My Advent Calendar New York City Marathon 2017 *limitierte spezial Edition* 26.2 Meilen bis ins Ziel und heute ist Heiligabend: Türchen [~26~]

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Über langgezogene Kurven schlängelt sich der Kurs durch den Central Park, von der Strecke her wird es schon ab Meile 24 etwas wellig. Obwohl wir schon am Freitagmorgen genau diesen Streckenabschnitt beim Frühstückslauf gelaufen sind, scheint um mich herum doch alles unbekannt zu sein. So etwas wie räumliche Orientierung fehlt mir komplett, was mit unter anderem auch damit zusammenhängt, dass die Spitzen der Hochhäuser, die manchmal schemenhaft durch die Parkbäume zu erkennen sind, ab einer bestimmten Gebäudehöhe vom Nebel umhüllt sind – annähernd Vergleichbares hatte ich zuvor nur bei Berggipfeln im Hochgebirge erlebt. Wo ich mich aktuell befinde und wo ich hin muss, ergibt sich mir nicht – zu dieser Ungewissheit gesellt sich die diffuse Kilometer-Meilen-Umrechnerei, die mich gegen Ende mehr als einmal in die gedankliche Sackgasse führt. Also was ich sagen will – auf den letzten Metern wird es kognitiv auch aufgrund der fast zu vielen zu verarbeitenden Reize grenzwertig und anstrengend…

Meile 26 beginnt ungefähr auf der Höhe vom Central Park Zoo, der sich in unmittelbarer Nähe zur Central-Park-Traverse an der 65th Street befindet. Wir laufen weiter auf dem East Drive, der uns in südliche Richtung zum südöstlichen Ende des Central Parks führt, an dem der Grand Army Plaza auf uns wartet. Im Park führt die Strecke auch an der bogenförmigen Gapstow Bridge aus dem Jahre 1886 vorbei, einer aus Manhattan-Schiefer bestehenden Fußgängerbrücke, die die beiden Uferseiten des Gewässers mit dem Namen „The Pond“ miteinander verbindet…

Neben dem weltberühmten Luxushotel „The Plaza“ befindet sich am Grand Army Plaza auch das goldene William Tecumseh Sherman Monument, das zu Ehren eines Nordstaaten-Generals aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg errichtet wurde. Allerdings muss ich mir eingestehen, dass ich mich im Nachhinein nicht daran erinnere, dass ich dort überhaupt vorbeigelaufen bin, was aufgrund der Größe des Monuments fast schon erschreckend erscheint. Aber selbst das markante Gebäude des Plaza-Hotels findet weder den Weg auf die Speicherkarte meiner Cam noch auf meine interne Festplatte – vermutlich war der Übergang vom Grünen auf die 59th so reizintensiv, dass einige Details zum Schutz vor Reizüberflutung herausgefiltert werden mussten…

Foto-Collage von Meile 26 beim New York City Marathon 2017
Foto-Collage von Meile 26 beim New York City Marathon 2017

Wie es scheint, sind mittlerweile 110% meiner noch verfügbaren Aufmerksamkeits-kapazität  auf mich gerichtet, das was links und rechts passiert, kann ich mir zwar dank einiger Fotos zu Hause am Rechner noch mal vergegenwärtigen, aber das Erinnern an den Augenblick der Aufnahme ist nicht mehr uneingeschränkt möglich. Teilweise bin ich selbst davon überrascht, was ich alles hätte sehen können, wenn ich nur bewusst nach den Dingen geguckt hätte, andererseits wundert es mich, was ich alles trotzdem fotografiert habe, obwohl ich es in dem Moment gar nicht bewusst wahrgenommen habe…

Vom Grand Army Plaza ist es rund eine halbe Meile entlang der Parkgrenze bis zum Columbus-Circle, der die andere Ecke des Central Parks South bildet. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Plaza-Hotel befinden sich unter anderem das Ritz-Carlton Hotel, das Hyatt Hotel, das Trump Parc Condominium und vermutlich noch ein Dutzend weitere Nobelabsteigen und Luxusapartment-Tower, die aufgrund ihrer exquisiten Lage in direkter Nachbarschaft zum Central Park zu den teuersten Herbergen Manhattans und damit sicherlich auch der Welt zu zählen sind…

So kurz vor dem Ende des Marathons sind die Streckenränder wieder gesäumt von Zuschauern, auch wenn die Verhältnisse, wie sie in Brooklyn auf der Lafayette Avenue oder zu Beginn der First Avenue nach der Queensboro Bridge geherrscht haben, nicht annähernd wieder erreicht werden – aber ich bin mir eigentlich auch dahingehend sicher, dass diese Ausmaße an stimmungstechnischer Eskalation auch bei zukünftigen Marathons unerreicht bleiben werden.

Kurz nach dem 800-to-go-Schild sitzen Fotografen auf Hochsitzen, die so kurz vor dem Ziel noch ein paar Fotos sammeln, um sie dem zukünftigen NYCM-Finisher als super Souvenir zu unverschämten Preise anzubieten und die Chance, dass die über 20.000 ausländischen Starter bei der Einmaligkeit des Ereignisses über den Preis hinwegsehen, aber über 29$ für ein Foto, wo ich mittelprächtig drauf gucke?! Für die gesparten Taler melde ich mich lieber für den nächsten Marathon an als sie für digitale Finisherfotos  zu verschwenden, die dann doch nur bei den knapp 600 anderen Bildern auf der Festplatte schlummern…

Sobald man auf die W59th Street am South Central Park eingebogen ist – läuft man im Grunde die ganze Zeit auf den Columbus Circle zu, wobei in etwa auf halbem Weg die weiße Säule mit der Figur in der Mitte des Kreisverkehrs in der Ferne zu erkennen ist. Allerdings fühlen sich die letzten Meter an als würde ich von einem Autopiloten fremdgesteuert werden –  wie in Trance geht es vorbei an der Zuschauertribüne und der Globe Sculpture. Die Strecke führt uns zwischen der aufgebauten Bühne und dem USS Maine Monument-Brunnen hindurch auf den West Drive, wo auch alsbald der 26er-Marker auftauchen sollte. Die aufgestellten Fahnen der teilnehmenden Nationen am Streckenrand sind ein sicheres Indiz dafür, dass der Zielkanal erreicht ist, gleich ist es vorbei, gleich ist es geschafft – die letzten 385 Yards warten noch – tausende Gedanken und Bilder der zurückliegenden 10 Stunden und der vergangen Tage in NY schießen einem durch den Kopf – jetzt heisst es Trikot richten und fertig machen zum Jubeln…

im Türchen Nr. 26+ wartet Morgen mit Meile 26+


Kalender waagerecht

in dem Sinne Rock ‚N‘ Roll & eine besinnlich frohe Weihnacht…

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Über SohlenRocker

Irgendwas zwischen laufverrücktem Kilometerfresser & multibewegtem Blogger - die Familienpackung Laufschuhe geht pro Jahr drauf?! Ansonsten naturverbunden, outdoorbesessen, wissbegierig, sozialverträglich & irgendwie auch ewiger SocialMedia-Neu-Entdecker...
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