Schneider-Electric Marathon de PARIS 2019 – ein erlebnisreiches & überaus hartes Wochenende mit dem Höhepunkt des 42k-Sightseeing-Laufes durch die Stadt der Liebe & des Lichtes [Teil 4/4]

| 13. – 14. April 2019 | Paris Marathon Wochenende |

Paris Marathon 2019 Header

Filetstück des Wochenendes: Der 43. Schneider Electric MARATHON de PARIS 2019

Unmittelbar aus dem Startbereich des Marathons heraus sind die Wutauswirkungen der Gelbwesten des Vortages noch deutlich wahrzunehmen. Das TV berichtete von schweren Ausschreitungen und zeigte dazu Bilder von Barrikaden, die mitten auf der Avenue des Champs-Élysées gebrannt hatten. Auch die Edelboutiquen, die sich auf der prestigeträchtigen Straße  zahlreich finden, haben augenscheinlich den Zorn der Protestierenden zu spüren bekommen. Einige Scheiben der riesigen Schaufensterfronten sind gesplittert und die Fassaden mit Graffitis beschmiert.                                                                                    [3096 more words]

In Folge dieser Ausschreitungen kam es auch zur Einschränkung in der Metro, da die in der Nähe gelegenen Metrostationen aufgrund von Sperrungen nicht angefahren werden konnten. Allerdings muss ich zugeben, dass meine Sprachkenntnisse nicht ausgereicht haben, um die ausschließlich auf Französisch bekanntgegebenen Informationen sofort verstanden zu haben. Da die Reaktionen der anderen Mitfahrenden mehr oder weniger eindeutig waren, konnte man grob erahnen, worum es ging. Heute einen Tag danach am Ort des Geschehens erklären sich mir jetzt das Warum der Durchsage und die Fahrplanänderung.

Die Kilometer zum Einstieg sind überwältigend..

Als der Start auf der Avenue des Champs-Élysées nach viel zu langem Warten dann doch endlich erfolgt, bin ich schon längst mittelschwer unterkühlt. Es dauert einige Meter bis die gefrosteten Gelenke mit ausreichend Synovialflüssigkeit versorgt sind und sich geschmeidig bewegen lassen. Auch die Muskeln befinden sich erst nach dem Aufkeimen eines ersten Krampfes in einem normalen Arbeitsmodus. Der Start hat etwas Befreiendes. Anstrengungen, Bedenken und Sorgen der letzten Tage sind verschwunden. Gedanklich gereinigt geht es los. Wie lange dieser Moment doch auf sich warten lassen hat.

Am Ende der Pariser Prachtstraße fast 1000 Meter hinter der Startlinie sind sämtliche Vorstartproblem endgültig passé. Wir stehen mitten auf dem Place de la Concorde mit dem ägyptischen Obelisken aus Luxor und dem grün-blauen Fontänen-Brunnen der Meere, den ich schon am Vortag ausgiebig bestaunt hatte. Am größten Kreisverkehr von Paris befindet sich ebenfalls der Grande Palais mit den beiden Statuen auf dem Dach, die die Erinnerung an mein längst vergessen geglaubtes Französischbuch wieder aufleben lassen haben. Außerdem befindet sich an diesem bedeutenden Ort von Paris das umzäunte Ende der riesigen Gärten der Tuileries.

Paris Marathon Teil 1

BILD: Unterwegs auf den ersten Kilometern des Paris Marathon 2019. Zu Sehen u.a. Oper Garnier, Stadtparlament, Place de la Concorde.

In der Frühphase des Marathons klickt mein mitgeführter Fotoapparat beinahe ununterbrochen. Ich bleibe des Öfteren stehen oder begebe mich abseits der offiziellen Strecke, um so eine bessere Perspektive auf die Szenerie zu erlangen. Die ersten Kilometer des Paris-Marathons sind regelrecht überfüllt mit imposanten Bauwerken, Säulen und anderem Kunstvollem, das mächtig Eindruck schindet.

Dahingegen sind die Zuschauer, die sich hier vor allem in Stadtzentrum in großer Zahl an der Strecke eingefunden haben, irgendwie noch gewöhnungsbedürftig. Vielleicht liegt es auch an den kühlen Temperaturen, aber irgendwie wirken die meisten etwas zurückhaltend und im Vergleich zum Publikum in New York auf einer gewissen Art auch reserviert – vielleicht auch einfach nur unterkühlt. Aber auf jeden Fall sind sie weniger frenetisch, was den Support betrifft – so zumindest würde ich meinen persönlichen Eindruck auf den ersten Kilometern des Marathons beschreiben wollen.

Auf dem Weg zum Opernhaus dem Palais Garnier bei Kilometer 3 durchlaufen wir den Place Vendome mit einer weiteren imposanten Säule. Wenn mir im Nachhinein etwas von Paris Verkehrstechnisches besonders in Erinnerung geblieben ist, dann waren es neben den E-Rollern, die überall achtlos im Stadtbild herumstanden, in jedem Fall die Fülle an prunkvollen und riesigen Plätzen mit den teilweise doch recht unübersichtlichen Kreisverkehren und den pompösen Säulen, Brunnen oder Statuen in der Mitte.

Nach der kurzen Schleife um das Opernhaus erreichen wir die Rue de Rivoli, die uns an dem nicht enden wollenden Gebäudeflügel des Musée de Louvre vorbeiführt. Es folgt bei Kilometer 5 das Hotel de Ville, was wohl am besten mit einem Rathaus oder dem Stadtparlament zu vergleichen ist. Die Zuschauermassen stehen mittlerweile enggedrängt Spalier, doch wirklich Stimmung will nicht aufkommen. Für etwas Stimmung sorgt hingegen die Pariser Feuerwehr. Auf der ausgefahrenen Leiter des Leiterwagens sitzen mehre Feuerwehrleute mittig über den Köpfen der Läufer und feuern diese mit einem Megafon lautstark an.

Im weiteren Streckenverlauf wird aus der Rue de Rivoli die Rue des St. Antoine, auf der es bis zum Place de la Bastille bei Kilometer 7 immer weiter gen Osten geht. Bis hier hin läuft es sich nahezu wie von selbst, meine Beine fühlen sich hervorragend an, von Müdigkeit oder den Anstrengungen der letzten Tage ist nichts zu spüren. Und auch die drohende Unterkühlung ist eine Wohlfühltemperierung gewichen..

Neben der Dauerablenkung von rechts und links des Weges durch die unzähligen architektonischen Highlights, die eine Strecke durch Paris zwangsläufig mit sich bringt, sorgen Unmengen von Bands unterschiedlichster Genres für Akustische Abwechslung. Auch die Zuschauermassen nehmen gegen Ende der zivilisatorischen Zone nochmal deutlich zu und auch das Zuschauerverhalten hatte sich hin zu etwas mehr Ektase weiterentwickelt.

Wir bewegen weiter stadtauswärts in Richtung grüner Peripherie von Paris, wo nach all den visuellen und akustischen Leckerbissen der ersten Marathonkilometer eine rund 10 Kilometer lange Erholungsschleife durch den Park Bois des Vincennes auf uns wartet.

Ausflug ins Grüne Part 1 – Bois des Vincennes

Kurz bevor der Eingang zum Park erreicht ist, geht es bei Kilometer 10 an einem traditionellen sonntäglichen Pariser Wochenmarkt mit klassischen lokalen Erzeugnissen vorbei – für den ich zum wiederholten Mal die offizielle Marathonstrecke verlasse und kurz zwischen die Marktstände wechsele. Die Szenerie ist recht amüsant, vor allem als ich in die doch recht überraschten Gesichter der zumeist älteren Kunden und Händler blicke. Mit einem kurzen „Exkurse moi“ versuche ich die Situation am Fisch- und dem Gemüsestand fototechnisch einzufangen, bevor es mich auch wieder zurück auf die Marathonstrecke zieht.

Paris Marathon 2019

BILD: Unterwegs durch den Bois de Vincennes beim Marathon de Paris 2019.

Danach habe ich für eine ganze Weile den künstlichen Felsen des Parc Zoologique de Paris im Blick. Der Zoo ist der größte Zoo von Paris und befindet sich mitten im Bois de Vincennes. Der künstliche Berg nimmt im Landschaftsbild in jedem Fall eine prominente Sonderstellung ein, dazu beeindruckt er mit seiner beachtlichen Größe. Ansonsten überwiegt im Bois des Vincennes das zarte Grün des Frühlingserwachens der Pariser Natur. Das deutlich wahrzunehmende Vogelgezwitscher wechselt permanent mit der natürlichen Akustik eines Marathons und den Klängen einer der zahlreichen Bands, die vom Wegesrand versuchen der reizarmen Einöde Paroli zu bieten. Zu Beginn des Parks ist mir noch die Jägerschaft in Erinnerung blieben, die in ihrer traditionellen Jagdtracht vollmundig in ihre Jagdhörner zur Jagd bliesen.

Bei Kilometer 13 folgt mit dem Chateau des Vincennes eins der wenigen architektonischen Sehenswürdigkeiten auf diesem Streckenabschnitt der Schleife durch den Park Bois de Vincennes. Ansonsten geht es vor allem durch dünnbesiedeltes Terrain, auch Zuschauer sind hier Draußen eher nur sporadisch vertreten. Den Schildern nach zu urteilen geht es wohl auch an einem Hippodrom vorbei, doch von Pferden ist weit und breit nix zu sehen – ansonsten passiert hier Draußen nicht wirklich viel.

Die Streckenkilometer zwischen Kilometer 13 und Kilometer 20 kleckern sich nach und nach irgendwie zusammen und ehe zu viel Langeweile und Tristesse aufkommen konnte, endet in etwa bei Kilometer 19 auch schon wieder der Ausflug ins Grüne. Für meinen Geschmack ist der Grünanteil auf der ersten Hälfte des Marathons auf jeden Fall nicht zu knapp bemessen?!

Es folgen ein paar schmucke Häuschen in unmittelbarer Nähe zum Park und spätestens am Velodrome Municipal kündigt sich das endgültige Ende dieser weitläufigen Parkzone an. Kurz darauf erreichen wir eine größere Hauptstraße, die uns auf den nächsten Kilometern wieder zurück in Richtung des interessanteren Stadtkerns von Paris bringen sollte. Dass wir zurück in der Zivilisation waren, bestätigte auch der Blick in die Ferne auf einen eher industriellen Teil von Paris von einer Brücke aus. In der Peripherie zu sehen, sind vor allem riesige Wohnblöcke á la Ost-Berlin-Plattenbauten, dampfende Schornsteine und ganz viel andere Industrie.

Dieser Umgebungswechsel ging zudem damit einher, dass die Zuschauerzahlen am Streckenrand allmählich wieder anstiegen, doch an der Zuschauerperformance ändert sich nicht viel. Mit den steigenden Temperaturen, nahm aber auch die Zahl der Familien mit Kindern zu, was sich daran bemerkbar machte, dass ich im Folgenden des Öfteren zum Verteilen des von den Kurzen eingeforderten High-Fives abstoppen und mich zu ihnen hinunterbücken musste. Gleichzeitig war die Zuschauerinteraktion mit den Kleinen eine dankende Ablenkung in einer ansonsten 0815-Wohngegend mit wenigen Highlights.

Noch bevor die erste Hälfte des Marathons endet, weiche ich mal wieder von der offiziellen Strecke ab und stehe unerwartet auf dem hiesigen Friedhof. Man will ja was sehen, schließlich bin ich nicht zum Spaß hier –  ich sag nur Studienreise mit Bildungsauftrag. Viele Erkenntnisse bringt mir der neuerliche Ausflug allerdings nicht, außer dass Grabbepflanzung hier in Paris nicht so der Hit zu sein scheint. Es überwiegt die graue Steinplatte mit ein wenig Grünzeug und Kerzen oben drauf.

Entlang der Uferpromenade der Seine

Bei Kilometer 21.1 steht traditionell das Halbmarathon-Tor (Semi), das natürlich auch Paris der Fall ist, was in mir aber überhaupt keine Begeisterungsstürme auslösen will. Wir sind auf direktem Weg zum Sehenswerten Teil von Paris – das dominante Grün des Boi des Vincennes und das Grau der Wohneggend weicht zunehmend  dem Weiß-grau der sehenswürdigen Bauwerke. Bei Kilometer 24 geht es vorbei an der Ilé des Cité, auf der ja bekanntlich die Kathedrale de Notre-Dame steht, was ich aber wohl gar nicht bekommen hätte, wenn mich nicht das offizielle Schild darauf aufmerksam gemacht hätte. Aber eine wirklich gute Perspektive auf den weltberühmten Sakralbau, der einen Tag nach dem Marathon bedauerlicherweise ja dann auch noch abbrennen sollte, den gibt es von der Marathonstrecke aus eher nicht. Wir laufen jetzt am Quai des Celestins direkt auf der Uferpromenade der Seine entlang, der auf Höhe von Kilometer 25 zur größeren Straße Voie Georges Pompidou wird.

Es folgen unzählige von den kleinen Fußgängerbrücken über die Seine, die mich schon bei der gestrigen Sightseeing-Tour begeistert hatten. Auf der gegenüberliegenden Uferseite befinden sich einige architektonisch beeindruckende Bauwerke. An der Seine entlang gibt es verdammt viel zu gucken, zu bestaunen und zu fotografieren. Mir geht es weiterhin hervorragend – weder der gestrige Sightseeing-Marathon, noch die schlaflose Busfahrt haben bis hier hin irgendwelche negative Auswirkungen auf meine Performance gehabt.

Paris Marathon 2019 Mittelpassage

BILD: Unterwegs beim Marathon de Paris 2019

Mehrmals führt uns die Strecke durch kürzere und längere Straßenunterführungen, unter kleineren Brücken, wo ganz eigene Atmosphären herrschen. Es ist dunkel, die Luft ist stickig, teilweise riecht es nach Urin und der treibende Rhythmus der Trommlergruppen, die zumeist am anderen Ende der Tunnel stehen, reißt mich und meine abschweifenden Gedanken des Öfteren zurück ins Hier und Jetzt. Ein ums andere Mal läuft es mir eiskalt den Rücken runter und ich bekomme Gänsehaut – die Akustik ist treibend und markdurchdringend zugleich.

Dafür dass der Bonn-Marathon gerade einmal 1 Woche zurückliegt und die letzten beiden Tage auch alles andere als erholsam waren, fühlt es sich nach 2/3 der Strecke überraschend gut an. Bei Kilometer 27 auf Höhe des Place de la Concorde rechtsseitig – befindet sich mit dem Musée d´Orsay ein Ungetüm von Gebäude.

Bei Kilometer 29 passieren wir den Eiffelturm – links liegen die Treppen von Tracaredo – von hier aus hätte man definitiv den besten Blick auf den stählernen Koloss gehabt. Ein kurzer Selfiestopp mit Eiffelturm im Rücken ist in jedem Fall noch drin. Drei weitere Kilometer folgen wir noch der Seine in Richtung Nord-West –unmittelbar danach biegen wir rechts in den Bois de Boulogne.

Bei km 30 wird mir per Schild und der anschließende JBL-Promotion-Area in Erinnerung gerufen, dass die 30km-Mauer soeben durchbrochen ist und ich stolz auf mich sein kann, dem Hammermann entkommen zu sein und diesen imaginären Meilenstein unbeschadet erreicht zu haben. Auf den folgenden Kilometern kommt es wie es kommen musste. Ausgelöst von diesen Bildern einer durchbrochenen Mauer und des Mannes mit dem Hammer verdichten sich bei mir die Gedanken über die zunehmende Anstrengung, die sich mir von diesem Zeitpunkt an unaufhörlich immer bewusster in mein Bewusstsein drängen. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich daran keinen Gedanken verschwendet, sondern war fast vollständig vom Trubel-Jubel und den Highlights vom Streckenrand bestmöglich abgelenkt, doch dieser Moment markiert meinen stimmungstechnischen Turnaround.

Zeitgleich drängen sich mir die negativ konnotierten Erinnerungen an die Strecke ins Bewusstsein. Ich weiß auf einmal wieder, dass auf den letzten Kilometern ein Streckenabschnitt folgt, der nicht unbedingt zum interessanten Teil der Paris Marathonstrecke zählt. In unabhängigen Erlebnisberichten hatte ich in dem Zusammenhang sogar von einem Bruch im Streckenverlauf gelesen.

Klar vor allem die Großstädte müssen bei der Streckenwahl einen Kompromiss finden. Sie sind regelrecht dazu gezwungen, Strecken für den Marathon zu finden, die das Verkehrschaos aufgrund der zu sperrenden Straßen nicht explodieren lässt. Deshalb sind viele Entscheidungen, die im Rahmen einer solchen Veranstaltung getroffen werden müssen, auch nicht immer nur im Sinne einer maximal unterhaltsamen Strecke. Die verschiedenen Interessen müssen unter einen Hut gebracht werden. Was argumentativ vom Schreibtisch aus Sinn macht, interessiert mich in dem Moment natürlich überhaupt nicht. Die Stimmung trübt sich, die Gedanken schweifen zunehmend vom Wesentlich ab.

Ausflug ins Grüne Part 2 – Bois de Boulonge

Bei Kilometer 32 verlassen wir die Seine-Uferpromenade und steuern auf den letzten Akt des Paris-Marathons zu. Auf diesem letzten Abschnitt wartet der berüchtigte Bois de Boulogne. Gefühlt nimmt die Frequenz an Musikbands gegen Ende noch einmal deutlich zu, auch wenn ich mich schon zu Beginn des Parkabschnittes vermehrt mit den mittlerweile aufkommenden Gedanken zu beschäftigen hatte, die  ein Weiterlaufen behindern und mich unausweichlich ein ums andere Mal in den Walk-und-Wander-Modus zurückschalten lassen. Zunehmend sehne ich das nahende Ziel herbei, doch es liegen noch gut und gerne 7 Kilometer durch die grüne Hölle vor uns.

Die dominierende Stille in dem für meinen Geschmack zu weitläufigen Teilstück durch den Bois de Boulogne gibt mir zu oft die Gelegenheit, um über emine Befindlichkeit nachzudenken. Dass diese Gelegenheiten zum Grübeln vor allem gegen Ende eines Marathons, wenn die Kräfte schwinden und die Probleme zwangsläufig zunehmen, alles andere motivationsförderlich sind, liegt in der Natur der Sache. Neben dem aufkeimenden Pseudo-Ärger über die Streckenführung und die Tatsache am gestrigen Tag wie ein Wahnsinniger durch die City gehetzt zu sein, wird mir aber auch gleichzeitig immer mehr bewusst, dass in wenigen Kilometern das Erlebnis Paris Marathon schon wieder zu Ende sein wird, weshalb gegen Ende des Laufes auch eine größere Portion Wehmut mitläuft.

Paris Marathon 2019 Finale

BILD: Unterwegs beim Paris Marathon 2019 – auf dem Weg zur Avenue Foch.

Die Landschaft ähnelt sehr stark dem Streckenabschnitt durch den Bois de Vincennes – am Streckenrand wenige bis keine Zuschauer, es gibt viele zartgrüne Bäume und Sträucher, die Strecke verläuft über breite Straßen. Alle 500 Meter versucht eine Band, nach 5-stündiger Dauerspielens auch die noch kommenden zu begeistern. Die Kilometer kleckern sich mehr schlecht als recht irgendwie zusammen. Als ich jegliche Hoffnung auf Architektonische Rettung aufgegeben hatte, dachte ich zunächst ein überdimensioniertes Ufo wäre am Streckenrand gelandet. Es ist der Kilometer 39 hier liegt das futuristische Gebäude der Fondation des  Luis Vuitton – dieses architektonische Etwas scheint von seiner Form und seinem Äußeren her von einem anderen Planeten zu kommen. Doch die Muße, mich mit dem Gebäudeungetüm näher zu befassen, die fehlt mir dann doch.

Auf dem Zielkilometer, der sich dank einer minimalen Steigung so anfühlt als würde ich kurz vor dem Gipfelsturm am Mont Blanc stehen, wartet noch ein letzter kleiner Links-Rechts-Schwenk und danach kann ich in der Ferne den langgezogenen grünen Zielkanal auch schon erblicken. Im Hintergrund zeigt sich der aus der Entfernung etwas witzig wirkende Triumphbogen, den wir heute Morgen vor knapp 4:40 beim Start  hinter uns liegen gelassen haben.

Und dann ist es fast geschafft. Das Schild in der Kurve zeigt es Weiß auf Grün – Noch 500 Meter. Der Zielkanal ist gut besucht und Sonnenbestrahlt. Die Zuschauer schlagen und treten gegen die Banden, was mächtig Lärm erzeugt. Die Übermotivierten setzen zum Zielsprint an – ich dahingegen habe keinerlei Ambitionen, um so kurz vor Feierabend nochmal unnötig sportlich zu werden.  Zudem würden meine Bilder verwackeln – man muss auch mal Prioritäten setzen können. Noch 350 Meter – der Lärm wird nochmals lauter. Der Bodenbelag wechselt von Asphalt zu Teppich und dann ist das Ziel erreicht. BRAVO steht auf dem Torbogen direkt nach dem Zieleinlauf in großen Lettern geschrieben!

Kurz darauf erhalte ich dann meine Medaille, die in diesem Jahr zugegebenermaßen relativ schlicht gehalten ist, aber ok, ich habe mir sagen lassen, dass der gelebte Minimalismus aktuell stark im Trend liegt. Zur Medaille bekomme ich noch einen Poncho, der allerdings in seiner Verpackung bleibt, weil ich mich erst einmal an der Nachzielverpflegung laben musste und deshalb keine Hand frei war. In kürzester Zeit und im Vorbeilaufen hatte ich mir ein Dutzend Orangenspalten einverleibt – herrlich erfrischend-fruchtig und vitaminreich. Ein Teil der freien Radikale war damit abgefangen, ob sich dadurch aber die sich schon angebahnte Erkältung doch noch abwehren ließ, durfte zu dem Zeitpunkt zumindest bezweifelt werden. Zwei Wochen nach dem Marathon wusste ich definitiv, dass die Maßnahmen nicht von Erfolg gekrönt waren.

Ziemlich zeitnah nach dem Finish wurde mir umgehend bitter kalt, was mich noch zügiger zu meiner Tasche drängte. Nachdem die durchgeschwitzten Sachen ausgezogen waren und sich die wärmende Baumwolle an meine Haut schmiegte, war mir ein wenig Zeit gegeben, um kurz inne zu halten und diesen Moment erstmaligen zu genießen. Unfassbar, ich sitze mitten auf der Avenue Foch im Nachzielbereich des Paris Marathons, links und rechts wuseln tausende von Läufern um mich herum, der Triumphbogen steht unmittelbar vor mir und dazu scheint mir die die Sonne ins Gesichts – was ein unvergesslicher Augenblick.



Fazit, Resümee, abschließende Wort:

Mit meiner erreichten Zeit bin ich absolut zufrieden. Fast auf die Sekunde genau die Zeit, die ich einer Woche zuvor beim Bonn Marathons erreicht habe. Allerdings hatte ich heute wesentlich mehr Freude dabei gehabt. Da mir meine Zielzeit aber sowieso zu keinem Zeitpunkt wichtig gewesen ist, hängt der Erfolg des Paris-Marathon-Abenteuers natürlich auch nicht vom erzielten Ergebnis ab. Paris ist in jedem Fall eine wunderbare Stadt, die es Spaß macht, sie aus der Marathonperspektive kennenlernen zu dürfen, dass ich währenddessen knapp 500 Fotos gemacht habe, lässt nur erahnen wie viel Zeit ich mir zum Genießen bei dem Marathon genommen habe.

Offizielle Daten Paris Marathon 2019

Paris GARMIN

Zum Vergrößern ins Bild klicken!

Wenn man dann noch bedenkt, dass ich von Freitag auf Samstag im Bus so gut wie gar nicht geschlafen habe, der Schlafrhythmus von Samstag auf Sonntag auch nicht wirklich gepasst hat, ich darüber hinaus am Vormarathon-Samstag ganz Paris abgelaufen bin, dann sollte ich auch mehr als zufrieden damit sein, dass mich der „Hammermann“ erst bei Kilometer 33 erwischt hat. Bis km 33 abzüglich der Grünphase im Bois de Vincennes ist der Paris-Marathon Genuss pur – danach wurde es im Bois de Boulonge zugegebenermaßen etwas zäher und für meinen Geschmack definitiv zu grün…

Alles in Allem ein super Erlebnis, dass ich genauso jedes Mal wieder wiederholen würde, auch wenn es durch die Begleitumstände zugegebenermaßen etwas anstrengender als sonst gewesen ist. Und selbst die Erfahrung eine Woche nach dem Paris-Wochenende 7 Tage mit grippeähnlichen Symptomen im Bett gelegen haben, ändert nichts an der Meinung über das Erlebnis Paris-Marathon. Trotz dieser anschließenden Woche im Krankenbett hat sich der „Trip en France“ mehr als gelohnt!!! Paris, es war mir eine Ehre !!!



Paris-Serie zum Wochenende des Paris Marathons:

[Teil 0] Im Vorbericht zum Schneider Electric Marathon de Paris erfährst du wie es dazu gekommen und welche Umstände dazu geführt haben, daß es der Marathon durch die französische Hauptstadt wurde.

Titelbild Paris Marathon 2019 red


[Teil 1] Im ersten Teil der Paris-Serie ging es unter anderem um die 10-stündige Busfahrt sowie den anschließenden Besuch des Salon du Runner, wo die Startunterlagen für den Marathon abgeholt werden musste.

4er Messe 66


[Teil 2] Wie ihr in diesem zweiten Beitrag der Paris-Serie ausführlichst lesen konntet, hat sich daran ein ausgedehnter Stadtbummel durch Paris angeschlossen.

Header Sightseeing Paris


[Teil 3] Im dritten Teil dieser kleinen Paris-Serie werde ich Euch vom Marathon-Morgen berichten, dessen Verschriftlichung voraussichtlich in den nächsten Tagen in einem weiteren Beitrag des Paris-Erlebnisberichtes veröffentlicht werden wird.

Vorstart-Header COLLAGE small


[Teil 4] Der vierte Beitrag wird mit dem Marathon durch die französische Hauptstadt die Paris-Serie zum Wochenende des Schneider-Electric Marathon des PARIS 2019 abschließen.

Paris Marathon 2019 Header


[Teil 5] Hier findest du die bewährte kriteriengeleitete Bewertung des 43. Schneider Electric Marathon de Paris 2019 aus der Rubrik Kurz, Knapp & Bündig.

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[Teil 6] Hier findest du die BEWEGTEN BILDER MIT MUSIK.

YT_Thumnailes Paris Marathon 2019


in dem Sinne keep on RUNNING & ROCk ’n‘ ROLL

& Au revoir Paris – es war mir eine Ehre !!!

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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14 Antworten zu Schneider-Electric Marathon de PARIS 2019 – ein erlebnisreiches & überaus hartes Wochenende mit dem Höhepunkt des 42k-Sightseeing-Laufes durch die Stadt der Liebe & des Lichtes [Teil 4/4]

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