Amphibienschutz in Herne: Wir bauen einen Krötenzaun 4.0 – alle Jahre wieder…

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…kommt nicht nur das Christuskind auf die Erde nieder. Nein, auch die Amphibienschutzzäune im Stadtgebiet wollen installiert werden, um im Sinne des Artenschutzes die Populationen der in den dortigen Schutzgebieten beheimateten Amphibien vor dem schädlichen Einfluss der modernen Zivilisation zu bewahren. Denn alle Jahre wieder – immer im Frühjahr im Zeitraum zwischen Mitte Februar bis Anfang März, wenn die Tage länger und die Temperaturen milder werden und somit auch die Nächte vermehrt frostfrei bleiben, zieht es Frösche, Molche und Kröten aus ihren Winterquartieren zu ihren Laichgewässern. Bei ihren Wanderungen müssen sie häufig lebensbedrohliche Hindernisse überwinden, die für die kleinen Lebewesen leider allzu oft zur tödlichen Falle werden.          [594 more words]

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Bei den notwendigen Straßenquerungen geht die Lebensgefahr für die Amphiben nur zu einem Teil von den schweren Fahrzeugen selbst aus, da die Wahrscheinlichkeit von einem der vier Autoreifen des Fahrzeugs zerquetscht zu werden, als relativ gering einzuschätzen ist. Die höhere Gefahr für die kleinen Krabbler resultiert vielmehr aus dem Luftzug, der von den Fahrzeugen in Abhängigkeit zur Fahrtgeschwindigkeit erzeugt wird. Heißt also, dass je schneller das Auto fährt, desto stärker ist der erzeugte Luftsog und umso größer wird die Gefahr, dass die Tiere davon erfasst werden.

Besonders tragisch ist hierbei, dass sich diese potentielle Gefahr ganz einfach reduzieren ließe. Das Zauberwort lautet Tempolimit und Tempo 30 km/h rettet in diesem Fall Tierleben. Da die Tiere eben nicht durch den Luftzug des Fahrtwindes erfasst werden, durch die Luft geschleudert werden und wieder schwerstverletzt auf der Straße landen, um dort an ihren Verletzungen zu versterben.

Tempo 30 Kröte

Damit den Tieren dieses Schicksal erspart bleibt, sind eigentlich alle Autofahrer dazu aufgefordert, ihre Geschwindigkeit in diesen Bereichen auf Tempo 30 zu reduzieren. Leider fehlt vielen Autofahrern die Einsicht und es sind tatsächlich nur die allerwenigsten, die sich an das vorgeschriebene Tempo 30 der Straßenschilder auch halten.

Wobei hervorzuheben ist, dass die amtlich geltenden Tempo-30-Schilder nicht nur dem Schutz der Tiere dienen, da durch die toten Tiere ebenfalls eine erhöhte Umfallgefahr für die Autofahrer selbst besteht, da es durch die Tierkadaver ähnlich wie beim Aquaplaning (Amphibien-planing) dazu führen kann, dass man auf den totgefahrenen Tieren mit seinem Fahrzeug von der Fahrbahn rutscht. Da aber mit der Rücksicht von Seiten der Autofahrer eher nicht zu rechnen ist und weil es die Sitution auch sonst erfordert, bauen zumeist ehrenamtliche Helfer an sensiblen Stellen im Auftrag der Städte für den relevanten Zeitraum von Februar bis April einen temporäreren Schutzzaun zum Schutz der Tiere auf. Auch in diesem Jahr habe ich mich wieder bereit erklärt, bei dem Projekt auszuhelfen. Es ist mittlerweile meine 4. Saison und es macht eigentlich nur Spass.

Der Krötenzaun besteht in der Regel aus insgesamt drei Komponenten: Einem grünen Kunststoffgeflecht, den Bodenankern an dem der Zaun mit einer Leine befestigt wird und handelsüblichen Eimern, die in regelmäßigen Abständen in den Boden eingesetzt sind.

 

 

Mit dem Aufbau des Schutzzaunes gehen außerdem tägliche Kontrollgänge einher. Dazu werden jeweils in der Dämmerung abends und morgens, wenn die Wanderaktivität erfahrungsgemäß am höchsten ist, die am Zaun eingelassenen Fangeimer auf Tiere hin kontrolliert und falls welche aufgefunden werden sollten, werden diese in einem Transporteimer zum Laichgewässer auf die andere Straßenseite gebracht. Zur Feststellung der Artenvielfalt im lokalen Habitat werden außerdem die Art und die Anzahl der auf diese Weise geretteten Exemplare dokumentiert.

Wie sich die Zahlen in diesem Jahr entwickeln, oder welche Auswirkungen der Hitzesommer des letzten Jahres auf die diesjährigen statistischen Daten hat, werde ich in einem weiteren Beitrag ausführlich thematisieren. Unsere beiden Zäune stehen jeden Falls auch in diesem Jahr wieder sicher in der Botanik und die ersten Exemplare wurden auch schon vor Ort gefunden.


Danke für Euer Interesse am Thema, wenn ihr Fragen, Anregungen oder Kritik habt zum Amphibienschutz allgemein, dem Beitrag oder wenn ihr beispielsweise wissen wollt, wen ihr ansprechen könnt, um bei Euch vor Ort selber aktiv zu werden, dann lasst mir einfach einen Kommentar da und ich werde versuchen zeitnah zu antworten… [Beachtet hierbei die Erklärung zum DATENSCHUTZ]

Wer sich darüber hinaus über die aktuellen Entwicklungen an unserem Amphibienschutzzaun informieren möchte, den verweise ich an den folgenden Link, der Euch zu einem Open-Office-Dokument der aktuellen Projektmappe weiterleitet. (zur Projektmappe)


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Unter dem Thema ‚Amphibienschutz in Herne‘ sind in den letzten Jahren zudem schon ähnliche Beiträge erschienen:

Wir bauen einen Krötenschutzzaun

Rushhour am Krötenzaun

Invasion der Erdkröten

Star des Abends Bufo calamita – die Kreuzkröte

Schluss aus vorbei! Abbau

Deskriptive Statistik zum Amphibienschutzzaun


In dem Sinne – keep on Running, Rock n‘ Roll & immer dran denken mit offenen Augen sieht man mehr!!!

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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3 Antworten zu Amphibienschutz in Herne: Wir bauen einen Krötenzaun 4.0 – alle Jahre wieder…

  1. Linsenfutter schreibt:

    Sehr schön. Prima Aktion.
    Unsere Schutzzäune stehen auch schon seit etwa 2 Wochen.
    LG Jürgen

    Gefällt 1 Person

    • SohlenRocker schreibt:

      Ja finde ich auch, deswegen lasse ich mich auch Jahr um Jahr immer wieder dazu überreden, doch wieder mitzuhelfen.

      Und unsere beiden Zäune stehen auch schon mittlerweile seit dem kurzen Sommer-Intermezzo Mitte Februar, wo es temperaturtechnisch urplötzlich 20°C waren.

      Die letzten paar Tage war es allerdings aufgrund des stürmischen Wetters etwas mager, was die Wanderaktivität anbelangt und normalerweise müsste der große Schwung eigentlich auch mal langsam kommen?!

      VG Christian

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