Faszination Lepidoptera: Schmetterlinge, Tagfalter, Butterflies, Sommervögel – flatterhafte Wesen verkünden die freudige Botschaft des nahenden Frühlingsbeginns

Alle4-COLLAGE 50

Pünktlich zum Frühlingsbeginn am 20. März startete für mich die diesjährige Schmetterlingssaison. Seit meiner zufälligen und zugleich prägenden Begegnung mit dem Schwalbenschwanz (Papilio machaon) im August des letzten Sommers, haben mich diese filigranen Flugkünstler in ihren Bann gezogen. Die farbenfrohen Falter mit ihrem anmutigen Flügelschlag sind für mich seitdem eine Impulsquelle für Freude und gute Laune geworden, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass sie ein hervorragender Indikator dafür sind, dass es mit dem Winter alsbald zu Ende geht und der Frühling unmittelbar vor der Tür steht.                                                    [1007 more words]

Man muss sie einfach mögen. Es ist einfach faszinierend, sie in ihrem Verhalten zu beobachten, wie sie filigran von Blüte zu Blüte flattern, mal kürzer und mal länger Rast zum Nektartrinken machen, dann wiederum plötzlich weiterziehen oder dich aufgeschreckt umfliegen, weil sie eine nahende Gefahr vermuten, nach ihrem Sondierflug dann aber doch wieder unmittelbar vor einem auf der Nachbarblüte landen, weil sie bemerkt haben, dass von einem gar keine Gefahr droht, weil man eben kein Fressfeind ist.

Doch Gefahr droht nicht nur von potentiellen Fressfeinden wie beispielsweise den Vögeln. Der Mangel an geeigneten Lebensräumen, die oftmals blütenarme Wiesen, der Einsatz landwirtschaftlich genutzter Insektizide sowie die massive Überdüngung der Landschaft dezimieren ihren Bestand zunehmend und setzen ihren Populationen stark bei. Die drei im Rahmen dieses Beitrags vorgestellten Schmetterlingsarten gehören zu den wenigen Schmetterlingsarten, die glücklicherweise häufiger vorkommen und bei uns als ausgewachsene Individuen (Imago) überwintern.

Aus diesem Grund ist es wenig überraschend, dass sie im Schmetterlingsjahr als erste ihrer Art zu beobachten sind. Da auch bei Schmetterlingen das Motto gilt „ohne Mampf kein Dampf“, sind sie natürlich auf Nahrungsquellen angewiesen, was ihr aktives Auftreten zeitlich limitiert. Die erste Futterquelle, die sich den Schmetterlingen bei gegebener Temperatur im Frühjahr anbietet, sind blühende Weidenkätzchen. Und wenn im weiteren Verlauf des Jahres die Blüten diverser Pflanzen sprießen, nimmt auch die Anzahl der aktiven Falter zu.


Den Anfang meines persönlichen Schmetterlingsjahres hat in diesem Jahr der Zitronenfalter gemacht. Schon relativ früh gegen Ende Februar hatte ich den ersten seiner Art an einen der ersten wärmeren Tage des Jahres bei einer Laufrunde am Rhein-Herne-Kanal sichten dürfen.

Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) – der Frühstarter & Methusalem: Viel Ruhe und ein integrierter Frostschutz sind sein Geheimrezept für ein langes Leben…

Der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) unterscheidet sich von den beiden anderen hier vorgestellten Faltern (Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs) nicht nur optisch, sondern auch durch seine einzigartige Überwinterungsstrategie und seine Ausstattung dazu. Diese Ausstattung erlaubt ihm die Minusgrade des Winters fast ungeschützt zu überleben. Seine besondere Winterhärte verdankt der Zitronenfalter nämlich einem körpereigenen Frostschutzmittel.

Zitronenfalter

Zum Vergrößern bitte ins Bild klicken !

Durch das eingelagerte Glyzerin kommt es physikalisch betrachtet zu einer sogenannten Gefrierpunktserniedrigung, die die Körperflüssigkeit, die aus einem Alkohol-Wasser-Gemisch besteht, erst bei höheren Temperaturen gefrieren lässt. Zur Konzentrierung des Alkoholanteils in diesem Flüssigkeitsgemisches scheidet der Zitronenfalter zu Beginn der kalten Tage einen Teil seiner Körperflüssigkeit aus. Mit dieser Überwinterungsstrategie schafft es der Falter, die Temperaturen des hiesigen Winters von bis zu minus 20 Grad Celsius ohne Zellschäden zu überstehen.

Eine weitere Eigenart des Zitronenfalters besteht darin, dass man ihn beim Sonnenbaden nicht, wie viele andere Schmetterlinge es zur Oberflächenmaximierung tun, mit ausgebreiteten Flügeln beobachten kann. Zum Sonnen sitzen Zitronenfalter mit zusammengefalteten Flügeln auf einer Blüte oder im Laub und richten sich seitlich zum Sonnenlicht aus.

Besonders interessant fand ich bei meinen Recherchen außerdem, dass die zweite Faltergeneration des Jahres, die im Sommer (Ende Juni/ Anfang August) aus der Puppe schlüpft, kurz nachdem sie geschlüpft ist, direkt wieder in eine Sommerstarre verfällt, um erst im Frühherbst wieder munter zu werden. Durch diese beiden Ruhephasen im Sommer und im Winter – in unserer heutigen modernen Zeit würde man dabei vermutlich von einer optimalen Passung der Work-Life-Balance sprechen – erreicht der Zitronenfalter ein Alter von zehn bis elf Monaten und ist damit der langlebigste Tagfalter in unseren Breiten.


Die beiden anderen Falterarten, die sich in diesem Jahr bisher beobachten ließen, haben sich im Vergleich zum relativ frühstartenden Zitronenfalter einige Wochen länger Zeit gelassen.

Tagpfauenauge (Aglais io) – Tarnung durch Abschreckung ist seine Erfolgsformel…

Das Tagpfauenauge ist einer der bekanntesten heimischen Schmetterlinge und zusammen mit dem Kleinen Fuchs auch einer der häufigsten. 2009 wurde er zum Schmetterling des Jahres gewählt. So wie beim Zitronenfalter und dem Kleinen Fuchs überwintern auch bei dieser Art nicht Ei, Raupe oder Puppe, sondern die erwachsenen Falter. Als Winterquartier eignen sich frostfreie und feuchte Räumlichkeiten wie Höhlen, Keller, Dachstühle oder Baumspalten.

Tagpfauenauge

Zum Vergrößern bitte ins Bild klicken !

Besonderes optisches Charakteristikum sind die vier auffälligen Augenflecke auf der Oberseite der Vorder- und Hinterflügel, denen das Tagpfauenauge seinen Namen verdankt. Sie dienen dem Schmetterling zum Schutz vor Fressfeinden. Bei nahender Gefahr werden die Flügel ruckartig auseinander geklappt, sodass die Fressfeinden von den Augen der Flügeloberseite angestarrt werden.

Hierdurch wird dem Fressfeind vorgegaukelt, dass er nun selbst ins Visier eines potentiellen Fressfeindes geraten ist, was diesen zur Flucht veranlasst. Im Ruhezustand klappt der Falter die Flügel zusammen und sieht mit den dunklen Flügelunterseiten wie ein trockenes Blatt aus. Diese Täuschungsstrategie des Tarnens, die im Tierreich weitverbreitet ist, wird wissenschaftlich auch Mimikry bezeichnet.

Wie bei Kleinem Fuchs, Admiral und Landkärtchen ernähren sich die Raupen nahezu ausschließlich von Brennnesseln, weshalb diese Arten auch als Brennnesselfalter zusammengefasst werden. Die Erwachsenenfalter sind was den Nektar betrifft opportunistischer und deshalb weniger wählerisch. Sie bevorzugen violette Blüten, vor allem Disteln, Blaukissen, Sommerflieder, Dahlien, Stauden-Wicke oder Thymian.


Der Kleine Fuchs (Nymphalis urticae) – eine große Anpassungsfähigkeit gehört zu seinen Tugenden…

Wie es der Name vermuten lässt, gibt es neben dem Kleinen Fuchs auch den Großen Fuchs. Diese beiden artverwandten Falter auseinanderzuhalten ist für Laien nicht ganz einfach. Da der Große Fuchs in NRW allerdings nur relativ selten vorkommt, kann man bei einer Beobachtung des Falters in NRW mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Kleinen Fuchs ausgehen. Grundsätzlich unterscheiden sie sich hinsichtlich ihrer Größe und der „Lebhaftigkeit der Farben“, die beim Kleinen Fuchs ausgeprägter ist.

Kleiner Fuchs

Zum Vergrößern bitte ins Bild klicken !

Der Edelfalter ist in ganz Europa sowie in Asien beheimatet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den polaren Regionen bis zur Pazifikküste. Der Kleine Fuchs gilt als äußerst anpassungsfähiger Falter, der in unterschiedlichen Lebensräumen vorkommt. Er besiedelt Wälder, Waldränder, Lichtungen, Wiesen, Parkanlagen und Gärten sowohl im Flachland als auch in Höhenlagen von bis zu 3500 Metern.

Das Muster aus schwarzen, gelben und weißen Flecken am vorderen Rand der Vorderflügel ist charakteristisch für diese Schmetterlingsart. Neben der orange-rötlichen Grundfärbung ist der bläuliche Flügelsaum optisch besonders auffallend. Wie bei den beiden zuvor beschrieben Falterarten hält auch Kleine Fuchs eine Art Winterschlaf. Die Überwinterung erfolgt bei ihnen ebenfalls als ausgewachsenes Individuum.

Die Raupen vom Kleinen Fuchs sind, so wie die des Tagpfauenauges auch, auf die Große Brennnessel (Urtica dioica) als Futterpflanze spezialisiert und finden sich nur selten an anderen Pflanzen. Erwachsene Falter sind weniger wählerisch und trinken an verschiedenen Pflanzen Nektar, darunter unter anderem Thymian (Thymus pulegioides), Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii) und Lavendel (Lavandula).


Naja, das soll es vorerst zu diesem Thema gewesen sein. Ich bin schon jetzt in freudiger Erwartung darauf, was der Jahresverlauf schmetterlingstechnisch noch alles zu bieten hat. Besonders freue ich mich aber auf ein Wiedersehen mit den Schwalbenschwänzen, doch bis dahin dauert es sicherlich noch ein paar Monate und etwas Glück bedarf es dann natürlich auch…


In dem Sinne – keep on Running, Rock n‘ Roll & immer dran denken mit offenen Augen sieht man mehr vom Weg!!!



QUELLENVERZEICHNIS (STAND: 27.03.2019)


Zitronenfalter:

www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/schmetterlinge/tagfalter/04431.html

nrw.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/tagfaltermonitoring/tagfalter-nrw/03158.html

https://www.bund.net/tiere-pflanzen/schmetterlinge/steckbriefe/tagfalter/zitronenfalter/


Tagpfauenauge:

www.spektrum.de/news/falsche-augen-muessen-echt-aussehen-um-abzuschrecken/1341286

www.bund-nrw-naturschutzstiftung.de/schmetterlinge_des_jahres/schmetterling_des_jahres_2009_tagpfauenauge/

https://www.bund.net/tiere-pflanzen/schmetterlinge/steckbriefe/tagfalter/tagpfauenauge/


Kleiner Fuchs:

www.nrw.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/tagfaltermonitoring/tagfalter-nrw/22566.html

https://www.bund.net/tiere-pflanzen/schmetterlinge/steckbriefe/tagfalter/kleiner-fuchs/


Faszination Schmetterlinge: WDR-Interview (10.03.2019):

www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr2/wdr2-sonntagsfragen/audio-schmetterlinge—fruehlingsboten-100.html


Hier geht’s zum zweiten Beitrag der Themenreihe Faszination Lepidoptera mit dem Aurorafalter

Header COLLAGE waagerecht 66


Hier geht’s zum dritten Beitrag der Themenreihe Faszination Lepidoptera mit dem Waldbrettspiel

Waldbrettspiel Header


Hier geht’s zum vierten Beitrag der Themenreihe Faszination Lepidoptera mit dem Rapsfalter

Rapdweißling Header 50

Werbeanzeigen

Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser und multibewegtem Blogger, aber eine Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, pflegeleicht, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
Dieser Beitrag wurde unter Alles, Garten, Natur, NO-SPORTS veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Faszination Lepidoptera: Schmetterlinge, Tagfalter, Butterflies, Sommervögel – flatterhafte Wesen verkünden die freudige Botschaft des nahenden Frühlingsbeginns

  1. Werner schreibt:

    Es ist nicht nur die Landwirtschaft, die die Lebesräume der Schmetterlinge bzw ihre Raupen zerstört haben . Leider fehlt es heute in vielen Hausgärten auch an passende Lebensräume. Wenn in Gärten Eintönigkeit angesagt ist, lockt das nicht unbedingt die bunten Flieger an . Steingepflasterte Gärten und tadellose Rasenteppiche, die mit Kirchlorbeer eingerahmt sind, bilden keinen guten Lebensraum für Schmetterlinge. Dein Beitrag und die Fotos gefallen mir sehr gut.👍👍👍

    Gefällt 2 Personen

    • SohlenRocker schreibt:

      Ich bin ganz bei Dir, aus diesem Grund wäre ich auch dafür, die in letzter Zeit massiv zunehmenden Steingärten entweder ganz zu verbieten oder diese ganzen Flächen steuertechnisch einfach als versiegelte Flächen zu bewerten, um mit den daraus resultierenden steuerlichen Mehreinnahmen an geeigneter Stelle für Ersatz zu sorgen. Aber der menschliche Appetit nach Raum läßt sich nicht aufhalten und wird wohl eher zukünftig noch weiter steigen. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich zu meinem eigenen Erstaunen selbst in der Betonwüste von Manhattan Schmetterlingen (Monarchfalter) begegnet bin. Aber die Rechnung ist ganz klar, wo wenig Futterpflanzen vorzufinden sind, darf nicht erwarten werden, Schmetterlinge in großer Anzahl anzutreffen. Glücklicherweise scheint unser Garten noch ausreichend Snackmöglichkeiten im Angebot zu haben. Also Danke für Deinen Kommentar und Viele Grüße, Christian.

      Gefällt 1 Person

      • Werner schreibt:

        Ich kenne einige Kommunen, die bei der Erteilung einer Baugenehmigung gleich derartig gestalltete Gärten verbieten.
        LG Werner

        Gefällt 1 Person

      • SohlenRocker schreibt:

        Aus umwelttechnischen Gründen eine in jedem Fall zu begrüßende Maßreglung – wobei die eine oder andere kleinere Kommune, die sich anschickt wachsen zu wollen, sich trotzdem zwei Mal überlegen wird, ob sie potentielle Neubürger auf diese Weise nicht verprellt?! Wobei es den meisten Kommunen vor allem an Personal fehlt, um diese Reglungen dann auch zu kontrollieren. Die aktuellen Entwicklungen sind vielversprechend und weisen in die richtige Richtung… VG Christian

        Gefällt 2 Personen

  2. Corinna schreibt:

    Du hast absolut recht! Ich freue mich auch über jeden der geflügelten Freunde auf unserer Terrasse.

    Gefällt 1 Person

    • SohlenRocker schreibt:

      Man muss sie einfach mögen, man kommt eigentlich nicht drumherum!!! So agil und flatterhaft, so bunt und verschieden. Es hat einfach etwas Mythisch-Märchenhaftes ihnen zuzuschauen… Danke für Deinen Kommentar und viele Grüsse, Christian.

      Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Auf das Ende des Krötenzaunprojektes folgt das nächste Ökoprojekt 2019 – ich baue mir ein Wildbienenhotel & werde Hotelier. | sohlenrocker

  4. Pingback: Faszination Lepidoptera: Schmetterlinge, Tagfalter, Butterflies, Sommervögel – flatterhafte Wesen verkünden die freudige Botschaft des nahenden Frühlingsbeginns | sohlenrocker – worldtraveller70

  5. Pingback: Faszination Lepidoptera: Schmetterlinge, Tagfalter, Butterflies, Sommervögel – meistens bunt, manchmal braun, aber selbst braun kann in der Natur durchaus schön sein | sohlenrocker

  6. Pingback: Faszination Lepidoptera: Schmetterlinge, Tagfalter, Butterflies, Sommervögel – die fliegenden Blumen machen selbst die bunteste Blumenwiese noch bunter | sohlenrocker

  7. Pingback: Faszination Lepidoptera: Schmetterlinge, Tagfalter, Butterflies, Sommervögel – nicht immer bunt und selten, aber alle auf ihre Art einzigartig und magisch | sohlenrocker

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s