Schnappschuss des Tages: Eine Ästlingsschar der Schwanzmeisen erkundet die umliegende Botanik – Sieben auf einen Streich …

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Nichts ahnend laufe ich gestern Nachmittag durch die Natur, um mich mit Brombeer-Gehölz für die geplante Dosenmodul-Erweiterung meines Bienenhotels einzudecken. Die ersten verholzten Stängel mit ansprechendem Durchmesser sind schnell gefunden, entdornt und im Rucksack verschwunden. Als zwanzig Meter vor mir in einem Gebüsch ein für mich auf den ersten Blick undefinierbares, aber sich deutlich bewegendes Etwas meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Mein erster Gedanke war zunächst, dass es sich dabei vielleicht um ein sich vergnügendes Taubenpaar oder dergleichen handeln würde, weil es von der Farbe und den Größenverhältnissen hingekommen wäre, was zugegebenermaßen nicht wirklich aufregend gewesen wäre. Doch bei näherer Betrachtung war die Begeisterung darüber, was sich da vor mir im Gebüsch bewegt hatte, umso größer. Und ich glaube, ich liege richtig mit der Annahme, dass einem ein solcher Anblick nicht alle Tage geboten wird, aber guckt selbst.                                          [721 more words]

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Auf einem Ast saßen in einer Reihe sieben noch recht flauschige Federknäule, die sich eng aneinanderschmiegten. Vermutlich um sich gegenseitig zu wärmen, aber sicherlich auch um für potentielle Fressfeinde größer zu wirken. Die relativ flauschig-frisch aussehenden Jungvögel mit ihren rotumrandeten Augen, die sie nur zwischendurch mal öffneten, waren für mich vom äußeren Erscheinungsbild nicht sofort bestimmbar. Aber der Anblick faszinierte mich sofort. Erst nachdem einer der Altvögel mit Futter im Schnabel zur Fütterung vorbeigeflogen kam, wusste ich, dass es sich bei den Piepmatzen um sogenannte Ästlinge der Schwanzmeisen (Aegithalos caudatus) gehandelt hat.

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Meine Recherche ergab, dass die Schwanzmeise nicht, wie es wohlmöglich ihr Name auf dem ersten Blick vermuten lässt, enger mit Kohl- (Parus major) und Blaumeise (Cyanistes caeruleus) verwandt ist. Diese beiden Vogelarten gehören zur Familie der Paridae, während die Schwanzmeise zur Familie der Aegithalidae zu zählen ist. Ich gebe zu, Wissen dass wenn überhaupt noch den ornithologischen Experten interessiert oder Euch auf dem Stuhl bei Günter der Millionen ganz nahe bringt.

Das markante Erkennungsmerkmal der Schwanzmeise leitet sich dann aber doch von ihrem Namen ab und bemisst sich bei einer durchschnittlichen Gesamtkörperlänge von 14 cm auf stolze 9 cm. Der Vogel besteht so gesehen fast nur aus Schwanz, wobei dieser nicht nur Blendwerk ist, sondern bei der Futterbeschaffung eine wichtige Funktion erfüllt. Er kommt als Balancierhilfe zum Einsatz, wenn der Vogel in den Geästen nach Insekten sucht. Die Schwanzmeise hat einen ausgewogenen Ernährungsplan, neben Insekten wie Raupen, Blattläusen und Mücken gehören auch die zarten  Knospen der äußersten Zweigspitzen von frischaustreibenden Bäumen und Sträuchern zu ihrem Nahrungsspektrum. Letztendlich erfüllt der Meisenschwanz der Schwanzmeise (kleines Wortspiel-Challenge zum Ende, sagt es 10x und ihr habt einen Knoten in Zunge ;-)) also eine der Tarierstange eines Hochseilartisten vergleichbare Funktion.

Die Beobachtung alleine wäre ja schon einmalig gewesen und man hätte zu tiefst zufrieden sein können, doch zufrieden ist man ja in den seltensten Fällen. Also dachte ich mir umgehend, dass ein paar Fotos von diesem einzigartigen Moment zu haben,  noch viel großartiger wäre. Glücklicherweise hatte ich vorsorglich eine Cam  in den Rucksack gepackt. Allerdings lag der Rucksack ein paar Meter von der Beobachtungsstelle entfernt, zwischendeponiert am Boden, um mehr Bewegungsfreiheit bei der Brombeergehölzernte zu haben. Also musste ich erst ganz langsam in Richtung Rucksack zurück und dabei hoffen, dass die Vogelschar bei meiner Rückkehr noch immer da sitzt und glücklicherweise sollte es so dann auch kommen.

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Da mein Standort zum Fotografieren zunächst nicht ideal war, weil mir teilweise die Sicht von Ästen verdeckt war, musste ich versuchen mich behutsam zu nähern und einen optimaleren Winkel zum Geschehen zu finden, was aufgrund der Vegetation nur bedingt zu realisieren war, da die dortige Lokalität massiv mit dornigen Brombeeren zu gewuchert ist. Am Ende stand ich trotzdem mitten in den Dornen und musste zugegebenermaßen etwas leiden, aber das war es mir in jedem Fall wert.

Mein Nähern blieb bei der Schwanzmeisenfamilie nicht unbemerkt. Es löste vor allem bei den Altvögeln umgehend hektisch-schrille Pieplaute aus, um die Kleinen zu warnen, die sodann noch enger zusammenrutschen und die Augen schlossen. Nachdem sie sich allerdings an mich nach kurzer Zeit gewöhnt und bemerkt hatten, dass von mir eigentlich keine größere Gefahr ausgeht, weil ich mich nach dem Elternprotest auch nicht weiter näherte, verweilte die komplette Ästling-Mannschaft weiter auf ihrem Ast sitzend. Im Folgenden wurde das Gepiepe nur noch dann immer lauter und das Geschehen von Hektik geprägt, wenn ein Altvögel mit der nächsten Portion Nahrung zur Fütterung vorbeikam.

Rufend

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Nachdem einige Fotos geschossen waren, widmete ich mich dann aber auch wieder meinem eigentlichen Vorhaben der Brombeerholzsuche und verzichtete darauf, die Schwanzmeisenfamilie bei ihrem Tagegeschäft weiter zu stören. Aber was das für ein herzzerreißender Anblick war, sieben kleine Federknäule auf engstem Raum auf einmal unmittelbar vor mir erleben zu dürfen und dann auch noch den Fotoapparat mehr oder weniger griffbereit dabei zu haben – ein für mich in jedem Fall einzigartiger Moment. Dieses Erlebnis motiviert dahingehend, in Zukunft noch aufmerksamer die Umgebung zu sondieren. Danke, dass ich das live und in Farbe miterleben durfte…


In dem Sinne – keep on Running, Rock n‘ Roll & immer dran denken mit offenen Augen sieht man mehr!!!


Quelle:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stunde-der-gartenvoegel/vogelportraets/03730.html


 

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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23 Antworten zu Schnappschuss des Tages: Eine Ästlingsschar der Schwanzmeisen erkundet die umliegende Botanik – Sieben auf einen Streich …

  1. BrigitteE Bremen schreibt:

    Entzückend und etwas ganz besonderes 😊

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    • SohlenRocker schreibt:

      Ich war und bin immer noch total begeistert! Vor allem wie flauschig sie da in Reih und Glied auf dem Stock sitzen und dazu dann noch diese roten Augenringe. Ein in jedem Fall dankbares Erlebnis, was ich live miterleben durfte. Danke für Deinen Kommentar & VG Christian

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      • BrigitteE Bremen schreibt:

        Das kann ich so gut verstehen. 😀
        Mir saßen mal kleine Beutelmeisen gegenüber und ich war hin und weg wie du 😊

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      • SohlenRocker schreibt:

        Ich muss gestehen ornithologisch eigentlich so gar nicht bewandert zu sein. Selbst bei den bei uns relativ häufig vorkommenden Arten bekomme ich gerade so die Namen hin, aber Beutelmeisen habe ich wohl noch nie zu Gesicht bekommen. Aber bei einer Ansammlung von mehreren flauschigen Jungvögelknäulen egal von welcher Art, muss man einfach fasziniert sein. Vor allem würde mich interessieren, wie die Altvögel einer solchen Anzahl Füttertechnisch gerecht werden?! Naja die Natur wird sie schon mit den Eigeschaften ausgestattet haben, um die Anforderungen zu erfüllen?! Naja, viele Grüsse Christian

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  2. Pingback: Schnappschuss des Tages: Eine Ästlingsschar der Schwanzmeisen erkundet die umliegende Botanik – Sieben auf einen Streich … | sohlenrocker – worldtraveller70

  3. Ruhrköpfe schreibt:

    oh, wie schön! Hier treibt sich wohl auch eine herum und ich hoffe, sie war nicht nur auf der Durchreise 😀

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    • SohlenRocker schreibt:

      Meine Begeisterung war auch riesig! Allerdings erst nachdem ich erkannt hatte, was es überhaupt genau war. Vielleicht sind sie ja bis nach Herne durchgeflogen, sodass ich sie sehen durfte?! Aber wohl eher nicht, ich drücke Dir jeden Falls die Daumen, dass Du sie vlt. die nächsten Tage nochmal zu Gesicht bekommst. – VG Christian

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      • Ruhrköpfe schreibt:

        danke dir und ich hoffe, du begegnest ihnen auch bald wieder 🙂 Liebe Grüße, Annette

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      • SohlenRocker schreibt:

        Besten Dank, wobei bei jedem weiteren Mal, die Magie des ersten Mals verflogen sein wird, nichtsdestweniger trotz würde mich natürlich drüber freuen, doch das Risiko mit einer Erwartungshaltung an die Beobachtungsstelle zurückzukehren und dann enttäuscht zu werden, weil ich sie nicht antreffe, ist mir wohl doch zu real. Ich denke, ich lasse es eher und bin dankbar, es erlebt zu haben. Die Magie an dem Erlebnis war, neben der großen Anzahl der Federknäüule vor allem, das es unerwartet und überraschend kam!? LG Christian

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      • Ruhrköpfe schreibt:

        yep, nachvollziehbar – Natur, sie geht ihren eigenen Weg 🙂 Schönen Sonntag und liebe Grüße, Annette

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  4. Linsenfutter schreibt:

    Eine Super Aufnahme. Eine Schwanzmeisen Kinderstube zu fotografieren ist sehr selten. Glückwunsch.
    LG Jürgen

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    • SohlenRocker schreibt:

      Ich habe mich auch tierisch gefreut – mein Herzschlag sprang direkt auf 160 als ich erkannt hatte, was das überhaupt war, weil ich das zu Beginn erst gar nicht erkannt hatte. Glücklicherweise hatte ich genug Zeit, um ausreichend Bilder zu machen, sodass ein paar brauchbare dabei waren. Ach ja die Natur ist schon was ganz feines. Vg Christian

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      • Linsenfutter schreibt:

        Ich habe auch schon viele schöne Vogelbilder gemacht, aber das Glück hatte ich noch nie.
        LG Jürgen

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      • SohlenRocker schreibt:

        Vermutlich bedarf ein solcher Anblick eine Extraportion an Anfängerglück, um zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein zu dürfen. Ich hatte Ähnliches mal bei Blaumeisen im Garten beobachtet, bei denen waren die Jungvögel allerdings komplett auf verschiedenen Bäumen verteilt. Inwieweit das enge beisammen hocken artspezifisch nur auf die Schwanzmeisen zutrifft, weiß ich nicht. Vlt war es auch nur der ideal Zeitpunkt, dass sie kurz zuvor erst das Nest verlassen haben bzw. verlassen mussten, weil im direkten Umfeld auch am Tag zuvor ein Baum umgekippt ist. Ich erklär mir mein Glück mit dem Dank der Natur, da ich je mit guter Absicht losgezogen, um Brombeergehölz für mein Bienenhotel zu besorgen – Karma… 😉 Viele Grüße & noch mehr Glück bei Deinen nächsten „Expeditionen“ Christian

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  5. Richard schreibt:

    Glückwunsch! Ich hätte die Fotos in so einer Situation vor Aufregung sicher versemmelt.

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    • SohlenRocker schreibt:

      Vielen Dank! Wenn sie die Flucht ergriffen und ich weniger Zeit gehabt hätte, dann wäre mir das sicherlich auch passiert, vor allem weil ich erst gar nicht gecheckt habe, was das überhaupt war. Erst nachdem ich mich genähert hatte, konnte ich erkennen, dass es sich um eine ganze Jungvogelschar gehandelt hat. Aber ich muss sagen, die waren recht genügsam, wahrscheinlich hätte ich noch die ganze Speicherkarte vollknipsen können, aber man will ja auch nicht zu aufdringlich sein und die unnötig viel stressen. VG Christian

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  6. my-schreib.blog schreibt:

    Die diskutieren bestimmt den ganzen Tag, wer als nächstes in die Mitte darf

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    • SohlenRocker schreibt:

      Da war auf jeden Fall die ganze Zeit über ein reges Plätzetauschen angesagt. Aber klar, in der Mitte ist es schön warm und kuschlig – gestern war es recht frisch. Vielleicht haben sie sich auch einfach nur gedacht, guckt Euch den Depp an, der sich da freiwillig ins Dornengestrüpp stellt?! Naja das war’s mir aber allemale wert. Viele Grüße

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  7. miberl schreibt:

    Na, das ist doch mal Leben pur. Schöner „Schuss“.

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    • SohlenRocker schreibt:

      Besten Dank, ich bin auch noch immer entzückt. Und was die genaue Anzahl betrifft muss ich mich korrigieren, bei erneuter Durchsicht der Fotos zeigte sich nämlich, dass es insgesamt sogar 8 kleine Knäule gewesen sind – leider sind viele Bilder aufgrund der Dynamik und der teilweise verdecken Sicht nicht optimal, aber ok, so sind dann eben die natürlich Gegegebnheite, die muss man nehmen, wie sie einem geboten werden. Viele Grüße Christian

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