Amphibienschutz in Herne: Unterwegs am Krötenzaun 4.0 – was lange währt, wird endlich gut !!!

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Das kurzzeitliche Sommerintermezzo, welches uns zu unser aller Freude im Februar überraschte, hatte uns dazu veranlasst, den Amphibienschutzzaun in diesem Jahr relativ früh aufzubauen. Da davon ausgehen war, dass es beim nächsten Regen mit der diesjährigen Amphibienwanderung losgehen könnte, was ohne den Schutzzaun zu einem Massaker hätte führen können. Mittlerweile steht der Zaun jetzt schon seit einem Monat, aber wirklich viel ist bisher dann doch noch nicht passiert.                             [503 more words]

Die Gründe hierfür sind vielfältig und vor allem spekulativ, was damit zusammenhängt, dass mir die verhaltensbiologische Expertise zu Amphibien und deren Wanderbereitschaft schlicht und einfach fehlt. Nach meinem aktuellen Wissensstand spielen neben dem Wetter, wohl auch die Temperatur, die Niederschlagsmenge, die Windstärke, die Sonneneinstrahlung, der Luftdruck und sicherlich auch noch diverse andere Faktoren eine mitentscheidende Rolle. Ich orientiere mich vor allem am Wetter, wenn es regnet, nicht zu kalt ist und nicht zu sehr stürmt, sind die Bedingungen vielversprechend.

Aus dieser Logik heraus fehlte den sommerähnlichen Februartagen mit Temperaturen um die 20°C ganz klar der Regen, um die eingetrockneten Erdverstecke der Tiere aufzulockern, damit sie sich aus ihren Winterquartieren ausbuddeln und zum Laichgewässer aufbrechen können. Doch von Regen war lange Zeit erstmal nichts zu sehen. Als es dann doch endlich zumindest tagsüber niederschlagsreicher wurde, klarte es nachts dermaßen auf, dass die Temperaturen wieder gen Gefrierpunkt fielen, was auch wiederum suboptimal ist und gegen eine erhöhte Wanderaktivität gesprochen hat.


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Trotzdem und obwohl die Bedingungen bisher noch nicht über einen längeren Zeitraum hinweg optimal waren, sind in diesen fast vier Wochen immer mal wieder vereinzelte Individuen unterwegs gewesen, die anscheinend weniger kälteempfindlich sind als der Rest und damit meinen eigenen „Bauernregeln“ trotzten. Allerdings muss resümiert werden, dass es doch eher Ausnahmen waren. Und auch in den letzten Wochen war es von den wettertechnischen Bedingungen alles andere als ideal. Vor allem die massiven Sturmtiefs Bennet, Eberhard und Franz wussten den Starttag des großen Krabbelns zu verhindern.

Doch seit gestern Abend hat der Wind bei uns erheblich nachgelassen und auch die nächtlichen Tiefsttemperaturen liegen mit 6°C seit mehreren Tagen kontinuierlich über dem Gefrierpunkt, dazu gab es Niederschlag en masse und auch der Himmel ist nachts wolkenbedeckt – also alles ideale Bedingungen dafür, dass es alsbald losgehen könnte. Und die Zahlen der Eimerfunde von heute Morgen sind in jedem Fall vielversprechend und bestätigen diese Annahme.

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Wie sich die Zahlen in diesem Jahr entwickeln, oder welche Auswirkungen der Hitzesommer des letzten Jahres auf die diesjährigen statistischen Daten hat, werde ich in einem weiteren Beitrag ausführlich thematisieren. Unsere beiden Zäune stehen jeden Falls auch in diesem Jahr wieder sicher in der Botanik und die ersten Exemplare wurden auch schon vor Ort gefunden.


Danke für Euer Interesse am Thema, wenn ihr Fragen, Anregungen oder Kritik habt zum Amphibienschutz allgemein, dem Beitrag oder wenn ihr beispielsweise wissen wollt, wen ihr ansprechen könnt, um bei Euch vor Ort selber aktiv zu werden, dann lasst mir einfach einen Kommentar da und ich werde versuchen zeitnah zu antworten… [Beachtet hierbei die Erklärung zum DATENSCHUTZ]

Wer sich darüber hinaus über die aktuellen Entwicklungen an unserem Amphibienschutzzaun informieren möchte, den verweise ich an den folgenden Link, der Euch zu dem Open-Office-Dokument der aktuellen Projektmappe weiterleitet. (zur Projektmappe)


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Unter dem Thema ‚Amphibienschutz in Herne‘ sind in den letzten Jahren zudem schon ähnliche Beiträge erschienen:

Wir bauen einen Krötenschutzzaun

Wir bauen einen Krötenschutzzaun 4.0

Rushhour am Krötenzaun

Invasion der Erdkröten

Star des Abends Bufo calamita – die Kreuzkröte

Schluss aus vorbei! Abbau

Deskriptive Statistik zum Amphibienschutzzaun


In dem Sinne – keep on Running, Rock n‘ Roll & immer dran denken mit offenen Augen sieht man mehr vom Weg!!!

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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11 Antworten zu Amphibienschutz in Herne: Unterwegs am Krötenzaun 4.0 – was lange währt, wird endlich gut !!!

  1. speedhiking schreibt:

    Tolle Aktion, bravo!

    Gefällt 3 Personen

  2. Werner schreibt:

    Eine gute Einstellung ! Wenn ich ein häufiger Nutzer der Natur bin und mich an ihr erfreue, kann ich auch mal etwas Zeit opfern . 👍👍👍

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    • SohlenRocker schreibt:

      Wenn sich mehr an dieser Maxime orientieren würden, wäre die Welt sicherlich lebenswerter – aber dieser Wunsch bleibt wohl bei den ganzen nur-profitorientierten Individuen und vor allem den ganzen multinationalen Großkonzenernenstets eine Utopie bleiben – Danke für Deinen Kommentar !!!

      Gefällt 2 Personen

  3. Richard schreibt:

    Ich lese deine Beobachtungen zu diesem Projekt immer gern. Man merkt die jahrelange Erfahrung. Das Expertenwissen ist da immer vor Ort, weil sich die Amphibienwanderung überall ein bisschen anders abspielt.
    Was mich bei diesen Aktionen noch interessiert, ist der Weg in die andere Richtung. Wir haben dieses Jahr zum ersten Mal auch Springfrösche im Teich. Da überwintern die Männchen im Wasser, die Weibchen in der Nähe. Das heißt, wenn die Kröten kommen, sind manche Frösche schon in der anderen Richtung unterwegs. Irgendwie ist da in der anderen Richtung auch viel weniger Betrieb kommt mir vor. Danach könnte man auch auf die Ausfälle schließen.

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    • SohlenRocker schreibt:

      Vielen Dank für die Blumen!!!  Also, an unserem Zaunstandort ist für die Rückwanderung keine Schutzmaßnahme vorgesehen, was die genauen Gründe dafür sind, kann ich allerdings nicht sagen. Denn an anderen Standorten im Stadtbezirk sind für die bevorstehende Rückwanderung mittlerweile beide Straßenseiten bezaunt.

      Aber so wie ich das bei uns in unserem Schutzgebiet in den letzten 4 Jahren mitbekommen habe, liegt das Geschlechterverhältnis von Weibchen zu Männchen bei den „geretteten“ Erdkröten bei bis zu 1 zu 7, was bedeuten würde, dass zum Fortbestand der lokalen Population vor allem die Weibchen „schützenwert“ sind, und im besonderen Maße schützenswert sind, wenn sie noch nicht abgelaicht haben. Andererseits gibt es an dem Gewässer auch eine größere Population Kreuzkröten, wobei bisher noch nie ein Exemplar davon in einem unserer Eimer am Zaun gelandet ist, was bedeuten würde, dass die Anforderungen an ein potentielle Winterquartier von Art zu Art verschieden sind. Wie sich die geschlechtsspezifischen Verteilungsverhältnisse bei den anderen Krötenarten, bei den Molchen oder bei den Fröschen und im speziellen bei den Springfröschen verhalten, entzieht sich meinem Wissen.

      Und Ausfallgründe gibt es ja einige – Fressfeinde wie den Graureiher oder Fuchs. Möglicherweise konnte auch ein anderes Winterquartier gefunden werden, was die Straßenquerung überflüssig werden lassen würde?! Weil Laichgewässertreue bedeutet ja nicht unbedingt Winterquartierstreue – aber wie gesagt, ich bin kein Verhaltensbiologe, deshalb alle Angaben ohne Gewähr.

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      • Richard schreibt:

        Danke für dein ausführliches Feedback. Das ist schon sehr interessant. Ich denke, 7:1 kommt auch bei uns gut hin. Die Weibchen haben aber bei der Paarung mehr Ausfälle. Das Verhältnis verschiebt sich also weiter. Die Weibchen sind sicher für den Fortbestand wichtiger. Der Unterschied, den eure Aktion macht, ist aber der: Die Selektion wird wieder der Natur überlassen. Wer sich erfolgreich vermehrt, entscheidet nicht der Straßenverkehr, zb kleine, schnelle Kröten sind im Vorteil. Letztendlich garantieren aber die Gewässer, dass sich die Kröten vermehren. Umso mehr wir trocken legen, desto weniger neue Kröten gibt es. Die Grenzen setzt unser Platzbedarf. Deshalb ist es schön, wenn es so etwas wie euer Schutzgebiet gibt, und Leute, die dokumentieren und darüber schreiben. LG, Richard

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      • SohlenRocker schreibt:

        Im Grunde ist es eine Semi-Selektion, die teils durch die Natur und teils durch den von uns beeinflussten Zufall übernommen wird, weil ja irgendein Männchen und irgendein Weibchen zufällig zusammen in einem Fangeimer landen, den wir aufgestellt haben und sich dadurch das Männchen, egal wie dominant es ist, ohne Konkurrenz das Weibchen schnappen kann. Aber wie Du schon richtigt sagst, dieser minimale selektionsbeeinflussende Eingriff ist wohl das geringste Problem, dass die Natur durch uns Menschen widerfährt. Nochmals besten Dank für diese Unterhaltung und viele Grüsse aus’m Ruhrpott, Christian.

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  4. lisaschnute schreibt:

    wunderschöne bilder 🙂 ich habe das auch lange zeit gemacht, einfach schön in der Natur und ein bischen was zurück geben und helfen können…

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    • SohlenRocker schreibt:

      Freut mich, dass Dir die Bilder gefallen. Das Projekt ist auf jeden Fall ein Gewinn, sowohl für die Tiere, aber auch für mich. Vor allem auch deshlab, weil man dadurch eine noch positivere Einstellung dem Regenwetter gegenüber gewinnt, weil das ja u.a. die Bedingungen sind, wo es Wandertechnisch abgeht. VG Christian & Danke für Deinen Kommentar !!!

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      • lisaschnute schreibt:

        Oh ja das ist wahr! Ich habe die Abende auch genossen… die Natur ist nachts wunderschön, kann mich noch gut an eine Nacht erinnern mit Vollmond (nach dem Regen 😉 ) und Igelbegegnungen auf der Strecke. Toll das Du das machst 🙂 VG Lisa

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