hektik in der Halle irgendwie zu entfliehen, weshalb sich unser gemeinsame Wege dann auch trennte. Nachdem wir uns viel Erfolg und Spaß für den morgigen Marathon gewünscht hatten, ging es für mich nach Draußen in die Freiheit des endlosscheinenden Rollfeldes, wo wie gewohnt, ein riesiges kirmesmäßiges Volksfest bestehend aus diversen Fressbuden, Bierständen und allerlei anderen Schnickschnack der diversen Werbepartner aufgebaut war. Draußen auf dem Rollfeld vor dem Flughafengebäude steht unter anderem auch ein Fuhrpark von den Fahrzeugen, die am Folgetag mit einer Uhr auf dem Dach vor dem Favoritenfeld durch die City herfahren, um sowohl die Athleten als auch das Publikum über den Stand bei der Weltrekord-Hatz zu informieren. Selbst Probefahrten in vergleichbaren Herstellermodellen hätte man hier Draußen auf einem dafür aufgebauten Parcours machen können.

Neben den messebedingten Ständen befindet sich direkt vor dem Gebäude außerdem auch noch ein authentisches Modell eines Rosinenbombers. Der TROOP CARRIER ist bei den Messebesuchern aus aller Welt so wie die Jahre zuvor ein heißbegehrtes Fotomotiv. Der BMW-Heißluftballon, der hier draußen ebenfalls die Jahre zuvor zu bestaunen war, ist in diesem Jahr dahingegen nicht zu bewundern. Die kilometerweite Leer hier draußen sind Entspannung pur und in Berlin sicherlich ein rares Gut. Ich entschließe mich spontan zu einem Picknick auf dem Rollfeld. Abseits des ganzen Trubels habe ich mir Draußen in der Sonne meine Tupper-Box mit Vanille-Quark-Nudeln einverleibt und für einen kurzen Moment dem Trubel entkommen können.


Blindflug & Suche nach dem Hostel…

Danach bin ich mehr oder weniger auf gut Glück mit der U-Bahn zur Haltestelle Stadtmitte gefahren – denn ich wusste noch von der Buchung im Internet, dass das Hostel irgendwo in unmittelbarer Nähe zum Gendarmenmarkt und zum Checkpoint Charlie in Berlin-Mitte liegen musste. Aber außer dem Straßennamen war mir erstmal nichts weiter bekannt, weshalb ich zunächst auch ein wenig planlos umhergeirrt bin. Netter Nebeneffekt meines Blindfluges war aber, dass ich per Zufall einiges von der Gegend sehen konnte. Unter anderem führte mich der Weg vorbei am Deutschen und Französischen Dom sowie dem Berliner Konzerthaus und „auf den schönsten Platz Berlins“ – dem Gendarmenmarkt. Doch wirklich begeistert war ich nicht wirklich, denn in der Situation kam erschwerend die Tatsache hinzu, dass mein Rucksack mit der Zeit gefühlt immer schwerer wurde und es für meine Fleece-Jacke temperaturtechnisch mittlerweile auch fast schon zu warm geworden war.

Schließlich hatte ich das Hostel dann doch noch per Zufall finden können oder besser gesagt indirekt finden können, weil wirklich gefunden hatte ich zunächst nämlich nur das Straßenschild mit dem passenden Straßennamen. Ich wusste, dass sich das Hostel auf der Glinkastraße befinden soll, doch um die Hausnummer in Erfahrung zu bringen, musst ich erst mal wieder meinen Rucksack abstellen und den Hotel-Voucher rauskramen. Zu allem Überfluss hatte der Verfahrer zur Messe und mein Blindflug so lange gedauert, dass der Inline-wettbewerb, dessen Zieleinlauf ich mir eigentlich am Pariser Platz hätte angucken wollen, schon längst gestartet war.

BM 02 Hostel Suche

Gendarmenmarkt mit Konzerthaus und dem Deutschen und Französischen Dom;, der Inliner-Wettbewerb und dem Checkpoint Charly.

Als sich dann auf einer Nebenstraße das Elitefeld der Inlinefahrer ankündigte, gab es mal wieder eine spontane Planänderung und ich bin doch noch kurz an der Strecke stehengeblieben und habe mich erst nach der rasanten Vorbeifahrt der Führenden auf den Weg zur Hausnummer 2 gemacht. Und es sollte sich herausstellen, dass ich auf meiner Ziellossuche schon recht nah an das Gebäude gekommen bin, allerdings kurz davor wieder umgekehrt bin.


City-Hostel – Kim Jong Un zum Nachbarn…

Das City-Hostel in Berlin-Mitte, das auf dem ehemaligen Gelände der nordkoreanischen Botschaft steht und Nordkorea lange Zeit zur Beschaffung von Devisen gedient hat, war vor einigen Jahren aufgrund dieser Praktiken in die Schlagzeilen geraten. Denn mit dem Betreiben des Hostels gelang es Nordkorea die aufgrund der anhaltenden Atomwaffentests des Landes zur Austrocknung von devisenbringenden Geldquellen verhängten Sanktionen auszuhebeln versucht. Erst durch das Einschreiten und den Druck der Bundesregierung wurde dieser Praxis ein Riegel vorgeschoben. Der Einfluss der koreanischen Diktatur gehört mittlerweile der Vergangenheit an und auch wenn die nordkoreanische Flagge im Vorgarten des Nebengebäudes weht, so wird das Hostel mittlerweile von einem unabhängigen Betreiber betrieben.

Die Mitarbeiter am Empfang sind freundlich und zuvorkommend. Man bietet mir die Möglichkeit an, nach dem Marathon im Zimmer duschen zu können. Es wäre wohl auch kein Problem gewesen, wenn ich dadurch dann länger als 16.00 im Zimmer hätte bleiben müssen, was normalerweise um die Uhrzeit hätte geräumt werden müssen. Alles viel zu viele Informationen, ich will eigentlich nur noch meinen Rucksack loswerden und mich irgendwo absetzt. Nachdem ich den Check-In-Fragebogen ausgefüllt hatte, bekomme ich noch ein frisches Handtuch ausgehändigt sowie die Keycard für das Zimmer.

Mein erster Eindruck vom City Hostel war auf jeden Fall besser als nach den überwiegend negativen Kritiken aus dem Internet zu befürchten war. Vermutlich hat sich meine Erwartungshaltung gerade deshalb dermaßen minimiert, dass mich nichts wirklich hätte schocken können. Und ok zugegebenermaßen mit mehr als mit 0815-Bundeswehr-Charme kann das Haus nicht punkten, aber es ist trocken und sauber scheint der Schlafplatz auch zu sein, von daher war ich damit zufrieden. Und viel schlechter Schlafen als in einer Turnhalle mit hundert anderen Läufern werde ich hier definitiv auch nicht.

Das Mehrbettzimmer unterscheidet sich von einer 6-Mann-Stube bei der Bundeswehr maximal dadurch, dass die Spinde hier wesentlich kleiner sind als sie in den mir bekannten Kasernen waren. Ansonsten ist sowohl das Zimmer als auch das Bett auf dem ersten Blick sauber, wobei dazu gesagt werden muss, dass das Zimmer in einem sterilen-weiß gehalten ist. Es machte zudem den Anschein als wäre vor kurzer Zeit gestrichen worden, wonach es zumindest in Ansätzen noch gerochen hatte.

 

BM 03 Hostel

City-Hostel in Berlin-Mitte direkt neben der Nordkoreanischen Botschaft. Funktionales und sauberes Zimmer ohne Schnickschnack.

Auch die Räume von WC und Dusche waren auf dem ersten Blick akzeptabel, wobei ich auch nicht wirklich genauer geguckt habe, da ich sowieso nicht eingeplant hatte, hier zu duschen. Was mir aber sofort negativ auffiel, dass es im Zimmer bei geschlossenem Fenster unangenehm stickig bis heiß war. Im Vergleich dazu war der nicht zu überhörende Verkehrslärm nach dem Öffnen des Fensters das geringere Übel. Für 13 €, die mich dieser Schlafplatz gekostet hat, darf man vielleicht auch nicht zu übertriebenen Luxus und Komfort erwarten. Und woran es auf keinen Fall was zu meckern gibt, ist die genial-zentrale Lage, denn das Hostel befindet sich nur 1,3 km vom Brandenburger-Tor entfernt und auch weitere Sightseeing-Highlights wie Gendarmenmarkt oder Checkpoint Charly sind in Sichtweite oder zumindest optimal zu erreichen.


Sightseeing Part I – Vortag-Warm-up…

Nachdem ich die Hälfte meiner Sachen aus dem Rucksack in den Spint gepackt hatte, und dieser mit meinen von zu Hause mitgebrachten Vorhängeschloss gesichert ist, habe ich mich mit einem wesentlich leichteren Rucksack erneut auf den Weg auf meine Berlin-Sightseeing-Tour gemacht. Der Inlinewettbewerb war weiterhin im vollen Gange und der Kurs schlängelte sich durch die Straßen in unmittelbarer Nähe zum Hostel, rhythmische Klänge in Berlins Straßen und ich mitten drin. Nachdem ich mir das bunte Rollen eine Weile angeguckt hatte, ging es zu Fuß weiter in Richtung Alexander-Platz. Der Weg führte mich erneut am Gendarmenmarkt vorbei und auch viele andere imposante Bauwerke wie der Berliner Dom, Universitätsgebäude und vieles mehr begegneten mir entlang des Weges.

Aufgrund des Inline-Wettbewerbes waren zwar einige Straßen gesperrt, aber nach kurzem Warten gab es dennoch ein Durchkommen. Als erstes entdeckte ich die leeren Bücherregale in einem unterirdisch gelegenen Raum auf dem Bebelplatz zwischen Juristischer Fakultät der Humboldt-Universität, und Stadtschloss. Das Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 ist Mahnmal an authentischer Stelle, denn genau in der Mitte des Platzes war im dritten Reich der Ort von diesem Geschehen. Vor der Neuen Wache auf dem Boulevard Unter den Linden habe ich dann den davor postierten Wachmann gefragt was für einen Schuppen er da überhaupt bewachen würde. „Wie dat wesste janicht? Dit is die Neue Wache.“ Ok noch nie zuvor gehört, aber meine Recherche ergab, dass es sich dabei um die Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft handelt. Von außen ein klassizistisches im Vergleich zu den imposanten Bauwerken der Zeit relativ kleines Bauwerk, im inneren ein nahezu leerer Raum, wo in der Mitte eine schwarze Bronzefigur einer Frau kniet oder sitzt. Danach wartete noch der Berliner Dom mit dem weißen Springbrunnen in der Mitte vom Lustgarten und dem Alten Museum im seitlichen Hintergrund.

Nach so viel zeithistorischer Kulturgeschichte ging es weiter zu moderneren Zeitzeugen Berlins. Auf dem Alexander-Platz wartete die Urania-Weltzeituhr und auch der Fernsehturm wollten aus nächster Nähe fototechnisch eingefangen werden. Danach ging es mit der U-Bahn zurück zum Bahnhof Friedrichstraße und von dort aus entlang der Spree zum Reichstag – der Weg führte mich unter anderem auch am Irish-Pub vorbei, wo ich mir vor drei Jahren mit meinem Bruder und Mehlich am Marathon-Freitag ordentlich einen gebechert hatte. Es folgten noch das Kanzleramt, der Reichstag und standardmäßig das Brandenburger Tor – da mittlerweile aber auch schon die Dämmerung einsetzte und die Sonne allmählich unterging, neigte sich auch meine Sightseeing-Runde dem Ende entgegen. Auf dem Weg zurück zum Hostel ging es noch vorbei an der amerikanischen Botschaft und dem Denkmal der getöteten Juden und damit endete meine gehetzte Fotosafari durch Berlin auch.

Auf dem Rückweg habe ich dann noch einen Zwischenhalt am Hit Ulrich Supermarkt eingelegt, wo ich mich mit Rosinenbrötchen, einer Flasche Fritz Cola, einer Flasche Berliner Kindl und einer Tüte Weingummis versorgt hatte. Direkt zwischen dem Laden und dem Hostel liegt der Zieten-Platz, der nach den preußischen Reitergeneral Hans Joachim von Zieten benannt ist. Neben einer Statue von ihm sind noch weitere preußische Militärberühmtheiten hier um den Platz herum aufgestellt. Im Angesicht dieser Militärpräsenz habe ich mir dann auf einer der Bänke den Rest meiner Quarknudeln einverleibt und die Fritz-Cola getrunken.


Hostel-Nacht – Erinnerungen an den Wehrdienst…

Nach dem Abendbrot auf dem Zieten-Platz ging es zurück zum Hostel, das keine 500 Meter von dem Platz entfernt ist. Während ich nach meiner Ankunft noch via Fahrstuhl in die 3 Etage gekommen war, wählte ich diesmal das Treppenhaus und bekam einmal mehr den funktionalen Kasernencharme des Hauses zu Gesicht, aber wie schon erwähnt – aus der Preis-Leistung-Perspektive bleibt dieses Übernachtungsabenteuer mit den 13 € nahezu unschlagbar.

Es folgten abschließende Vorbereitungsmaßnahmen für den am morgigen Tag bevorstehenden Berlin-Marathon: Taschen packen, alles vorbereiten, grob den folgenden Tag strukturieren und die Klamotten so zurechtlegen und in den Taschen verstauen, wie ich sie voraussichtlich zeitlich benötigen werde. Nachdem meine Ausrüstung Alarmstuhlmäßig – so nennt man bei der Bundeswehr das vorbereitende und immer auf dieselbe Weise zu erfolgende Herauslegen der persönlichen Ausrüstung auf einen Stuhl, um auf einen eventuellen Alarmfall vorbereitete zu sein. Die Ausbilder begründeten diese Vorgehensweise mit dem Vorteil, dass man sich so selbst bei Dunkelheit problemlos ankleiden und schnellstmöglich abmarschbereit sein könnte.

Nachdem der Wecker auf 7:15 Uhr gestellt war, hieß es für mich irgendwie zu ruhen und die Nacht rumzukriegen. Irritiert war ich aber vor allem deshalb, weil ich mich immer noch komplett alleine in der 6-Personen-Stube befunden hatte und ich eigentlich anderes erwartet hatte, aber ok, mir sollte es recht sein. Gegen 23.30 Uhr sollte sich dies dann ändern, als doch noch weitere Personen ins Zimmer kommen. Als diese bemerken, dass ich schon mit BUFF über den Kopf im Bett liege, sind sie ganz ruhig und rücksichtsvoll

Zunächst versuche ich ihnen auf Deutsch zu erklären, dass sie normal sprechen können, da ich noch nicht schlafen würde, da sie aber nicht Deutsch waren, verstanden sie mich nicht, weshalb ich es sodann in schläfrigem Englisch versuchte – I’m not sleeping yet. You can talk normal it’s ok. Inwieweit ich verstanden wurde, kann ich nicht sagen, aber lauter wurde es nicht mehr, sodass ich zeitnah wieder eingeduselt war und erst gegen 1.00 Uhr aufschrecke als ein Mitarbeiter ins Zimmer schaut. Wie es schien war wohl die Zimmertür nicht von selbst ins Schloss gefallen, was er sodann mit einem lauten Türknall nachholte. Na, toll, ich war wieder wach, die anderen im Zimmer wussten auch nicht wirklich was er wollte und mir erklärte es sich auch erst im Laufe der Nacht. Danach habe ich eher weniger gut bis gar nicht mehr zurück in einen tieferen Schlafzustand gefunden  – was vor allem daran lag, dass zum einen das Fenster die ganze Nacht offen war und dementsprechend laute Motorengeräusche bis zum frühen Morgen zu hören waren, aber zum anderen hat sich auch die Gesamtsituation mit irgendwelchen Fremden gemeinsam in einem Zimmer zu pennen, bei mir irgendwie nicht schlaffördernd ausgewirkt?!

Die letzten Stunden von 04.00-07.00 Uhr waren dann eigentlich nur noch ein vor sich hin Vegetieren in einem gedanklichen Dämmerzustand. Man denkt über Allerhand Belangloses nach, ist sich aber durchaus bewusst, dass man nicht mehr schläft, muss sich aber gelichzeitig einreden, dass es dennoch erholsam ist, um entgegen des eigentlichen Verlangens aufstehen zu wollen noch weiterhin im Bett liegen zu bleiben. Deswegen war ich auch fast schon froh als ich um 7 Uhr dann endlich aufstehen konnte, um mich nahezu lautlos startklar für den Marathon und den Abmarsch zum Reichstag zu machen, um das Zimmer gegen 7:30 Uhr endgültig zu verlassen.


Marathon-Morgen – Frühstart der anderen Art…

Der Check-out unten an der Hotellobby ist mindestens so unkompliziert wie schon der Check-In gewesen ist. Nachdem das Handtuch in den dafür bereitstehenden Wäschewagen geworfen und die Zimmerkarte vom Zimmer 323 zurückgegeben ist wartet ein kurzer Fußweg zur großen Wiese vor dem Reichstag, wo der Einlass ins Athletendorf befindet. Es geht wieder vorbei an dem Judendenkmal zu einer Bank links neben dem Reichstagsgebäude.

Es folgt ein Versuch des Check-Ins am Athletendorf mit Rucksack – doch noch bevor ich wirklich an der Einlasskontrolle ankomme, keift mich auch schon so eine pampige F. übertrieben unfreundlich an. Die Security-Dame hatte sich mit ihrer gelben Weste irgendwie besonders toll gefühlt. „Also eins ist schon mal klar mit dem Rucksack kommst du hier ganz bestimmt nicht rein!“. „Ja ok, aber du kannst mir doch sicherlich sagen, was ich damit jetzt machen soll? Gibt es von Veranstalterseite aus vielleicht alternative Depotmöglichkeiten? „Keine Ahnung, ist mir auch egal. Fakt ist, dass du damit hier nicht reinkommst – Punkt.“ „Ok, ist ja schön und gut, aber ihr werdet doch als Veranstalter dafür irgendeine alternative Lösung anbieten können?“

Bevor sich das Ganze noch weiter aufschaukeln konnte, denn ich war innerlich schon mindestens am Brodeln, schaltete sich glücklicherweise ein laufaffiner Mitarbeiter in das Gespräch ein und riet mir freundlich dazu die Schließfächer im Bahnhof zu nutzen, wenn ich keine andere Depotmöglichkeit hätte. Nachdem ich mich bei ihm für den Ratschlag bedankt hatte und ihn auf die inkompetente Unfreundlichkeit seiner Mitarbeiter hingewiesen habe, erklärt er mit, dass man dabei nur eingeschränkt Mitsprache haben würde, weil es sich bei den Sicherheitsleuten auflagebedingt um Angestellte einer externe Partnerfirma handeln würde, er sich dafür aber entschuldigt.

Nach dieser Situation hatte ich auf jeden Fall erst mal schon miese Laune, nicht nur dass ich suboptimal geschlafen habe und bis zu dem Zeitpunkt auch noch keinen Kaffee gehabt hatte, nein, dann kommt auch noch so eine Möchtegern-Sheriff-Bitch und legt mit übertriebenen Unfreundlichkeit noch einen nach. Dabei hatte ich von Vorneherein geplant gehabt, meinen Rucksack im Schließfach am Bahnhof einzuschließen. Ich wollte auf dem Weg dorthin mich einfach nur vergewissert haben, ob es noch eine alternative Möglichkeit gibt. Es kann ja keiner ahnen, dass man hier Personal an die Leute lässt, das Inkompetenz und Unfreundlichkeit dermaßen perfekt miteinandervereint. Naja wie auch immer abgehakt – es war noch früh und die Zeit für den Kilometer zum Bahnhof hatte ich ja sowieso eingeplant. Allerdings musste ich mal wieder meine Tasche neu packen, aber erstmal wartete der Weg zum Bahnhof.

BM 04 Marathon Margen

Am Marathon-Morgen bei herrlichem Wetter. Schließfächer am Bahnhof. Spree-Spiegelungen. Athletendorf & und der lange Weg in den Startblock,

Auf dem Weg dorthin kommen mir im Spreebogenpark aus Richtung Bahnhof unendlich viele Läufer entgegen. Auf der Brücke über die Spree, die direkt zum Bahnhofsgebäude führt, sitzt ein Hilfebedürftiger und bettelt bei den vorbeikommenden Läufern nach Kleingeld, die Mehrzahl der Vorbeigehenden beachtet ihn nicht. Da ich schon eine ganze Weile dabei gewesen bin, meine Eierwaffeln zu verfrühstücken, und den Rest noch immer in der Hand halte, habe ich ihm die restlichen Waffeln angeboten, die er sichtlich erfreut darüber auch annimmt.

Im Bahnhofsgebäude angekommen sind die Schließfächer schnell gefunden. Die Schilder weisen mir den Weg. Es geht eine Etage runter und dann links in ein Parkhaus. Neben mir haben mehrere Leute diese Option gewählt oder wählen müssen. Wieder mal musste ich meine Taschen umpacken, wieder Entscheidungen getroffen werden – was packe ich jetzt endgültig in die Dropbag und welche Butzen bleiben im Schließfach.

Hier unten war es warm und die Luftverhältnisse waren bedingt durch das angrenzenden Parkhaus richtig katastrophal – ganz im Gegensatz zur Nacht bei offenem Fenster im Hostel, wo ich fast schon gefroren hatte, beginne ich jetzt leicht zu schwitzen. Ich bin froh als ich den Bereich nach erfolgreichem Verstauen meiner Tasche verlassen kann und endlich wieder frische Luft in meine Lunge strömen kann. Ich muss zurück zum Athletendorf. Im Gegensatz zum Hinweg wähle ich diesmal den Weg über die andere Brücke, über die auch die offizielle Strecke führt und die parallel zur direkt auf den Bahnhof zu führenden Brücke verläuft. Auf dieser Brücke boten sich einige interessante Motive von sich in der Spree spiegelnden Gebäuden an, um fototechnisch festgehalten zu werden.

Im Anschluss daran habe ich das Athletendorf am seitlichen Eingang ohne Probleme weil ohne Rucksack betreten können. Was mir sofort auffiel, waren die endloslangen Menschenschlangen, die sich an den in viel zu geringer Anzahl vorhandenen Dixis gebildet hatten. Ehrlichgesagt kann ich mich nicht daran erinnern, dass es in NY zu solch massiven Problem bei diesem relativ leicht zu planenden Organisationspunkt gekommen wäre und in NY sind deutlich mehr Läufer an den Start gegangen. Über die genaue Ursache für diese WC-Engpässe kann ich nur mutmaßen, aber entweder waren es schlichtweg zu wenige WCs oder die Beschilderung, wo man weitere Toiletten hätte finden können, war nicht hinreichend vorhanden. Vor allem wie viele Leute sich auf dem Weg in den jeweiligen Startblock auf der Straße des 17. Juni irgendwo in den Gebüschen im Stadtgarten entleert haben, das war teilweise schon eklig mitanzusehen. Solche Bilder hat man in NY nicht ein einziges Mal sehen müssen, zwar auch unter Androhung von Konsequenzen aber auch weil man für eine ausreichend Anzahl an Toiletten gesorgt hatte.

Nachdem ich meinen durchsichtigen Kleiderbeutel an dem für meine Startnummer vorgesehenen Stand abgegeben hatte und wartete der lange Weg in den Startblock. In eine Mischung aus Müdigkeit, vielleicht auch etwas Lustlosigkeit und leichte Verstimmtheit – taucht dann aus dem Nichts auch noch urplötzlich Steffi auf und freut sich tierisch darüber mich trotz der vielen Menschen getroffen zu haben. Ihre Freude teilen, kann ich nicht wirklich, denn ich bin einfach nur perplex und leicht überfordert. Noch bevor ich mein perfektes Fotolächeln aufsetzen konnte, hat sie ihr Selfie auch schon gemacht und steht wieder drüben in ihrem Startblock von Welle 3.


Vorstart im Startblock: Wann geht’s endlich los?

Die Zeit zum Start vergeht dank des Programms, das auf den riesigen Leinwänden gezeigt wurde wie im Flug. Nach einem Interview von Ronaldo da Costa – dem Berlin-Sieger von 1998, der damals mit einer Zeit von 2:06:05 h einen neunen Weltrekord gelaufen war und nach 30 Jahren heute nochmals an den Start geht, folgte die Vorstellung der Favoriten. Zunächst sind die Frauen an der Reihe, wobei sich der Applaus dann doch in Grenzen hält. Doch dann wurden die Männer vorstellt. Bei den ersten beiden Startern zunächst verhaltender Applaus und als dann Eluid Kipchoge im Fokus auf der Leinwand zu sehen ist, wird es richtig laut als der Applaus anhaltend aufbrandet.

BM 05 Start Berlin Marathon 2018

Nach längerem Warten erfolgt der Start mit blauen und weissen Luftballons auf der Strasse des 17. Juni unmittelbar vor der Siegessäule.

Und kurz darauf fällt auch schon der Startschuss zum Elite-Rennen durch Bürgermeister Müller und hunderte von blauen und weißen Luftballons steigen vor der Goldelse in den blauen Berliner Himmel empor. Während die erste Welle auf ihre 42k-Tour geschickt wurden, wartete ich in Welle 2 stehend weiterhin auf meinen Start. Eigentlich wurde ich für den Block E in der zweiten Welle eingeplant, allerdings bin ich aber erst am Ende der dritten Welle losgelaufen, weil meine Laufuhr blöderweise keine Verbindung zum Satelliten finden wollte. Nach einem erquickenden und markdurchdringenden Island-Huh, der vom ganzen Block ausgeführt wurde – beginnt dann auch für mich endlich die 42k-Sightseeing-Runde durch Berlin.


DER MARATHON: Hauptgericht des Berlin-Menüs

Kurz hinter der Startlinie steht Fidel das Maskottchen des Berliner Marathons auf dem Mittelstreifen. Nach einem Selfie geht es weiter in Richtung Goldelse, da ich relativ weit am Ende der zweiten Welle gestartet bin, ist die Straße danach für eine Weile beinahe menschenleer. Auf der Rückseite des Kreisverkehrs an der Goldelse habe ich mir bei einem kurzen Zwischenstopp dann von den Maltesern erst einmal zwei Pflaster geben lasse, denn Pflaster hatte ich beim Taschenpacken schlichtweg vergessen. Dabei habe ich einen der Kollegen beim Ruhen auf der Pritsche überrascht, aber wer hätte auch ahnen können, dass es 500 Meter hinter dem Start zu einem „Einsatz“ kommen würde. Nach der Störung habe ich mich dann zunächst für die Pflaster bedankt und für den unruhigen Schlaf entschuldigt.

Als ich nach und nach zu den langsamen Läufern von Welle 2 aufschließen konnte, die mir während meines kurzen Malteser-Zwischenstopps enteilt waren, füllte sich die zunächst recht einsam wirkende Straße zunehmend. Und nachdem dann auch die dritte Welle gestartet war, war es endgültig mit der Einsamkeit auf und auch an der Strecke vorbei, wobei der Support vom Streckenrand vor allem im ersten Drittel des Marathons des Öfteren fast schon enttäuschend dafür war, dass es durch Berlin ging.

BM 06 direkt nach dem Start Berlin Marathon 2018

Die ersten Kilometer beim Berlin Marathon waren vor allem ruhig. Die westliche Schleife durchs Hansaviertel und durch Moabit mit der JVA Moabit.

Negativ fiel mir in der Anfangsphase ebenfalls noch auf, dass mich fortan immer mal wieder deutlich schnellere Läufer von hinten überholten. Inwieweit eine suboptimale Zuteilung in die Wellen und Startblöcke erfolgt ist, lässt sich nicht beurteilen, dadurch aber das man ständig überholt wurde, zweifelt man zwangsläufig am eigenen Tempo und versucht dieses unterbewusst zu erhöhen. Bei Kilometer 5 führte die Strecke dann in etwa dort vorbei, wo sich damals beim WM-Finale 2014 unser Hotel befunden hatte. Und keinen Kilometer weiter folgt die JVA Moabit – ein wenig anschauliches Gebäude. Augenscheinlich setzt es sich aus unterschiedlichen Gebäudeteilen verschiedener Epochen zusammen. Als Gefängnis erkennt man es vor allem dadurch, dass imposant viel Stacheldraht verbaut wurde und auch die Zaunkonstruktion aus spitzen Pfosten lassen erahnen, was und wer sich dort hinter verbirgt. Der Anblick allein sollte ausreichen, um jeden Fluchtgedanken im Keim zu ersticken.

Auf den ersten 5 Kilometer war von den Rekener Nachwirkungen nichts mehr zu spüren. Wegen der schmerzhaften Entzündung der Veneninnenwand hatte ich vorsorglich die Schuhschnürung der Schuhe verändert, wodurch der Druck auf den Fußrücken reduziert war und diese Baustelle auch im weiteren Verlauf ohne gravierende Probleme blieb. Nichtsdestotrotz war ich mal wieder flotter unterwegs, wie ich es mir für die Zielzeit von sub5h eigentlich vorgenommen hatte, wobei von einem Überpacen auch nicht wirklich die Rede sein kann, weil natürlich alles äußerst stressreduziert und in einem unkritischen Bereich stattfand. Die westliche Schleife durch den Tiergarten und um das Hansaviertel herum war damit aber auch schon erledigt. Bei Kilometer 7 waren wir in etwa wieder auf Höhe des Spreebogens, genau dort wo meine Reise zuvor losgegangen war – nämlich in unmittelbarer Nähe zu Bundeskanzleramt, Hauptbahnhof und der großen Wiese vor dem Reichstagsgebäude.

In der Ferne bietet der Fernsehturm auf dem Alexander Platz eine sehr gute Orientierung und zeigt uns, wo es als nächstes hingehen wird. Doch bis dahin warten noch einige interessant Meter. Als nächstes laufen wir auf das Gebäude des Friedrichstadt Palasts zu; doch direkt nach der Eisenbahnbrücke noch bevor das dieses markante Gebäude erreicht ist, wartet auf der linken Seite am Eingang des Verwaltungsgebäudes vom Bund deutscher Steuerzahler die Schuldenuhr Deutschlands, die zur Zeit tatsächlich rückwärts läuft, was so viel bedeutet, dass Deutschland aufgrund der aktuellen Niedrigzins-Politik Gewinn einfährt und somit den unvorstellbar großen Schuldenberg abträgt. Eigene Recherchen am heimischen Rechner haben ergeben, dass dies aktuell mit einer Geschwindigkeit von über 500 € pro Sekunde erfolgt, was bei einer Gesamtsumme von 2.080.000.000.000 € allerdings noch ein paar Jahre in Anspruch nehmen wird, um von diesem Berg wirklich runterzukommen und schuldenfrei zu sein. Ginge es mit dieser Rückzahlungsrate weiter, wäre Deutschland vereinfacht gerechnet in 131 Jahren zumindest frei von finanziellen Schulden 😀

BM 07 Friedrich-Palast und Alex

Zurück zum Bundeskanzleramt und dem Reichstagsgebäude – weiter zum Friedrichstadt-Palast und zum Fernsehturm am Alex.

Bei Kilometer 11 befinden wir uns dann in greifbarer Nähe zum Alexander-Platz und dem Fernsehturm. Mir geht es weiterhin gut, obgleich ich ein wenig überrascht bin aufgrund der bisher überwiegend überschaubaren Zuschauermengen am Streckenrand Bei Kilometer 12 begeistert mich ein riesiger Kreisverkehr mit einem riesigen Fontänen-Springbrunnen in der Mitte und riesige zusammenhängende Gebäudekomplexe in einem hellen Beige ringsherum. Als nächstes folgte bei Kilometer 13 das Vattenfall-Kraftwerk mit seinen drei Schornsteinen und es geht zum wiederholten Male über die Spree – mit einem Lächeln im Gesicht kommt es zu einem Smalltalk mit einer Passantin, die sichtlich überrascht von meinem eingelegten Fotostopp schien. Mit einem Augenzwinkern meinte ich zu ihr: „Das gehört sicherlich zu Berlins schöneren Ecken“, was sie mir mit einem „Oh ja, aber hier ganz bestimmt nicht!“, bestätigt. In etwa zwischen Kilometer 17 bis Kilometer 18 passieren wir dann auch den berühmten Volkspark Hasenheide. Genau hier hatte Turnvater Jahn vor über 200 Jahre – genaugenommen am 19. Juni 1811 – den ersten Turnplatz in Preußen errichtet. Wir befinden uns an der Stadtteilgrenze von Neukölln und Kreuzberg. Spätestens an der Kirche am Südstern bei Kilometer 18 haben wir den Stadtteil Neukölln verlassen und Kreuzberg erreicht. Auf den kurzen Abstecher nach Kreuzberg folgt dann irgendwann auch schon mit Schöneberg der nächste Stadtteil der durchlaufen wird.

BM 08 Südstern, & Kraftwerk

Vorbei am Vattenfall-Kraftwerk und der Kirche am Südstern und einigen tollen Grafittis.

Bei Kilometer 23 gab es dann ein Parteiengeschenk mit dem man auch als Normalbürger etwas anfangen konnte –ich meine den Becher Bier, den ich auf die Hand bekommen habe. Aber auch der Einfallsreichtum bei den Sprüchen auf den Schildern, die es obendrein gab, waren großartig und reichten von „Hetz nicht so Du bist hier nicht in Sachsen“ bis „Saufen statt Laufen“. Und auch der Spruch vom Armband – „Politik für Arme“ – das man mir nebenbei ums Handgelenk legte als ich mir mein Bier am Trinken war. Blöd war nur, dass der Verschluss vom Armband so konzipiert war, dass man es nicht mehr abbekommen hatte und ich es mir im Anschluss von den Maltesern amputieren lassen musste. Mit dem halben Becher Bier im Körper lief es sich danach erschreckend rund. Bei Kilometer 23,5 folgte das Rathaus Schöneberg.

BM 09 Schönefeld Berlin Marathon 2018

Rathhaus in Schönefeld, DIE PARTEI verteilt Freibier, Wasserwerfer am Strassenrand und Alphornbläser, aber wer braucht schon IBUPROFEN?!

Als das Halbmarathon-Tor endlich durchlaufen ist, bin ich vor allem froh die Hälfte der Strecke hinter mir zu haben. Ich verspüre im Gegensatz zu manch anderen Marathons zu diesem Punkt keinen Hauch von Wehmut, vielmehr bin ich froh es ohne größere Probleme bis hier hin schon geschafft zu haben – schließlich sollte auch man nicht vergessen, dass die 134 km vom Rekener 24-h-Lauf noch nicht auskuriert waren.

Bei Kilometer 25 steht die rote Bachsteinkirche Kirche Zum Guten Hirten in Berlin-Friedenau und nach den unterschiedlichsten musikalischen Ablenkungen vom Streckenrand dachte ich eigentlich nahezu alles gesehen haben – bis ich von den sechs Alphornbläser überrascht wurde, die an der Straße standen und lautstark in ihr Horn bliesen. Also was Variation und Anzahl der Musikakts betrifft, da konnte der Berlin-Marathon locker mit dem Marathon in New York mithalten und auch stimmungstechnisch war mittlerweile vieles wie in NY. Bei Kilometer 27 – wartet dann der einzige Verpflegungspunkt mit Gels von ULTRASPORT.

ULTRASPORT-Zone: Hochkalorige Zuckerlösung für alle - so viel ein jeder tragen kann.

ULTRASPORT-Zone: Hochkalorige Zuckerlösung für alle – so viel ein jeder tragen kann.

Der Streckenabschnitt ist zugestellt mit einschlägigem Sponsoren-Allerlei des Sponsors ULTRASPORT. Vom riesigen Aufklebern auf dem Boden, bis hin zu Fahnen und Flaggen am Streckenrand, Werbetransparenten an den Tischen, einem Torbögen über die Straße und einer überdimensionierten aufblasbaren Flasche am Straßenrand – wer nach diesem Abschnitt nicht wusste, von wem die wenig schmackhaften Gels und Erfrischungsgetränke sind, dem ist nicht mehr weiterzuhelfen, auch wenn mich persönlich die Verpflegung von ULTRASPORT weder geschmacklich noch vom positiven Effekt her überzeugen konnte. Bei Km 28 führt die Partymeile dann vorbei am Wilden Eber, wobei wenn ich ehrlich bin, die Eber-Skulptur gar nicht gesehen habe. Dafür war die Stimmung ausgelassen-euphorisch und nahezu überwältigend, so wie es dort zu erwarten war. Man lief fast schon durch ein Spalier aus Menschen, dazu stimmungsvolle Musik von der Bühne, einheizende Cheerleader und Unmengen an frenetisch anfeuernde Zuschauer.

Bei Kilometer 30 falle ich allerdings beinahe vom Glauben ab. Kann ich meinen Augen noch trauen? Da steht doch tatsächlich ein Mädchen mit einem Körbchen voll mit Ibuprofen-Tabletten und es sieht so aus als würde sie diese wie SMARTIES der vorbeilaufenden Läuferschar anbieten?! Erst hatte ich das Ganze noch für einen wenig gelungenen Scherz gehalten, aber bei genauerem Betrachten bestätigte sich, dass die Tabletten im Körbchen tatsächlich handelsübliche Ibuprofen-Tabletten waren. Vor allem frage ich mich, wie man so was als dabeistehende Mutter gut heißen kann? Dass das Laufen eines Marathons mit ein paar Schmerzen einhergeht, sollte eigentlich jeder von vornherein mit einplanen, sich aber mit Schmerzmitteln zu behelfen, ist dann doch eher ein Zeichen von charakterlicher Schwäche und sollte meiner Meinung nach eigentlich keinem wahrhaftigen Sportler in den Sinn kommen. Als sich herausstellte, dass sie nur englisch spricht, versuche ich die Mutter über ihr zweifelhaftes Handeln aufzuklären. „In my opinion, that is not ok. And to take Ibuprofen for fun isn‘t really healthy, you can get a bloody stomach and it is a soft form of doping, too”.

Auf Höhe der Russisch-orthodoxen Kirche bei Kilometer 32 gab es so etwas Ähnliches wie göttlichen Beistand als ich einen Becher Cola von einem am Straßenrand stehend Ehepaar bekommen konnte – herrlich!!! Zunächst dachte ich noch, dass es wohlmöglich am akuten Cola-Mangel gelegen haben könnte, dass es bei mir schon seit ein paar Kilometern nicht mehr ganz so rund lief? Da ich aber unmittelbar nach dem unerwarteten Cola-Konsum wider zurück in den Jogg- und Walkmodus schalten musste, war klar, dass es nicht daran gelegen haben konnte, sondern an meinen unvollständig regenerierten Beinen.

BM 11 Berlin Marathon 2018 Gedächtniskirche

Gedächtniskirche und russisch-othodoxe Kirche und neben bei auch noch ein T-Rex.

Spätestens auf den letzten 10 Kilometern hatte mein Lauf dann endgültig nicht allzu viel mehr mit einem Genusslauf zu tun, dafür ging es zugegebenermaßen nur noch zu schleppend voran. An dieser Tatsache konnte sich auch nichts mehr dadurch ändern als die Strecke für knapp einen Kilometer am Kurfürstendamm entlangging. Klar wusste ich, dass ich mich auf Berlins Flanier- und –Einkaufsstraße Nummer 1 bewege, aber ich hätte mich vermutlich genauso erbärmlich gefühlt, wenn ich irgendwo durch eine Gosse von Neukölln geschlichen wäre. Was die KÖ in Düsseldorf ist der Ku‘damm in Berlin, und wie es der Zufall nun mal so will, hatte ich in Düsseldorf 2017 auch schon das Vergnügen in einem genussbefreiten Zustand dem Ziel entgegen zu trotten – wie sich Situationen doch ähneln können.

BM 12 Kurz vor dem Ziel

ERDINGER-ALKOHOLFREI-ZONE – vorbei am Bunderat mit Welt-Ballon im Hintergrund und dem in den letzten Tagen oft gesehenen Gendarmenmarkt.

An Kilometer 35 folgt der abgebrochene Turm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, am Potsdamer Platz bei Kilometer 38 wartete das Gebäude vom Bundesrat und dem blauen Welt-Ballon im Hintergrund. Bei Kilometer 40,5 befinde ich mich wie schon mehrmals an diesem Wochenende am Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt, wo auch der Französische und der Deutschen Dom stehen. Ein Kontrollblick auf die Uhr verdeutlicht mir, wie langsam ich in der zweiten Marathonhälfte tatsächlich unterwegs gewesen bin. Und zwar war ich so schleppend unterwegs, dass ich mir selbst für das anvisierte Ziel von sub5h nicht mehr allzu viel Zeit zum Fotografieren lassen konnte. Die Strecke vom Gendarmenmarkt bis zum Brandenburger Tor war mir allerdings noch vom Vorabend bekannt, weswegen ich gedanklich auch schon im Ziel ruhte.


Flashback am Ort der unzähligen Emotionen…

Es folgte die letzte langgezogene Straße zum Brandenburger-Tor, auf der sich die sogenannte Team-Erdinger-Alkoholfrei-Zone mit den luftgefüllten Streckenbögen befunden hat und ein Moderator versuchte die vorbeikommenden Läufer zu einem Endspurt zu motivieren. Mir ist nach allem zu Mute, aber wahrlich nicht nach einem Endspurt. Zudem treten mir so unmittelbar vor dem Brandenburger Tor Erinnerungen von meinem ersten Berlin-Marathon 2013 ins Bewusstsein. Damals war es genau hier an Ort und Stelle, direkt vor dem Brandenburger-Tor, wo ich schmerzerfüllt abstoppen musste und mit einem hartnäckigen Krampf im Oberschenkel zu kämpfen hatte. Auch wenn es in dem Moment keinerlei Anzeichen für einen sich anbahnenden Krampf gegeben hat, so war es vermutlich das imponierende Bild und die ähnlichen Emotionen, welche die verdrängt geglaubten Erinnerung an die damalige Situation wieder aufleben lassen.

BM 13 Berlin Marathon 2018 der Moment überhaupt.

DER Moment überhaupt des Berlin Marathons. Das Brandenburger Tor mit der Quadriga, wenn die Siegesgöttin Viktoria deinen Sieg über dich und die 42k verkündet.

Und dann bin ich am Pariser Platz, dem prunkvollen Platz vor dem Tor. Auf der rechten Seite befindet sich der Sitz der französischen Botschaft, links der Sitz der amerikanische Botschaft und ich bin befinde mich unmittelbar dazwischen und vor dem riesigen Brandenburger Tor. Links und rechts ist alles voll mit lärmenden Menschen. Ich erblicke einige Läufer, die stolz ihre Medaille um den Hals tragen und vor dem Brandenburger Tor für Erinnerungsfotos posieren. Im Nachhinein bin ich mir fast sicher, dass genau dieser Moment der eigentlich einzigartige und geniale Moment vom Berlin-Marathon ist. Genau dieser Moment, dem du als Läufer vom Start an und über die knapp 42 km entgegenfieberst. Im Grunde ab dem Zeitpunkt, wo du das Brandenburger Tor mit dem Startschuss hinter dir liegen lässt und ab da dann genau weißt, dass wenn du es das nächste Mal sehen wirst, du es geschafft hast.

Und dann führt dich die Prachtstraße Unter den Linden direkt auf das mitsymbolträchtigste Bauwerk Deutschlands zu, das Tor wird immer größer, du erkennst immer mehr Details von der Fassade, die Quadriga lässt sich immer deutlicher erkennen, bis du sogar die Flügel der lenkenden Siegesgöttin Viktoria siehst. Dann läufst du durch dieses imposante Monument und erblickst dabei den Zielbereich mit dem Ziel, dass am der Ende Zielgeraden auf dich wartet. Doch bis dahin sind es noch gut und gerne 400 Meter, die dir aufgrund der Breite der Straße aber deutlich länger vorkommen, als sie tatsächlich sind. Ins Geheim hatte ich mir ja das Ziel gesetzt unter 5 Stunden zu bleiben, was aber aufgrund der Zähigkeit der letzten 5 Kilometer verdammt eng werden sollte, sodass ich auf den letzten Metern keine Sekunde zu viel verschenken durfte. Und am Ende sollte sich zeigen, dass die Zielerreichung nicht viel knapper hätte ausfallen können. Bei einer Zielzeit von 4:59:58 stoppt die Uhr offiziell mit genau einer Sekunde an Puffer – was eine knappe Punktlandung.


Kanalisiertes Austrudeln hinter der Ziellinie…

Knapp hundert Meter hinter der Ziellinie bekomme ich dann wenig feierlich meine Medaille in die Hand gedrückt und nach einer Aufforderung weiterzugehen, geht es kanalisiert in Richtung großer Reichstagswiese. Zuvor erhalte ich noch eine blaue Plastikfolie als Auskühlschutz über die Schultern gelegt, die bei den herrlich-sommerlichen Temperaturen und strahlender Sonne eigentlich niemand wirklich benötigt hätte. Da diese Folien aber vermutlich im Leistungspaket aufgelistet und dem Kunden versprochen sind, werden sie natürlich auch rausgehauen. Außerdem wäre ein Einlagern sicherlich mit zusätzlichen Folgekosten und vor allem Arbeit verbunden gewesen und schließlich will der Sponsor dieser Folien sich ja auch für sein Geld in Szene gesetzt wissen.

BM 14 Finish Berlin Marathon 2018

Die letzten Meter auf blauem Teppich durch die Zielgasse und dann das Finish beim Berlin Marathon 2018.

Auf dem Weg zur Wiese informiert einer der Helfer die ankommenden Läufer mit der Info auf einem Pappschild über den neunen Weltrekord, den Eliud Kipchoge mit 2:01:39 aufgestellt hat. Schon während des Rennens konnte man heraushören, dass leistungstechnisch etwas Herausragendes passiert sein muss, doch wie die tatsächliche Zeit genau aussah und ob der Rekord geknackt wurde, das wusste ich erst nach dieser Info. Nachdem ich meine Folie zeitnah wieder losgeworden war, musste ich im Vorbeigehen noch meinen Verpflegungsbeutel einsammeln. Eigentlich wollte ich zu dem Zeitpunkt nur noch irgendwo sitzen, aber bis zur Wiese waren es noch ein paar Meter.

Nachdem ich mich dann noch bei Erdinger Alkoholfrei mit einem Bier eingedeckt hatte, war es so weit. Ich musste erst mal eine Viertelstunde auf den Boden sitzend innehalten und den Lauf Revue passieren lassen. Die Wärmefolie, die ich zuvor noch verschmäht hatte und schnellstmöglich losgeworden war, hätte sich am Boden dann doch als praktisch erwiesen, aber nun gut nach 5h-Schwitzerei macht das bisschen Staub von der trockenen Wiese bzw. dem was nach dem heißen Sommer davon noch übrig geblieben ist, auch nichts mehr aus. Zumal ich weiterhin eh noch die Absicht hatte, die Duschen zu nutzen, bevor ich mich auf den 4h-Heimweg machen wollte. Nach einer Weile des Klarkommens habe ich mir dann meinen Kleiderbeutel abgeholt und mir auf dem Weg zu den Duschen einen zweiten Becher Erdinger reichen lassen.


Rushhour im Sauna-Duschzelt…

Die Duschsituation war, wie bei 40.000 Läufern zu erwarten, angespannt bis prekär und diesem Ansturm absolut nicht gewachsen. Insgesamt gibt es für die männlichen Teilnehmer zwei Duschzelte – wobei sich die Zelte in einen Nassraum und einen Umkleideraum aufteilen und rappelvoll waren. Plätze auf den überfüllten Bänken sind absolute Mangelware, weshalb ich draußen vor dem Zelt eine angenehmere Lösung gefunden hatte. Hier war die Luft wesentlich besser und man brauchte auch keine Platzangst zu haben. Einziges Manko, man musste seine Klamotten unbeaufsichtigt lassen, wobei das im Zelt nicht anders gewesen wäre und das Ganze hier Draußen erheblich übersichtlicher war. Vor genau dieser Situation wurde in der Ausschreibung gewarnt und ich hatte gelesen, dass man beim Duschen unbedingt vorsichtig sein sollte. Dankenswerterweise kam ich mit einem anderen Läufer ins Gespräch, der dasselbe Problem hatte und währenddessen ich am Duschen war, ein Auge auf meine Sachen hatte, während ich seine Klamotten bewachte als ich mich anzog. „Man weiß ja nie, normalerweise habe ich bisher bei Laufveranstaltungen nur gute Erfahrungen gemacht, aber hier sind halt auch 40000 Starter und man kann den Menschen ja bekanntlich nur vor den Kopf gucken…“

Das Duschen war trotz der suboptimalen Bedingungen – erst musste man in der Schlange stehen, um an die Brause zu kommen und dann kam nur tröpfelndes Wasser aus der Leitung – eine Wohltat. Frisch geduscht und in sauberen Klamotten ging es dann viel entspannter in Richtung Heimat. Bevor ich mich allerdings auf den Rückweg zum Bahnhof gemacht habe – hatte ich noch das unbedingte Bedürfnis das Armband der Partei loszuwerden, was man mir unauffällig bei meinem Bierstopp ums Handgelenk geschoben hatten Deshalb hatte ich zunächst versucht mir das Armband von einem polnischen Aushilfs-Sanitäter-Fußtrupp abschneiden zu lassen, da die aber noch nicht einmal ihre Schere im Koffer finden, um mich von dem Armband zu befreien, sollte ich an dem Tag ein zweites Mal zu den Menschen vom Malteser kommen. Und die Malteser, die mir schon zu Beginn des Marathons mit den Pflastern geholfen hatten, wussten mir auch bei dem Problem auszuhelfen. Eigentlich wollte ich mir dann noch ein Erdinger holen, aber zu meinem Entsetzen waren zu dem Zeitpunkt schon alle Flaschen verteilt, was wenn man bedenkt, dass noch nicht alle Läufer im Ziel waren, für die eine Enttäuschung sein wird und die Organisationsleistung keine wirklich erfreuliche Bilanz sein kann.


Der Kreis schließt sich an den Schließfächer…

Nachdem ich den Weg zurück zu den Schließfächern auf Anhieb gefunden hatte, stand ich in dem stickig-geheiztem Parkdeck – eine Mischung aus Bullenhitze, frisch geduscht, körperlich und kognitiv demoliert, dazu Hunger und Durst und die Aufgabe alle Klamotten so in den Rucksack zu quetschen, dass alles irgendwie hineinpasst, was beim koordinierten Packen noch problemlos passt, am jetzt nicht mehr. Als ich das Packen dann doch endlich erfolgreich bewerkstelligen konnte, musste ich mit dem viel zu schweren Rucksack und der Gewissheit noch über 2h hier vor Ort ausharren zu müssen, klarkommen.

Doch habe ich wieder Axel getroffen. Er hatte den ICE für 16:34 Uhr gebucht, worüber ich auch erst nachgedacht hatte, dann aber aufgrund der nicht vorhersehbaren Reken-Auswirkungen auf die hier zu erzielende Zielzeit auf Abfahrt 18:34 Uhr korrigiert habe. Bis der Zug fahren sollte, dauerte es aber noch eine Weile. Und wie lässt sich sinnbefreite Wartezeit nach einem Marathon am besten totschlagen? Genau mit Biertrinken. Deshalb geht es zunächst in den überfüllten REWE im Bahnhof und danach runter zum Gleis.

Zunächst dachten ich noch, das man beim Zugbegleiter nett nachfragen könnte, ob die ein Auge zudrücken könnten, doch als sie aus dem Zug kam und auf den Bahnsteig trat, war dermaßen gestresst, dass sie nur meinte, dass sie dafür aufgrund der zuvor im Zug erlebten Aktion, näher ist nicht drauf eingegangen, jetzt gerade überhaupt keinen Kopp haben würde, weil der Zug auch schnellstmöglich weiter müsste. Ok, ein einfaches Geht oder Geht nicht hätte zwar vollkommen ausgereicht und die Standzeit somit auch nicht verlängert, aber mehr als fragen bleibt mir mit meinem zuggebunden Ticket sowieso nicht… Auch wenn Kulanz wahrlich anders aussehen würde.

Nun gut mir bleiben also knapp zwei Stunden Zeit, um meinen Durst und Hunger zu befriedigen. Der Berliner Bahnhof ist riesig und die Anzahl der im Bahngebäude integrierten Geschäfte erreicht die Ausmaße einer riesigen Einkaufs-Mall. Hier findet sich im Grunde alles, was der Reisende benötig, diverse Fresstempel, Friseure, Klamottenläden und so weiter, es gibt im Grunde nichts was es hier im Bahnhof nicht gibt. Mein Appetit hatte sich relativ schnell auf etwas Fleischiges festgelegt. Es würde ein Dürüm Döner mit einem Ayran, den ich mir am Hintereingang des Bahnhofes genüsslich einverleibt habe – mit jedem Bissen normalisierte sich mein Zustand, doch Lust dazu, um nochmal die Cam zu zücken und wie geplant nach dem Marathon noch ein paar weitere Bilder zu machen, die kam dann doch nicht mehr zurück.


Rückfahrt – fast wie die Hinfahrt, aber anders…

Die Rückfahrt ähnelte der Hinfahrt ziemlich stark. Obwohl im Zug noch vereinzelt freie Sitze zu sehen sind, nehme ich mir freiwillig wieder einen Platz am Boden – ich habe irgendwie keine Lust mich aufgrund einer nicht vorhanden Platzreservierung von einem zuvor liebgewonnen Platz vertreiben zu lassen – zumal der Bodenplatz auch im IC nicht wirklich tragisch ist. Im Folgenden wies mich der Zugbegleiter zwar immer mal wieder daraufhin, dass noch Plätze frei wären, aber ich hatte mich mit meiner Situation abgefunden und außerdem fehlte mir letztendlich auch der Elan zum Aufraffen.

Einziges Manko des IC-Bodenplatzes im Vergleich zum ICE-Bodenplatz der Hinfahrt – weniger Platz, eine lästige Zwischentür und die Gewissheit, dass wenn der Zug irgendwo anhalten musste, der Ausstieg ausnahmslos auf der Seite des Zuges erfolgen sollte, wo ich gesessen habe. Aber ok, es gibt schlimmeres und außerdem bot sich wie schon auf der Hinfahrt smalltalkmäßige Ablenkung mit Leidensgenossen. Die weiteren Zwischenstationen führten mich über Spandau, Stendal, Wolfsburg, Hannover und schließlich zum Etappenziel in Bad Oeynhausen

Hier in Bad Oeynhausen stand für mich ein Zugwechsel in den Regionalexpress über Lohne, Bielefeld, Rheda-Wiedenbrück, Hamm, Karmen, Dortmund nach Bochum an. Und als ich nach knapp 5 h endlich in Bochum angekommen war, wartete ja auch noch mein dort geparkter Roller auf mich, um mich endgültig nach Hause zu bringen, wo ich gegen kurz vor 24.00 Uhr gut gerädert, aber dennoch erfüllt von den Erlebnissen ankomme.



Wem die ganzen Bilder vom Berlin Marathon 2018 noch nicht gereicht haben sollten, der findet hier mehr:

 


Abrechnung, Resümee & Fazit

Die 45. Auflage des Hauptstadt-Marathons war, wie zu erwarten, ein durchweg pompös bis überdimensioniertes Laufspektakel. Der auf der Highspeed-Strecke durch die Hauptstadt aufgestellte Weltrekord (2:01:39) von Eluid Kipchoge hat dem ganzen zudem noch das Sahnehäubchen aufgesetzt und den Lauf zu einem sporthistorischen Ereignis werden lassen. Bei meiner mittlerweile dritten Teilnahme am größten deutschen Marathon waren 44.000 Starter gemeldet, von denen am Sonntag knapp 40.000 Läufer das Ziel auf der Straße des 17. Juni erreicht haben. Der BMW Berlin-Marathon ist damit sowohl was die Starterzahl als auch was die Anzahl der Finisher betrifft zumindest im nationalen Vergleich mit großem Abstand konkurrenzlos – sowohl Hamburg (2.) als auch Frankfurt (3.) können nur etwa ein Viertel der Berliner Zahlen aufweisen. Doch eins wurde mir auf jeden Fall auch wieder klar: Es ist nicht alles Gold was glänzt und Größe ist nicht alles!

Wie ist es beispielsweise möglich, dass das Erdinger-Zielbier am Ende aus ist und manche Läufer nicht ihr verdientes Bier bekommen?! Irgendwie wurde dies trotz vorhandener Biermarke an der Startnummer eher suboptimal umgesetzt?! Oder warum gab es dermaßen lange Schlangen vor den wenigen Toiletten, dass Hauptzugangswege versperrt waren? Teilweise Passanten und Radfahrer, die Straßen kreuzen und dabei Läufer umfahren bzw. umlaufen? Es gab einige Punkte die nach Verbesserung rufen…

Andererseits muss ich mir aber auch eingestehen, dass meine Erlebnisse rundum den Berlin Marathon in diesem Jahr unter dem Einfluss der Nebenwirklungen der Belastungen aus der Vorwoche gestanden haben. Die 8 Tage Erholungszeit waren, um nach einem 24-Stunden-Spenden-Lauf erholt an den Start des nächsten Marathons zu gehen, keineswegs ausreichend gewesen. Die bleierne Schwere war nicht nur in den Beinen sondern auch mental noch mehr als präsent. Und die daraus resultierende „Lethargie“ mag meine Wahrnehmung des Erlebten durchaus verzerrt haben können. Allerdings war ich auch schon in der Vergangenheit des Öfteren zu der Erkenntnis gekommen, dass diese ausschließlich auf Kommerz und Gigantismus ausgerichteten Großveranstaltungen für mich persönlich und bei wiederholter Teilnahme keinen sonderlichen Mehrwert aufzuweisen haben.

Und selbst wenn der Berlin-Marathon auf nationaler Ebene unerreicht und einzigartig ist, so kann das in Berlin Erlebte trotzdem nicht im Geringsten an das Erlebnis während des NYCMs heranreichen. Der NYCM ist und bleibt das Nonplusultra und für mich persönlich der Goldstandard in meinem persönlichen Marathonuniversum. Inwiefern sich eine wiederholte Teilnahme in NY ebenfalls mindernd auf das Gesamterlebnis auswirken würde, lässt sich nur bedingt beurteilen, in Berlin hat es unumstritten zu einem reduzierten Erlebnis geführt. Vor allem vor dem Hintergrund am letzten Wochenende beim 24h-Lauf in Reken an einer Veranstaltung mit komplettkonträrer Philosophie teilgenommen zu haben, hat mir aufgezeigt welche Attribute für mich bei einer Laufveransatltung mehr zählen als die eines High-End-Unterhaltungsevents mit grenzenlosem Kommerz – Attribute, die vor allem von Veransattlungen repräsentiert werde, die nach dem Motto von Läufern für Läufer durchgeführt sind und in einen überschaubaren Rahmen ohne Beteiligung internationaler Großsponsoren stattfinden.

Unabhängig von meiner auf individuellen Empfindungen beruhenden Kritik ist der Berlin Marathon natürlich eine perfekt organisierte Veranstaltung, die in keiner Lauf-Vita fehlen darf und die jeder Marathonläufer mindestens einmal gelaufen sein sollte. Und in gewissen zeitlichen Abständen kann selbst eine mehrmalige Wiederholung reizvoll sein. Meine nächste Teilnahme wird voraussichtlich allerdings nicht vor der 50. Austragung im Jahre 2023 erfolgen.


Was es außerdem noch zu mosern gibt?

Optimierungsbedarf besteht vor allem bei der Kanalisierung der Teilnehmerströme – vor allem wie kann es sein, dass die Schlangen vor den Toiletten den Zugangswege blockieren und es deshalb zu Rückstaus kommen kann? Negativ fiel mir auf jeden Fall auch noch die nicht vorhandene Identifikation vieler Mitarbeiter mit der Veranstaltung auf. Ich habe während meines Aufenthalts irgendwie den Eindruck gehabt, dass die meisten Freiwilligen irgendwie söldnermäßig rüberkamen und auch nur wenige laufaffin waren..

Wenn ich bedenke was für eine Freundlichkeit einem von Helferseite in New York entgegengeschwappt ist, unabhängig davon, dass es teilweise recht oberflächlich und professionell-kühl wirkte, bin ich von den Berliner Zuständen schon ein wenig enttäuscht. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Berlin wie NY zur Major-Series zählt. Aber in NY hat jeder Helfer, der die Jacke der Road Runners getragen hat – den Läufern zu jedem Zeitpunkt das Gefühl gegeben etwas Besonderes zu sein – entweder ist es in Berlin schwerer laufaffines und motiviertes Personal zu finden oder man hat von Veranstalterseite auf die Auswahl zu wenig Wert gelegt, was irgendwie schade ist.


Ein Beitrag aus der Rubrik Kurz, Knapp & Bündig zum BMW Berlin Marathon 2018, indem der Marathon kriteriengeleitet betrachtet wird, finden sich hier:


In dem Sinne keep on RUNNING & ROCK ‚N‘ ROLL


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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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