Zum letzten Mal auf leisen Sohlen über die letzten noch aktiven Sohlen des Ruhrgebiets – zum Abschied der Steinkohle wartete der 46. RWW Herbstwaldlauf mit 50 Kilometern durch eine herbstliche Naturlandschaft

Titelbild 46. Herbstwaldlauf Bottrop 2018

| 46. RWW Herbstwaldlauf | Bottrop | 04.11.2018 |

Eine Ära geht zu Ende: Was die Förderung des schwarzen Goldes in unserer Region betrifft, heißt es am 21.12.2018 endgültig Schicht im Schacht. Weshalb in diesem Jahr letztmalig die Chance bestand, um an diesem Lauf vor der einzigartigen Kulisse des letzten noch aktiven Steinkohlebergwerkes im Revier teilzunehmen. Und diese einmalige Gelegenheit habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen…                          [ 2596 MORE WORDS]

Der Morgen verläuft planmäßig – Aufstehen, Abmarsch alles klappt mit schlafwandlerischer Routine und sogar die Navi-Programmierung gelingt an diesem kulturhistorischen Morgen auf Anhieb und damit weniger verpeilt, wie es mir erst neulich passiert ist, wo ich zunächst eine Nachbarstadt angesteuert hatte. Bei der heutigen Anfahrt hätte der Navi auch getrost zu Hause in der Schublade bleiben können, denn es ging um die Ecke zum Herbstwaldlauf nach Bottrop. Beim Trip zum 24-h-Schwimmen nach Dinslaken vor vier Wochen bin ich zu meiner eigenen Überraschung genau dort vorbeigefahren und konnte mich davon überzeugen, dass der markante Förderturm noch an seinem Platz steht. Ich muss allerdings zugeben, dass bei meinem morgendlichen Navigiertalent ein zusätzliches Backup natürlich nicht schadet – das Navi muss also doch mit, denn sicher ist sicher.


ANFAHRT – angekommen bin ich noch immer

Nach der Ausfahrt von der A42 ist das Bergwerk Prosper Haniel weiträumig ausgeschildert – nach Dinslaken zum 24-h-Schwimmen war ich allerdings noch über die A2 an Bottrop vorbeigefahren. Diesmal leitet mich das Navi aber über die A42. Es geht zunächst bis zur Ausfahrt Bottrop-Süd und von da dann zielgenau zum Bergwerk. Die Zeche Prosper Haniel gehört zu den drei Zechen, die im Rahmen des VIVAWEST-Marathons angelaufen und bestaunt werden können. Die Zeche markiert dabei den Wendepunkt der Marathonstrecke. Im Gegensatz zu dem im Mai stattfindenden Marathon, wo man am Schacht 10 vorbeiläuft, ist es beim RWW Herbstwaldlauf der Förderturm von Schacht 2/3, der gleichzeitig das Wahrzeichen des Laufes darstellt. In diesem Jahr bin ich zum Dritten Mal beim 50k Jürgen-Liebert-Ultra am Start. Da ich im letzten Jahr mein Date mit New York hatte, hatte der Herbstwaldlauf 2017 ohne mich stattfinden müssen, obwohl mein Start eigentlich fest eingeplant war. Aber zur gleichen Zeit den Marathon in New York laufen zu dürfen, war natürlich nicht weniger attraktiv, um es wohlwollend für die regionale Veranstaltung des Herbstwaldlaufs auszudrücken.


Unmittelbar an der Zufahrtsstraße zum Bergwerkgelände fahre bewusst an den zu Beginn ausgeschilderten und damit am weitesten entfernten Parkplätzen vorbei. Aus den Vorjahren weiß ich noch, dass es unten auf den Besucherparkplätzen der Zeche trotz fortgeschrittener Uhrzeit meistens doch noch den einen oder anderen Parkplatz abzustauben gibt. Außerdem weiß ich noch  zu gut, dass der rund 800 Meter Rückweg nach dem 50-km-Waldlauf mit demolierten Beinen absolut ätzend ist. Nachdem ich einige Meter auf der Zufahrtsstraße entlang gefahren bin, wird der Fahrbahnrand von den Parkplatzeinweisern beidseitig zum Parken freigegeben. Günstiger hätte ich es vom Zeitpunkt her nicht treffen können. Ich bleibe ruhig und fahre noch weiter nach Vorne und ergattere schließlich einen Parkplatz unmittelbar in der Startkurve. Mein Parkplatz befindet sich keine 300 Meter vom Veranstaltungsareal entfernt. Alles richtig gemacht, Gottvertrauen und positives Denken zahlen sich wieder aus.


VORSTART – das Erlebnis vor dem Erlebnis

Nachdem meine Startnummer abgeholt ist, wartet mit dem Umziehen in der Weißkaue auch schon ein Erlebnishighlight des Tages. Auf dem Weg zur Kaue treffe ich Klaus, der sich vor dem Start standesgemäß und wie so oft noch schnell seine letzte Zigarette in die Lungenflügel pfeift. Mit dem Umziehen in der Weißkaue beginnt zugleich auch das einmalige Erlebnis Bergwerk, da das heutige Umziehen an einem Ort stattfindet, der sich von den meisten Umkleideörtlichkeiten anderer Veranstaltung erheblich unterscheidet. Auch die Kleiderbeutelaufbewahrung ist speziell und im besonderen Maße püttmäßig eingefärbt.  Statt seine Klamotten während des Laufes irgendwo 0815-garderobenmäßig zu hinterlegen, kommt beim Bottroper Herbstwaldlauf der sogenannte Püngelhaken zum Einsatz. Wer mit dem Begriff Püngelhaken so gar nicht anfangen kann, dem sei erklärt, dass es sich hierbei um die bergmännische Spintvariante handelt. Der Püngelhaken ist letztendlich ein Bestandteil, um seine Klamotten an dem metallischen Garderoben-Konstrukt aufhängen zu können. Mittels Metallkette und einer Verdickung an der Kette zur Arretierung derselben lässt sich Korb und Püngelhaken an die Kauendecke ziehen. Im Grunde hängt der Korb dann schon sicher vor Langfingern in luftiger Höhe, doch mit Hilfe eines selbstmitgebrachten Vorhängeschlosses lässt sich der Deckenspint dann auch noch abschließen.


Bergbau, Pütt, Förderturm Schacht 2/3 Prosper Haniel in Bottrop; Weißkaue mit Püngelhaken und Kleiderkorb.
Förderturm Schacht 2/3 Prosper Haniel in Bottrop; Weißkaue mit Püngelhaken und Kleiderkorb.


START – Glück Auf vom letzten aktiven Pütt

Neben dem erfolgreichen Finish stand der Punkt Fotosmachen direkt an zweiter Stelle auf meiner Tageszielliste. Deshalb komme ich nach einer Vielzahl von Kauen-Fotos etwas verspätet raus zum Start. So wie es den Anschein gemacht hatte, war das Startfeld zu dem Zeitpunkt schon von der Bergmannskapelle auf die Strecke geführt worden. Ich schaffe es gerade noch so, mich dem Läufer-Lindwurm anzuschließen und überquere die Startlinie mit als Letzter. Mit viel Applaus werden wir auf unsere erste 25k-Schleife durch den Wald verabschiedet. Das Laufen durch den herbstlichen Mischwald ist zu Beginn der ersten 25k-Schleife noch außerordentlich interessant und abwechslungsreich. Die vielen Eindrücke und Waldgerüche wollen aktiv aufgesogen werden, relativ schnell stellt sich bei mir Entspannungszustand ein.

Sich an der Landschaft zu erfreuen gelingt erfreulich gut, obwohl die dominierende Laubfarbe mittlerweile ein wenig farbenfrohes Gelbbraun ist. Das sich ständig verändernde Landschaftsbild aus mächtigen Buchen gefolgt von unzähligen Jungbuchen und -eichen, worauf wiederrum weite Fichtenfelder folgen, lädt ein ums andere Mal dazu ein, die Gedanken durch das Dickicht schweifen zu lassen und dabei das Laufen komplett auszublenden. In dieser Phase strengt das Laufen kein Bisschen an und die wahrgenommene Beanspruchung ist minimal – die Streckenkilometer fließen geradezu an mir vorbei. Nachdem ich an den ersten beiden VPs noch ohne Stopp vorbeigelaufen bin, erinnern mich meine mittlerweile angetrockneten Lippen daran, dass ich dies bei nächster Gelegenheit unbedingt nachholen sollte.


Läufer, Wald, neonbunt,
Ein paar Impressionen von der Strecke. Ohne Mampf kein Dampf – von VPs und Polizei-Transfer.

Neben Wälder, Wiesen und Feldern hat der Herbstwaldlauf auch zwei Seen und mehrere kleine Bäche im Programm. Nach all dem Wald findet man dort eine Landschaft vor, die man vielleicht nicht wirklich mehr erwartet hätte und irgendwie surreal wirkt. Darüber hinaus entdecke ich auf einen der abgestorbenen Bäume einen komplett weißen Reiher, der in der Umgebung geradezu leuchtet und damit perfekt in dieses unwirkliche Gesamtbild passt. Tarnung geht in jedem Fall anders. Nicht nur mir ist der Reiher sofort ins Auge gesprungen, auch ein Fotograf, der sich im Gebüsch in der Nähe zum Weg positioniert hatte, wollte sich diesen Schnappschuss nicht entgehen lassen. Meine Frage, ob der weiße Reiher ein seltener Vogel sei, beantwortet er mit ornithologischem Fachwissen. Es handelt sich bei dem gefiederten Kollegen um einen Egretta garzetta – mit dem lateinischen Namen kann ich natürlich nix anfangen, worauf er die deutsche Bezeichnung Seidenreiher unaufgefordert hinterherschiebt. Er erklärt mir weiter, dass der Seidenreiher in unseren Breitengraden so selten nicht ist, sich das Motiv aber geradezu angeboten hatte.


See, Wald, Bäume, Natur pur,
Natur pur beim Herbstwaldlauf in Bottrop – viele Felder, Wiesen und Wälder und dazu surreale Seenlandschaften

Aber nicht nur der Reiher gibt in der gespenstigen Landschaft ein einzigartiges Bildmotive ab, auch die neonbunten Läufer, die auf dem Dammweg laufen, spiegeln sich auf der tiefergelegenen Wasseroberfläche des Sees. Leider ist die Bildqualität mit der Digital-Cam alles andere als optimal, sonst wären da echt ein paar geniale Schnappschüsse dabei gewesen. Kurz hinter dem See folgt der VP auf Höhe der Rundenhälfte. Ein Schild mit der Aufschrift „Nur einer wird der Sieger sein, kehre hier gemütlich ein!“ kündigt mir den nächsten Cola-Stopp an. An dieser Stelle wollte ich nochmal schnell Danke sagen für den super motivierten Einsatz, der ein jeder Helfer an den Tag gelegt hatte. Alle Helfer beim Herbstwaldlauf sind mit Herzblut bei der Sache und geben den Läufern ein positives Gefühl. Ich war zu jeder Zeit gerne Gast an euren VP-Ständen der 1000 Köstlichkeiten.

Gegen Ende von Runde Eins nachdem die Straße zum zweiten Mal gequert ist, kommen mir fortlaufend die vor mir liegenden Ultraläufer entgegen. Der Gegenverkehr an schnelleren Läufern will auf den knapp drei Kilometer bis zum Startzielbogen gar nicht abreißen. Auf diesem Streckenabschnitt kommen mir auch Sven und Nobby entgegen. Nach kurzem Abklatschen führen unsere Wege in entgegengesetzte Richtungen.  Sie liegen zu dem Zeitpunkt knapp 1,5 km vor mir, doch mein Verlangen danach, zu ihnen aufzuschließen, ist nicht vorhanden, weswegen ich im gemächlichen Tempo weiterlaufe.

Mein primäres Ziel besteht weiterhin einzig und allein darin, den Lauf trotz suboptimalen Trainings einigermaßen unbeschadet ins Ziel zu bekommen. Irgendwie war es in diesem Jahr besonders schwierig eine Regelmäßigkeit in den Trainingsalltag hineinzubekommen. Dabei sah es vor dem Sommer viel versprechend aus, aber Wettkämpfe im 3-Wochen-Takt und dank eines Jahrhundertsommers phasenweise zu hohe Temperaturen hatten an dem Verlauf sicherlich auch ihren Anteil. Nach knapp 2:45h ist die erste Runde geschafft. Ich liege, zumindest was mein Ziel betrifft, prima in der Zeit. Meine Beine fühlen sich noch ok an, wobei die ersten 25k dann doch deutlicher zu spüren sind, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte, wenn man bedenkt, dass vor einem noch 25k liegen. Und dann heißt es endlich auch für mich, hinter dem Torbogen zu wenden und dieselbe Runde noch ein weiteres Mal in Angriff zu nehmen.


HALBZEIT – eine Runde Nachschlag bitte?!

Die ersten Kilometer von Runde Zwei sind vergleichbar spannend wie die letzten Kilometer der ersten Runde. Nach dem Wendepunkt sind es die Läufer, die im Rennen hinter mir liegen und die langsamen Läufer, die lediglich die 25km-Schleife unter die Füße genommen haben, die uns nach einander auf dem Streckenabschnitt entgegenkommen. Diese farbenfrohe Läufer-Rushhour hat mit der wiederholten Straßenquerung ein jähes Ende. Die darauf folgenden 22 Kilometer sind bei mir persönlich vor allem geprägt von viel Kampf und Krampf und nur vereinzelten Lichtblicken. Auch die Zahl der Läufer, denen man auf der zweiten Runde im Wald begegnen konnte, ist nur noch marginal. Der Kampf gegen die immer stärker aufkommende Monotonie steht unmittelbar bevor.

Was in der ersten Runde noch fast wie von alleine ging, kostet mich ab Kilometer 30 zunehmend mentale Energie. Links und rechts des Weges ist mittlerweile alles mehr oder weniger in einer grauen Einheitsfarbe. Die mächtigen Eichen- und Buchenbäume, die mich während der ersten Hälfte noch dazu bewegt hatten, ein ums andere Mal den Fotoapparat zu zücken, um ein herbstliches Foto vom Wald festzuhalten, schaffen es jetzt gerade noch im Augenwinkel gesehen zu werden. Zum Bildermachen fehlt mir mittlerweile jegliche Muße. Mein Ziel unter 6h zu bleiben war im Nachhinein mal wieder mit zu wenig physischen und psychischen Aufwand zu erreichen, was meiner Bereitschaft zum Quälen eindeutig abträglich war. Nachdem der Marathon in für meine Verhältnisse ordentlichen 4:45 h erledigt war, stand innerlich fest, dass es keinen Zweifel mehr daran gibt, dass ich das selbstgesteckte Ziel nicht erreichen könnte. Um sich spontan ein Ziel setzen, das ambitionierter gewesen wäre und mich damit mehr gefordert hätte, fehlt mir in der Rennphase der zweiten Runde jegliche Motivation und Ambition.

Mit einer Art Pendellauf, bei dem der hintere Läufer den vorderen Läufer zunächst überholt, vor ihm wieder einschert, um zurück in den Walkmodus schalten, woraufhin der überholte Läufer den zuvor Überholenden wiederrum überholt, bewege ich mich langsam aber stetig in Richtung Ziel. Dank dieses Pendellaufs kleckern sich die Kilometer allmählich zusammen. Mit taktischen Maßnahmen wie Schuheschnüren, Wasserlassen oder kleine Steinchen aus den Schuhen entfernen schaffe ich es durch entschuldbare Stopps diese schwere Phase des Laufes zu überstehen und den Abstand zum vor mir laufenden Läufer wieder größer werden zu lassen. Denn nichts ist demoralisierender als alleine in einen diesigen Wald zu laufen und dabei seinen eigenen destruktiven Gedanken ausgeliefert zu sein. Glücklicherweise beschränkte sich diese Akut-Phase lediglich auf die letzten acht Kilometer des 50k-Laufes.

Aber auch die Hoffnung, dass das Wetter auf der zweiten Runde aufklart, musste ich zur Mitte der zweiten Hälfte aufgeben. Gefühlt wurde es eher dunkler, was zu einem geringen Teil sicherlich an meiner Stimmung der zweiten Runde gelegen haben wird, aber wohl auch der fortgeschrittenen Uhrzeit geschuldet war. Dank der Umstellung auf Winterzeit wird’s ja jetzt bei bestimmten Wetterkonstellationen fast schon zur Mittagszeit dämmerig. Der inoffizielle Pendellaufwettbewerb geht eine ganze Weile gut, doch nach einem Becher erfrischender Cola läuft es bei mir wieder unerwartet rund, wenn man das bei einer Pace von um die 6:15min/km überhaupt sagen kann.

In der Folge erspähe ich in der Ferne auf einer langen Geraden einen Horizontanker, der es vermag mich für eine Weile neu zu motivieren, indem ich versuche den einige hundert Meter vor mir Laufenden auf den folgenden Metern einzuholen, was mir nach einer Zeit auch gelingt. Neben dem Pendellauf ist der Horizontanker ein weiteres probates Mittel, um sich während eines Wettkampfes einen kurzzeitigen Motivationsbooster zu verschaffen und somit der aufbrandenden Monotonie zu auf dem Weg ins Ziel zu entfliehen.

Als die Straßenquerung erreicht war, hatte mich der lange Zeit endlosscheinende Wald dann doch wieder ausgespuckt. Nachdem ich mich bei den Cops abschließend für ihren guten Job bei der Verkehrsreglung bedankt hatte, warteten die letzten drei Kilometer auf mich, die mit der Gewissheit gleich unter die heiße dusche zu dürfen auch relativ flott zurückgelegt sind. Und nach 5:46:XX ist es dann endlich geschafft. Hinter dem Zielbogen bekomme ich meine schmucke Medaille um den Hals gehängt.


HWL Ende im Gelände
Schicht im Schacht, Ende im Gelände – Ende aus Mickey Maus – dat war’s, ich habe fertig. Das beste zum Schluss.

Und einige Meter weiter am Bierstand treffe ich überraschenderweise Nobby und Sven wieder, die unterm Strich knapp fünf Minuten vor mir ins gekommen sind. Wie ich erfahre war die zweite Runde wohl auch bei ihnen kein Zuckerschlecken mehr. Nicole und Heike, die sich heute mit einer Runde durch die Kirchheller Heide begnügt hatten, standen ebenfalls allerdings schon frisch geduscht im Zielbereich. Und die Dusche wartete im Nassraum der Kaue dann endlich auch auf mich. Die heiße Dusche tat nach der Schinderei im Wald besonders gut. Positiv hervorzuheben war auch der massagefähige Wasserstrahl und die Unmengen an Wasser, die aus der Brause der Dusche herauskamen. Wenn ich mich dagegen an das Getröpfel beim BMW Berlin Marathon im September zurückerinnere, bekomme ich fast schon wieder schlechte Laune. Das Duschen war in jedem Fall eine Wohltat und der krönende Abschluss eines lohnenden Lauftages.


FAZIT – Dank, Lob und abschließende Worte

Start und Ziel unter dem Förderturm, Umziehen in der Kaue, Kleiderdepot am Püngelhaken und in diesem Jahr gab es obendrein auch noch ein Säckchen mit echter Bottroper Kohle – all diese Details tragen zum einmaligen Bergwerkkolorit, die im Rahmen der Laufveranstaltung erlebt werden kann, bei und machen den Herbstwaldlauf zu dem, was er ist – eine gelungene Verbindung aus regionaler Kulturgeschichte und gepflegtem Laufsport. Genusstechnisch war der Lauf für mich persönlich ein zweischneidiges Schwert – die ersten 25k waren Spaß und Freude pur und haben richtig gut getan, bis 37km war es auch noch ok, danach wurde es dann aber für meinen Geschmack doch zu zäh. Aber nun gut, ein Ziel, dass mich stärker motiviert hätte, hätte sicherlich das Potential gehabt, um einiges mehr aus mir herausholen zu können. Mit der Zielzeit von 5:45 h bin ich aber im Nachhinein vollkommen zufrieden. Über das Wie lässt sich diskutieren und ist beim nächsten Mal verbesserungswürdig.

Der Bottroper Herbstwald, der in der Zechenstadt Bottrop und damit mitten im Ruhrpott ausgetragen wird, ist absolut nicht mit dem Eventcharakter eines Citymarathons, der durch irgendeine Großstadt verläuft, zu vergleichen. Dass dem nicht so ist, ist aber auf keinen Fall tragisch, da der Stimmungsmangel auf der Strecke der Charakteristik des Landschaftslaufes geschuldet ist und zudem einen erholsamen Kontrast zu den Standardlaufveranstaltungen in urbaner Region bietet. Das einzigartige Bergbau-Setting sollte über die fehlende Stimmung hinwegtrösten. Dazu ist der Bottroper Herbstwaldlauf für eine überschaubar und ehrliche Startgebühr von 30€ zu haben.

Für sein Startgeld erhält der Läufer eine grundsolide und bodenständige Veranstaltung, die mit viel Herzblut top organisiert ist. Die durchweg motivierten und motivierenden Helfer haben einen großen Anteil daran, dass man sich hier in Bottrop als Läufer pudelwohl fühlen kann. Sie machen aus der Laufveranstaltung das, was die Veranstaltung ist – eine mehr als laufenswerte Laufveranstaltung, die ganz unter dem Motto von Läufern für Läufer steht und das kann man als Läufer vom Anfang bis zum Ende auch merken. Die traditionsreiche Veranstaltung, die vom Verein Adler-Langlauf-Bottrop ausgetragen wird, ist für mich persönlich nicht nur aufgrund der regionalen Nähe eine durchweg empfehlenswerte Veranstaltung, die mittlerweile zu einer Pflichtveranstaltung zum Jahresabschluss geworden ist.



in dem Sinne Weiterlaufen, Glück Auf & RoCk ‘n‘ RolL

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Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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19 Antworten zu Zum letzten Mal auf leisen Sohlen über die letzten noch aktiven Sohlen des Ruhrgebiets – zum Abschied der Steinkohle wartete der 46. RWW Herbstwaldlauf mit 50 Kilometern durch eine herbstliche Naturlandschaft

  1. Linsenfutter schreibt:

    Schade drum. Es wird etwas fehlen …

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